Kommentare und Diskussionen zu diesem Text

Kommentar von wupperzeit (03.12.2006)
 Dieser Text ist berührend, er ist erschreckend zugleich, und obwohl ein scheinbar alltäglicher Abend geschildert wird: banale Themen werden besprochen mit tödlicher Ernsthaftigkeit, banale Dinge werden getan mit schrecklicher Sturheit, und dann der Höhepunkt am Schluss. Die geschilderten Dinge verstärken immer mehr die Einsamkeit der Protagonistin, es scheint alles nur zu geschehen, um diese Einsamkeit zu schildern und verzweifelt zu verstehen und damit erträglich zu machen für einen Moment: aber der Leser bleibt ungetröstet zurück, so wie die Protagonisten, gefangen in ihrem selbstauferlegten Schmerz: ein beeindruckender Text, im wahrsten Sinne des Wortes, und darüber hinaus, Andreas
tausendschön meinte dazu am 03.12.2006:
danke dir, lieber andreas, daß du dich mit meinem text auseinandergesetzt hast. ich danke dir auch fürs verstehen, nur eins noch: schmerz wird doch immer selbstauferlegt, zum glück, wie ich finde, denn das ist wichtig fürs verstehen. aber viel schwieriger ist es mit der selbstauferlegten schuld, was meinst du?
wupperzeit antwortete darauf am 03.12.2006:
Selbstauferlegte Schuld… Schuld, Sühne und Verzeihen dienen doch auch immer zur Stabilisierung einer Macht, die anders nicht begründet werden kann, das ist im allgemeinen, im metaphorischen Sinne sogar so wie im eher kleinen gesellschaftlichen. Mitmenschlichen, wenn Du so willst. Die Christen glauben an einen Gott, der seine Allmacht daraus bezieht, uns Menschen die so genannten Sünden vergeben zu dürfen und uns damit vom Tode zu erlösen, wobei dieser Gott selbst ohne Sünde ist, und wie Nietzsche anmerkte: die Christen haben ihrem Gott das Schlimmste angetan, was man einem Wesen antun kann: er darf nicht sündigen, - aber das nur nebenbei. Unseren Mitmenschen gegenüber fühlen wir uns schuldig, weil wir sie nicht genügend beachten, schätzen oder sogar lieben, diese Schuld ist besonders schwer zu ertragen, wenn es sich um Menschen handelt, denen gegenüber diese Gefühle als natürlich vorausgesetzt werden, beispielsweise gegenüber seiner Familie. Es ist aber für ein Kind, für einen Heranwachsenden besonders schwierig, sich hier nicht schuldig zu machen, denn diese Gefühle werden oft gleichgesetzt mit dem Akzeptieren der herrschenden Strukturen, in die der Mensch hineingeboren wird, oft planen Eltern die Zukunft und das Leben ihrer Kinder vor der Geburt bis zum zu erwartenden Rentenbetrag hinaus. Es geschieht oft aus Enttäuschung, oft aus gutem Willen, aber für ein Ablehnen dieser Strukturen wird dem Kind, dann dem Heranwachsenden, später vielleicht sogar dem Erwachsenen, die Schuld gegeben, eine also aufgezwungenen Schuld, nicht dem falschen Plan, und aus dieser Schuld erfolgt die Bestrafung des Liebesentzuges. Besonders perfide dabei: es wird nicht bei dieser Schuld belassen, oft wird das Aufbegehren gegen die genannten Gesetze auf das eigene Leben ausgeweitet: Du bist schuld an meinem Unglück. Eine riesige Verantwortung, für sein eigenes Leben und das des Anderen, aus dieser Verantwortung folgt die Angst, ich habe diese Angst auch aus Deinem Text gelesen. Es ist fast unmöglich sich von diesen Gefühlen zu befreien, ich wünsche jedem, der darunter leidet, allen Erfolg und alles Glück der Welt, ein Erkennen der Zusammenhänge bietet aber eine Erleichterung.
Es gibt keine selbstauferlegte Schuld, so meine Meinung, und einen der gesündesten Gedanken im Umgang mit den Mitmenschen hat Brecht formuliert:
„Ihr aber, ich bitte Euch, wollt nicht in Zorn verfallen,
denn alle Kreatur braucht Hilf`von allen“,
zitiert aus einem Gedicht über eine Mutter, die ihre Kinder tötete, weil sie sie nicht ernähren konnte, und die deshalb als Kindermörderin hingerichtet wurde.
(Antwort korrigiert am 03.12.2006)
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Kommentar von neinneigung (12.04.2008)
 Dieser Text ist mir einer der liebsten. Ich habe ihn eben gerade wahrscheinlich zum zehnten mal gelesen und mich jetzt erst dazu entscheiden können einen Kommentar abzugeben.
Ja, ich finde ihn auch schwierig. Aber vornehmlich macht er mich traurig. Für mich ist er Verlust. Er berichtet von einer Begegnung von Menschen, die sich wahrlich nichts mehr zu sagen haben, es aber trotzdem versuchen. Ich glaube aber auch, dass ich ihn nicht verstehen kann. Teile davon sind mir sehr bekannt, ich kenne die Rollen, kenne die Gesichter. Aber was - zum Beispiel - ist die "zitternde Hand", die Pierre vermutlich auch gesehen haben soll?
Auch das Ende ist für mich Sturz, plötzlich wird alles aufgesogen, diese Spannung, die so empfindlich und untergründig aufgebaut worden ist, absorbiert plötzlich alles. Ohne Rücksicht auf meine Bilder. Nach dem letzten Buchstaben und dem darauffolgenden Punkt komme ich mir plötzlich unsäglich alleine vor.
Wie ein Traum endigt alles an der Stelle, an der man kurz davor ist auf den Harten Asphalt aufzuschlagen. Aber es gibt keine Erlösung darin...
Lieben Gruß
Julius
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Kommentar von Grufti.Ente (27.07.2008)
 Ich war total berührt, als du diesen Text gelesen hast.
Trotz des Stockens, es passte immer. Deine Stimme ist großartig für Texte wie diesen,
Und dieser Text ist großartig.
Liebe Grüße,
Jan.
JeanDark meinte dazu am 27.07.2008:
Ja, dem schließe ich mich an. Du hast eine leise, bedächtige Stimme und die passt so perfekt zu diesem Text. Das war unheimlich berührend, wir waren still wie Gräber.
Auch von mir liebe Grüße, Gina
Unbegabt antwortete darauf am 27.07.2008:
ja. ja! JAAAAAAAAAA!
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Kommentar von neinneigung (08.07.2009)
 hat das irgendeinen grund, dass es im hörtext du bist nicht mein bruder und nicht schwester lautet?
tausendschön meinte dazu am 08.07.2009:
wüßte ich auch gerne.
herr wupperzeit nennt es "künstlerische freiheit".
in den text paßt es aus autorensicht genausogut hinein wie die eigentliche variante, vielleicht sogar noch besser. ich find es ziemlich genial.
MagunSimurgh antwortete darauf am 08.07.2009:
Ähm, ich fand es bissl komisch, mit inbrünstiger Männerstimme ins Mikro zu brüllen "du bist nicht meine Schwester", war der Rest der Geschichte auch aus der Ich-Perspektive.
Kann das aber auf Wunsch noch ändern, stellt kein größeres Problem dar. :)
Liebe Grüße.
Melancholic. äußerte darauf am 02.09.2009:
Ich muss grinsen. (;
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