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Er vermisst das Leben

Kurzgeschichte zum Thema Allzu Menschliches
von hier klicken Grufti.Ente.

Jemand steht auf der Brücke, sagt sie. Er schaut ins Wasser.
Wir haben gerade die Brücke überquert und ich sehe niemanden. Und ein Löwe ist da, sagt sie.
Ich schüttle den Kopf.
Doch, sagt sie, ich bin mir sicher.
Ein Löwe, sage ich. Was soll ein Löwe hier in diesen Breitengraden?
Sie zuckt mit den Schultern, ich weiß nicht, sagt sie. Aber er ist da.
Ich will mich umdrehen und gehen, weil es mir zu absurd ist, ihrer Fantasie zuzuhören.
Bitte, sagt sie, schau noch einmal hin.
Und ich tu ihr den Gefallen und schau noch einmal hin und mit einem Mal sehe ich den Mann und den Löwen. Man sieht sie, wenn man die Augen ganz leicht zukneift.
Siehst du sie jetzt? fragt sie.
Ich nicke.
Und, was denkst du?
Ich denke, er hat Heimweh. erwidere ich
Warum Heimweh? fragt sie.
Er hat Flügel. sag ich. Ein Engel, der nicht im Himmel ist, muss Heimweh haben, oder?
Und der Löwe? fragt sie.
Vielleicht soll der aufpassen, dass er nicht zurückgeht.
Aber warum?
Das weiß ich auch nicht, vielleicht hat er gesündigt oder so. Ich bin doch kein Engel.
Nein, das stimmt. Aber warum starrt er dann so ins Wasser? Sie versucht zu lachen.
Wolken sind doch auch aus Wasser. Vielleicht erinnert ihn das an zu Hause, erwäge ich.
Sie zuckt mit den Schultern, kann sein, sagt sie.
Ja, sage ich, und ich glaube, er sehnt sich nach dem Leben.
Wie kommst du darauf?
Engel leben doch nicht richtig, von daher, kann doch sein, oder? ich glaub, er vermisst es und der Löwe soll ihn bewachen oder so.
Möglich, sagt sie, ich denke, wir sollten die Sache auf sich beruhen lassen, ich brauch noch ein paar Schuhe. Kommst du?
Ich werfe noch einen Blick zum Engel zurück, zum Löwen, die langsam verschwinden, weil die Sonne untergeht.
Dann zucke ich die Schultern und laufe ihr hinterher. Sie braucht noch ein paar Schuhe.

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Kommentare und Diskussionen zu diesem Text

wupperzeit Kommentar von hier klicken wupperzeit (18.02.2008)    diesen Kommentar melden
Ganz herzlichen Dank für Deine Beteiligung an unserem kleinen Projekt, ich halte diesen Beitrag auch für ausgesprochen gelungen. Fantasievoll…Ich habe nach dem Lesen überlegt: Was würde ich sagen, in einer solchen Situation, Engel steht auf einer Brücke, also: Mann mit Flügeln, mit Rockschößen, die wie Flügel aussehen, und davor liegt ein Löwe, - vielleicht auch: Ich brauche noch Schuhe, was soll`s, über Dinge nachzugrübeln, die es nicht gibt, wahrscheinlich nicht gibt, nicht geben sollte…Noch einmal: Ganz herzlichen Dank, Andreas
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Bergmann Kommentar von hier klicken Bergmann (23.02.2008)    diesen Kommentar melden
Gefällt mir gut, vor allem der erste Teil und dann wieder letzte. Aber die Aufgabe des Löwen finde ich nicht überzeugend...
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zum Zwecke des Urheberschutzes registriert bei der VG Wort
  
Grufti.Ente
Veröffentlicht am 18.02.2008. Dieser Text wurde bereits 868 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.02.2012.
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