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Am Rande der Fahnenflucht

Kurzprosa
von hier klicken tausendschön.

Auf der Brücke fange ich an zu schwanken. Sonst tobt hier Wind, daß ich einen Grund habe, mich mit meinem großen Zeh am Bordstein festzuklammern und mit dem Haar im Zopf. Nicht heute. Die letzten Meter rutsche ich hinab. Auf der anderen Seite sind die Straßen weit. Altstadt (in der aus kleinen Räumen nackte Stimmen auf die Straße sich verflüchtigen, um dort auf das staubige Pflaster der engen Gassen zu sinken), warum starrst Du so auf meinen Hinterkopf, er ist verwechselbar und hat Dich bald vergessen. Ich lache aus: Eine Ratte verläßt das sinkende Schiff, das sie selbst ins Windloch gesteuert hat. Und hinter mir bekämpft die Stadt mit unzähligen Laternen die Nacht. Später liegt an ihrer statt ein fliegender Teppich aus Licht: Fiele ich rückwärts, finge er mich auf. Dennoch riskiere ich nichts.
Als es schließlich tagt, sind die Lichter abhanden gekommen, und vor mir steht die Öde. Der Hunger nagt schon wieder Löcher in die Erinnerung, und ich habe doch keinen Samen zu säen.

URL dieses Textes: hier klicken www.keinVerlag.de/195303.text

Kommentare und Diskussionen zu diesem Text

wupperzeit Kommentar von hier klicken wupperzeit (11.03.2008)    diesen Kommentar melden
Du hast es also geschafft, mich unsicher zu machen: Bleibt nun „pierre“ mein Lieblingstext von Dir, oder wird es dieser werden, ich entscheide das einmal nicht, indem ich mich für beide entscheide.

Kurzprosa, wie ich sie mag: Alles ist gesagt, mit den einzigen Mitteln, und diese wurden gewählt um das Thema zu gestalten, und so ist der Text alles: Verzweifelt, sarkastisch, der Leser wird nicht geschont und seine Fantasie gefordert und gefördert, es wird ihm alles vorgegeben und so alles überlassen für ihn selbst, - ganz großartige Prosa, Andreas
(Kommentar korrigiert am 11.03.2008)

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Symphonie Kommentar von hier klicken Symphonie (18.03.2008)    diesen Kommentar melden
ich kann mich da nur wupperzeit anschließen - Respekt, tiefe Gedanken, welche die Wahrheit zeigen so nackt und grausam, wie sie nun mal ist ... DANKE sagt Sym
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Melancholic. Kommentar von hier klicken Melancholic. (25.08.2009)    diesen Kommentar melden
Der Hunger nagt schon wieder Löcher in die Erinnerung, und ich habe doch keinen Samen zu säen.

Das tut weh und beruehrt mich sehr. Ich bin ein wenig sauer auf mich selbst, dass ich diese Kurzprosa jetzt erst von dir gelesen habe, aber definitiv nicht zum letzten Mal.
Traenende Grueße, Mela.

hier klicken tausendschön meinte dazu am 25.08.2009: danke schön. dafür schreibe ich: um jemanden wie dich zu berühren.
deshalb habe ich mich ganz besonders über deinen kommentar gefreut.

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managarm Kommentar von hier klicken managarm (03.08.2010)    diesen Kommentar melden
"sind die Lichter abhanden gekommen"

Tiefenwirksame Bildmalerei, faszinierend und verstörend.
Man kann es nicht oft genug lesen.
Mein Text des Monats!
Frank

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Veröffentlicht am 08.03.2008, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 08.03.2008). Dieser Text wurde bereits 2195 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 29.01.2012.
Lieblingstext von:
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Leserwertung
· düster (1)
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