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just.a.girl.| Wage jetzt nicht zu sagen, dass es dir Leid tut. Sei zumindest jetzt einmal ehrlich, zumindest hier. Ich weiß ganz genau, dass du das so wollest, du hast immer nur das getan, was du wolltest Warum solltest es ausgerechnet dieses Mal anders gewesen sein? Und schließlich haben wir ja oft genug darüber geredet. Wie oft lagen wir auf dem Bett und haben die Punkte an der Decke gezählt, während dieses schaurige Stück im Hintergrund gespielt hat, was ich nie ausstehen konnte. Du meintest immer, du könnest bei jedem Ton die traurige Sehnsucht spüren, die in diesem Stück steckte. Um das zu spüren brauchte ich nie irgendwelche Musik. Ein Blick in deine graugrünen gesprenkelten Augen genügte. Ich wusste, dass du irgendwas suchst, was dir keiner geben konnte. Nicht einmal ich und ich wusste, du würdest irgendwann auf die Suche gehen, dorthin wo ich dir nicht mehr folgen konnte. Ich wusste es immer aber ich hoffte trotzdem, dass dir das, was du hier hattest, genügen würde. Dass ich dir genügen würde. Irgendwann, wenn wir genug vom Zählen hatten, hast du mich immer mit einem Blick angesehen, als wenn du dir alles von mir einprägen wolltest und dir nicht mehr genug Zeit dazu blieb. Während dein Blick über mich gewandert ist, habe mich immer gefragt, ob das jetzt das letzte Mal ist. Ob das jetzt der Abschied ist, das letzte Wort, der letzte Blick, den ich jemals von dir erhalten würde. In diesem Moment wollte ich dich anschauen, wollte das Bild von dir in Folie einwickelt und in der Ewigkeit einfrieren. Stattdessen habe ich an die Decke gestarrt und wieder heimlich angefangen zu zählen . Ich hatte Angst, dass ich in deinen Gesicht die Antwort lesen würde, die ich doch niemals wissen wollte. Du hast immer zu mir gesagt, dass wir dieses schreckliche Musikstück auf deine Beerdigung spielen sollen. Danach ist deine Stimme immer heiser geworden, und deine Augen nahmen den beschwörerischen Ausdruck an. Jedes Mal, wenn du mir sagtest, dass ich gut auf mich aufpassen soll, wenn du nicht mehr da bist, um es zu tun. Das waren die einzigen Momente, an denen ich für einen Augenblick leichte Zweifel in deinen Augen gesehen habe und an diese Momente klammerte ich mich eben so sehr wie an dich, wenn du mich in die Arme genommen hast. Erinnerst du dich? Immer wenn du mich beruhigen wolltest, hast du mich in die Arme genommen, hast mit deinen Fingerspitzen über meine Wange gestreichelt und mich „deine Kleine“ genannt. Ich war klein. Zu klein und zu schwach um dich festhalten zu können. Ich hoffe, du hast gehört, dass wir dir deinen Wunsch erfüllt haben. Ganze dreimal hat dein Lied die Kirche erfüllt und jede Menge Leute zum Weinen gebracht. Ich habe nicht geweint. Aber ich habe zum ersten Mal die Sehnsucht zwischen den Tönen gespürt Die Töne haben mich an die Hand genommen und mich weggeführt, ganz weit weg, fast konnte ich dich berühren. War es das? Bist du deshalb gegangen? Um den Tönen folgen zu können? Jetzt stehe ich jedenfalls hier und spreche mit einem Stein, auf dem dein Name steht. Es ist ein schöner Stein. Dein Grab würde dir gefallen, es ist voller bunter Tulpen. Ob ich auch einen schönen Stein haben werde? Ob mein Grab auch voller Sonneblumen sein wird? Was meinst du? Sieht man das überhaupt von dort? Eigentlich auch egal. Hauptsache, du wartest dort auf mich, tust du doch oder? Ich komme bald,warte. Ich muss nur noch ein Lied finden. Mein Lied. |
www.keinVerlag.de/197045.text| Anmerkung von just.a.girl: für das Projekt Gloomy Sunday |
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