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thammü.| Am Hafen. Vielleicht endlich oder so ähnlich und so sehe ich hinaus in diesen Dunst der frühen Morgenstunden. Der Tau des Meers- mit einem Lächeln auf den Lippen, das eigentlich kein Lächeln sein will, zumindest kein ausgewachsenes. Containerschiffe ziehen vorüber, kommen und gehen und bleiben ab und an, Menschen schreien und rufen und krächzen und fluchen, die Hektik ist gedämpft, weil es sonst nicht geht, weil es sonst nicht vorwärts geht. Ich rieche Matrosenschweiß oder wünsche es mir zumindest, ignoriere den eigenen ungeduschten Muff und ich sehe wieder hinaus, sehe wieder hinaus in den ewigen Dunst. Die Möwen, das Meer, die Wellen so gleichförmig und schön. Erste Autos auf den Straßen. Irgendetwas gluckert kaffeemaschinenänhlich. Irgendetwas drückt mich und es wird wohl meine Blase sein und ich bin zu faul aufzustehen, wärme mich in der Behaglichkeit der unzerstörbaren Geborgenheit. Deine Kissen riechen nach dir, ich vergrabe meinen Kopf und keine Asche rieselt herunter. Wo du bist… Irgendjemand rempelt mich. Kisten werden geschleppt, gehievt, weg- und angekarrt. Ich bin der staunende Beobachter, ich bin der Zaungast, ich bin der Bademeister, der niemals eingreift. Entschlüsse sammeln sich und werden verworfen, Ideen entstehen und zerplatzen wie Ideale oder billige Metaphern. Der Blick, mein Blick schweift nicht, klebt am Horizont fest, am milchig weißen, fernen Horizont, der sich so steif und unverrückbar ins Meer getaucht hat, als gäbe es kein dahinter. Ich beobachte ihn und doch eigentlich mich, aber er interessiert sich nicht für meine Blicke von Fern und ich selbst bin so gelangweilt, so enttäuscht von meiner Seelenblässe, dass ich schon dabei bin die Gefangenschaft hinter diesen Augen zu verfluchen, als sich etwas tut. Eine Regung. Es ist der erste Kampf des jungen Tages, der dich vorbereiten soll, auf was noch kommen mag. Ich bahne mir Wege durch Bettwäscheberge, erklimme, falle, grolle an gegen das Donnergrollen über diesen Gipfeln. Ich bin doch froh hier nicht erfrieren zu können und erleide doch die Trockenheit meiner Kehle. Letztlich wieder hängen geblieben, erschöpft an der Bettkante angekommen und mit Blicken die Wände malträtieren. Die kaffeemaschinenähnlichen Geräusche haben sich verzogen, sind in die Windstille dieser Wohnung geflohen. Aber was ist eigentlich mit dir? Ich denke noch immer nicht, denke ich. Da geschieht etwas und vielleicht soll das ja ein Zeichen sein, ein Omen. Wenn Gott eine Tür aufstößt, schließt er ein Fenster. Durchzug ist nicht gestattet im Himmelreich und die Wellen, schlagen noch immer gegen den Kai. Wer würde sie davon abhalten wollen? Die Schiffe ziehen vorüber und die Möwen, Container und Kisten und Matrosen und ihr Schweiß. Dazwischen steht ein Mann und schaut nach dem Horizont und seine Wünsche sind noch Embryos, ganz klein, ganz weich, fast durchsichtig und verletzlich. Sind Wünsche in diesem Stadium überhaupt schon Wünsche? Die ersten Schritte eines jeden Tages wollen wohl überlegt sein. Mein schicksalhaftes Denken erlegt auch ihnen diese zweifelhafte Determinierungsfähigkeit auf. Wohin die Reise geht. Wohin du dich orientieren wirst. Der rechte kommt vor den linken, kommt vor den rechten, vor den linken, rechten. Der Laminatboden erscheint kalt unter den frischen Füßen, doch auf eine angenehme, fast schon wohlige Art und Weise. Meine Hand streicht über deine raue Faser. Stilvoll hast du es hier, geschmackvoll, modern, aber nicht zu versnobbt und nicht zu Ikea. Gerne würde ich jetzt überrascht werden von dir, hinter der nächsten Tür, im nächsten Zimmer, Schritt für Schritt für Laminatrauhfaser. Ich weiß jetzt bereits, dass ich dich suche, dich in deinem eigenem Leben suche. Ja, ich wünschte, und das weiß ich jetzt ganz genau, ich wünschte manchmal ich könnte etwas bewegen. Ich wünschte manchmal ich könnte etwas aus den Fugen reißen, meinetwegen auch nur ein bisschen, das würde wohl schon genügen. Ich strecke die Hand aus, sehne in Richtung Horizont, erneut. Ich würde ihn greifen, wenn ich könnte, würde ihn bewegen, ein wenig aus den Fugen reißen, ein wenig näher zu mir. Zerstreut wische ich mir die salzige Hand an der Hose ab, ohne mich darüber zu wundern, warum sie so salzig ist und woher ich denn weiß, dass sie es ist. Die Geräusche, die Möwen machen sind nicht mit denen anderer Vögel zu vergleichen. Im Vergleich sind sie unvergleichlich hässlich. Mir schmerzt der Kopf vom vielen in die Ferne sehnen, das Auge tränt schon wieder, nur der Handrücken verschafft hier Linderung. Aber doch nur temporär. Vielleicht wüsste ich, was zu tun wäre. Vielleicht kommst du ja wieder. Vielleicht waren all diese Worte doch nur Schallwellen, ganz ohne Inhalt. Vielleicht hast du ja schon vergessen, entweder deine Worte oder mich. Ich erwarte, dass du hinter mir stehst, jetzt gleich, aber immer dann, wenn ich mich umdrehe, ist auch das hinter mir wieder auf der anderen Seite. Ich trinke irgendetwas kaffeeähnliches, kann nicht bestimmen, was das in mir ist. Mehr als ein Herzschlag, mehr als ein Liter Blut, mehr als man erwarten würde. Warten- vielleicht kommst du ja wieder. Vielleicht wüsste ich was zu tun wäre. Sicher kann man sich nie sein. Außer man hat im Lotto gewonnen. Aber den Gewinn muss man ohnehin teilen. Deshalb gehe ich jetzt. Schritt für Schritt und den linken vor den rechten, den rechten vor den linken, vor den rechten, den linken, den rechten. Kein noch so schwerer Stiefel hinterlässt einen Abdruck auf dem harten Hafenbeton. Eine Böe fährt mir durchs Haar, aber das ist hier wohl so üblich, denke ich. Mein Ziel jedenfalls, mein Ziel liegt schon vor meinem inneren Auge und auch die äußeren vernehmen schon Schemen, erkennen schon die Zeichen, die Lichter. Ich hab noch einen Koffer in Berlin, singt Hildegard Knef in meinem Kopf und ich weiß nicht warum. Berlin, denke ich, Berlin ist weit heute. Die Seligkeiten vergangner Zeiten, sind alle noch in meinem Koffer drin. Badadadba. Es liegt ein Zettel auf dem Tisch, dem Tisch in der kalten Küche dieser warmen Wohnung. Warum sind Küchen immer die kältesten Räume in jeder Wohnung? Liegt das am Kühlschrank? Es liegt ein Zettel auf dem Küchentisch. Ein Zettel wie ein Lebenszeichen, wie ein Plädoyer für das Diesseits. Jeder Schritt hinterlässt einen Abdruck auf dem Steg. Hinein, hinein in den Bauch dieses großen, grauen, metallischen Tiers. Ich fahre zu dir. Ich fahre zu dir, endlich oder zumindest so ähnlich. |
www.keinVerlag.de/210032.text| Anmerkung von thammü: Eigentlich nicht mehr als eine kleine Spielerei, aber ich wollte auch mal n bisschen Prosa hier veröffentlichen. |
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