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neinneigung
Dies ist ein Abschnitt des mehrteiligen Textes hier klicken Erinnerungen eines Korrespondenten oder: Das Sein ist das Nichts.
Veröffentlicht am 18.01.2009, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 19.01.2009). Dieser Text wurde bereits 632 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 03.09.2010.
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Als ich einmal wartete ohne es zu wissen

Kurzprosa zum Thema Sein
von hier klicken neinneigung.

Ein Mann, untersetzt, mit blasser Hautfarbe - es ist keine Farbe, sondern Licht - stemmt seinen Körper durch die Welt, von morgens bis abends. Er plagt sich herum - weil er die Lasten tragen kann, wie er es will. Er nickt, die Unterhaltung war abgeflaut. Die Frau ihm gegenüber lässt den Blick unruhig meinen streifen, vorüber. Er wischt mit einem Taschentuch seine glänzende Stirn, atmet dabei ganz schwer aus. Dann rührt er seinen Kaffee, wegen des Zuckers und setzt zum Trinken an - aber stellt das Porzellan dann doch wieder mit einem fremdartigen Geräusch auf die dünne Glasplatte. Diese Platte war mal Sand und ich falle bodenlos in ein Rieseln kleiner Steine. Am Ende wird es durchsichtig. Menschen stellen dann Gegenstände darauf ab oder setzen es senkrecht in Auslassungen von Gebäuden ein. Er lacht verlegen, sie schaut weg. Und ich sitze daneben, nur einen Tisch dazwischen, an dem zwei abgeklärte Damen redend schweigen. Die spitzen Lippen, das gepuderte Haar, die abgespreizten Finger wenn sie die Tassen heben. Alt sind sie auch. Alles ist so alt, seit Jahren schon. Einmal nur an der Dinge Ende stehen. Betrachtend, vielleicht wartend. Ein Warten nach dem Ende. Der Raum bewegt sich, nur die Zeit steht still.

URL dieses Textes: hier klicken www.keinVerlag.de/228595.text

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Kommentare und Diskussionen zu diesem Text

AZU20 Kommentar von hier klicken AZU20 (18.01.2009)    diesen Kommentar melden
Interessanter Text. Warten ohne zu wissen: aufregend. LG
hier klicken neinneigung meinte dazu am 18.01.2009: ich freue mich immer sehr über deinen besuch - so auch diesmal. lieben gruß, jott.

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Pjotr Kommentar von hier klicken Pjotr (18.01.2009)    diesen Kommentar melden
der text ist für mich expressionistisch und komplex in seiner gedanklichen weite. ein verzerrtes, ordnungverneinendes gefühl durchpflügt das wirklichkeitserleben, dass sprunghaft, assoziativ gelockert wirkt. es spricht aus verschiedenen ebenen, torkelt mit nadel und faden zwischen beleuchteter rationalität und lochschwarzer wahrheit. und irgendwie ist zwischen diesen beiden räumen eine glasscheibe, eine trennung, entwachsen aus dem menschlichen gehirn. ratlos von überbelichtung geblendet erkennt es im dunkeln die umrisse der restschlieren, eine täuschung der netzhaut: füllt das raum,-zeitlose loch mit konturen einer stofflichen täuschung. das sinnliche erleben der materiellen welt korreliert im geheimen mit für den menschen unsichtbaren räumen, zeiten, energien. frei von mystik und märchen, einfach nur ein loch, dass sich ausdehnt mit der geschwindigkeit des erwachens, im metaphysischen, überhitzten wartesaal der welt. dicker text, der souverän ist und tief geht, wenn man ihn lässt.
hier klicken neinneigung meinte dazu am 18.01.2009: wo kann man eigentlich kommentare zu seinen favoriten hinzufügen? - es gibt sie, solche kommentare, auf die man nichts zu erwidern weiß. du hast es hiermit geschafft. mir bleibt nicht mehr, als dir zu sagen, dass der text offensichtlich ebenso gut von dir stammen könnte. danke dafür und auch sonst, partner.

frei von mystik und märchen, einfach nur ein loch, dass sich ausdehnt mit der geschwindigkeit des erwachens, im metaphysischen, überhitzten wartesaal der welt.


das befremdliche staunen darüber, ganz genau. ohne ehrfurcht, ohne urteil. es ist. nagel auf den kopf. punktum.

hutschmeißenden gruß!
geht ab

Vorhang

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paulinewilhelm Kommentar von hier klicken paulinewilhelm (18.01.2009)    diesen Kommentar melden
Lieber Julius,

es ist ein schnörkelloser Text, in kühler betrachtender Weise, den du gesichtet und vollzogen hast. Dicke, schneidende Luft, als könnt es Sommer sein und du säßest mit all diesn Mneschen in einem stickigen kleinen Aufzug. Es fühlt sich eng an, obwohl solch Distanz beschrieben ist, als könnte man die Gerüche der Menschen im Stillstand zerschneiden. Nichts Neues, mehr.
Mich hat der Text unruhig gemacht. Genau dieses Zerschneiden. Es drängt danach.

Der schönste Satz ist:

Einmal nur an der Dinge Ende stehen.


Ja, das will man manchmal...

Liebe Grüße,
Agnieszka

P.S. Ist es Absicht, dass du zweimal kurz hintereinander erwähnst, die Frauen seien alt?

hier klicken neinneigung meinte dazu am 18.01.2009: hoppla, das war leider (!) keine absicht. das möchte ich aber nochmal eben ändern. danke.

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kontext Kommentar von hier klicken kontext (19.01.2009)    diesen Kommentar melden
Ich habe mit dem Text Schwierigkeiten. Zunächst, der Vergleich ist interessant.

Ich lese Zeitfluss/Sand - Alter/Glas/Licht. Die Dinge/Menschen werden transparent, durchlässig, stellen keine Barriere mehr dar, verlieren sich im Dienst, 'verblassen' selbst, tragen dafür.
-> mh-hm, man wundert sich erst, aber es scheint ein ziemlich guter Griff zu sein ;)

Seine Haut: Licht, das durch ihn hindurchgeht, in diesem Sinne? Es klingt erst, als ginge das Licht irgendwie von ihm aus. Es ist jedenfalls ein ungewohntes Bild, da man bei transparenter Haut erst an etwas Dünnes, leicht Zerreißbares denkt. - Vllt stimmt das mit der Glasplatte in dem Zusammenhang ja auch gar nicht.
Aber "die Zeit steht still" (.. aussitzen), deine? Jede? Wie das? Und warum? Weil der Weg so weit ist? sprich das: "Alles (!) ist so alt, seit Jahren schon." steht für mich vs dem: "Einmal nur an der Dinge Ende stehen." und will sich nicht zusammenfügen. Als wäre die Zeit stehen geblieben, ehe 'du' die Chance hattest mitzualtern, aber man bleibt fragend; wird nicht erläutert.

Warten NACH dem Ende, nicht auf, mmh... erster Gedanke, wenn man das Glas langfährt: Nachdem man geschmolzen und erhärtet ist, bevor man springt. - Springt? Unter Last?

Sprachlich wirkt es summa summarum anders als deine Texte sonst, etwas rauer, vllt romanhafter. Vgl: "Er wischt mit einem Taschentuch seine glänzende Stirn, atmet dabei ganz schwer aus." Oder fremdartiges geräusch, warum eigentlich fremd?
Das hat was Füllsliges, da ich den Schlüssel nicht zu packen bekomm; es passt auch nicht richtig in mein Bild der Entgegenstemmens, Tragens.

Also ich komm nicht richtig auf den Punkt, auf den du hinaus willst, schätz ich :/

hier klicken kontext meinte dazu am 19.01.2009: ^^ Also es klingt jetzt sehr kritisch, weil. Ich sollte vllt noch dabei sagen, dass ich bei dem ganzen Konzept dieser Kurztexte die Durchmischung von Alltag und Bedeutung, diese surreale Komponente, extrem begrüße. Auch, dass man es eben nicht auf dem Silbertablett serviert bekommt, das gehört schon dazu. Hier ist es mir nur etwas zu weit.
hier klicken neinneigung antwortete darauf am 19.01.2009: alter, du bist eine silbenfetischistin! in einigen fällen (ich sag jetzt nicht in welchen) schießt du weit über meine eigentlich rein assoziativen ketten hinaus.
alles ist so alt, seit jahren schon: betonung des kosmischen alters aller (!) dinge und hernach der wunsch einmal nur an deren ende zu stehen bzw stehen zu können. ein warten nach dem ende: im blödsinnigen vakuum kann man sich dann vielleicht doch mal langweilen ;) auch: gefiel mir ob seiner reißerischen komponente, dieses beschwörende.
kennst du keine fremden geräusche? (haha) das fremdartige daran ergibt sich für mich aus dem nachfolgenden teil; es ist der sand, der nicht dazu passen will. das stemmen oder tragen steht nur in verbindung mit dem menschen (der hier durchaus alle menschen sein kann, siehe sysiphos), ebenso mit dem schweiß und der szene (besonders losgelöst wirkt seine konversation nicht).
dass die (folglich: jede, siehe dein kommentar) zeit still steht, steht da nur indirekt. es heißt eigentlich, dass bloß der raum sich bewegt, also er die zeit ist/sein kann - das will ich hier nicht beantworten.

manometer. mit deinen kommentaren drehst du mir nicht selten die worte nochmal im munde um, einfach weil mir im schreiben die analyse selten wirklich präsent ist. aber das bekommt mir doch ganz gut. danke auch, dass du meinem befehl nachgekommen bist, dich mit dem schund hier rumzuschlagen. dein lob halte ich in ehren (versteckt). lieben gruß, jott.
(Antwort korrigiert am 19.01.2009)
(Antwort korrigiert am 19.01.2009)
hier klicken kontext schrieb daraufhin am 19.01.2009: >mit deinen kommentaren drehst du mir nicht selten die worte nochmal im munde um<
oh! oh oh ich .. mmmh.. das will ich nicht. *duck*
auf den kosmos bin ich nicht gekommen. hätte man, du schriebst bei dem karusseltext zB schon in die richtung. und.. >es ist der sand, der nicht dazu passen will.< wrsl.. fussnote. O.o
oh, ja, also, ich les das besser nochmal mit abstand. das war auch schon recht spinnend, stimmt schon. du siehst mich beschwichtigtendes zurückrudern wedeln..

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Samjessa Kommentar von hier klicken Samjessa (19.01.2009)    diesen Kommentar melden
Hier nutzt du wieder einen Beobachter, um der Szene Atmosphere und Detail zu verleihen. Gutes Stück, besonders sprachlich. Stark, der letzte Satz, welcher in jedem lesenden Kopf etwas verdreht.
Jedoch blieb für mich dieses mal etwas aus.
Es scheint als würdest du hier nur mit Sprache spielen; aber letztendlich bleibt für mich kein "konstruktiver Anreiz" nach, der mich "aktiviert"... falls du verstehst was ich meine *g*

Trotzdem, wie immer gern gelesen :-)

lg,
das Schw.herz

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Kommentar von paule (34) (05.03.2009)    diesen Kommentar melden
spannendes stück! vor allem weil es zurückhaltend-szenisch beginnt und dann erst im letzten drittel in die wirkliche reflexion übergeht. der satz "Einmal nur an der Dinge Ende stehen." = ganz großes kino!
hier klicken neinneigung meinte dazu am 05.03.2009: dein kommentar = vielen dank!

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tausendschön Kommentar von hier klicken tausendschön (28.06.2009)    diesen Kommentar melden
der raum bewegt sich, nur die zeit steht still, die worte eines beobachters, der icherzähler ist hier wirklich ein ganz großartiger beobachter, ich meine, er müßte irgendwann kotzen oder schreien vor dieserart beobachtungen der zeit, sehr gelungen.
hier klicken neinneigung meinte dazu am 28.06.2009: hehe: kotzen oder schreien. was für eine aussicht. - inzwischen ist mir tatsächlich immer häufiger danach, und nur humor hilft über diesen abgrund. hier hast du mich erkannt. danke dir, s.!
hier klicken tausendschön antwortete darauf am 30.06.2009: eine von mir hochverehrte (und nebenbei wunderschöne, tut ja was zur sache) musikerin, amanda palmer, sang einmal die worte (in einer rauschigen liveaufnahme für die ewigkeit konserviert): "i'm sick of your hair and i'm sick of your cake and i'm sick of your meaningless blather", und ich stelle mir immer vor, wie sie mit dem kopf vornüber in die torte kippt und tot ist.

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