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Bibliografische Daten:
Verlag: vsv
Ort: Bad Pyrmont
Erscheinungsjahr: 2007
Preis: 19,90 Euro
ISBN: 3000207457

Eine Schülergeschichte in einem kleinen norddeutschen Kurort. Handelnde sind jede Menge Gymnasiasten, drei Lehrer, der Direktor und seine politisch ambitionierte Frau, ein Buchhändler, ein italienischer Restaurantbesitzer, ein Poleizeitdirektor. Eingeschoben sind Szenen aus der Verfolgung der Kirche und der Deutschen im stalistischen Rußland.

Streck, Viktor:
Heimat ist ein Paradies

Roman

Eine Rezension von  Uwe-Lammla
veröffentlicht am 24.07.2008
Diese Rezension erschien am 24.07.2008 in der Ausgabe Nr. 152 von unter dem Titel
Aufrichtigkeit als ein unkalkulierbares Risiko.
Held der Geschichte ist ein Schüler, der erst vor Wochen als Aussiedler von Rußland nach Deutschland gekommen ist. In der russischen Einsamkeit hat er sich aus Büchern ungewöhnliche Kenntnisse in Philosophie und Geschichte angeeignet. Insbesondere versucht er nach der kantschen Maxime zu leben, daß die Lüge grundsätzlich falsch und nicht zu entschuldigen ist. Die Klasse ist belustigt, aber auch beeindruckt. Die allgemein verhaßte autoritäre Geschichtslehrerin kann den Neuankömmling von vornherein nicht leiden. Seine Kenntnisse aber auch seine Sanftheit und Unangepaßtheit sind ihr ein Ärgernis. Als er es wagt, Widersprüche im Geschichtslehrbuch auszumachen, tritt sie mit ihm in eine Kampfdiskussion, umwohl sie um die Fakten nur unzureichende Kenntnisse hat. Sie instrumentalisiert das Kommittee gegen rechte Gewalt, um den Unruhestifter vom Gymnasium zu entfernen. Die Klasse solidarisiert sich mit dem neuen Schüler. Der Direktor sieht in der Eskalation als Ergebnis des Egoismus und der Unsensibilität der Geschichtslehrerin und strebt ihre Entfernung an. Darauf versucht diese, auch den Direktor als Neonazi hinzustellen...

Das Buch ist spannend und plastisch geschrieben. Die Charaktere sind überzeugend und gut beobachtet. Dabei ist hat die Handlung eine tief religiöse Dimension. Kommt ein Mensch, der nichts als gut sein will, in die reale Welt, mobilisieren die Bösen alle Bosheit, um ihn zu diffamieren und zu verleumden. Die empfunden. Gleichzeitig werden durch ein solches Beispiel viele Menschen zur Güte ermutigt. Der Autor zeigt überzeugend, daß die Welt nicht durch Intellektualismus, sondern nur durch Liebe gebessert werden kann. Ein junger Dichter, der von niemandem als solcher erkennt wird, auch von seinen Eltern nicht, wird von ihm vor dem Selbstmord gerettet. Die eingestreuten geschichtlichen Szenen aus der Terrorzeit des Stalinismus fügen sich unaufdringlich in die elemantar-menschlichen Schilderungen von Diabolischem hier und mutigem Widerstand dort. Ich habe selten in einem Buch so viel Humantät und Mitgefühl erlebt.



Kommentare zu dieser Rezension

Kommentar von  Wellblecheisenbahn (39), 04.04.2011diesen Kommentar melden
"Der Autor zeigt überzeugend, daß die Welt nicht durch Intellektualismus, sondern nur durch Liebe gebessert werden kann. Ein junger Dichter, der von niemandem als solcher erkennt wird, auch von seinen Eltern nicht, wird von ihm vor dem Selbstmord gerettet." Wer rettet den jungen Dichter? Der Autor? Dieselben sprachlichen Unschärfen, die mich auch bei der Lektüre des Romans ärgern. Ich werde versuchen, den ersten Teil des Buches zu Ende zu lesen. Aber dann setzt es eine gesalzene Gegenrezension.
Kommentar von  Wellblecheisenbahn (39), 01.06.2011diesen Kommentar melden
Gescheitert an Sprache und Inhalt

In glühenden Worten wird der Roman „Heimat ist ein Paradies“ von Viktor Streck auf amazon.de gelobt. Heutzutage heißt so etwas dann ja bereits Rezension. Früher waren Rezensionen wohlkomponierte Texte, die ein überlegtes ausgewogenes Bild von einem Buch geben wollten. Aber das soll hier nicht Thema sein. Vielmehr verwundert, dass hier mehrere – und man will hoffen, dass es sich nicht um vom Autor verfasste - Lobeshymnen , (ihre stilistische Eigenart, insbesondere eine gewisse altbackene Bravheit der Ausdrucksweise legt diesen Schluss fast schon nahe)sich so enthusiastisch über ein in jeder Hinsicht gescheitertes Buchproduktäußern. Also, man fragt sich schon: können die nicht lesen? Offensichtlich ist, dass diesen Rezensenten nicht auffiel, dass der Roman seinen hehren philosophischen Anspruch vor sich her trägt aber nicht einlöst. Ein intellektuelles Feuerwerk der geistigen Opposition wird angekündigt in Verlagsankündigung und Klappentext, die Ausformulierung des bereits im Ästhetizismus erforschten Wagemuts, der darin liegt „Reinste Wahrheit, [sic] und nichts außer Wahrheit!“ (Klappentext) auszusprechen. Stattdessen auf den ersten einhundert Seiten eine mit einigem erzählerischen Talent, aber dann doch in holperiger, mühsamer Prosa, gespickt mit seltsamen weltfremden Schilderungen von Jugendlichen (leben die im zwanzigsten Jahrhundert?) vorgebrachte Geschichte eines jugendlichen Spätaussiedlers mit, so muss man das wohl sagen, magischem Blick, der einer vom ersten Satz an als superflache Karikatur angelegten Geschichtslehrerin – die so im heutigen Schulbetrieb in jedem Fall keine Schulstunde überleben würde – also, der dieser Geschichtslehrerin mit durchaus nicht so ohne weiteres zu widerlegenden, an den Theoremenschatz der Neuen Rechten erinnernden Schlussfolgerungen aus verschiedenen Geschichtsquellen die Notwendigkeit einer Relativierung hitlerscher Weltkriegsschuld plausibilisiert. (Argumentation: Andere Länder haben auch ohne Kriegserklärung Länder überfallen, warum wirft man es Hitler vor. Ist zwar nicht der Fall, dass mit dem Versäumnis, andere Länder wegen Völkerrechtsbrüchen dieser Art an den Pranger zu stellen, die us-amerikanische Überfallspolitik wurde bereits vom Philosophen Henry David Thoreau mit einem Steuerboykott und einem der einflussreichsten Essays der neueren Politikgeschichte, On Civil Disobedience, beantwortet, aber was soll's...) Das anspruchsvolle kantianische Wahrheitsprogramm des Romanhelden läuft also flugs und fast ausschließlich auf die Fixationen neonazistischer Hitler-Apologeten hinaus, und da muss man sagen: Nein, lieber Victor Streck, das ist eben gar nicht enttabuisierend und neu; das ist verbohrte, Fakten unterschlagende Manipulation.

Soweit zu den ersten hundert Seiten des ersten (!) Teils des Romans. Die anderen 460 Seiten diese ersten Teils zu lesen war mir – und ich weiß, dass ich mich als Rezensent damit höchst angreifbar mache - nicht möglich, denn (man muss das schon einmal anmerken) es reicht nicht, einen Roman zu schreiben. Sprachbeherrschung, Rücksichtnahme auf menschliche Psychologie und Raumlogik gehören auch dazu. Anders ausgedrückt: Es reicht nicht, wenig zu sagen zu haben, man muss auch unfähig sein, es in Worte zu kleiden.

Seltsame Wendungen und grammatische Schnitzer sind wohl häufig auf die – von mir vermutetet – Zweisprachigkeit (Deutsch/Russisch) des Autors zurückzuführen. Aber so viele davon unredigiert in einer Buchveröffentlichung? Hier ein paar der schillerndsten Beispiele:

S.7 Er versuchte sie [die Tränen, WBEB] aufzuhalten, doch kaum, daß seine roten Augen zu trocknen begannen, drangen sie mit neuer Kraft wieder und wieder hervor... [Wer jetzt? Die Augen oder die Tränen?]

S. 69 […] die anfängliche Verwunderung auf seinem Gesicht wechselte zu einer tiefen Enttäuschung.

S.69 Ich bin hier ein bißchen länger als du! Ich bin schon sozusagen entzaubert.

S.85 Es klang ehrlich, aus dem Herzen gehend.

S.86 Schau dir mal nur sein Gesicht an!

Falsche Präpositionen (en masse!):

S.75 […] durch den Anfall von Geschäftigkeit […] ging überdeutlich hervor […]

S.89 […] und bald träumte er Tag und Nacht nur noch an die glorreiche Zukunft […]

S.46 Wie sie Julia beherzt an die Wand gedrückt und von ihr das Geständnis abverlangt hatte...

Und ganz drollige lexikalische Irrtümer:

S.74 Er wechselte auf die Bremsspur […]:

S.63 Alexander […] wurde in eine andere Klasse eingewiesen.

S.83 Auf Papier gelegt macht es [Geschriebenes, WBEB] keinen besonderen Eindruck.

S.92 „Oder gefällt dir vielleicht mehr, wenn ich gleich ,mein gnädiger Herr' zu dir sagen würde?“
„Wieder machst du deine albernen Scherze!“ beleidigte sich Arthur.

S.92 […] doch schon bald erweichte sich sein Blick wieder.

Inhaltliche Blödheiten, Fehler in der Abfolge der Beschreibung von Gesichtsausdrücken und räumlichen Veränderungen begegnen haufenweise und lassen sich nicht mehr mit sprachlichen Interferenzfehlern eines lückenhaft zweisprachig Aufgewachsenen erklären:

S.9 In diesem Augenblick schauten die beiden eher intuitiv auf die Geschichtslehrerin […]

S.11 „[...] Ab jetzt werden wir immer zusammen zur Schule gehen. Auch nach der Schule.“

S.44 Anna bewegte sich leicht, natürlich, und fühlte sich an der Seite von Willi sehr geschmeichelt und wohl, ohne zu wissen, daß die eigentliche Aufmerksamkeit nicht ihm, sondern eben ihr galt. Sie schämte sich dessen selbst [Obwohl sie's nicht weiß! WBEB], doch war es ihr nicht unangenehm […]

S.46 Endlich erreichte sie das Klassenzimmer, schaute schon von weitem durch die offene Tür hinein und sah sofort den neuen Schüler.

S.69 Alexander lächelte schief und entgegnete sichtlich entgeistert […]

S.71 […] winkte mit der Hand enttäuscht ab […]

S.73 Er verstummte. Sein Gesicht beruhigte sich und wirkte enttäuscht.

S.76 […] nickte dem einen oder anderen mit dem Kopf zu […]

Unglaubliche Law-and-Oder-Plattheiten in George-W.-Bush-Manier vermiesen dem Romanleser die Laune:

S.70/71 Heute haben wir den Liberalismus! Das heißt, alles Niederträchtige und Degenerative wird ausdrücklich gefördert. […] Die Herrschaften da oben haben offensichtlich vergessen, daß Demokratie eigentlich der Wille der Mehrheit ist und dass sie sich vordergründig für die Interessen dieser Mehrheit einsetzen sollten. Die Minderheiten erhalten dabei ihre Rechte. Sie werden geduldet, aber nicht mehr! Aber mit denen da oben da kannst du doch darüber nicht reden!

Ich erwarte keine Bewunderung vom Leser dieser Rezension – ob meiner Durchhaltekraft bei der Lektüre dieser sehr langen hundert Seiten. Aber zart anmerken möchte ich, dass ich mich durch dieses Holperpartie aus selbstherrlich unredigiertem Deutsch eines durchaus begabten, aber sich selbst überschätzenden Autors im Selbstverlag nicht nur hindurchgearbeitet habe, sondern ihm auch immer wieder eine Chance gegeben habe. Bis es nicht mehr ging. ---

Wird sich der Romanheld im weiteren Verlauf der Erzählung noch zu kantisch moralischer Makellosigkeit aufschwingen? Ich muss ehrlich sagen: Nach dem was ich mit dem Roman erlebt habe, ist mir das jetzt herzlich egal.


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