|
Im NachhineinGedicht zum Thema Erinnerung von asche.und.zimt.
Es war November und es fiel der erste Schnee.
Ich hielt mein Dasein für so trist und jämmerlich
als ich dich traf. Mit zwanzig Jahren sah ich dich
wie du dort saßt in diesem Hamburger Café.
Du schriebst was auf und trankst aus einer Tasse Tee
als würdest du den ganzen Tag nichts andres tun.
Ich wartete und wartete und saß dort nun
in Angst, dass du bemerkst, dass ich hinüberseh.
So kam es auch, dass ich Notiz von allem nahm,
doch blicktest du dich um, sah ich auf meinen Schuh.
Und irgendwann riefst du dem alten Kellner zu,
er solle dir die Rechnung bringen und er kam.
Ich aber schwieg, als kämest du gleich wundersam
an meinen Tisch, sodass ich dir gestehen kann:
"Sie ziehen mich unweigerlich in Ihren Bann."
Du gingst hinaus und ich blieb dort mit meinem Gram.
|
URL dieses Textes: www.keinVerlag.de/277035.text
Kommentare und Diskussionen zu diesem Text
Kommentar von Raissa (57) (01.08.2010)
 |
Kommentar von seelenliebe (52) (01.08.2010)
 Hallo Weltenwandler, einfach nur wunderschön zu lesen. Ich sehe jene Szene direkt vor mir vor, so lebendig hast du sie uns erzählt. Bei dir sitzt man wahrlich gleich in der 1. Reihe. Hoffe, dein Gram ist inzwischen versiegt. Lächelgrüße dir sende PS: Mehr als gern gelesen. Anne
asche.und.zimt meinte dazu am 02.08.2010:
Ich freue mich, dass es dir gefällt, Anne : ) Mein Gram allerdings musste nicht versiegen, da der, von dem im Gedicht die Rede ist, nicht der meine war, sondern der eines LyrIchs. Schon rechnerisch gäbe das Probleme, da ich noch keinen November 20-jährig erlebte : )
Alles Liebe
Weltenwandler
...und Deine Meinung zu diesem Kommentar?
|
Kommentar von Songline (45) (01.08.2010)
 |
Kommentar von argot (30) (02.08.2010)
 Sehr gut gemacht!
Es wirkt hie und da, natürlich bewusst, archaisierend, so dass der textinterne Verweis auf die "zwanzig Jahr" - für mich - fast ein bisschen stört.
Ich finde es nicht schlecht, dass er da steht, aber ich glaube fast, dass der Text gewinnen würde, könnte man ihn altersmäßig entkoppeln.
Besten Gruß,
arg.
asche.und.zimt meinte dazu am 02.08.2010:
Danke schön für deine Einschätzung, argot.
Deinen Vorschlag finde ich problematisch, da eine solche Änderung ein Schritt dahingehend wäre, dass der Text etwas entpersonalisiert wird. Dabei baut das Gedicht ja genau darauf auf, auf einer konkreten, persönlichen Erinnerung, die geschildert wird und ich glaube, das jedes individuelle Detail, so auch das Alter, dem Text gut tut.
Klar, schlimm wär es nicht, das Alter wegzulassen, weil es für den Inhalt, für das Erzählte nicht elementar ist und es viel mehr etwas ergänzt. Aber einen Vorteil darin, es rauszunehmen, sehe ich dennoch nicht.
Alles Liebe
Weltenwandler
argot (30) antwortete darauf am 02.08.2010:
Hast wahrscheinlich recht.
Konkreter, anschaulicher wird es auf alle Fälle dadurch.
Zumal ein alternder Hund wie ich durch solche Verweise leichter in eine gewisse Nostalgie hineingeführt wird.
asche.und.zimt schrieb daraufhin am 02.08.2010:
Das ist wohl der Zeitpunkt, an dem ich sagen soll, dass du so alt noch gar nicht bist, mh? ; )
argot (30) äußerte darauf am 02.08.2010:
Genau. Und dann sage ich: Ach, hast Du eine Ahnung...
asche.und.zimt ergänzte dazu am 02.08.2010:
Aber soweit wird es ja nicht kommen, weil ich dir doch gar nicht widersprechen will.
...und Deine Meinung zu diesem Kommentar?
|
|
|
|