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Weltenwandler
Veröffentlicht am 01.08.2010. Dieser Text wurde bereits 187 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 06.09.2010.
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Im Nachhinein

Gedicht zum Thema Erinnerung
von hier klicken Weltenwandler.

Es war November und es fiel der erste Schnee.
Ich hielt mein Dasein für so trist und jämmerlich
als ich dich traf. Mit zwanzig Jahren sah ich dich
wie du dort saßt in diesem Hamburger Café.
Du schriebst was auf und trankst aus einer Tasse Tee
als würdest du den ganzen Tag nichts andres tun.
Ich wartete und wartete und saß dort nun
in Angst, dass du bemerkst, dass ich hinüberseh.

Ich stellte fest, dass ich Notiz von allem nahm,
doch blicktest du dich um, sah ich auf meinen Schuh.
Und irgendwann riefst du dem alten Kellner zu,
er solle dir die Rechnung bringen und er kam.
Ich aber schwieg, als kämest du gleich wundersam
an meinen Tisch, sodass ich dir gestehen kann:
"Sie ziehen mich unweigerlich in Ihren Bann."

Du gingst hinaus und ich blieb dort mit meinem Gram.

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Kommentare und Diskussionen zu diesem Text

Fremdkoerper Kommentar von hier klicken Fremdkoerper (01.08.2010)    diesen Kommentar melden
das ist eine so gelunge übersteigerung einer alltäglichkeit mit feiner ironie (zumindest für mich), dass ich mich fast wundere, etwas derartiges noch nicht gelesen zu haben. aber für mich der erste und daher das größte lob!
hier klicken Weltenwandler meinte dazu am 01.08.2010: Danke ... : ) Lies vielleicht mal etwas von Mascha Kaléko. Der Stil dieses Gedichtes dürfte dem ihren etwas ähneln, da ich in letzter Zeit sehr viel von ihr gelesen habe und sie mir auf diese Art Inspiration war. Vielleicht magst du ihre Sachen ja.

Alles Liebe
Weltenwandler

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Raissa Kommentar von hier klicken Raissa (01.08.2010)    diesen Kommentar melden
Ein echter Weltenwandler -
Da brauchts wahrlich keine Anregungen.

Sehr schön gemacht ,
Lieben Gruß,
Raissa

hier klicken Weltenwandler meinte dazu am 02.08.2010: Danke, Raissa! : )

Alles Liebe und eine gute Nacht!
Weltenwandler

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seelenliebe Kommentar von hier klicken seelenliebe (01.08.2010)    diesen Kommentar melden
Hallo Weltenwandler, einfach nur wunderschön zu lesen. Ich sehe jene Szene direkt vor mir vor, so lebendig hast du sie uns erzählt. Bei dir sitzt man wahrlich gleich in der 1. Reihe. Hoffe, dein Gram ist inzwischen versiegt. Lächelgrüße dir sende PS: Mehr als gern gelesen. Anne
hier klicken Weltenwandler meinte dazu am 02.08.2010: Ich freue mich, dass es dir gefällt, Anne : ) Mein Gram allerdings musste nicht versiegen, da der, von dem im Gedicht die Rede ist, nicht der meine war, sondern der eines LyrIchs. Schon rechnerisch gäbe das Probleme, da ich noch keinen November 20-jährig erlebte : )

Alles Liebe
Weltenwandler

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Songline Kommentar von hier klicken Songline (01.08.2010)    diesen Kommentar melden
Sehr schön!
hier klicken Weltenwandler meinte dazu am 02.08.2010: Vielen Dank. : )

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argot Kommentar von hier klicken argot (02.08.2010)    diesen Kommentar melden
Sehr gut gemacht!
Es wirkt hie und da, natürlich bewusst, archaisierend, so dass der textinterne Verweis auf die "zwanzig Jahr" - für mich - fast ein bisschen stört.
Ich finde es nicht schlecht, dass er da steht, aber ich glaube fast, dass der Text gewinnen würde, könnte man ihn altersmäßig entkoppeln.

Besten Gruß,
arg.

hier klicken Weltenwandler meinte dazu am 02.08.2010: Danke schön für deine Einschätzung, argot.

Deinen Vorschlag finde ich problematisch, da eine solche Änderung ein Schritt dahingehend wäre, dass der Text etwas entpersonalisiert wird. Dabei baut das Gedicht ja genau darauf auf, auf einer konkreten, persönlichen Erinnerung, die geschildert wird und ich glaube, das jedes individuelle Detail, so auch das Alter, dem Text gut tut.

Klar, schlimm wär es nicht, das Alter wegzulassen, weil es für den Inhalt, für das Erzählte nicht elementar ist und es viel mehr etwas ergänzt. Aber einen Vorteil darin, es rauszunehmen, sehe ich dennoch nicht.

Alles Liebe
Weltenwandler
hier klicken argot antwortete darauf am 02.08.2010: Hast wahrscheinlich recht.
Konkreter, anschaulicher wird es auf alle Fälle dadurch.
Zumal ein alternder Hund wie ich durch solche Verweise leichter in eine gewisse Nostalgie hineingeführt wird.
hier klicken Weltenwandler schrieb daraufhin am 02.08.2010: Das ist wohl der Zeitpunkt, an dem ich sagen soll, dass du so alt noch gar nicht bist, mh? ; )
hier klicken argot äußerte darauf am 02.08.2010: Genau. Und dann sage ich: Ach, hast Du eine Ahnung...
hier klicken Weltenwandler ergänzte dazu am 02.08.2010: Aber soweit wird es ja nicht kommen, weil ich dir doch gar nicht widersprechen will.

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