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Meine Begegnung mit der Performance-Künstlerin *Barbara Heinisch*

Erzählung zum Thema Begegnung
von  Symphonie.

Performance-Seminar

… ich sitze bei einem Glas Rotwein *Gran Reserva, Jahrgang 1990 *Valdepenas auf meinem Balkon und genieße die milde Abendluft und die Stille nach dem wütenden Sturm, der in der letzten Nacht wieder kräftig an den Blüten und Bäumen in den Gärten und auf dem Balkon gezerrt hat. Unvermittelt kommen mir Gedanken in den Kopf an meine Begegnung mit Barbara. Ich nehme mir das Buch heraus von Barbaras großen Werken, welches sie mir - von ihr mit einer freundlichen Widmung versehen -  damals in dem Seminar verkaufte
 
ich rolle die Geschichte von hinten auf und denke an meine letzte Begegnung mit ihr!
 
 
Eine rote Rose in der Hand und eine Flasche besonders guten australischen Rotwein unterm Arm, schelle ich aufgeregt an der Türe von der Künstlerin, die nicht weit von mir in Düsseldorf lebt!
 
Die Türe geht auf und ich darf ins *Allerheiligste der Barbara!
 
Die außergewöhnlich große blühende Rosenblüte, dunkelrot – fast schwarzrot mit ihren Blütenblättern wie Samt, überreiche ich ihr und umarme sie herzlich …ein Lächeln der natürlichen und doch so eindrucksvollen Frau, mit ihrem glatten braunen, halblangen Haar und ihrer menschlichen Wärme, die einen sofort ergreift, belohnt mich, als sie die Rose sieht.
 
 

Noch während sie eine Vase für die Rose holt und Gläser für den Wein, veranlassen mich bereits die in den vorderen Räumen ihrer großen, luftig und künstlerisch eingerichteten Wohnung hängenden riesigen Gemälde an den Wänden immer wieder zum *Stehen bleiben*.
 
Passende Worte hierfür fallen mir nicht ein, aber sie bemerkt meine Begeisterung  lächelnd und erzählt mir, wo und wann sie entstanden sind. Danach bittet sie mich in ihr  Atelier, welches gleich an die Wohnung anschließt.
 
Wir haben uns wieder einmal verabredet, um nachher in Krefeld eine Aufführung einer Tänzerin und anderer Performance - Künstler anzuschauen, die sie kennt und mit denen sie ihre Werke gemeinsam vorgeführt hat.
 
Uns bleibt noch eine Menge Zeit zum Reden, das haben wir extra so geplant. Sie schaut liebevoll auf den Rotwein, ich habe ihn genau richtig ausgesucht!
 
Die besondere Stimmung dieser Stunden werde ich nie vergessen. Es ist ein ungewöhnlich warmer Sommertag. Die Nachmittagssonne scheint durch das Fenster in das riesige Atelier, an dem die Wände mit vielen riesigen Exponaten zugestellt sind. Der Sonnenstrahl fällt wie Scheinwerferlicht, nur sanfter, direkt auf unser kleines Tischchen in der Mitte des Ateliers, an dem wir uns es mit der Rose und dem guten *Tropfen gemütlich gemacht haben. Eine Szene wie aus dem Beginn eines Films.
 
Der vertraute Duft der Farben verrät, hier ist eine kreative *freie Zone, fernab von allem anderen, kein Geräusch erinnerte an die Großstadt vor der Tür. Unsere Seelen sind gleichgeschaltet und unsere Herzen schlagen im gleichen Takt.
 
Nachdem ich alle Werke bewundert habe und Barbara erklärt, für wen sie bestimmt sind, erzählt sie von Ländern, Menschen und Ausstellungen! Gerade von ihrer Reise aus Kairo zurück, schildert sie, wie sie die hohen Herrschaften - mit der doch ganz anderen Mentalität – von ihren Werken überzeugen konnte und sogar einen Auftrag für ein großes Projekt in der Tasche hat. - Eines Ihrer großen Exponate hängt im Düsseldorfer Landtag, andere Bilder in Kirchen und Museen in vielen verschiedenen Orten. Dies ist nachzulesen und ihre Werke sind auch im Internet zu finden.
 
Dann wiederum berichtet sie spannend von ihren Urlauben ganz allein, wo sie mit Papier und Aquarellstiften  versehen oft stundenlang an den Klippen sitzt und zeichnet, was die Natur so gerade bietet, eine Abwechslung zu ihren sonst so großen Projekten in ihrer einzigartigen Art! ... Meisterin schneller Entschlüsse schlägt sie vor, ob ich nicht in diesem Jahr mitkommen wolle nach Griechenland, ebenso mit Stift und Papier bestückt. Ich will sofort, aber wenig später hat mich die Realität wieder eingeholt, ich kann mir das im Moment nicht leisten und verwerfe den Plan kurze Zeit später schweren Herzens wieder. In meinem Job als Sekretärin in einem großen Forschungsinstitut ist es schwer, den Urlaub sporadisch einzureichen und ihn mit den Sekretärinnen der anderen Abteilungen kurzfristig abzustimmen.

Viel zu schnell verfliegt die Zeit, die wir sehr genießen. Wir trinken uns zu und haben bald vom Erzählen und dem guten *Roten rote Wangen bekommen.
 
Einiges Räuspern und Husten während ihrer Erzählungen ließ mich aufhorchen. Barbara sah nicht so gesund aus. Die jahrelange Kälte eines riesigen, nicht warm zu kriegenden Ateliers, viel Arbeit, kaum Ruhepausen und wie man sich denken kann, nicht zuletzt das Einatmen von Farben, Firnis und Lacken über Jahre, haben unbemerkt ihre Spuren hinterlassen … *Barbara, Dir geht es nicht gut?* frage ich. *Na ja, das wird schon wieder, doch ich brauche dringend etwas Pause und wärmere Gefilde, mehr Sonne für neue Inspiration und Schaffenskraft,* meint sie, mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Sie berichtet mir, dass sie einen Freund gefunden habe und die selbst gewählte Einsamkeit - nur für die Kunst - nun beenden will und sich in wärmere Gefilde zurückziehen möchte, mit ihrem neuen Lebenskameraden und zum Auftanken für neue Ideen.
 
Dies ist meine letzte Begegnung mit der Künstlerin! Sie hat ihren Traum wahr gemacht und Düsseldorf – so wie ich vermute – für immer verlassen!
 
Ich schalte nun zurück, wie es begann….
 
 
1. Tag eines dreitägigen Seminars mit der Künstlerin
 
wir betreten den riesigen *Bach-Saal* in den oberen Stockwerken der Stadtkirche von Düsseldorf, der *Johanneskirche*, der für Aufführungen und Konzerte benutzt wird sowie für große Aktionen oder Projekte auch der Stadt-Akademie und den engagierten Künstlern für Seminare zur Verfügung gestellt wird.
 
Rundrum sind schon die großen Staffeleien mit den Leinwänden in einer Größe von über 2 m Höhe aufgebaut. Seitlich davon sind große Tische voller Farbflaschen, Eimer, Pinsel und weiteres Material bereitgestellt.
 
Nachdem alle Anwesenden eingetragen wurden, setzten wir uns in den Kreis und machten uns bekannt.
 
Zuerst galt es, zu assoziieren. Die Künstlerin nannte eine Farbe und wir mussten reihum dazu ein Wort sagen, was uns einfiel. Danach setzten wir uns an einen großen runden Tisch, banden uns dünne Leinentücher vor das Gesicht und mussten uns mit drei vorher ausgesuchten Farben ohne ein Wort zu sagen mit dieser Farbe intuitiv das Gesicht bemalen. Dies war ein spannender Moment, denn wir wussten nicht, was wir trafen und wie es aussehen würde.
 
Danach nahmen wir die Tücher ab, und setzten uns wieder in den Kreis.
Die merkwürdigen Masken wurden besprochen, habe nie vorher so etwas gesehen.
Meine Maske sah so aus wie ein Gesicht, Augen und Nase sowie Mund waren getroffen aber in einer unheimlichen Form, da das Tuch, was um das Gesicht gebunden war, nun ja breit da lag, eben wie ein Maske! Andere hatten das ganze Tuch mit Farbe verschmiert, was noch unheimlicher aussah…

So fanden wir den ersten Kontakt zu der Farbe mit den bloßen Fingern. Danach erklärte die Künstlerin uns, was sie eigentlich macht.
 
Es geht hierbei nicht um das Abmalen eines Gegenstandes, einer Landschaft oder eines Menschen, was sie ohne Zweifel beherrscht, sondern eine weitere Form der Gestaltung, von ihr erdacht. Für ihr Projekt braucht sie diese großen durchsichtigen feinen Leinwände, durch die man durchsehen kann. Dahinter befindet sich ein Mensch, vorzugsweise ein Tänzer, in irgendeiner Position, den sie nach seinen Fähigkeiten, seiner Ausdrucksform emphatisch versucht, durch Farbe auf die Leinwand zu bringen. Seine Bewegungen, seine innere Kraft, seine Performance, seine Gedanken und Wünsche, eben seine Individualität, die sie vorher in langen Gesprächen mit ihm erforscht, die Stimmung wird durch Farben belegt! Sie bringt im raschen Wechselspiel zwischen ihrer wechselnden Farbenkombination und seinen Bewegung hinter der Leinwand, durch die sie hindurch sehen kann, den Verlauf seiner Bewegungen auf dieselbe. Bei der Vorführung wird eine entsprechende klassische Musik untermalend abgespielt. Wenn sich das ganze auf einer Bühne in einem Kirchenschiff abspielt, wird  das ganze ebenfalls mit entsprechender Musik bereichert. Am Schluss der Vorführung nimmt der Künstler hinter der Leinwand ein kleines Messer, schlitzt die Leinwand auf und schlüpft durch sie hindurch der Künstlerin die Hand gebend, bekommt auch er noch Farbe ab und ist erst dann zu sehen, auftauchend aus seinem eigenen Bild.
 
Wir bekamen jeder für die drei Tage zwei Leinwände. Zu beginn mussten wir uns erst mal eine Partnerin aussuchen, mit der wir arbeiten würden. Danach war unsere Aufgabe, uns drei bis vier Farbflaschen auszusuchen, Eimer, Pinsel sowie Papier als Unterlage um unseren Schaffenskreis herum.
 
Dann war unsere erste Übung mit bloßer Hand, mit Farbe etwas auf die Leinwand zu bringen intuitiv. Der andere stand hinter derselben Leinwand und musste diese Spuren von der anderen Seite ergänzen. Ein seltsames faszinierendes Gebilde entstand. Ein neues Gefühl, die Farbe mit den Händen auf der Leinwand zu verstreichen.
 
Der 1. Tag geht dem Ende zu, erschöpft und müde stellen wir unsere Sachen beiseite. Wir sind begeistert und voller Freude über die neuen Erfahrungen.
 
Nun haben wir Hunger, notdürftig versuchen wir, die Farbe, von den Händen und Armen zu bekommen, was jedoch nicht hinhaut. Unsere Kleidung hatte logischerweise jede Menge abbekommen. Die Künstlerin fragt, ob wir noch gemeinsam irgendwo essen gehen wollen zum Ausklang des harmonischen Tages. Einige schlagen den Chinesen um die Ecke, den *Kaiserhof* vor, alle sind einverstanden. Im Lokal haben wir eine große Ecke mit einem runden Tisch erwischt und bestellen uns – nun doch müde in den Beinen vom langen Stehen – jeder eine kleine Köstlichkeit. Wir trinken uns zu, eine überaus harmonische Gruppe. Wir erzählen uns voneinander und ich kann mich nicht erinnern, jemals so frei und vergnüglich irgendwo gegessen und diniert zu haben, dazu noch mit Farben verschmierten Unterarmen und Händen, Farbtupfern an Haaren und Kleidung sowie ungekämmt und ungeschminkt. Es war mir zum ersten Mal im Leben egal, ob und was die anderen Gäste im Lokal  dachten, es zählten nur wir – der Kreis und die Künstlerin – sonst nichts!
 
 
2. Tag des Seminars
 
Schon früh sind wir wieder an Ort und Stelle. Die Hauptaufgabe erwartet uns nun.
 
Jeder soll in den nächsten beiden Tagen den anderen auf seine Leinwand verbannen mit den von ihm dazu ausgesuchten Farben.
 
Der Partner steht oder hockt, sitzt oder liegt dicht hinter der Leinwand und der andere muss gemäß seiner Meinung nach herausfinden, mit welche Form, Struktur und Farbe er den anderen darstellen will, den er nun durch den vorigen Tag kennen gelernt hat. Auch hier geht es wiederum nicht um das Äußere des anderen, sondern um Empathie, darum - das Wesen des anderen versuchen zu erfassen.
Ich lasse meiner Partnerin den Vortritt, die Ehefrau des Direktors der Stadt-Akademie im *Haus der Kirche in der Düsseldorfer Altstadt, von wo die Kurse und Seminare ausgingen und die Künstler engagiert wurden.
 
Aber auch an diesem Tag brauchten die Beine eine Pause und der Hunger stellte sich auch wieder ein. Wir hatten verabredet, gemeinsam etwas zu kochen. Das war eine Freude, jeder brachte etwas mit, es wurde eine feine Weinlauchsuppe zubereitet, selbstgebackenes Brot gereicht, ein leichter Weiswein, Kaffee und Nachtisch für den müden Geist und wir speisten inmitten der großen Leinwände. Wir rückten dabei innerlich wiederum ein Stückchen näher, was gut für unsere gemeinsame, kreative Arbeit war.
 
Meiner Teilnehmerin wurde es später schlecht und so kam es, dass ich nun keinen Partner zum malen hatte. Ich erschrak, sollte der Kurs für mich  schlecht enden?
 
Doch Rettung  war sofort in Sicht. Die Künstlerin selbst bot sich nun als meine Partnerin an. Nun hatte ich mein Modell. Strahlend ging ich an die Arbeit, Wir lächelten uns beide an. Mit der Künstlerin hinter der Leinwand war meine gesamte innere Kreativität geweckt. Wen könnte ich besser in Form und Farbe ausdrücken, als sie?! Dicht an das Leinen geschmiegt, stand sie still da und ich legte los, gab ihr Farbe, Form und Schwung, Energie in Farbe und Form. So wie es mir einfiel. Es machte mir große Freude durch sie zu experimentieren!

 
Dann setzte ich die Künstlerin auf die andere Seite des Bildes und ich malte sie konturengenau mit den Fingern ruhend nun in zartem Hellbau ab. Das Bild konnte so von beiden Seiten betrachtet werden. Die leuchtenden Farben schienen stark durch und man konnte jeweils wählen, welche Seite man in den Vordergrund stellen will.
 
Toll wäre gewesen, ich hätte ein großes Atelier, wo ich es als Paravant aufstellen könnte.
 
Es wurde spät an diesem Abend und wir waren sehr erschöpft
 
Anschließend setzten wir uns in den Kreis und die von uns erstellten und Kunstwerke wurden besprochen. Herrlich, was die Paare alles dargestellt hatten. Deutlich sah man natürlich die Handschrift derer, die Maler oder Designer waren. Aber keine Leinwand musste sich vor der anderen verstecken. Besonders gut war gelungen die Leinwand einer Malerin aus Australien, die am ersten Tage das Vergnügen hatte, Barbara zu malen.
 
Zum Schluss meinte die Künstlerin, ob sich einige über Nacht eine kleine Performance einfallen lassen wollten und diese am letzten Tage mit ihrer Partnerin vorführen wollen. Natürlich frei nach unseren Gedanken und Wünschen!
 
Sofort willigte ich ein, noch nicht ahnend, was dabei rauskommen würde. Die Künstlerin lächelte mir zu. Sie konnte meine Gedanken lesen, ja – Ela war in Hochform. Rasch formierten wir uns wieder zu Zweiergruppen für den anderen Tag. Es musste geklärt werden, wer den Part der Malerin übernimmt und wer die Performance hinter oder neben der Leinwand machen sollte. Meine Partnerin Maler- und Designer wollte malen, also blieb für mich der Part der Darstellerin.
 
Drei Paare hatten sich nun entschieden für den morgigen Tag eine Idee umzusetzen.
Was soll’s, dazu verblieb ja noch die ganze Nacht!! ;-)
 
Endlich zu Hause angekommen unter die Dusche, die Farbe entfernen, ein wenig essen und dann die Beine hochlegen. Bei gedämpftem Licht saß ich da und überlegte mir, welches Thema über Nacht darzustellen sein könne, was ich dann am anderen Tage noch mit meiner Partnerin abstimmen musste.
 
Nicht lange und mir fiel eine Kassette ein, auf der eine wunderschöne Melodie von *Deuter* drauf war, ich legte sie ein und spielte sie ab. In Gedanken formte sich eine Figur zu der Musik. Ich spielte die kleine Rolle in real nach, passend zum Takt und klang der Musik immer und immer wieder, stellte mir dabei die Leinwand vor und das, was die Malerin tun musste…Gegen 4.00 Uhr morgens war es im Kasten.
 
Dann hörte ich leise den Schlüssel in der Tür und mein Sohn mit Freundin kehrten heim von einer Fete. Sogleich mussten sie meine Generalprobe ansehen. Sie waren begeistert. Erst dann konnte ich zu Bett gehen und schlief für einige wenige Stunden, gedanklich noch bei der Künstlerin und unseren Werken sowie dem morgigen Tag…
 
 
Der 3. Tag des Seminars
 
Nun einander schon vertraut, saßen wir aufgeregt da und besprachen den Tag.
 
Vor der großen Bühne waren schon die Stühle aufgebaut.
 
Während einige noch ihre Bilder fertig stellten, zogen sich die drei Paare jeder in eine andere Räumlichkeit zur Besprechung zurück, bei der die Künstlerin jeweils anwesend war.
 
Dann war ich an der Reihe, die erdachte Performance im Ansatz vorzuführen und zu erklären.
 
Leise stellte ich das Kassettengerät mit der wunderbaren Musik an, die in diesen großen Räumen schon einen besonderen Klang hatte, das von mir beschriebene Konzept ging auf, die Malerin wusste, was sie machen würde und die Künstlerin war einverstanden mit der Performance, wie ich sie kurz darstellte natürlich ohne die Leinwand…. Dann ging es los!
 
 
Die 1. Performance
 
Die Leinwand des 1.  Paares darauf wurde vor die Bühne geschoben. Die Performance-Person war weit hinten auf der Bühne versteckt. Die Malerin des Paares begann lustig und keck bunte Farben auf die Leinwand zu bringen und rief die andere immer, die sich aber nicht traute hervorzukommen. Bis sie endlich näher robbte  und langsam ihre Hand in die Leinwand legte, so begann ein buntes Wechselspiel, in dem die Malerin die Hand erhaschen wollte mit Farbe und jedes Mal war sie wieder weg, bis die Leinwand ganz bunt war und die Frau aus dem Hintergrund ein Messer nahm und das Leintuch zerschnitt und hindurch sprang…
Eine lustige Aufführung, spannend und keck dargestellt.
 
Unser Beifall war ehrlich, das war interessant. In der Idee hatten wir Barbaras Art der Performance begriffen.
 
 
Die 2. Performance
 
Wieder eine leere Leinwand vor der Bühne aufgebaut. Eine Musik mit Wellenrauschen ertönt. Die Malerin taucht den großen Pinsel in die Farbe und malt die Wellen blauen Meeres.
 
Hinter der Leinwand liegt die andere Person auf der Erde und schläft. Das Farbenspiel auf der Leinwand wird bunter, im Takt der Musik und der sich dahinter aufwachenden Frau - ein Himmel, Sonnenstrahlen und die Person hinter dem Leinen reckt sich und steht auf. Dies wird mit der Farbe blitzschnell nachgemalt. Die Frau geht auf die Leinwand zu und zerschneidet sie ebenfalls und zwängt sich durch das Leinen hindurch, im Durchschlüpfen noch bemalt von ihrer Malpartnerin.
 
Wieder war unser Beifall der Lohn. Inzwischen waren der Pastor der Stadtkirche und einige Gäste auf der Empore versammelt. Wir nahmen es nicht war, sahen nur uns und waren ganz bei der Sache vor Eifer.
 
 
Die 3. Performance
 
Nun musste es auch bei mir gelingen, nicht geprobt, hoffte ich, dass es synchron mit meiner Partnerin klappen würde. Gespannt wartete jeder, was nun kommen würde.
 
Noch ehe die Musik angestellt wurde, dachte ich so bei mir, dass die Vorführung in dem dunklen Malerdress hinter der Leinwand kaum zu sehen sein würde und so nicht zur Wirkung kam. Rasch entledigte ich mich meiner Kleidung und sprang in den roten Dessous hinter die Leinwand.
 
Dann waren alle mucksmäuschenstill und die Musik erklang.
 
Eine Melodie, die mit Vogelgezwitscher und Sphärenklängen eingeleitet wurde, langsam wie ein beginnender Morgen. Ich hockte zusammengekauert, mit einem Bein gekrümmt nach vorn da, aufgestützt auf mein Knie, den Kopf in den Händen verborgen. Bei einem bestimmten Zeichen in der Musik, gleich einem winziges Glöckchen, wurde ich geweckt und nahm langsam den Kopf in die Höhe und schaute nach oben zum Himmel - in Richtung Musik, meine Partnerin begann die zusammengekauerte Figur schnell auf die Leinwand zu bringen mit den Farben rot, goldgelb und braun, nach dem Takt der Musik….dann wurde die Musik frischer und schneller und ich lockerte meine zusammengekauerte Haltung auf und stand langsam auf, das war der schwierigste Part, das auf die Beine zu kommen, ohne aufzustützen und zu wackeln, hatte es nachts stundenlang geübt. Es gelang. Die Malerin musste rasch die Farben wechseln und meine aufstehende Geste nachvollziehen auf der Leinwand. In ihrer Haut wollte ich nicht stecken. Die Musik wurde schneller, eine wunderbare Stelle in dem Stück, die mich im Takt wiegend veranlasste, mich rhythmisch schneller zu bewegen, dies hatte ich ebenfalls nachts bis zum geht nicht mehr geübt, damit ich Note um Note genau auskam mit der Musik und der Vorführung. Die Malerin musste wieder meine Bewegung der Arme und des Körpers auf der Leinwand festhalten, sie hatte zu tun, und das in Windeseile! Langsam steigerte sich die Musik und mein Tanz wurde schneller, ich zog mich Schritt für Schritt langsam seitlich aus dem Bild, die Malerin folgte mir mit der Farbe strichweise bis zum Rahmen der Leinwand!
 
Dann stand ich immer noch im Takt tanzend vor dem Bild und tanzte meinen Part langsamer werdend zu Ende, die Malerin setzte ein paar Schlusspunkte auf dem Bild, auch sie wusste genau, wann die Musik zu Ende war.
 
Als die Musik leiser wurde und abebbte, zog ich die Hände, die beim Tanzen nach oben gewandert waren nun langsam nach unten links und rechts von mir und hielt am Schluss die Handinnenflächen einladend und gebend nach oben wie ein Schale und verhaarte mit dem letzten Ton auf der Stelle wie ein Standbild, desgleichen erstarrte die Hand der Malerin mit dem letzten Ton…
 
Nach einigen Sekunden der absoluten Stille, tobte ein starker Beifall für uns, die Künstlerin kam auf mich zu und sagte leise, “das war toll Ela, das warst ganz Du“! ich werde das nie vergessen – ein Erlebnis ganz eigener Art, spontan und ohne viel Publikum, aber eine bereichernde Erfahrung für mich, für uns alle…
 
Noch einige Male trafen wir uns. Beim vorletzten Male in dem Büro der PC-Grafikerin und Designerin, wo wir um einen großen Tisch herum beisammen saßen, eine gemeinsam gebraute Suppe genossen und natürlich einen guten *Roten! Die Künstlerin Barbara hatte starke Rückenschmerzen wegen der Bandscheibe, was ich nachvollziehen konnte, weil es mir nicht unbekannt war. Das machte sie mir noch sympathischer, ich muss lächeln! Da wir anschließend noch ins Theater wollten, musste Abhilfe geschaffen werden. Ich hatte eine Idee, mein Vorschlag war, dass sie sich auf die Erde legen solle, denn ein Sofa oder Bett war in dem großen Büro nicht vorhanden und die Beine auf den nächsten Stuhl legen im rechten Winkel zur Entspannung der Lendenwirbel. Gesagt, getan! Damit sie nicht so einsam war da unten, legte ich mich zu ihr auf die Erde unter den Tisch, wir haben uns köstlich unterhalten und bei dem Gedränge da oben um den Tisch wurden wir nicht vermisst, oder doch? Einen guten *Roten hatten wir mit nach unten genommen, logisch! Uns wurde es nicht langweilig und als es losging ins Theater, ging es Barbara vom Rücken her wirklich besser. Lächelnd krabbelten wir unter dem Tisch wieder hervor.
 
Ein weiteres 2wöchiges Seminar mit Übernachtung in der Akademie in Gütersloh kam leider trotz Anmeldung nicht zustande, was ich sehr bedauerte. Ich hätte von Barbara noch vieles lernen können. Ich lege das Buch mit ihren Werken liebevoll beiseite und wünsche ihr gedanklich *Alles Gute*, wo immer sie jetzt ist …

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Graeculus Kommentar von  Graeculus (27.12.2015)    diesen Kommentar melden
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Veröffentlicht am 04.05.2004, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 17.01.2005). Dieser Text wurde bereits 4154 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 20.05.2017.
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