Treppenlauf

Gedicht zum Thema Leben/Tod

von  Fuchsiberlin

Treppen bleiben stumm,
und was hört ein Steinläufer?

Zwischen dem 1. und 5. Stockwerk,
lebt eine Frau vom Alkohol,
ihr Mann flüchtet in seine Modelleisenbahnwelt.
Wo befinden sich ihre zwei Kinder?
Die Arche ruft und schenkt den Nicht-vermissten
viel mehr als nur eine warme Mahlzeit.

Zwischen dem 6. und 10. Stockwerk
ist ein unüberhörbares Hundebellen zu vernehmen.
Den letzten beißen die Hunde,
eine Katze schreit.
Die Gehörgänge sind zugemauert,
und der Hörgeräteakustiker kann nicht helfen.

Zwischen dem 11. und 15. Stockwerk,
denkt eine 87-Jährige an ihren Sohn,
den sie vor 10 Jahren das letzte Mal sah.
Zwischen Tür und Angel kämpft das Pflegeheim um Einlaß.

Zwischen dem 16. und 20. Stockwerk,
lebt ein Mensch mit einem Wahn,
fern vom Schlachtfeld der Wohnung
befinden sich die Medikamente auf dem Balkon.
Die Polizei klopft an der Tür,
die Amtsärztin bereitet Zwangseinweisendes vor.

Im 21. Stockwerk
steht im Hausflur ein Fenster weit offen.
Vor wenigen Minuten sprang jemand in die Tiefe.

Die Treppen sind aus Beton,
der Fahrstuhl streikt.

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Kommentare zu diesem Text

KoKa (43)
(29.11.11)
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 Fuchsiberlin meinte dazu am 29.11.11:
Manche Texte gebe ich zum Kommentieren frei.
Die Realität ganz zu erfassen, kann keinem gelingen, Extreme existieren, zu der Seite wie auch zur anderen, der Blickwinkel entscheidet, wie viel gesehen werden kann oder will, wie auch immer. Die Realität ist manchmal näher als man glaubt.

die Pillen soll man nicht stündlich werfen
Diese Aussage von Dir verstehe ich jetzt nicht.
magenta (65)
(30.11.11)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Fuchsiberlin antwortete darauf am 30.11.11:
Ich danke Dir. Mir war es sehr wichtig diesen Text direkt und schnörkellos zu verfassen.

Ganz liebe Grüße
Jörg
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