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Hamsterrad des Grauens, Teil 1

Beschreibung zum Thema Wandel
von  LotharAtzert.

1. Es ist schon ein paar Jahrzehnte her, da fanden kluge Köpfe heraus, daß wenn man eine gerade Linie immer weiter in den Weltraum verlängerte, man irgendwann wieder am Ausgangspunkt angelangte, so daß die Gerade nicht wirklich gerade verlaufe, sondern vielmehr einen Kreis bildete. Dieses Phänomen erklärte man sich damals durch die Begriffe von der Krümmung des Raumes.
 
2. Kein Element eignet sich besser, als Wasser, um dieses Kreisläufige zu veranschaulichen: es steigt aus dem Meer, wird Teil einer Wolke, fällt, sich im Tropfen sammelnd, zurück zur Erde, um sich von dort aus (über zahllose Gierschlünder) den Weg zurück zum Ozean zu suchen.
Stetig ist sein Fall; aufwärts, dabei feiner werdend, bewegt es sich durch die Kraft des Feuers. Es ist ein immerwährendes Spiel der Elemente - je wärmer, umso mehr verdunstet es, bevor es sich abkühlendweise wieder als Tropfen in Richtung Erdtiefe verdichtet. Überwiegt Wasser, löscht es die Flamme, eine Emanation des Feurigen.
 
3. "Wir steigen in denselben Fluß und doch nicht in den selben, wir sind es und wir sind es nicht"
lautet ein Zitat des Einsiedlers Heraklit. In diesem Gedanken wird die Wandlung der Dinge angesprochen: selbst eingedenk der Tatsache des wiederholten Kreisens (von Wasser um die Erde, von Blut in den Adern, von Erde um die Sonne etc.) ist doch jeder folgende Kreis einer mit der Erfahrung des Vorangegangenen. Folglich läßt sich nur im Paradoxon von Wiederholung sprechen. Diese Erfahrungen darf man allerdings nicht leichtfertig mit unserem Bewußtsein gleichsetzen, welches allmählich entsteht oder nicht entsteht. Das ursprünngliche Bewußtsein ist für unsereins unbewußt. Und nur im Schlaf, als Traum, erwacht ein wenig davon und verstört, macht sensibel.
 
4. "Einst träumte Tschuang Tschou, er sei ein Schmetterling," - dieses Gleichnis kannten einst alle gebildeten Südchinesen, egal aus welcher Bildungsschicht sie kamen (Tschuang Tsi, - Das wahre Buch vom Südlichen Blütenland, E. Diederichs-Verlag) - ein Schmetterling, der nichts wusste von Tschuang Dsi. Doch nun, wo dieser erwacht, ist er nicht mehr sicher, ob er vielleicht der kurze Traum dieses Schmetterlings ist und verfällt darob in Melancholie, die offen läßt, wer wen erträumt und ob einer daraus zu Bewußtsein erwacht. Der Text schließt dann mit: "So ist es mit der Wandlung der Dinge".
 
.

URL dieses Textes:  www.keinVerlag.de/405734.text

Kommentare und Diskussionen zu diesem Text

Kommentar von  Bette (26.05.2017)    diesen Kommentar melden
Ganz klar, das Geträumte träumt uns, denn der Traum entsteht im Energiekörper, den wir träumen.
Abschiedsgrus für drei Tage

 LotharAtzert meinte dazu am 26.05.2017: Guckst Du heimlich durchs Energieschlüsselloch?

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Sweet_Intuition Kommentar von  Sweet_Intuition (26.05.2017)    diesen Kommentar melden
Hallo Lothar!
 
Das mit dem Schmetterlingstraum kannte ich, Borges hat ein schönes Gedicht darüber geschrieben.
 
Auch über Heraklits Fluss hat er ein schönes Gedicht geschrieben (weil man kann ja nicht 2 Mal in denselben Fluss steigen, da der Fluss und wir dann ein Anderer sind).
 
Leider konnte ich die Gedichte nicht mehr finden. Dafür fand ich deinen Text, den ich schön finde.
 
Liebe Grüße, Stefanie
(Kommentar korrigiert am 26.05.2017)

 LotharAtzert meinte dazu am 26.05.2017: Danke, Stefanie.
Ja, ich kenne Borges. Als ich nämlich mal hörte, er sei Shakiras Lieblingsdichter, hab ich ihn mir gleich "geborgt", - kleiner Scherz;))
Dir auch liebe Grüße
L.
 Graeculus antwortete darauf am 28.05.2017:
(weil man kann ja nicht 2 Mal in denselben Fluss steigen, da der Fluss und wir dann ein Anderer sind)

Das hat Lothar korrekter zitiert. In dieselben Flüsse steigen wir und steigen wir nicht, wir sind es [= dieselben] und wir sind es nicht.
Das ist nicht einfach eine Aussage über den Wandel der Dinge, sondern eine Paradoxie; daher ist es nicht so einfach zu interpretieren.

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Stelzie Kommentar von  Stelzie (26.05.2017)    diesen Kommentar melden
Wieso eigentlich "Hamsterrad des Grauens"? Wenn doch alles im Fluss ist - ich kenne das so in der Art des "Leben- Sterben - Leben Rhythmus". Das hat für mich etwas Beruhigendes. Nicht nur im Bezug auf den Tod an sich, sondern auch alles was die Natur betrifft oder aber auch die vielen Male, die wir im Leben sterben um uns damit zu regenerieren.
Wasser bedeutet wohl Leben und der Schmetterling ist das Sinnbild der Regeneration /Wiederauferstehung?
Grauenvoll ist das für mich eher nicht.
Habe gern drüber nachgedacht.
 
Liebe Grüße
Kerstin

 LotharAtzert meinte dazu am 27.05.2017: Du kannst den Teil 2 gar nicht abwarten, wa?
Die Krümmung des Raumes ist auch im Denken. Bevor jemand einen Hamsterkäfig mit Laufrad bauen konnte, musste er das natürliche Kreisen mit Leben und Sterben erst verdrängen. Das ist aber nicht alles. Das Verdrängte wird zum Zeichen. Zeichen stehen immer für Abwesendes. (Beispiel: fällt ein Zahn aus, ist die Lücke das Zeichen für den Verlust.)
Ein Zeichen für den Verlust an Ursprünglichkeit ist zum Beispiel die "Auto-Mobil"-Industrie. Da wird das Schöpferische in einem Zylinder zur kontrollierten Explosion gebracht, wodurch ein Kolben hoch und runter ... man muß halt das Prinzip hinter allem erkennen wollen. Macht allerdings einsam - die Masse wendet sich ab - auch ein Zeichen ...
Gruß
Lothar

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Dies ist ein Teil des mehrteiligen Textes  Vom Wind in den Bäumen.
Veröffentlicht am 26.05.2017, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 26.05.2017). Dieser Text wurde bereits 183 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 19.08.2017.
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