Nebula

Erzählung zum Thema Andere Welten

von  Mondsichel

Durch die Dunkelheit flüsterte eine Stimme: „Wenn ich in Deine Augen blicke, dann sehe ich mich selbst. Vergessend in einer Zeit, die mir die Sehnsucht aus dem Herze stahl. Ich wünschte, ich könnte nur ein einzig mal, meine Hände auf Dein Gesicht legen und Dir ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Doch Du siehst mich nicht, auch wenn Du mir näher bist, als alles andere auf dieser Welt. Ich wünschte, ich könnte schlafen um zu vergessen, doch selbst das ist mir nicht vergönnt. Sehe nur Dein Bild vor meinen Augen, die Erinnerung mit glühenden Lettern auf die Zukunft gebrannt. Wohin führt mich dieser Weg? Wohin nur? Aber nur stummes Schweigen ist der düstere Lohn der Hoffnung, die ich in meiner Seele wiege. Regen fällt auf mein Grab. Es sind Tränen der Vergangenheit, die mich aus ihrem Schosse warf. Bin gestrandet am Meer der Erkenntnis, die mich wissen lässt, dass mich bald der süße Atem des Lebens wieder küssen wird. So verweile ich hier, in schutzvollen Gefilden und lasse meine Blüte erstrahlen. Damit sie weiß, dass ich auf ewig ihr Beschützer sein werde. Denn sie ist wie Du, ein lächelnd Pfand meiner Liebe.“ Ein kleiner Samen aus Licht begann in der Schwärze zu leuchten und aus ihm erwuchs wieder die kleine Blume. „Ich werde nicht zulassen, dass irgendwer ihr Licht stiehlt. Denn dann wäre es das Ende. Ich wünschte Du könntest mir helfen… Aber… Vielleicht… ja… vielleicht gibt es eine Möglichkeit…“ Die kleine Blume begann immer heller zu leuchten und ein engelhafter Gesang erfüllte den Raum. Es war die Hoffnung, die in einer geheimnisvollen Sprache sang, die einen tief im Innersten berührte…

„Was zum Teufel ist da unten los? Woher haben die nur so viel Macht?“, schrie Aretisa. „Los weiter angreifen! Das Schutzschild wird schwächer, ich spüre es.“ Sebir war fest davon überzeugt den Sieg davon zu tragen. „Trotzdem stimmt hier was nicht“, bemerkte Lockar. „Der Raum ist erfüllt von Energien, die mir verdammt bekannt vorkommen. Und irgendwie habe ich ein ziemlich ungutes Gefühl.“ Donbor brüllte ihn an: „Hör auf zu spinnen! Die machen wir locker fertig! Reiß Dich zusammen verdammt noch mal!“ Auch wenn sie nichts sagte, war Gysine der Meinung, dass Lockar recht hatte. Und irgendwie stand sie auch ein wenig neben sich, seit sie Morlock an den Feind verloren hatten. „Hallo! Gysine, wach auf!“, knurrte Lagoni sie an. „Könntest Du uns vielleicht helfen? Wenn wir einen gemeinsamen Angriff starten, dann bricht das Schutzschild vielleicht!“ Die Angesprochene fauchte zurück: „Es ist doch scheißegal was wir machen! Verfluchter Mist!“ Mit voller Wucht donnerte sie nun ihre Energie, die von schäumender Wut erfüllt war, gegen das Schutzschild. Ihr waren die mickrigen Menschen und Prinzessin Andromeda, inzwischen mehr als egal. Ihre Gedanken waren nur bei Einem, bei Morlock. Auch wenn sie nicht wusste warum, so spürte sie doch, dass ein starkes Band sie mit dem jungen Angel of the Dark verband. „Ich würde mal sagen, sie ist bei richtig guter Laune heute“, flüsterte Nirte Dragonia zu, die nur zustimmend nickte. „Los, Angriff!“, brüllte Volgon und sofort ging ein mächtiger schwarzer Feuerregen auf das Schutzschild nieder, welches doch tatsächlich zu flimmern anfing. „Ich hab’s doch gesagt!“, bemerkte Sebir triumphierend. „Bald haben wir es geschafft!“ Nun konnte sie bald wohl nichts mehr aufhalten…

Der Gesang der kleinen Blume, drang hinauf in ferne Gefilde, weit fort von jener Seele, die er erreichen sollte. Und dort wo der Mond am hellsten erschien, erhob sich die Göttin vergangener Zeiten. „Ich höre Deine Stimme, doch kann ich es kaum glauben. Kann es denn sein?“ Mit klaren blauen Augen, blickte sie sehnsüchtig hinüber zur Erde. Die durchsichtige, weiße Gestalt erhob sich von ihrem Gebetsschrein. „Aber Du bist tot... zerfallen in Millionen leuchtender Staubkörner, die aus meinen Händen geweht wurden. Oder... war es nur eine Illusion?“ Die Mondkönigin, die Göttin des bleichen Lichtes, hob ihre Hände zur Brust. Hätte sie noch gelebt, hätte ihr Herz in der Brust vor Aufregung Purzelbäume geschlagen. „Was habt ihr Eure Majestät?“, rief es hinter ihr. „Ich werde gerufen“, antwortete sie abwesend. „Dann ist es wohl Zeit für Euch zu gehen, nicht wahr?“ Die Göttin blickte sich um und sah Sailor Merkur tief in die Augen. „Ja... ich muss gehen...“ Dann richtete sie ihren Blick in die Runde aschfahler Schatten der Krieger, die ihrer Energie beraubt, auf der Erde in Staub verwandelt worden waren. „Wir werden auf Euch warten Königin“, sagte Venus und alle anderen nickten ihr zu. „Ihr dürft den Mond vorerst auch nicht verlassen“, mahnte die Göttin. „Sonst ist Eure Energie für immer verloren. Dieser Krieg ist noch zu gefährlich für Euch!“ Ihr Blick war bei diesen Worten mehr als ernst...

Langsam sanken die Hände der erstaunten Angel herunter. Dann knieten sie sich ehrfürchtig vor ihrer Königin nieder. Die Energie, die jene entsandt hatte, pulsierte in einer schützenden, feurigen Masse, direkt über ihnen. Langsam trat die Königin auf ihre Tochter zu und kniete sich dann zu dem Angel of the Dark hernieder. „Es tut mir leid, doch es musste sein. Ich hoffe Du kannst mir verzeihen Morlock. Aber ohne die Seelenerweckung wärst Du niemals erwacht“, sagte sie in einem sanften Ton zu dem jungen Mann, der sie lächelnd annickte. „Seelenerweckung? Was hat das alles zu bedeuten? Ich verstehe gar nichts mehr“, bemerkte Uranus zickig. Neptun hielt sie zurückhaltend am Arm. Denn sie konnten ja nicht wissen, wie schnell man diese fremden Kämpfer reizen konnte. Kassandra lächelte die Kriegerin an. „Das was ihr gerade zuvor erlebt habt, nennt man in unserer Welt eine Seelenerweckung. Jeder Angel kennt diese Beschwörung, ohne auch nur einmal die Worte gehört zu haben.“ Immer noch skeptisch blickte Haruka die Königin herausfordernd an. „In unserer Welt war es einst eine notwendige Maßnahme seiner Erinnerung beraubt zu werden. Jeder Angel bezieht seine Mächte aus seiner Seele, seinen Erinnerungen und seinen Gefühlen. Je tiefer die Welt des Inneren ging, desto stärker waren die Mächte, die ein Angel hatte. Wenn er aber nun all dessen beraubt war, aus dem er seine Kräfte zog, war er nicht mehr fähig zu kämpfen. So wurde der Krieg in unserer Welt vernichtet. Die Angel begannen ein neues Leben und dachten niemals wieder daran, sich mit anderen zu bekämpfen. Aber wenn es notwendig war, wurde ein Angel mit seiner Vergangenheit konfrontiert und ihm wurden die Erinnerungen zurückgegeben. Dies nennt man eben Seelenerweckung. Eine sehr schmerzhafte Angelegenheit für Denjenigen, an dem das uralte Ritual angewendet wurde. Denn wenn Erinnerungen zurückkehren und Derjenige sie im Bezug auf das Leben sah, das er nun führte, hat es einen starken inneren Zwiespalt ausgelöst, der einem regelrecht das Herz zerreißen konnte.“ So langsam begriffen die Umstehenden was mit Morlock geschehen war...

Galaktika sehnte sich so sehr nach ihm, genauso wie er sich nach ihr verzehrte. Sie hatten nur für einen kurzen Moment den Hauch dieser Gefühle kosten können. Doch nun war all ihr Denken und Fühlen nur von der Liebe erfüllt. Langsam umschlang Maias ihren Leib und zog sie an sich heran. Es kribbelte in seinem ganzen Körper, er zitterte dem entscheidenden Moment entgegen. Noch einmal atmete er tief durch und dann konnte er nichts mehr, außer sich treiben zu lassen. Die Lippen der beiden Angel vereinten sich zu einem erst zaghaften, dann leidenschaftlichen Kuss. Eine Woge aus wundervollen Glücksgefühlen durchströmte ihr Innerstes. Für einen kurzen Moment blickten sie sich in die Augen. Und dann spürten sie das Feuer, welches voller Leidenschaft in ihnen brannte. Doch sie wussten auch, dass sie die Grenzen jetzt noch nicht weiter überschreiten durften. Nicht hier, nicht an diesem Ort, auch wenn sie es gerne getan hätten. Die Dunkelheit wich hinfort und sie standen wieder im Labyrinth der Angst. „Du musst jetzt gehen, nicht wahr?“ Galaktikas Augen waren voller Traurigkeit. Er nickte ihr zu, auch wenn er gerne etwas anderes gesagt hätte. Ihre Hand berührte liebevoll sein Gesicht. Fast glaubte man, sie hätte Angst ihn niemals wieder zu sehen. „Wir werden uns wiedersehen“, sagte Maias. „Vielleicht an einem anderen Ort, in einer anderen Zeit, in einer neuen Welt. Die Zeit wird zeigen, wohin mich meine Flügel tragen. Ich wünschte Du könntest mit mir gehen.“ Hoffnungsvoll drückte er sie an sich. „Die Königin darf den Orionnebel nicht mehr verlassen. So lautet das neue Gesetz“, flüsterte sie ihm zu. „Solange Andromeda nicht zurückgekehrt ist, solange werde ich hier verweilen müssen, um die Amtsgeschäfte der königlichen Familie zu führen.“ Der Royal Moon Angel blickte sie mit liebevollen Augen an...

Vorsichtig flog sie über dem Schutzschild hin und her. Immer darauf bedacht den Angel of the Dark nicht zu nahe zu kommen, die sie wahrscheinlich schon gespürt hatten. Sie war erschrocken über die düsteren und verbissenen Blicke ihrer alten Kameraden und über die Wucht der Energie, die aus ihrem Innersten flammte. Als sie das Flimmern des Schutzschildes sah, wusste sie, dass sie nicht mehr lange Zeit hatte, um eine Entscheidung zu treffen. „Ich muss etwas tun. Wenn ich nichts tue, dann werden sie alles Leben vernichten, was unter dem Schild verborgen ist. Das darf nicht passieren.“ Sie versuchte nochmals zu spüren von welcher Art das Schild war. „Ah, es ist ein Bannschild für dunkle Mächte. Das heißt, ich kann unbeschadet hindurchfliegen.“ Einen letzten Blick schenkte sie den dunkeln Engeln und flog dann mutig an ihnen vorbei. Als sie das Schild durchflog, spürte sie wie Millionen kleine Fangarme ihren unsichtbaren Leib abtasteten. Doch sie merkten wohl, dass von ihr keine Gefahr ausging und so konnte sie ungeschoren durch die Barriere brechen. Als sie dann auf der anderen Seite Kassandra erblickte, da fiel all die Trauer über ihre lange Abwesenheit von ihr ab. Doch eines gefiel ihr überhaupt nicht. Ihre Tochter trug an ihrem langen, silbergewirktem Kleid die Brosche des Orion. Sie ahnte bereits, dass Kassandra sie auch schon eingesetzt hatte. „Ich kann nur hoffen, dass sie weiß was sie tut. Diese Brosche ist gefährlich. In ihr leben Licht und Dunkelheit, in vereinter Magie. Wer sie nutzt ist stärker als jeder andere. Doch der Preis ist hoch, zu hoch für die Königin des Orionnebels.“ Nachdenklich schwebte sie zu Boden und beobachtete einfach nur was geschah. Auch wenn sie liebend gerne ihre Tochter in den Arm genommen hätte...

„Was war das?“, verwirrt blickte sich Samael um. Die anderen unterbrachen ihren Angriff und starrten ihn an. „Was ist denn? Wenn wir keinen Druck machen, dann werden wir das Schild nie durchbrechen!“ Hestion war genervt. „Was ist denn los?“, mischte sich Dragonia ein. „Ich habe einen eiskalten Schauer gespürt, der an uns vorbeigeflogen ist.“ Volgon schimpfte: „Fängst Du jetzt auch schon an? Wie wäre es, wenn wir alle plötzlich aufhören würden zu kämpfen, wenn uns mal ein kleiner Windzug streift? Dann können wir auch gleich einpacken und in den Urlaub fahren!“ Samael fühlte sich veralbert: „Es war kein Windzug, verflucht! Es war eine Aura, deren Energie mir bekannt vorkam.“ Lockar horchte auf, denn er hatte ja kurz zuvor ähnliches gespürt. „Ich hab es doch gesagt! Aber mir will ja wieder mal keiner glauben!“ Donbor explodierte: „Das kann ja wohl nicht wahr sein! Was steigert ihr Euch in diese Sache so rein? Unsere Mächte sind denen dieser Welt vollkommen überlegen!“ Samael keifte zurück: „Ich mahne nur zur Vorsicht. Vielleicht erleben wir hier uneingeplante Überraschungen!“ Donbor glaubte nicht was er hörte: „Überraschungen? Wir hier im Krieg und nicht auf einer Tingelreise durch die Galaxien. Reißt Euch zusammen! Wir sind keine Feiglinge!“ Gysine brüllte dazwischen: „Verflucht noch mal! Hört auf zu streiten! Wir müssen zusammenhalten und nicht wegen jedem Scheiß wie kleine Kinder zanken!“ Im selben Moment, als sie dies aussprach, war ihr, als würde sie kleine Kinderhände berühren. Sie zuckte zusammen. „Ruhe jetzt!“, brüllte Turkeses. „Wir haben einen Auftrag zu erledigen! Also los!“ Die Angel of the Dark formierten sich wieder und bündelten ihre Kräfte. Im nächsten Moment ging erneut ein dunkles Feuerinferno auf das Schutzschild hernieder…

„Aber wir können Euch doch nicht...“, weiter kam Luna nicht. „Ich sagte nein!“ Sämtliche Krieger zuckten über den plötzlichen Wutausbruch der Königin zusammen. „Ihr versteht das nicht! Diese Mächte, die dort unten auf der Erde sind, können Welten zerstören! Ja, sie könnten sogar das ganze Universum auslöschen. Und ich weiß noch nicht einmal, ob man denen, die angeblich auf der guten Seite stehen, überhaupt trauen kann!“ Ihre Augen funkelten entschlossen. „Andromeda hat Eurer Tochter, der Prinzessin, nie ein Leid getan...“, warf Merkur ein. „Dafür hat sie wichtige Krieger des Sonnensystems für immer ausgelöscht! Sie ist eine Gefahr! Und sie ist schuld das dieser Welt so viel Unglück geschieht...“, kreischte die Mondgöttin. „Ihr habt ihr den Tod von König Cherubin niemals verzeihen können, nicht wahr?“ Jedyte durchbohrte die Königin mit seinem Blick. Diese zuckte augenblicklich zusammen. Doch bevor sie noch etwas entgegnen konnte, rief wieder der seltsame Gesang der kleinen Blume ihr Herz an. Sie schaute erneut zur Erde. „Bitte bleibt hier, so lange Eure Talismane ihre Kraft nicht vollständig zurückerhalten haben.“ Sämtliche Blicke waren nun auf den Gebetsschrein manifestiert, in dem mehrere Vertiefungen eingelassen waren. In einigen der Vertiefungen standen die wieder zusammengefügten Talismane und gaben ein bläuliches Leuchten von sich. „Wenn die Farbe in helles Mondlicht wechselt, dann sind sie bereit Euch die Energie zurückzugeben, die ihr verloren habt. Dann werdet ihr, mit neuer Lebenskraft, wieder kämpfen können. Doch bis es soweit ist, müsst ihr hier warten. Ich bitte Euch. Seid vernünftig und hört auf mich.“ Die Krieger nickten der Königin zu, auch wenn sie gerne gleich mitgekommen wären...

Über ihren Köpfen krachten die stetigen Angriffe der Angel of the Dark gegen das Schutzschild, doch noch hielt es stand. Plötzlich war Stille über ihnen, alle schauten verwirrt nach oben. „Nanu?“, Kassandra war überrascht. „Sie haben doch nicht etwa aufgegeben?“ Neptun glaubte zwar nicht daran, aber im Moment schien es so. Doch nur kurze Zeit später, krachte es erneut unentwegt auf die Oberfläche ein. Nun starrten alle Morlock an, der sich kaum noch von den anderen Angeln unterschied. Vorsichtig stand dieser auf und fixierte die jungen Krieger, die noch immer vor ihrer Königin knieten. Und dann blieben seine Augen auf Blacky ruhen, seiner leiblichen Tochter. Morlocks gesamte Erinnerung war zurückgekehrt und hatte seine innere Welt regelrecht zum Einstürzen gebracht. Die Erkenntnis über den Verrat an seinen eigenen Vorstellungen und Idealen, hatte ihm während der Seelenerweckung ziemlich zugesetzt. Deshalb lief er langsam und noch ein wenig wacklig auf den Beinen, auf das Mädchen zu. Als sie seine Füße direkt vor sich sah, richtete sie sich auf und blickte in sein Gesicht. Fragend schaute sie ihm in die Augen und dann wusste sie, wer da vor ihr stand. „Ihr seid alle so groß geworden“, sagte Morlock in einem sehr ungewohnt ruhigen Ton. Fast war es, als würde er nicht wagen, noch weitere Dinge zu sagen. Blacky griff nach seiner Hand und lächelte. „Ich wünschte Gysine könnte Dich sehen“, sinnierte er. „Wenn sie doch auch nur begreifen könnte, was ich jetzt verstehe.“ Traurig blickte er zu Boden. „Sie wird es erkennen, wenn für sie die Zeit gekommen ist“, sagte die Königin, die nun neben die Beiden getreten war. „Aber...“ Morlock merkte das drei Angel fehlten. „Wo sind denn Wind und Sunny? Aber vor allem: Wo ist Cat, meine zweite Tochter?“ Verbissen schaute Blacky zu Boden, denn sie hatte schon geahnt das sie mit Cat etwas besonderes verband. Stirnrunzelnd schaute er auf die Gesichter der Angel, die sich nun auch aufgerichtet hatte. „Was ist mit ihr? Sie ist doch nicht etwa...“, er hielt den Atem an. „Nein, sie ist nicht tot. Angel können nicht sterben, das weißt Du doch. Sie ist nur auf den 18. Mond zurückgekehrt.“ Alle drehten sich nach der Stimme um, die plötzlich hinter ihnen ertönte. Die Angel waren sehr überrascht. Morlock erschrak, als er erkannte, wer da vor ihm stand...

„Ich werde dafür sorgen, dass Du schon bald von Deiner Pflicht befreit bist. Die königliche Familie wird zurückkehren und dieser Welt das Gleichgewicht zurückgeben. Und dann kann uns nichts und niemand mehr trennen“, dachte der junge Mann bei sich. Galaktika lächelte ihn an, als hätte sie alles verstanden, was er gedacht hatte. „Ich sehe so viele ungeweinte Tränenmeere in Deinen Augen“, sagte er zu ihr. „Ich wünschte, ich könnte sie fortwischen und in Freude verwandeln. Aber ich muss fort. Ich hoffe Du kannst auf mich warten, wohin mich die Zeit auch führen mag. Mein Herz ist immer bei Dir, wo ich auch bin.“ Maias versuchte zu lächeln und umarmte sie nochmals. Schließlich vereinten sich ihre Lippen ein letztes Mal zu einem lodernden Kuss und ließen das Licht ihrer neuen Hoffnung grell erstrahlen. Dann machte er einen Schritt rückwärts und drehte sich zu dem jungen Mädchen und Cherubin um. Er zögerte. Noch einmal schaute er zu ihr zurück und in ihre Augen. Man konnte fast meinen die Melodie der Melancholie zu hören, die davon erzählte, dass dies das Ende einer ungeschriebenen Geschichte wäre. Doch dann drehte er sich schließlich um und schritt durch ein dunkles Tor, das sich vor den drei Angeln nun aufgetan hatte...

Die Angels of the Dark wurden immer verbissener, die Wut in ihren Gedanken trieb sie zu Höchstleistungen an. Und schließlich, sie konnten es noch gar nicht richtig glauben, brach das Schutzschild wie Glas in sich zusammen. Ein großer Jubelschrei ging durch die Gruppe. Doch umso größer war der Schock, als sie sahen, was nun auf sie wartete. Eine feurige Masse, kaum definierbar, doch durchsichtig, schwebte zwischen ihnen und denen, die unten am Boden des Kraters weilten. Gysine starrte auf Morlock, der scheinbar da unten mit jemandem sprach. „Was tut er da?“, sprach sie laut in Gedanken. Nun versuchten auch die anderen zu erkennen was da vor sich ging. „Das ist doch…“ Aretisa wusste nicht wer Kassandra war, denn sie hatte sie niemals zuvor gesehen. „Ich kenne sie, nur woher?“, nachdenklich blickte sie auf das Gesicht der jungen Frau. „Sie ähnelt Prinzessin Andromeda“, stellte Nirte fest. „Das ist unmöglich!“, warf Sebir ein. „Es sei denn…“ Volgon sinnierte. „Es sei denn was?“ Turkeses durchbohrte seinen Freund mit einem scharfen Blick. „Es sei denn, sie ist die Schwester von Andromeda, richtig?“ Kristan lenkte nun alle Aufmerksamkeit auf sich. „Andromeda hat keine Schwester“, stellte Volgon ihn richtig. „Unser König hätte es uns gesagt wenn dem so wäre.“ Dragonia stellte fest: „Und dann hätte er uns sicher auch gesagt, wir sollen beide mitbringen und nicht nur Eine.“ Volgon nickte ihr zu. „Aber wer ist sie dann?“ Lagoni hatte eine Ahnung, doch sie wollte sie nicht aussprechen. „Wenn sie nicht ihre Schwester ist, dann wird sie wohl ihre Mutter sein.“ Bei dieser Feststellung von Donbor, schauten sich die düsteren Engel fragend an. „Was machen wir jetzt? Und vor allem, wie können wir dieses weitere Barriere überwinden?“ Binia war zum ersten Mal in ihrem Leben nicht nach Arroganz zumute. „Er hat nichts von der Mutter gesagt. Er wollte nur das Kind“ stellte Hestion trocken fest. „Wir haben nur diese Order und daran halten wir uns auch.“ Die Angel of the Dark waren nicht glücklich über diese Entscheidung, doch im Grunde hatte Hestion recht. „Ich frage mich nur…“, sämtliche Blicke richteten sich auf Gysine, die nervös hin und her flog, um etwas zu erkennen, „was da unten vor sich geht. Irgendwas stimmt da nicht. Ich verstehe es einfach nicht.“ Sämtliche Blicke wandten sich nach unten. Und dann sahen sie alle, wie sich aus dem Nichts eine Gestalt bildete, die vollkommen aus Nebel zu bestehen schien. „Was ist das denn? So etwas habe ich ja noch nie gesehen.“ Samael flog etwas tiefer. „Das ist keiner unserer Schatten“, stellte Dubani fest. „Ich kenne die Aura dieses Wesens. Sie kommt mir so unheimlich bekannt vor. Es ist die Selbe, die ich vorhin schon spürte, als der kalte Schauer mich berührte…“ Samael verzog die Augen zu Schlitzen, um genauer sehen zu können.  „Aber… nein… Das kann nicht sein!“, rief er verblüfft aus. „Wie ist das möglich? Aber vor allem, warum?“ Nirte fragte entnervt: „Was ist denn los?“ Samael sagte: „Das müsst ihr gesehen haben! Los, kommt her!“ Nun kam die ganze Gruppe ebenfalls etwas tiefer geflogen. Jedoch mit Vorsicht, um der wabernden Feuermasse nicht zu nahe zu kommen. Alle sahen und verstanden sofort was Samael meinte. „Das ist ja Syrtia! Unglaublich! Was haben sie nur mit ihr gemacht?“ Dubani hielt sich erschrocken die Hände vor den Mund und starrte jenes Wesen an, dass vor langer Zeit ebenfalls zu ihnen gehört hatte. „Das Opfer…“ Kristan sprach nicht weiter. „Wie?“ tönte es von allen Seiten. „Ich fürchte das ist das Opfer, von dem diese seltsame Stimme gesprochen hatte.“ Mit offenen Mündern starrten sie alle auf die Nebelgestalt herab…

„Kassandra...“ Langes Schweigen folgte. „Du bist also doch nicht tot, geliebte Tochter, geliebte Frau... Oh wie habe ich doch Deine samtene Haut vermisst, in meinem einsamen Reiche.“ Der düstere König hatte das Aufblitzen ihrer Aura gespürt. „Niemanden liebte ich so wie Deine Mutter und Dich, niemanden verehrte ich mehr. Ach Kassandra... Du leuchtendes Abbild meiner tiefen Leidenschaft... mein Fleisch und mein Blut... Mein süßester Kuss auf roten Lippen...“ Man sah nichts in der Dunkelheit und doch spürte man die Anwesenheit von Erebos. „Bald werden wir uns wiedersehen... Bald werden wir vereint sein...“ Fast schien es, als würde er seufzen. „Oh sie ist Dir so unglaublich ähnlich geliebte Kassandra... Andromeda... der Stern meiner Hoffnung... die Botin der Dunkelheit... Ich werde sie bald wieder in meine Arme schließen. Und dann... wird sie die ewige Dunkelheit über die Existenz bringen...“ Er lachte. „Ach wie angenehm ist es als Gott zu reisen. Niemand sieht einen, keiner stört die Gedanken, aber vor allem: Wer will mich aufhalten?“ Er schien auf eine Uhr zu blicken. „Ach, es ist ja auch schon Zeit. Der Weg ist noch lang, aber in der Dunkelheit nur einen Katzensprung entfernt.“ Seine Augen begannen zu glühen, immer heller und heller. Schließlich konnte man dem Düsteren zum ersten Mal in das wahre Gesicht blicken. Er ähnelte auf unglaubliche Weise Prinz Endymion, dem Prinzen der Erde. Der König wirkte, rein äußerlich, noch nicht besonders alt. Er trug eine schwarze Rüstung und einen schwarzen Umhang, ähnlich wie seine Angel of the Dark. Seine Haare waren, im Gegensatz zu denen von Mamoru, sehr lang. Wenn man sein fast freundliches Gesicht so sah, konnte man nicht daran glauben, dass er ein grausamer Krieger und Magier, sowie der Herr über die Dunkelheit war. Doch die Unschuld ist eine perfekte Maske vor der Realität. Und wenn eines den Göttern gegeben war, so war es die Schönheit, die jede Grausamkeit verschleiern konnte...

Die Melodie klang immer eindringlicher in das Herz der Mondgöttin und so flog sie unsichtbar, zwischen den Welten, hinab auf die Erde, suchend nach der Quelle dieses schönen Gesangs. Je näher sie dem blauen Planeten kam, desto trauriger und schuldbewusster wurde ihr Blick. „Oh je, die schöne Erde ist sehr in Mitleidenschaft gezogen. Ihre Aura wird immer schwächer. Ich hoffe es geht dem Erdenprinzen gut. Auch wenn ich befürchte, dass ihm dies sehr zugesetzt hat. Ich hoffe nur das Sailor Moon in Sicherheit ist.“ Serenity seufzte. Sie hatte genau gewusst, dass die Erinnerungen, die sie den Kriegern gegeben hatte, nur die halbe Wahrheit gewesen war. In ihrem Herzen liebte sie die Angelprinzessin wie ihre eigene Tochter. Doch die Gefahr, die von ihr ausging, war genauso, wie der Tod des Mondkönigs, ein Grund, um dieses Mädchen auszuschalten. Das plötzliche Lauterwerden des Gesangs, ließ sie aus ihren Gedanken schrecken. Die Mondkönigin war nun dem Ursprung sehr nah und schloss ihre Augen, um zu spüren wohin sie gehen musste. Die Melodie schien sie fortzureißen und als sie ihre Augen wieder öffnete, da stand sie in einem hell erleuchtetem Raum. „Wo bin ich hier?“, fragte sie laut. „Du bist im Inneren einer leuchtenden Seele.“ Ihr Blick fiel auf eine kleine Blume, von der dieser seltsame Gesang auszugehen schien, der im selben Augenblick verstummte. Aus der Blüte flog eine kleine silberne Wolke hinauf, die immer größer und größer wurde und schließlich eine Gestalt annahm. Serenitys Blick erhellte sich. „Ich habe geahnt das Du es bist...“ Der junge Mann lächelte sie an...

„Syrtia! Was ist mit Dir geschehen?“ Geschockt musterte Morlock sie von oben bis unten. „Das... war der Preis dafür, dass sie ihre Kinder aus dem Griff der Finsternis gerettet hat“, antwortete Kassandra hinter ihm. Er drehte sich ein wenig zu ihr um. „Aber die Beiden sind mit den anderen Kindern doch in Sicherheit gebracht worden, schon lange bevor der Krieg eskaliert ist!“ Sie schaute ihn überrascht an und auch die restlichen Angel waren verunsichert. „Wovon redest Du? Medusa und Kassandra wurden doch erst nach dem Krieg geboren“ Morlock starrte Blacky an, die Dinge wusste, die ihm vollkommen fremd waren. „Was hat das zu bedeuten? Wo sind...“ Weiter kam er nicht, denn Nebula unterbrach ihn. „Ihre Namen sind verloren, genauso wie sie selbst verloren sind. Bis die rechte Zeit gekommen ist, werden sie Schatten im Antlitz des Orionnebels sein.“ Er merkte, dass sie jetzt nicht darüber reden wollte. „Wer sind denn Kassandra und Medusa?“ Mit stechenden Augen blickte er sie an. „Ich bin Kassandra“ meldete sich die Königin des Orionnebels zu Wort. Er musterte sie genau und erkannte sofort die Ähnlichkeit mit Andromeda. „Nein...“ Er schüttelte den Kopf, das Unausweichliche ahnend. „Nein...“ Er trat einen Schritt zurück. „Sag mir jetzt nicht...“ Erschrocken starrte er Nebula an. „Du hast es getan... nicht wahr?“ Beschämt schloss Nebula die Augen und das Symbol auf ihrer Stirn begann zu glühen. Morlock schloss ebenfalls seine Augen und sah die Vergangenheit direkt vor sich. Als das Bild erlosch, öffnete er traurig seine Augen. „Es tut mir leid...“, zitterte ihre Stimme ihm entgegen. „Ich hoffe, er kann mir irgendwann verzeihen...“ Morlock sah sie mit großen Augen an. Er ahnte, dass sie noch nichts von Nefertos Schicksal wusste. Nebeltränen kullerten ihre Wangen herab und Morlock wünschte, er dass ihr weiteren Schmerz ersparen könnte. Doch er wusste, irgendwann würde sie es eh erfahren. „Syrtia...“, begann er. Sie lächelte ein wenig verweint und meinte: „Nenn mich Nebula.“ Morlock nickte und fing nochmals an. „Nebula... ich muss Dir etwas wegen Nefertos sagen.“ Der Unterton in seiner Stimme, ließ ihr Lächeln ersterben. Doch bevor er weitersprechen konnte, unterbrach ihn Andromeda. „Er ist auf den 18. Mond zurückgekehrt.“ Erstaunt blickten alle die Prinzessin an. „Nefertos hat sein wahres Ich erkannt und die Verzweiflung hat ihn in das Licht gerissen. Seine Mächte wurden ihm genommen und seine Seele ist zurückgekehrt, an den Ort, wo die Angel schlafen, bis ihre Kräfte vollständig zurückgekehrt sind.“ Sie lächelte wissend...

Als Maias in die Dunkelheit getreten war, waren das Mädchen und Cherubin plötzlich, mit den Worten „Folge dem Licht“, verschwunden. In der Ferne hatte er einen weißen Punkt entdecken können und, nachdem er eine Weile gelaufen war, eröffnete sich vor ihm ein riesiges leuchtendes Tor. Langsam trat er hindurch und bevor der junge Mann überhaupt realisierte, was geschah, fiel er in die Tiefe. Überrascht schrie er auf. Doch im nächsten Moment öffneten sich seine Flügel und er sank langsam zu Boden. „Was ist das für eine Welt?“, fragte er sich laut, als er plötzlich eine Stimme hörte. „Verdammte Scheiße...“ Er schaute sich um und sah direkt vor sich Starmaker und Starfighter liegen. Sie waren schwer verletzt. Der Royal Moon Angel kniete sich nieder. „Was ist Euch geschehen?“, fragte er entsetzt. Dann sah er noch weitere Krieger, die verletzt oder bewusstlos am Boden lagen. „König Cherubin?“ Jupiters Stimme rüttelte ihn wach. „Ihr seid zurückgekehrt...“ Plötzlich schwanden ihr die Sinne...

(c)by Arcana Moon


Anmerkung von Mondsichel:

Und das letzte Kapitel, Nummer 26, für diesen Monat ist fertig gestellt. Jetzt brauch ich erst mal wieder eine Pause mit dieser Geschichte. Aber ich denke, wir werden uns bald wieder an dieser Stelle wiederlesen ^^

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram