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Behördengang

Satire zum Thema Bürokratie


von Cassandra

1. Tag

Wie für Schulanfänger der erste Schultag, ist heute für mich der erste Behördengang nach langer, langer Zeit...Schon Tage vorher habe ich Beschwerden, welche ich bisher nur vom Hörensagen kenne. Schweißausbrüche und zitternde Hände begleiten mich schon seit einer Woche.

Jetzt ist es soweit, der Tag beginnt um 6.00 Uhr morgens, da ich mir vorgenommen habe, frisch und ausgeschlafen meinen Gang anzutreten. Außerdem konnte ich sowieso nicht schlafen - die 50 Beruhigungstropfen hatten eine eher gegenteilige Wirkung.

Die Anmeldung (Auskunft) ist groß genug beschildert, so dass auch ich (meine Brille habe ich vergessen) sie entziffern kann. Die zuständige Dame (ich habe Nagellack auf dem Tresen entdeckt) ist nicht da, aber ein Schild teilt mit, dass sie in 5 Minuten zurück ist. Ein zusätzliches Schild fordert die Besucher auf, mitgebrachte Handys in einen dafür vorgesehenen Trog zu werfen. Ich warte noch eine halbe Stunde, dann mache ich mich ohne Auskunft auf die Suche. Die letzten 30 Beruhigungstropfen beginnen zu wirken. Beschwingt und anmutig tänzele ich im Erdgeschoß von Tür zur Tür.

Den zuständigen Sachbearbeiter für meinen Buchstaben "X" finde ich nicht. Leicht nehme ich alle Treppenhürden zum 1. Stock. Auch dort kein "X", aber ein freundlicher Herr, der mir den 3. Stock empfiehlt. Dort ein "Y" vereint mit einem "X". Der zuständige Sachbearbeiter ist freundlich, aber ich muß mich hinten anstellen. Da aber vor "XY" niemand steht, stelle ich mich zur "W-Mannschaft". Nach 3 Stunden bin ich an der Reihe und erfahre, dass ich zu "XY" gehöre. Das weiß ich schon und mittlerweile hat sich auch vor diesem Zimmer eine Schlange gebildet, die sich bis in den 2. Stock windet.

Nach einer weiteren Stunde ist Mittagspause. Diese hält länger an, da die Frühstückspause ausgefallen ist. Einige XY"oner packen vorsorglich mitgebrachte Butterbrote aus, einer hat ein halbes Schwein dabei. Mein Magen beginnt zu knurren...

Nach 2 Stunden kommt die Schlange wieder in Bewegung. Ich kann ein kurzes Nickerchen machen, da die Menge mich aufrecht hält.

2. Tag

Ich bin bald dran, mein Hunger ist gestiegen. Die bereitliegenden Vitaminpillen sättigen nur kurz. Mein Vordermann hat Ermüdungserscheinungen - er summt leise Kinderliedervor sich hin.

3. Tag

Bald dran. Nur noch 30 Personen vor mir. Nach Hochrechnung ca. 2 Tage.

4. Tag

Habe mich verkalkuliert. Unser Sachbearbeiter hat angeblich Durchfall, mindestens 1 Tag Ausfall.

5. Tag

Erste Mangelerscheinungen. Ich sehe rosa Lichter und höre Nebelhörner. Die Wasserspender neigen sich dem Ende. Mein Hintermann singt: "Brüder zur Sonne, zur Freiheit".

6. Tag

Gott sei Dank ist jetzt ausreichend Proviant vorhanden. Eine hier schon bekannte Notdiensttruppe verteilt Essen aus einer Gulaschkanone. Sogar eine Hebamme weilt unter uns. Diese schickte uns der Himmel, denn eine weit hinter mir wartende Hochschwangere hat einen gesunden Jungen zur Welt gebracht. Zum Abbinden der Nabelschnur hat ein unbekannter Spender seine Krawatte hergegeben.

7. Tag

Wir haben die ersten Opfer zu beklagen. Zwei Wartende versuchten einen Ansturm nach vorn. Einer von ihnen musste sein linkes Ohr einbüssen, der andere ist überhaupt nicht mehr zu gebrauchen.

8. Tag

Mein Papier geht zur Neige. Das meiste habe ich verteilt, wir brauchen es für die tägliche Notdurft.

9. Tag

Ich söre lecht. Mein Magen packt - nein, piekt.

10. Tag

Vögelchen sitzen auf meiner Hand.

11. Tag

Ich küsse meinen Vordermann. Er hat Ähnlichkeit mit meinem lieben Mann. Wie gerne würde ich ihn noch einmal sehen.

12. Tag

Seit heute Morgen begleitet mich eine lichte Gestalt. Wer ist es? Meine mit mir wartenden neuen Freunde sind weniger geworden. Einige spielen noch Skat miteinander.

13. Tag

Schon wieder ein neues Opfer. Mein Freund Gustav hat sich auf einen Sacharbeiter gestürzt. Man munkelt, er befände sich in einer geschlossenen Anstalt...

14. Tag

Ich werde in ein Zimmer geschubst. Ein Mann mit dem ulkigen Namen "XY" will etwas von mir. Ich weiß aber nicht wer ich bin und was ich hier suche...!

Hier in der Psychiatrie sind alle so nett! Ein Herr namens Gustav meint, er kenne mich irgendwoher...

Mittlerweile bekomme ich regelmäßig Besuch von einem dickbäuchigen Mann, der allen Ernstes behauptet, mein mir rechtmäßig angetrauter Gatte zu sein und auch Gustav, ein ausgesprochen angenehmer Zeitgenosse, wird fast wöchentlich von einer Dame heimgesucht. Meist hat sie ein quengelndes Kind im Schlepptau. Nach diesen Besuchen sind sowohl Gustav, als auch ich, immer wie gerädert.

Anmerkung von Cassandra:

Ich liebe E. Kishon...



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Kommentare zu diesem Text


BrigitteG
Kommentar von BrigitteG (25.11.2006)
Das ist amüsant, Cassandra. Es fängt so harmlos an, so ein netter gefälliger Text, dachte ich, flüssig geschrieben, guter Durchschnitt. Dann wurde ich wach, als die Handys in einen Trog geworfen werden sollten *g*. Und bis zum Schluss eine schöne bissige Zuspitzung, finde ich. Ich überlege, ob man es nicht sogar noch krasser machen könnte (die ersten Hochzeiten oder Geburten in der Schlange...) Herzlich willkommen und Grüße von Brigitte.
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Cassandra meinte dazu am 25.11.2006:
Hallo Brigitte,

ja, Du hast Recht - ich war aber zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung und mir fehlte die nötige Erfahrung mit der "wirklichen Welt".

Liebe Grüße

Cassandra
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AndreasG
Kommentar von AndreasG (26.11.2006)
Hallo Cassandra.
Die Idee gefällt mir ausnehmend gut und die flotte Beschreibung lässt sich gut lesen. Doch (gibt es nicht immer ein doch?) einige Stellen könnten wirklich spitzer ausfallen ...
Zwei Sachen möchte ich besonders hervorheben:
1. Der erste Tag ist vielleicht etwas lang geraten (in eine Geschichte hineinzuführen verführt manchmal zum Schwafeln, kenne ich selbst. Es ist ja auch ein Hineinschreiben, Warmschreiben ...). Besonders die fünf Leerzeilen finde ich übertrieben, da sie zu unnötigen Lesepausen auffordern.
2. Die Nebengeschichte um Gustav könnte meines Erachtens etwas mehr Raum bekommen. Der junge (?) Mann könnte früher auftauchen, ein Partner zu Hause könnte auch näher erwähnt werden. Dadurch käme der skurile Charakter stärker durch, dieses Einengende, Beherrschende der Warteschlange, das die Sichtweise immer stärker von der Realität entfernt. - Kurz gesagt: ich wüsste gern mehr über Gustav.

Das Ende gefällt mir sehr.

Liebe Grüße, Andreas
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Cassandra antwortete darauf am 27.11.2006:
Hallo Andreas,

danke für Deine Anregungen. Übrigens: der Satz "ich söre lecht" heißt übersetzt "ich höre schlecht". Aufgrund von Mangelerscheinungen kann diese arme Kreatur kaum noch schreiben...

Liebe Grüße

Cassandra
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Kommentar von Cosi (42) (01.03.2007)
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Kommentar von AnnaKarenina (31) (27.12.2007)
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Cassandra schrieb daraufhin am 27.12.2007:
Ich habe Mitleid mit dir. Habe Mitleid mit jedem Beamten! Mein Vater war Finanzbeamter...

Liebe Grüße
Cassandra
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Maya_Gähler
Kommentar von Maya_Gähler (21.07.2008)
Witzige Parodie auf den täglichen (Behörden) Wahnsinn.
LG, Gudrun
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Cassandra äußerte darauf am 21.07.2008:
danke. Aber sieht die Realität nicht noch viel grausamer aus?

LG
Cassandra
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Kommentar von The_black_Death (31) (02.09.2008)
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Cassandra ergänzte dazu am 02.09.2008:
diesen Wahnsinn machen wir ja heute noch in verstärktem Maße mit. Was man heutzutage erlebt (mein Text stammt aus den 70-igern), mein lieber Schwan...

LG
Cassandra
(Antwort korrigiert am 02.09.2008)
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Kommentar von BBA (43) (14.10.2009)
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Kommentar von Hermann (72) (04.03.2019)
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Cassandra
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Veröffentlicht am 24.11.2006, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 14.10.2009). Textlänge: 703 Wörter; dieser Text wurde bereits 2.460 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 21.09.2021.
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