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pierre

Kurzprosa zum Thema Familie


von tausendschön


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es wintert kalt in diesem letzten monat, frostig, wie um den höhepunkt eines kalten jahres zu verkünden. ich bin auf besuch, wir sitzen im wohnzimmer und diskutieren, mein vater und ich.  vielleicht hatten wir gehofft, der frost verhindere die gemeinen kleinen, heißen funken, die wir in jedem unserer gespräche versprenkeln, trotzdem wir nur über das wetter reden. der frost tut uns nicht den gefallen, so streiten wir eben wie üblich, diesmal über merkmale von jahreszeiten im allgemeinen und über die vergangenen wochen im ganz besonderen. er nennt sie herbst, denn das laub war rot, aber ich habe ganz deutlich den frühling gerochen, und ihr seht schon, daß wir niemals auf eine nenner kommen werden. wir diskutieren trotzdem, laut und mit verschränkten armen und bisweilen mit einem leichten anflug von verlegenheit kämpfend, wissen wir doch beide, daß wir über unterschiedliche dinge reden und daß die luft meiner neuen heimat ganz anders riecht, und, nebenbei bemerkt, auch wärmer ist. meine mutter indes schält diese mandarine mit ihren rührenden abgekauten kleinen fingernägeln. tatsächlich ist es mehr ein versuch, denn sie behält den ganzen abend die gleiche mandarine in der hand. es ist nicht ihre erste – sie probiert es jeden winterabend, und es kommt nur selten einmal vor, daß sie es schafft, eine ganze mandarine zu schälen. ich verstehe nicht, warum sie es tut, vielleicht um ihren trotz über die fingernagelreste zu besiegeln, denn am ende des abends ist die mandarine zu matschig, um noch eßbar zu sein. von zeit zu zeit schaut meine mutter mit traurigen augen auf ihre mandarineschälenden finger, aber nie in meiner gegenwart wurde sie je von einer unzufriedenheit übermannt, und zu jeder neuen dunkelheit scheint das blatt neu gemischt. mein bruder pierre starrt meine mutter an, wenn sie sich mandarinensaft aus den augen wischt, er starrt ihr in die augen, in denen zwischen zwei augenzwinkern einmal kurz meine zu bunte strumpfhose aufleuchtet. er starrt auch meinen vater an, seine lässig geknackten nüsse und die schmal gewordenen schultern, und ich bin mir nicht sicher, ob er auch sieht, und auf die gleiche art, was ich sehe: wie eine ungeübt zitternde hand durch den grauen kranz im dunklen haar streicht. mein bruder jedenfalls steht auf und geht ohne gruß in sein zimmer, ich weiß nicht: holt er das verrückte streichholzschloß, an dem er jeden abend baut, oder geht er ins bett. er ist ein zweifelhafter mensch, schon seine geburt war zweifelhaft, ich erinnere mich nicht recht daran, nur an den tag, der ihr vorausging: ein tag wie weihnachten, keine geschenke, aber friedlich und schön, ein tag leben, und dann kam er. ich weiß nicht, ob es an ihm hing, kurze zeit später kam diese weihnachtliche stimmung nicht einmal mehr bei geschenken auf. doch er blieb, pierre, ruhig wie ein stein, vielleicht hat er einfach nur keinen verstand, den er verlieren kann (dann hat er wirklich glück), oder er ist wirklich ein stein. manchmal frage ich mich, wieviel zeit seit seiner geburt verstrichen ist, so viel kann es wirklich nicht gewesen sein, und doch, so meine ich, wäre es für ihn an der zeit, hier rauszukommen. aber so viel weiß ich von ihm: er geht nicht. und plötzlich weiß ich auch, daß er die zitternde hand gesehen hat.
er kommt zurück aus seinem zimmer. in den händen hält er kein streichholzschloß. schon gar nicht für mich. in der einen hand hält er ein messer. mit der anderen öffnet er das fenster. er schweigt und stellt sich zurück an die türe. er braucht kein messer. er will sicher gehen. ich bewege mich zum fenster, drehe mich nicht um. nicht nach zwei gesenkten augenpaaren. ich will sie nicht hören, nicht die augen und nicht seine stimme. doch ich höre sie. pierre schweigt.
mein kopf hat seine stimme: du bist nicht meine schwester
ich kam danach
ich falle

 
 

Kommentare zu diesem Text


wupperzeit
Kommentar von wupperzeit (03.12.2006)
Dieser Text ist berührend, er ist erschreckend zugleich, und obwohl ein scheinbar alltäglicher Abend geschildert wird: banale Themen werden besprochen mit tödlicher Ernsthaftigkeit, banale Dinge werden getan mit schrecklicher Sturheit, und dann der Höhepunkt am Schluss. Die geschilderten Dinge verstärken immer mehr die Einsamkeit der Protagonistin, es scheint alles nur zu geschehen, um diese Einsamkeit zu schildern und verzweifelt zu verstehen und damit erträglich zu machen für einen Moment: aber der Leser bleibt ungetröstet zurück, so wie die Protagonisten, gefangen in ihrem selbstauferlegten Schmerz: ein beeindruckender Text, im wahrsten Sinne des Wortes, und darüber hinaus, Andreas
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tausendschön meinte dazu am 03.12.2006:
danke dir, lieber andreas, daß du dich mit meinem text auseinandergesetzt hast. ich danke dir auch fürs verstehen, nur eins noch: schmerz wird doch immer selbstauferlegt, zum glück, wie ich finde, denn das ist wichtig fürs verstehen. aber viel schwieriger ist es mit der selbstauferlegten schuld, was meinst du?
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wupperzeit antwortete darauf am 03.12.2006:
Selbstauferlegte Schuld… Schuld, Sühne und Verzeihen dienen doch auch immer zur Stabilisierung einer Macht, die anders nicht begründet werden kann, das ist im allgemeinen, im metaphorischen Sinne sogar so wie im eher kleinen gesellschaftlichen. Mitmenschlichen, wenn Du so willst. Die Christen glauben an einen Gott, der seine Allmacht daraus bezieht, uns Menschen die so genannten Sünden vergeben zu dürfen und uns damit vom Tode zu erlösen, wobei dieser Gott selbst ohne Sünde ist, und wie Nietzsche anmerkte: die Christen haben ihrem Gott das Schlimmste angetan, was man einem Wesen antun kann: er darf nicht sündigen, - aber das nur nebenbei. Unseren Mitmenschen gegenüber fühlen wir uns schuldig, weil wir sie nicht genügend beachten, schätzen oder sogar lieben, diese Schuld ist besonders schwer zu ertragen, wenn es sich um Menschen handelt, denen gegenüber diese Gefühle als natürlich vorausgesetzt werden, beispielsweise gegenüber seiner Familie. Es ist aber für ein Kind, für einen Heranwachsenden besonders schwierig, sich hier nicht schuldig zu machen, denn diese Gefühle werden oft gleichgesetzt mit dem Akzeptieren der herrschenden Strukturen, in die der Mensch hineingeboren wird, oft planen Eltern die Zukunft und das Leben ihrer Kinder vor der Geburt bis zum zu erwartenden Rentenbetrag hinaus. Es geschieht oft aus Enttäuschung, oft aus gutem Willen, aber für ein Ablehnen dieser Strukturen wird dem Kind, dann dem Heranwachsenden, später vielleicht sogar dem Erwachsenen, die Schuld gegeben, eine also aufgezwungenen Schuld, nicht dem falschen Plan, und aus dieser Schuld erfolgt die Bestrafung des Liebesentzuges. Besonders perfide dabei: es wird nicht bei dieser Schuld belassen, oft wird das Aufbegehren gegen die genannten Gesetze auf das eigene Leben ausgeweitet: Du bist schuld an meinem Unglück. Eine riesige Verantwortung, für sein eigenes Leben und das des Anderen, aus dieser Verantwortung folgt die Angst, ich habe diese Angst auch aus Deinem Text gelesen. Es ist fast unmöglich sich von diesen Gefühlen zu befreien, ich wünsche jedem, der darunter leidet, allen Erfolg und alles Glück der Welt, ein Erkennen der Zusammenhänge bietet aber eine Erleichterung.

Es gibt keine selbstauferlegte Schuld, so meine Meinung, und einen der gesündesten Gedanken im Umgang mit den Mitmenschen hat Brecht formuliert:

„Ihr aber, ich bitte Euch, wollt nicht in Zorn verfallen,
denn alle Kreatur braucht Hilf`von allen“,

zitiert aus einem Gedicht über eine Mutter, die ihre Kinder tötete, weil sie sie nicht ernähren konnte, und die deshalb als Kindermörderin hingerichtet wurde.
(Antwort korrigiert am 03.12.2006)
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neinneigung
Kommentar von neinneigung (12.04.2008)
Dieser Text ist mir einer der liebsten. Ich habe ihn eben gerade wahrscheinlich zum zehnten mal gelesen und mich jetzt erst dazu entscheiden können einen Kommentar abzugeben.
Ja, ich finde ihn auch schwierig. Aber vornehmlich macht er mich traurig. Für mich ist er Verlust. Er berichtet von einer Begegnung von Menschen, die sich wahrlich nichts mehr zu sagen haben, es aber trotzdem versuchen. Ich glaube aber auch, dass ich ihn nicht verstehen kann. Teile davon sind mir sehr bekannt, ich kenne die Rollen, kenne die Gesichter. Aber was - zum Beispiel - ist die "zitternde Hand", die Pierre vermutlich auch gesehen haben soll?
Auch das Ende ist für mich Sturz, plötzlich wird alles aufgesogen, diese Spannung, die so empfindlich und untergründig aufgebaut worden ist, absorbiert plötzlich alles. Ohne Rücksicht auf meine Bilder. Nach dem letzten Buchstaben und dem darauffolgenden Punkt komme ich mir plötzlich unsäglich alleine vor.
Wie ein Traum endigt alles an der Stelle, an der man kurz davor ist auf den Harten Asphalt aufzuschlagen. Aber es gibt keine Erlösung darin...

Lieben Gruß
Julius
(Kommentar korrigiert am 12.04.2008)
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Kommentar von Grufti.Ente (28) (27.07.2008)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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JeanDark (21) schrieb daraufhin am 27.07.2008:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Unbegabt äußerte darauf am 27.07.2008:
ja. ja! JAAAAAAAAAA!
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neinneigung
Kommentar von neinneigung (08.07.2009)
hat das irgendeinen grund, dass es im hörtext du bist nicht mein bruder und nicht schwester lautet?
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tausendschön ergänzte dazu am 08.07.2009:
wüßte ich auch gerne.
herr wupperzeit nennt es "künstlerische freiheit".
in den text paßt es aus autorensicht genausogut hinein wie die eigentliche variante, vielleicht sogar noch besser. ich find es ziemlich genial.
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MagunSimurgh meinte dazu am 08.07.2009:
Ähm, ich fand es bissl komisch, mit inbrünstiger Männerstimme ins Mikro zu brüllen "du bist nicht meine Schwester", war der Rest der Geschichte auch aus der Ich-Perspektive.

Kann das aber auf Wunsch noch ändern, stellt kein größeres Problem dar.

Liebe Grüße.
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tausendschön meinte dazu am 08.07.2009:
w e h e !
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Melancholic. meinte dazu am 02.09.2009:
Ich muss grinsen. (;
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Melancholic.
Kommentar von Melancholic. (02.09.2009)
Mir fehlen irgendwie die Worte dafuer...
eseil eneiw chI
Lieben Gruß an dich, Beli.
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Veröffentlicht am 30.11.2006. Textlänge: 633 Wörter; dieser Text wurde bereits 5.063 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 19.04.2019.
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