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Wer war Harry S.?

Parabelstück zum Thema Tod


von Jonathan

Der im November des Jahres  2006 verstorbene  Harry Schlotter war ein begabter, um nicht zu sagen begnadeter Schriftsteller.
Er verfasste seine Bücher unter dem Pseudonym Pas de Loup.
Ein namhafter deutschsprachiger Kritiker nannte ihn einmal in seiner immer aus vier Personen bestehenden Literaturrunde den „Philip Roth des Abendlandes“.
Worauf eine anwesende östereichische Kritikerin hämisch bemerkte, damit sei das Abendland ja denn wohl zum zweiten Male untergegangen –in Anspielung auf Oswald Spenglers philosophisches Hauptwerk.

Harry S. erkrankte ungefähr drei Jahre vor seinem Tode an einer lebensbedrohlichen Krankheit.
Damals erwachte er, wie jetzt wieder, an diesem seltsamen Geruch, der etwas Betörendes und zugleich Bedrohliches an sich hatte.
An dem Fußende seines Bettes stand ein hochgewachsener, vornehm gekleideter Herr, mit einer Art Cut gewandet, darunter ein plissiertes Hemd, dessen Kragen mit einer  breiten Schleife umwunden war.
Das Gesicht konnte Harry S. nicht ausmachen; es lag im Schatten eines Bowlers, zu Deutsch Melone. So konnte er auch über das Alter nichts erkennen; nur die Augen waren erkennbar. Sie leuchteten in einem changierenden Licht blau und rot aus dem Dunkel des Gesichts wie glühende Kohlen.
Man mag das für überschäumende Phantasie halten.
Aber genau so hatte es Harry S. damals beschrieben.

Harry wusste damals sofort, wer da vor seinem Bett stand.
Und er war durchaus nicht überrascht, dass es kein Knochenmann mit Sense, kein Freund Hein oder Boandelskramer war.
Der Tod hatte sich der Zeitgeist angepasst;  und den Erwartungen seiner Klientel.
Nach den Erzählungen Harry S´ wurde damals kein Wort gesprochen.
Das war wohl auch nicht nötig; die Sachlage war klar und bedurfte keine Erörterung.
Und dass es sinnlos war, sich hier auf Verhandlungen einzulassen, war Harry ebenfalls sofort klar.
Er hatte den Tod oft genug in seinen Büchern beschrieben.

Nur was dann geschah, das mochte er selber kaum glauben, und auch die wenigen seiner Vertrauten, mit denen er über diesen Vorfall gesprochen hatte, schwiegen höflich, ohne seine Worte anzuzweifeln.
Der Herr dort in vornehmer Kleidung fing nämlich plötzlich an zu wabern, verlor Konturen und Form, schrumpfte und dehnte sich, bis aus diesem nebelhaften Gewaber nach und nach ein Schwein sichtbar wurde.
Und dieses Schwein war in einen lächerlichen rosafarbenen Schlafanzug gehüllt, der überdies noch mit blaugoldenen Rosen bestickt war.
Noch ehe Harry S. sich von seiner Überraschung erholt hatte, war das Schwein aus der Wohnung hinausgelaufen und verschwunden.

Harry S. war völlig benommen, und nach kurzer Zeit glaubte er nicht mehr an das was er gesehen hatte.
Er hielt es für einen Alptraum, für eine Auswirkung seiner fiebrigen Erkrankung.
Und als es ihm in den folgenden Monaten zunehmend besser ging, vergaß er das, was er später einmal als Halluzination beschrieb, und begann Hoffnung auf Heilung und Genesung zu schöpfen.
Fünf Jahre, dachte er, müsse er überstehen, dann sei alles überstanden.
Als dann im Jahre 2006 das Schwein wieder bei ihm auftauchte, wusste er sofort,
was das für ihn bedeutete. (Wem die Stunde schlägt.)

Warum er dem Schwein nachgerannt war?
Er wollte verhindern, dass es zu Schaden käme, dass es vielleicht erschlagen würde.
Und warum das nun wieder?
Hätte das nicht seine Rettung sein können?

Der Tod tot?

Ja, vielleicht. Vielleicht wäre er am Leben geblieben.
Für  IMMER!

Und mit ihm all die Milliarden Menschen auf dieser Erde.
Und deren Milliarden Kinder.
Die Welt bevölkert mit Milliarden und Abermilliarden von Skeletten mit schlotternder Haut überzogen, klappernd und geifernd, vor Hunger gestorben und doch noch am Leben, bis die ganze Erde bedeckt ist, alle  Städte, Landschaften, Berge und Seen --  bedeckt mit lebenden Leichen, Untoten.
Ein Hohngesang auf die Schöpfung. Auf Gott. Und die Unsterblichkeit.

Deshalb rannte Harry S. dem Schwein hinterher.
Um es zu retten und damit vielleicht die Welt.
Und das war zugleich die Erlösung von seinen Sünden.
Sein Gang die Treppe hinunter war  eigentlich sein Gang in die Hölle.
Der Portier hinter der Theke im Foyer –das war unschwer zu erkennen- war niemand anderes als der Teufel selbst.

Der begrüßt normalerweise seine Neuankömmlinge mit ausgesuchter Höflichkeit.
Daß er Harry gegenüber so unverschämt war, ist einzig und allein darauf zurückzuführen, dass er wusste –eher als jeder andere es wußte- dass diese Seele für ihn verloren war.

Nun ist auch unschwer zu erraten, wohin der Fahrstuhl Harry S. brachte, als er
„in unbegreifbare Höhen hinaufschoß“

 
 

Kommentare zu diesem Text


Judas
Kommentar von Judas (27.01.2007)
Ein klasse Text. Und sogar nicht nur als Parabelstück verkauft, sondern sogar parabolisch - was immer bewerkstelligt, dass ich mir den Text dann immer zweimal durchlesen muss - aber eine wunderbare Weise, über den Tod zu schreiben. Mal so anders als die vieeeel zu vielen manisch melancholisch depressiven schwarzgekleideten Gedichte und ihre Freunde, bei denen man gezwungen wird, mitzuleiden oder traurig zu werden.
Aber "Wer war Harry S.?" das ist ein Text, den man gerne liest, ausdruckt, zusammen faltete und bei stillem Tee und lecker Keks darüber nach sinniert.
Danke dafür.
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Jonathan meinte dazu am 27.01.2007:
Hi Judas, danke für den schönen Kommentar.
Es freut einen immer, wenn andere die
eigenen Kinder auch hübschfinden.
lb Grüße Jonathan
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redangel
Kommentar von redangel (27.01.2007)
die geschichte ist makaber.
wie der tod selber. manchmal sein kann.
ohne eine direkte logik die verstanden werden könnte.
ohne etwas, das sich sinnvoll wiederholt.
und trotzdem. letztendlich.
hat es auch noch ein happy end.
ich mußte es auch zweimal lesen.
beim ersten mal war ich zu neugierig um langsam und
genussvoll abzuwarten.
bis zum ende. war ich ungeduldig.
gut dass wir unser ende nicht kennen.
irgendwie gut.
ist das.
dein text. auch.
er hat dieses unheimliche unabwendbare eingefangen.
sehr nüchtern. sehr schwarz. sehr gut.
ich empfehle ja selten.
beinahe hätte ich.
gruss redangel
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Jonathan antwortete darauf am 27.01.2007:
Hi redangel,
ich bin sehr angetan von deinem Kommentar.
In der Tat ist es manchmal mühsam, vom
Bildschirm abzulesen.
Ich mache es wie judas auch: bei längeren--
die mich interessieren--- drucke
ich sie mir aus.
Werde dich demnächst besuchen (auf kv)
lb Grüße
Jonathan
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tulpenrot
Kommentar von tulpenrot (27.01.2007)
Harrys Himmelfahrt - ist diese Geschichte wirklich so hintergründig, wie sie sich ausgibt?
Oder ist hinter der Fassade der Versatzstücke nicht doch etwas verborgen?
Angst vor ... irgendetwas?
Die Angst des Schreibers vor dem Tor?

Ich vermute mal etwas gewagt, dass ich nicht ganz auf dem Holzweg bin. Schließlich gehören ja nun zwei Geschichten ähnlicher Bauart hier zusammen - sie sollten noch besser zu einer Einheit zusammenschmelzen - und vielleicht eine Persiflage mit eingebautem Geheimnis werden, und sich nicht verstecken?
Und das Verborgene sollte wenigstens mit einem Schlüssel versehen sein, den man am Schluss in der Hand hält.

Könnte es das sein?

LG
Angelika
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Jonathan schrieb daraufhin am 28.01.2007:
Den Schlüssel hatte Harry S.
Aber der ist ja leider.........schluchz
Jonathan
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tulpenrot äußerte darauf am 29.01.2007:
Wieso schluchz? Der ist doch... Was gibt es da zu heulen?
Und außerdem, wenn er da ist, wo ich ihn vermute und wo du ihn hinhaben willst... dann gibt es nur noch Licht und Klarheit und keinerlei Unklares mehr.
Oder ist er doch wo anders?
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IngeWrobel
Kommentar von IngeWrobel (28.01.2007)
Das gefällt mir, lieber Jot!
Du bist ja ein begnadeter Geschichtenerzähler! (Bei kürzeren Texten ist das leichter einzuhalten - bei längeren zeigt sich die wahre Meisterschaft!)
Also nimm meine doppelte Empfehlung (1 x klick und: weiter so!)
Ein liebes Grüßle in die Nacht bzw. den Sonntag!
Inge
müde lächelnd
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Jonathan ergänzte dazu am 28.01.2007:
Danke liebe Inge!
Dein Lob tut mir gut.
Nachdem tulipe immer an
mir herummäkelt.....)
makellose Grüße Jonathan
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IngeWrobel meinte dazu am 28.01.2007:
Ach Du armer Jonathan, ich schick Dir mal ein Trostpflasterle:
Meine liebste Tulpi und ich sind zwar überwiegend derselben Meinung und könnten im einen und anderen Bereich als Zwillinge antreten ----- aber es gibt eben doch Unterschiede. Für Dich vielleicht ein Glück, denn einer von uns wird wohl Dein jeweiliges Geschreibsel gefallen.......was will Mann mehr?!
Nu lach ma wieder.....kriegst auch'n Keks!
Inge
schmunzelnd
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Jonathan meinte dazu am 29.01.2007:
Hallo Inge, hallo Tulipe

Eure Kommentare sind ja fast noch interessanter als
meine Texte. Witziger auf jeden Fall.
Vielleicht sollten wir nur noch Kommentare schreiben?
Wie gut, daß ihr beiden mir gewogen seid!
Wenn ich Euch gegen mich hätte..........oh Gott
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Jonathan
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Veröffentlicht am 27.01.2007, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 30.01.2007). Textlänge: 699 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.745 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.12.2019.
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