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Rückkehr

Stanze zum Thema Abrechnung


von Isaban

Rückkehr



Da war mein rotes Haar, das mich umwehte
und Wind, der Kleidersäume enger schlang,
die Segel alle auf dem Meere blähte,
er trieb die Wolken, durch die Sonne drang.
Ich sah dich nicht, obwohl ich es erflehte.
Man kündete im Hafen guten Fang.
Du kamst nicht mehr, ich ahnte es schon bang.
In mir zerriss das Herz. Es schmerzte lang.


Die Jahre zogen blass an mir vorüber.
Nie wieder sah ich einen, so wie dich.
Wie alle hatt ich Arbeit nur tagsüber,
des Nachts jedoch, da blieb ich ganz für mich.
Die Hexe rief man mich. Ich lachte drüber.
Solch Reden ging mir gegen jeden Strich.
Es starben Schafe, Bauern regten sich.
Den rechten Grund dafür, den wusst man nicht.


Sie holten mich an einem Sonntagmorgen.
Ich war nicht Schuld, so machte ich mir Mut.
Nur Blicke voller Hass, die brachten Sorgen.
Dann kamen Pfaffen. Ich war auf der Hut
und wollte mir noch saubre Kleider borgen.
Verhör und Haft taten wohl keinem gut.
Die Daumenschrauben unter Pfaffenwut…
Ich heulte Antwort, wie’s wohl jeder tut.


Das Urteil war nicht anders zu erwarten
Für’s Feuer fertig schon der Stapel lag.
Man stellte mich auf Hölzer aller Arten.
und fragte fromm, ob ich bereuen mag.
Die Flüche hörten jene, die dort starrten,
sie fassten nicht, dass ich es jetzt noch wag.
Heut kehre ich zurück zum Rachetag,
um Mitternacht, beim letzten Glockenschlag.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Alazán
Kommentar von Alazán (03.02.2007)
Am besten gefällt mir die allererste Strophe, die ist romantisch, vor allem liebe ich rotes haar :-)

Als ich später merkte, dass es nicht nur um rotes Haar und Herzschmerz geht war ich neugierig und las weiter. Dei ngedicht hat eine sehr gute, hohe Sprache, auch wenn es manchmal schweirig war, mit Rythmus zu lesen, wo man sich z.B. bei Worten wie "arbeiteten" verfängt - da kannst du aber nichts für, das ist meine unausgereifte Leseart ;-).

Die Idee, dass unschuldige Frauen die zu Unrecht als Hexe verbrannt werden, genau dann zur Hexe werden und sich rächen, finde ich sehr gelungen!

Also meine Empfehlung ;-)
vlG
Philipp
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Isaban meinte dazu am 03.02.2007:
Danke, Philipp. Ja, mir gefiel der Gedanke auch, dass da mal nicht nur ein Lamm zur Opferbank von Religion und Volkszorn geführt wurde. Auch eine Möglichkeit, ein wenig Gesellschaftskritik anzubringen, wo Meinungsmache so gerne benutzt wird, den Volkszorn zu kühlen und die, gegen die gehetzt wird, die also also als Baujernopfer auf Pranger oder Scheiterhaufen gesteckt werden sich ebenfalls früher oder später mal rächend erheben könnten. Rein wahltechnisch natürlich. ;-)

Liebe Grüße
Sabine
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Traumreisende
Kommentar von Traumreisende (03.02.2007)
ein thema, das mich so oft schon fesselte, hexe zu sein, bedeutet für viele nur dass man anders ist als sie ...und frau!!

super geschrieben. obwohl ich keine kenntnis davon habe, was eine stanze ist...
dir ganz herzliche grüße
silvi
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Isaban antwortete darauf am 03.02.2007:
Dank, liebe Silvi.
Ja, auch für mich sind Hexen ein spannendes Thema, ich denke, du hast es in deinem Kommentar schon sehr gut ausgedrückt.

Zu den Stanzen kann ich dir ein paar Infos geben.


Die Uni Essen sagt zur Stanze:

(Zitat:) Stanze

von ital. stanza: Zimmer, Aufenthaltsort, Strophe

Die Stanze ist die herrschende Strophenform der klassischen italienischen Epik (Ariost, Tasso), die sich gerade in den romanischen Ländern jedoch früh auch in Dramatik und Lyrik durchsetzte. Eine Stanze besteht aus acht Elfsilblern, die sich nach dem Schema ab / ab / ab / cc reimen. Das durch die Reimabfolge herausgehobene letzte Verspaar ist meist auch inhaltlich von besonderer Bedeutung, indem das Gesagte zusammengefaßt, gesteigert oder pointiert wird.

In Deutschland ist die Stanze seit dem 18. Jahrhundert als lyrische Strophenform gängig, um die Jahrhundertwende gab es eine regelrechte Stanzenmode. (Zitat Ende)

Bekannte Beispiele für zwei der unterschiedlichen Möglichkeiten sind (unter vielen anderen):


Goethe, hier: Faust


Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! Nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.

Und:


Wiedergeburt von Johann Wilhelm Süvern:


"Ins Dunkel will des Jahres Licht sich neigen;
Des Lebens heiße Glut, sie kehret wieder
In ew’gen Feuers Schooß zurück; es schweigen,
Die sie entzündet, schon im Hain die Lieder;
Die Liebe flieht, und kalt entlöst den Zweigen
Sich mattes Laub, der Blumen Schmuck sinkt nieder.
Das Herz erstirbt, die Adern sind verschlossen,
Worin Gedeihn und Kraft sich frisch ergossen."

Ich persönlich habe mit diesen bekannten Formen noch ein wenig experimentiert, hier in diesem Gedicht zum Beispiel habe ich die letzten beiden abgesetzten Verse an den jeweils letzten Vers der restlichen Stanze angepasst, um das scheinbar Glatte hervorzuheben, das sich in diesen beiden Zeilen sehr mit dem jeweils sehr intensiven Inhalt beißt.

Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und
herzliche Grüße
Sabine
(Antwort korrigiert am 03.02.2007)
(Antwort korrigiert am 03.02.2007)
(Antwort korrigiert am 03.02.2007)
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Traumreisende schrieb daraufhin am 04.02.2007:
wow, das ist ja richtig lesestoff, werde es mir mal rauskopieren...
ich bin da so ziemlich blind, es sind immer nur gedichte bei mir :-))

danke dir sehr
lg silvi
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Kommentar von orsoy (44) (03.02.2007)
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Isaban äußerte darauf am 03.02.2007:
Recht hast du! Es ändert sich selten was, nur die Gewänder werden gewechselt.
Ich danke dir, Konni und grüße
zauberhaft mit Hexenblinzeln zurück
Sabine
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souldeep ergänzte dazu am 06.02.2007:
ich sehe, zustimmung hast du viel - zu recht!!!
und ich klinke mich hier ein, weil konni ja zu dem thema auch
so ein wundervolles gedicht geschrieben hat: hexenstolz.
sehr empfehlenswert - und: ich heisse dich willkommen im
club der hexen ;)

viele liebe anerkennende grüsse dir
kirsten
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Kommentar von StefanP (58) (03.02.2007)
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Isaban meinte dazu am 03.02.2007:
Wir haben, so scheint es, die gleichen Bücher gelesen, Stefan.

So wurden Außenseiter und unbequeme Personen, ganz besonders Frauen, die sich dem kirchlich vorgegebenen Schema nicht anpassen wollten auf eine sehr effektive Weise zum Schweigen gebracht. Für immer. Und alle ringsrum gleich mit, aus Angst, der Nächste zu sein.

Ich danke dir für deinen tollen, engagierten Kommentar und die Klicks.

Herzlichst
Sabine
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MarieM (55) meinte dazu am 03.02.2007:
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Isaban meinte dazu am 03.02.2007:
Die immer wieder gleiche Sache in einem immer wieder neuen Gewand, ja, Mariechen. Genau das.

*g* Bis gleich! ;-)
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Martina
Kommentar von Martina (03.02.2007)
Starker Text! Lg Tina
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Isaban meinte dazu am 03.02.2007:
Danke, liebe Tina!

Herzliche Grüße
Sabine
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Kommentar von MarieM (55) (03.02.2007)
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Isaban meinte dazu am 03.02.2007:
Na, endlich mal ein Gedicht, in dem mein rotes Haar frei im Wind flattern kann. ;-)

Ja, Mariechen, aufgeben gilt nicht.
Man kann wie Phönix aus der Asche steigen, stärker als zuvor. Dauert nur manchmal. Und eventuell muss man alte Gewohnheiten und Regeln brechen, die mehr schaden, als nutzen.

Danke, liebe Marie.
Und hier noch ein Abendknautsch!
Herzlich
Sabine
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Lars
Kommentar von Lars (04.02.2007)
und erneut ein ganz toller balladenhafter text mit viel mittelalterlichem charme und einer gekonnt verreimten und komplexen geschichte. sehr genial!!! danke dafür, liebe sabine:-)

lg vom lars
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Isaban meinte dazu am 05.02.2007:
Ich danke dir für deinen tollen Kommentar, Lars!
Liebe, herzliche Grüße
Sabine
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Kommentar von The_black_Death (31) (05.02.2007)
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Isaban meinte dazu am 05.02.2007:
Ah, lies die letzten Zeilen, Blacky, wir steigen wie Phönix aus der Asche, wir Hexen. Dauert nur manchmal etwas. ;-)
Danke für deinen Kommentar und deinen Klick. Ich freu mich.

Liebe Grüße
Sabine
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Kommentar von MicMcMountain (59) (05.02.2007)
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Isaban meinte dazu am 05.02.2007:
Ja, ich mag die Form der Stanze auch sehr, Mic. Sie ist nicht so gefällig, wie Sonett oder Terzine, aber allein durch die Möglichkeiten, die einem in den jeweils 7. und 8. Versen jeder Strophe gegeben werden kann man sie sehr ausdrucksstark und gerade auch zur gezielten Pointierung für weniger gefällige Themen ideal nutzen.
Ich freue mich, dass dich Form und Inhalt überzeugen konnten und danke dir herzlich für deinen Klick.

LG, Isa
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Kommentar von SanguisDraconis (46) (26.02.2007)
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Isaban meinte dazu am 26.02.2007:
Es hatte sich halt vorher trotz Goethes Faust hier noch keiner so recht dran getraut, an die Stanzen. Ich würd mich freuen, wenn hier noch jemand diese Gedichtform für sich entdeckt. :-)
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Kommentar von myrddin (47) (14.03.2007)
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Isaban meinte dazu am 14.03.2007:
Der Rhythmus der Stanze ist eventuell wegen der beiden abgesetzen Zeilen ein wenig ungewohnt, vor allem, wenn man die Sonettmelodie im Kopf hat. Aber ich finde, sie ist dennoch gerade für solche historisch angehauchten Texte sehr gut zu verwenden.
Ich freu mich, dass dir der Inhalt trotz der vielleicht ungewohnten Gedichtform zusagt.
Liebe, herzliche Grüße
Sabine
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GillSans
Kommentar von GillSans (04.07.2007)
Liebe Sabine,
ich danke dir sehr für deinen Projektbeitrag, und ich finde es ist ein starker Beitrag, ich freue mich darüber so einen Tollen Text hier von dir zu haben.
Danke, liebe Grüße Deine Gill
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Isaban meinte dazu am 04.07.2007:
Hätte ich doch beinahe vergessen, Gilly. An sowas musst du mich erinnern, ich verschlabber es nicht absichtlich, aber gründlich, wenn ich nicht aufpass. ;-)
Freu mich, was beisteuern zu können.

Liebe Grüße,
Sabine
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Kommentar von janna (60) (04.07.2007)
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Isaban meinte dazu am 04.07.2007:
Danke, liebe Janna, vielen herzlichen Dank und ganz liebe Grüße

Sabine
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Veröffentlicht am 03.02.2007, 8 mal überarbeitet (letzte Änderung am 26.02.2007). Dieser Text wurde bereits 2.317 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 18.10.2018.
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