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Eine Woche

Tagebuch zum Thema Beobachtungen


von wupperzeit

1

Immer schreibt sie mir Briefe, die ich nicht öffnen darf, ich muss den Inhalt erraten. Ist er wichtig, unwichtig, persönlich für mich oder sie, geschäftlich, liegt ein Foto bei, eine Zeichnung. Habe noch nie richtig geraten, verwahre die Briefe alle, ich weiß nicht wo.


2

Fahrt nach Köln, 40 km, ich wollte den Zug nehmen, sie nicht, meine Freunde, Bekannte, Kollegen, Fremde, Feinde, jetzt stehen wir im Stau, kurz vor den Rheinbrücken, seit zwei Stunden: es ist heiß. Mit steigendem Thermometer, steigender Wartezeit sinkt die Stimmung, meine als Fahrer sehr: ich sehe meine Freunde als Bekannte, bald schon als Kollegen. Dann als Fremde, schließlich als Feinde, als wir die Rheinbrücken erreichen sind sie mir gleichgültig, vergessen seit langer Zeit.


3

Zwei Wochen ohne Fernseher und Radio, ein Selbstversuch, keine Musik, wenn wir zusammmen waren. Leiser haben wir miteinander geredet, vorsichtiger, keine Geräuschkulisse, keine Ablenkung,kein Lärm. Andere Themen, zumeist, wenig aktuell. Als wir Fernseher, Radio, Stereoanlage wieder anschalteten, waren wir froh über das Ende einer glücklichen Zeit.


4

Immer schreibt sie mir Briefe, die ich nicht verstehe, alles angedeutet, alles Metaphern. Was meint sie mit diesen Formulierungen, meint sie mich oder meint sie sich, meint sie uns. Habe noch nie einen verstanden, lese die Briefe nicht mehr, sie weiß nicht warum.


5

Schon wieder hat sie ihren Telefonstecker herausgezogen, ihr Handy abgeschaltet: unerreichbar für mich und jeden. Zeitalter der Kommunikation, sage ich, während Du nicht erreichbar bist, bewegt sich die Welt um Dich herum durch Worte. Sie sieht mich an, ich verstehe: sie spricht durch Blicke aus ihrer Welt in meine, in unsere, in die Welt. Kann sein, dass ich ihre Blicke mittlerweile sehe und spüre, vielleicht schon höre, auch wenn wir nicht in einem Raum sind, sicher ist das so.


6

Sie wird immer dünner, ausgezehrt von Drogen und von dem Leben, das sie führt, insgesamt. Bald wird sie die Gitarre nicht mehr halten können. Spielt sie dann auf ihrer Geige weiter, auf ihrer Mundharmonika später zu ihrem Gesang, bis sie nur noch singt zuletzt. Ihr letztes Lied, danach nur noch ein stummes Aufhalten ihrer Hand, zuerst stehend, am Ende liegend, vielleicht. Die Passanten werden ihr nichts mehr geben am Schluss, kein Gesang, kein Grund, sie lebt und stirbt immer weiter, eine Musikerin ohne Musik.


7

Briefe voller Zorn, weil sie keinen anderen Adressaten hat, Briefe voller Enttäuschung, weil der Adressat nicht anders ist, Briefe voller Trauer, weil der Adressat ein anderer war, Briefe voller Hoffnung, weil der Adressat die Briefe nicht liest, nicht verwahrt, wir wissen nicht warum.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von andrea (26) (24.10.2004)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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wupperzeit meinte dazu am 24.10.2004:
Liebe Andrea, danke Dir auch, nicht nur für die sehr hohe Bewertung und den freundlichen Kommentar. Mit dem hohen Prozentsatz in jeder Zeile kannst Du ebenso Dich selbser fragen: das gilt für Deine Texte in jedem Fall. Liebe Grüße, Andreas
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AlmaMarieSchneider
Kommentar von AlmaMarieSchneider (24.10.2004)
Immer wieder überrascht und beeindruckst Du mich, die leise Ironie, in Deinen Texten...
einfach super

Liebe Grüße
Alma Marie
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wupperzeit antwortete darauf am 24.10.2004:
Liebe Alma Marie, vielen Dank für den lieben Kommentar und die sehr hohe Bewertung. Freue mich besonders, dass Du die Texte auch als Ironie liest, oft sind sie so gedacht. Liebe Grüße, Andreas
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Alpha
Kommentar von Alpha (24.10.2004)
Geil, einfach geil. Ich liebe diese (deine) Art zu schreiben! Einfach stark, beeindruckend, wie pure Gedankenfetzen!
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wupperzeit schrieb daraufhin am 24.10.2004:
Liebe Alpha, vielen Dank für den Kommentar und die sehr hohe Bewertung. Es sind Beobachtungen, dachte ich, wenn es sogar Gedanken sind, freut es mich umso mehr. Viele Grüße, Andreas
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Kommentar von The_black_Death (31) (10.01.2008)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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wupperzeit äußerte darauf am 10.01.2008:
Hallo, bd,

ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar und Deine Empfehlung, keine geringe Ehre für mich.

Dir auch einen schönen Gruß,

Andreas
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Kommentar von ues (34) (22.09.2011)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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wupperzeit ergänzte dazu am 11.10.2011:
Ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar und das freundliche Lob, ich habe mich sehr darüber gefreut. Danke sehr, Andreas
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wupperzeit
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Veröffentlicht am 24.10.2004. Textlänge: 421 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.868 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 19.11.2019.
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