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Leid, der Weg zur Erlösung

Kurzgeschichte zum Thema Leid


von LordTakeda

Langsam öffnete er seine starken, kräftigen und dunkelblauen Augen. Er musste blinzeln, da ihm das grelle Licht in den Augen schmerzte. Er pustete mit seinem Mund eine Strähne seines langen, schwarzen Haares aus dem amerindianischen Gesicht, dass einen dunklen Bronze Teint hatte. Das erste was er sah war eine ca. vier Meter hohe Decke. Sie war schäbig, der Putz fing allmählich an abzubröckeln und es trat an einigen Stellen Schimmel hervor. Eine Sache wusste er sofort, dies war nicht seine Eigentumswohnung in Bellevue, einem Nobelviertel in der Stadt Seattle. Er versuchte sich zu erinnern, aber ihm fiel weder ein wie er hierher kam, noch wo dieses hier eigentlich war. Jetzt plagten ihn Zweifel und er versuchte sich an die Grundlegendsten Dinge zu erinnern. Sein Name war Angus Bones, er war ein Mensch und er arbeitete in den Schatten. Er konnte sich an einfach alles erinnern, nur nicht wie er hierher kam.
Nach ein paar Sekunden des Überlegens drehte Angus den Kopf um seine Umgebung zu begutachten. Er befand sich in einem ca. zwei Mal zwei Meter großen Raum. Die Wände waren, genauso wie die Decke, schäbig. Hier bröckelte ebenfalls der Putz ab und es schimmelte an einigen Stellen. Fast alles sah wie kurz vor dem Zerfall aus, außer der Tür. Angus fand sie beeindruckend, sie nahm mehr als die hälfte der Wand zu seinen Füssen ein und war aus massivem, und wahrscheinlich einigen Zentimeter dickem, Stahl. Auf dieser Seite war sie vollkommen eben, es gab weder eine Möglichkeit sie zu öffnen, noch irgendwelche anderen Öffnungen, wo man zum Beispiel Nahrung durchschieben könnte. Diese Tatsache, und die, das sich das einzige Fenster schätzungsweise dreieinhalb Meter über ihm befand und vergittert war, ließ ihn darauf schließen, dass er sich in Gefangenschaft befand. Für ihn gab es keine andere Möglichkeit.
Erst jetzt hörte er diese merkwürdigen Hintergrundgeräusche. Am Anfang wusste er nichts damit anzufangen, doch nach genauerem hinhören erkannte er Vögel, Grillen und andere Tiere, die nur eine Schlussfolgerung zuließen: er befand sich in einem Dschungel oder einem verflucht merkwürdigen Wald. Das, was Angus am meisten störte, war die Tatsache, dass es im Umkreis von mehreren Meilen um Seattle rum keinen Dschungel gab.
Er wollte aufstehen und bemerkte erst jetzt, dass seine Hände auf dem Rücken gefesselt waren. Mit einem selbstsicheren Lächeln wollte er, kraft seiner Gedanken, seine künstlichen und verstärkten Muskeln und seine Adrenalintanks aktivieren, doch nichts geschah. Er fühlte sich weder stärker, noch fühlte er das zusätzliche Adrenalin, das eigentlich durch seinen großen und muskulösen Körper strömen sollte. Die Erkenntnis traf ihn hart. Seine Handschellen waren keine gewöhnlichen, sie waren in der Lage die Implantate im ganzen Körper zu deaktivieren. Er überprüfte seine Cyberaugen, er konnte zwar noch sehen, der Rest wurde aber ebenfalls unterdrückt. Dadurch eigentlich überflüssig, dennoch überprüfte Angus seine Netzhautuhr. Sie zeigte ihm den 01.02.2045 an. Als er dieses Datum sah, fiel ihm wieder etwas ein.

Es war der 01.02.2045, Angus wurde durch seinen „Agenten“ zu einem reffen mit einem Mister Smith eingeladen. Dabei war Smith nicht der wahre Name, so wurden alle Auftraggeber genannt, die die Dienste der Schatten in Anspruch nehmen wollten.
Terry meinte noch, es solle ein einfacher Job werden. Angus wusste es besser, wenn ein Mister Smith sagt, es sei ein einfacher Job, musste man mit der größten Scheiße überhaupt rechnen. Dementsprechend hatte Angus sich vorbereitet. Er bat Terry darum, mehr Informationen über den Auftraggeber herauszufinden.
Es gefiel ihm von Anfang an nicht, wo dieser Smith das treffen arrangiert hatte. Angus hasste den Bernoulli-Komplex, den dort wimmelte es nicht nur von Konzern-Gardisten, nein, er musste auch durch Downtown, und dort gab es ihm zu viele Bullen. Er hatte eigentlich nichts gegen die Polizei, nur kamen diese ihm zu oft bei seiner Arbeit in die Quere. Außerdem gefiel ihm der Name des Ladens nicht, wo sie sich trafen. „Afghane“ war seiner Meinung nach ein merkwürdiger Name für ein Antiquitätengeschäft. Nichts desto trotz brauchte er das Geld und deshalb musste er annehmen. Nachdem ihm Terry nichts weiter sagen konnte, machte er sich auf den Weg Richtung Downtown. Er bestieg seinen Aufgemotzten Ford und betete, dass er in keine Verkehrskontrolle kommen würde. Die Bullen müssten nur den Kofferraum aufmachen und Angus wäre so gut wie tot. Er bezweifelte das die Cops bei einem halben Kilo C-8 Sprengstoff, einer Sturmkanone und etlichen anderen Feuerwaffen ein Auge zudrücken würde. Trotz seiner Besorgnis kam er ohne ein Problem in dem Komplex an und genau das bereitete ihm sorgen. Wenn der Anfang gut verläuft, würde der Tag scheiße enden.
Nachdem er das Auto im 33. Stockwerk geparkt hatte, machte er sich auf dem Weg zum Afghanen. Pünktlich um 13.00 Uhr erreichte er den Laden. Im Schaufenster lagen Sachen aus dem vorherigen Jahrhundert herum. Irgendwelche Nietenhalsbänder aus echtem Leder und Klamotten aus wahrhafter Baumwolle. Man konnte das Schaufenster gut unterteilen. Die eine hälfte war für diese Ökoterroristen oder Elfen und die andere hälfte war für diese abgedrehten Gossenpunks. Auch wenn die Preise astronomisch waren. Nach diesem kurzen Blick konzentrierte Angus sich wieder auf sein bevorstehendes Treffen. Er betrat den Laden und musste leicht die Nase rümpfen. Er hatte schon seid Jahren keine chemischen Drogen mehr gerochen, da die meisten Junkies auf VTM-Chips waren. Als erstes sondierte er den Laden. Er sah überall kitschige Antiquitäten in einem etwa fünf Mal sechs Meter großen Bereich. Ihm direkt gegenüber befand sich eine durch hängende Ketten verschleierte Tür und links von ihm befand sich eine Vitrine, auf der die Kasse war. Hinter der Vitrine stand eine menschliche Frau. Was Angus nicht verwunderte war, dass sie ebenfalls wie eine Ökoterroristin aussah, also passte sie perfekt in diesen Laden. Sie lass in einem echten Buch und als sich die Tür hinter ihm schloss wurde sie erst auf ihn Aufmerksam. Sie begutachtete Angus etwas Argwöhnisch und deutete dann auf den Durchgang mit den Kettenvorhängen. Er nickte ihr zu und ging dann geradewegs in den nächsten Raum. Kaum hatte er ihn betreten, klingelten bei ihm alle Alarmsirenen. Anstatt Smith anzutreffen, fand er in diesem kleinen Raum gar nichts. Nicht nur das dieser kleine Raum vollkommen leer war, er war zudem noch stockdunkel. Innerhalb eines Augenschlags wirbelte Angus herum, zog eine Waffe und rannte zur Tür. Zu Spät, denn eine große Metalltür versperrte ihm bereits den Durchgang. Während er nach einer Fluchtmöglichkeit Ausschau hielt, bemerkte ein leises Zischen. Eindeutig Gas. Er wartete darauf, dass sich sein Luftfilter aktivierte, leider vergebens. Irritiert betrachtete er seine, an der Schulter versteckte, Vorrichtung. Jetzt bemerkte er den merkwürdigen Geruch in der Nase und nicht mal eine Sekunde danach schwanden ihm bereits die Sinne. Er sackte Bewusstlos zu Boden.

Nachdem ihm wieder alles eingefallen war, stieg ein Haasgefühl in ihm auf. Erst würde er herausfinden, wer dieser Smith war und würde ihn fertig machen, danach würde er ein längeres Gespräch mit Terry führen. Angus wurde es plötzlich zu kalt und als er seinen Kopf leicht anhob um an seinem Körper herunterblicken zu können, traf ihn fast der Schlag. Anstelle seines Körperpanzers hatte er gar nichts an. Das einzige was ihn bekleidete war eine rosa Unterhose und die dazu passenden Socken. Sein Hassgefühl stieg nun ins unermessliche. Angus glaubte allmählich, er würde träumen. Erst engagierte man ihn für einen Job, dann setzte man ihn außer Gefecht, zog ihn aus, verpasste ihm diese Geschmacklose Unterwäsche und sperrte ihn in diesen ekelhaften Raum, und das, obwohl Angus ein sehr reinlicher Mensch war. Angus bemerkte einen kleinen Tisch neben seinem Bett, auf dem ein Glas Wasser und ein Teller Suppe standen. Was ihn nur zum Teil wunderte war die Tatsache, dass aus dem Glas und dem Teller jeweils ein Strohhalm ragte. Also wird wohl niemand reinkommen um meine Fesseln zum Essen lösen oder es wird mich auch niemand füttern, dachte sich Angus. Nun richtete er sich ganz auf und setzte sich auf die Bettkante. Er schaute wieder zum Fenster und überlegte, wie er da am dümmsten hochkommen würde. Plötzlich riss ihn ein lautes summen aus seinen Gedanken und er sah einen gigantischen Moskito am Fensterrand sitzen.
„Na, toll. Komm ruhig runter und saug mir mein Blut aus, du brauchst auch nicht durch irgendwelchen Stoff stechen. Keine Angst, Ich lass dich sogar freiwillig ran, wie sollte Ich mich auch verteidigen, soll Ich dich vielleicht an die Wand pusten?“ Gab Angus in einer Mischung aus Sarkasmus und Ironie von sich.
Als ob der Moskito ihn verstanden hätte, wollte er seinen Flug in die Zelle fortsetzten. Doch kaum hatte der Moskito die Gitterstäbe erreicht, gab es ein lautes Zischen und das Insekt wurde wortwörtlich pulverisiert. Damit verwarf Angus diesen Fluchtweg.
Nach einer gewissen Zeit, Angus wusste nicht wie viele Stunden es waren, falls überhaupt, wurde es am Fenster allmählich dunkel. Langsam plagte ihn der Hunger. Nun betrachtete er das Glas etwas genauer. Es sah aus wie ein stinknormales Glas, was Angus wieder einen kleinen Hoffungsschimmer brachte. Er drehte sich mit dem Rücken zum kleinen Tisch um mit den Händen das Glas greifen zu können. Als er es mit beiden Händen fest umklammert hatte, wollte er es hochheben und erlebte wieder eine unschöne Überraschung, denn das Glas lies sich nicht bewegen. Es war wohl am Tisch festgeklebt. Angus drehte sich wieder um und war nun so gereizt, dass er den Tisch samt Zubehör gegen die Wand trat. Glas und Teller brachen und auf dem Boden und der Wand vereilte sich Flüssigkeit. Kurz danach wurde Angus von heftigen Zuckungen durchgeschüttelt, die aber anscheinend nicht natürlichem Ursprung waren. Bevor er das Bewusstsein durch die starken Schmerzen verlor, erkannte er, dass es sich um Elektroschocks handelte.

Nachdem Angus erwacht war, fand er die gleiche Szenerie vor. Es gab nur einen Unterschied, diesmal war seine Unterwäsche kratzig und lila. Angus wartete eine gewisse Zeit, doch nichts passierte. Langsam verlor er die Geduld, wenn er ein Gefangener war, müsste er doch verhört werden oder gefoltert. Oder ist das bereits die Folter? Fragte sich Angus in Gedanken. Trotzdem wartete er weiter. Irgendwann wurde es am Fenster wieder dunkel. Angus bezweifelte, dass er erst zwei Tage in dieser Zelle lag, es kam ihm viel länger vor. Ist das vielleicht nur eine Täuschung, um mein Zeitgefühl zu vernichten? Wenn ja, dann haben die es geschafft. Nach diesen Gedankengängen, verlor der Amerindianer völlig die Beherrschung. Er stand auf, rannte auf die Tür zu und trat andauernd dagegen. Die schmerzen im Fuß ignorierte er einfach. Wie schon fast erwartet wurde sein treiben von Elektroschocks gestoppt.

Diesmal hatte er weiße, schon fast durchsichtige Unterwäsche an. Dadurch konnte er aber seinen Fuß besser betrachten. Eigentlich hätte er durch den ‚gestrigen Abend’ angeschwollen sein müssen aber seinem Fuß fehlte absolut nichts. Das brachte Angus auf eine Idee. Er kniff sich, so gut es ging, in die rechte Hand, bis er das Blut spürte, dass sich einen Weg an dem Fingernagel vorbeisuchte. Zur Strafe kamen wieder Elektroschocks.

Voller Erwartung überprüfte Agnus direkt nach dem Aufwachen seine rechte Hand, doch es war keine Verletzung auszumachen.

Nach einer Weile des nichts tun, ‚draußen’ wurde es bereits wieder dunkel, bemerkte er, dass etwas mit der Tür geschah. Es dauerte ca. eine halbe Minute bis sämtliche Schließmechanismen geöffnet hatten. Er schätze sie auf etwa 20. Dann öffnete sie sich nach außen und ein sehr helles und reines Licht fiel in den Raum, auch wenn nicht sehr viel, denn im Eingang standen nun drei Personen. Erst konnte Angus nichts sehen außer den Konturen, als er sich dann aber an das Licht gewöhnt hatte, erkannte er zwei schwer gepanzerte und bewaffnete Wachen und einen Uniformierten in der Mitte. Bones schätze das Alter des mittleren auf Anfang 30 und vermutete, dass er von den dreien der Anführer oder Ranghöchste war. Was sich auch bald herausstellte, nämlich als dieser das Wort ergriff.
„Aufstehen und mitkommen und zwar sofort!“ Befahl er, nur wollte Angus Bones nicht. Der andere Mann wartete kurz, bevor er seine Aufforderung wiederholte
„Na los, aufstehen Rothaut. Willst du Indianer endlich hören?“ Sagte er in einem schroffen Tonfall.
Der Schattengänger weigerte sich weiterhin. Als dem Mann im Eingang Angus Sturheit klar wurde, murmelte er noch ein: „Na dann eben nicht“ und schon spürte Bones wieder das altbekannte Gefühl der Elektroschocks.

Beim nächsten Mal war Angus etwas kooperativer. Diesmal stand er auf und folgte den drei Männern. Diesmal trug er sehr merkwürdiger Unterwäsche, bei fast jedem Schritt hörte er wie Nähte rissen.
Sie ließen ihn vorweg gehen, worin Angus seine Chance sah. Er nahm beim gehen kaum merklich an Geschwindigkeit ab, sodass er den dreien immer näher kamen. Dabei betrachtete er sich die Umgebung. Es war unglaublich, er konnte dem Gang bis zum Horizont verfolgen. Dieser war so lang, dass das Ende gar nicht richtig zu erkennen war, es schien so wie bei der Erdkrümmung. Bones vermutete auf eine optische Täuschung, denn den gesamten Gang säumten Türen von der gleichen Weise wie die aus seiner Zelle.
Als er merkte, dass er in Angriffsreichweite war, nutze Bones die Gelegenheit. Auch ohne Implantate wirbelte er blitzschnell herum und landete einen gezielten Tritt im Halsbereich des Anführers. Besser gesagt, er hätte einen perfekten Tritt gelandet, doch kurz bevor das Bein sein Ziel erreichte, zog der ‚Offizier’ eine Lippenstiftgroße Apparatur aus seiner Tasche auf der sich ein roter Knopf befand. Diesen drückte er und Angus, Millimeter vor dem tödlichen Tritt, sackte wieder zuckend zu Boden.

Jetzt blieb Angus Bones gehorsam, er befolgte jeden Befehl und versuchte auch keine Angriffe mehr, auch wenn er sich erst wieder weigern wollte, doch als man ihm den roten Knopf vor die Augen hielt, entschied er sich doch um.
Sie gingen den endlosen Gang entlang und nach etlichen Stunden, jedenfalls vermutete Angus das, kamen sie am Ende des Ganges an. Anstelle einer Wand war dort nur eine weitere dieser schweren Türen. Der mittlere befahl Angus die Tür zu öffnen, indem er auf einen ROTEN Knopf deutete. Er drückte mit dem Knie widerwillig gegen den Knopf und wurde prompt schmerzhaft außer Gefecht gesetzt.

Langsam begann Angus innerlich durchzudrehen. Jedes mal geschah das selbe und immer wurde es eine Stufe weitergeführt. Er hatte nun drei Gänge hinter sich, erst waren es immer rote Knöpfe und beim nächsten Mal waren es grüne Knöpfe, die ihm die Türen öffneten und ihm einen weiteren Gang freimachten. Er schätze es auf fünf ‚Tage’, bis er plötzlich vor einer anderen Tür stand. An diesem Tag hatte Angus eine türkise Badehose ohne Socken an. Es war keine von diesen schweren Sicherheitstüren, sondern eine große, zweiteilige Holztür und diese öffnete sich von ganz alleine. Er wurde in den Raum geschickt und genau das tat er dann auch. Nun befand er sich in einem großen und pompösen Raum. Ihm Gegenüber befand sich ein beeindruckend großes Fenster, was einen wunderschönen Ausblick auf Seattle bot. Nun war Bones verwirrt, er konnte sich doch unmöglich in Seattle befinden. Er versuchte sich zu orientieren, er konnte den Bernoulli-Komplex sehen und das Zetsuai, das größte japanische Restaurant der Stadt. Es wirkte, als würde er sich in der Arcolyte-Pyramide befinden.
Nach ein paar Augenblicken lenkte er seine Aufmerksamkeit wieder auf das geschehen innerhalb des Raumes. Vor dem Fenster befand sich ein großer Schreibtisch, der von zwei großen Zimmerpflanzen flankiert wurde. An diesem Schreibtisch saß irgendjemand, nur konnte Angus ihn oder sie nicht erkennen, da die Person mit dem Rücken zu ihm saß und eine große Rückenlehne die Sicht versperrte. Er stellte sich an den Schreibtisch, der andern Person gegenüber.
„Setzen Sie sich doch!“ Hörte Bones eine eindeutig männliche Stimme sprechen. Irgendwie kam ihm diese Stimme bekannt vor, nur nicht in welchem Zusammenhang.
Angus kam der Aufforderung nach und setze sich auf einen Stuhl, der dem mysteriösen Mann direkt gegenüber lag. Nach ein paar Atemzügen drehte sich der Stuhl langsam um und Angus fiel fast die Kinnlade herunter, denn er saß sich gerade selbst gegenüber. Die Person hatte dasselbe aussehen und war genauso angezogen wie Angus, er trug also ebenfalls eine türkise Badehose. Jetzt fiel dem Schattengänger auch wieder ein, woher er die Stimme kannte, es war seine eigene. Völlig Baff bekam er kein einziges Wort aus dem Mund.
„Und, wie gefällt es Ihnen hier?“ Wollte der Doppelgänger wissen.
Diese Frage holte Angus wieder zurück und ließ eine riesige Wut in sich aufsteigen. „Sie wollen wissen wie es Mir geht. Es geht mir prima Sie Lackaffe. Was glauben Sie eigentlich?“ Sprach Angus in einem erbosten Tonfall.
„Das freut mich aber dass es ihnen gut geht.“ Erwiderte der zweite Angus freundlich.
„Ich fass es nicht. Sie nehmen mich gefangen, lassen mich ewig laufen und anstatt mich auszufragen, zu verhören oder zu foltern labbern Sie nur so eine banale Scheiße. Was soll eigentlich dieser ganze Dreck?“ Angus Wut steigerte sich so sehr, dass er bereits schrie. Doch sein Double stellte weiterhin nur sinnlose Fragen über das Wetter oder die Wandfarbe des Raumes. Angus hingegen schrie die andere Person entweder an oder stellte ihr Gegenfragen. Nach ein paar Minuten schlug dann der falsche Angus einen anderen Weg ein.
„Es ist schade dass sie nicht kooperieren wollen.“ Nach diesen Worten spürte Angus wie etwas in seinen Verstand einzudringen versuchte, mit Erfolg. Plötzlich lief seine gesamte Vergangenheit vor seinem geistigen Auge ab. Er sah Szenen längst vergessener Tage, schöne Erinnerungen wie seine erste Verabredung und vor allem tragische Bilder, wie die Ermordung seiner Familie, den Tod seiner Frau und der Kinder. Die Bilder hätte er noch ertragen können, doch spürte er gleichzeitig die passenden Emotionen zu den Bildern. Da dies innerhalb weniger Sekunden geschah und die Anzahl und Intensität der Bilder und Gefühle so stark war, riss es Angus vom Stuhl und lies ihn wild auf dem Boden zappeln, bis es genug war und er zusammenbrach. Die letzten Bilder die er sah, waren die vom Tod seiner Eltern, die sich immer wiederholten, bis er endgültig das Bewusstsein verlor.

Langsam wurde Angus Bones wach, doch er behielt die Augen geschlossen, da er ein Gespräch vernahm. Außerdem bemerkte er, wie er sich auf einer rollenden Trage befand.
„Die abtrünnige der Einheit greift mit weiteren Terroristen den Bernoulli-Komplex an. Wir sollen ihn hier und den Rest der Einheit in Position bringen“, hörte er einen aufgebrachten Mann.
„Diese Lien geht mir langsam tierisch auf den Wecker. Wie konnte Sie nur entkommen und wo hat sie plötzlich die ganzen Mittel her?“ Fragte ein anderer.
„Sie hat uns getäuscht und wir haben Ihr 50 Millionen Credits gegeben.“
„Wie blöde muss man eigentlich sein?“
„Das ist doch jetzt egal, denn wenn Angus oder der Magier sie nicht aufhalten, ist der gesamte Komplex verloren. Laut unseren Informationen besitzen die Terroristen mehrere Lieferwagen voll Sprengstoff.“
„Na toll“, dann unterbrach er kurz bevor er weiter sprach, „verdammt, er wird wach.“ Das waren die letzten Worte bevor Angus wieder das Bewusstsein verlor.

Als er seine Augen öffnete, befand sich Angus mitten in einem Kriegsgebiet. Von allen Seiten wurde geschossen und überall lagen sterbende oder tote Menschen und Nichtmenschen. Er hatte keine Ahnung wie er hierher kam oder was passiert war. Er ging in Deckung und schaute erstmal auf seine Netzhautuhr. Es war der 13.06.2055. Angus überlegte, doch ihm fiel einfach nicht ein, was in den letzten vier Monaten geschehen war. Dann, in einer Sinnflut an Bildern und Emotionen, die Angus Bones überraschte, erlebte er in wenigen Sekunden alles was in den letzten vier Monaten geschah. Er sah bestialische Foltern und Verhöre, fühlte unsagbare Schmerzen und begann wie wild zu zittern. Dann wurde es totenstill, er hörte nichts mehr und alles fing an um ihn herum zu verschwimmen. Die Realität begann zu verschwinden und das einzige was blieb war dieses verschwommene Bild. Dann kam der lärm wieder und Angus verlor die Kontrolle über seinen Körper. Er sah zwar noch durch seine Augen, doch hatte er keinen Einfluss mehr auf das, was nun geschah. Mit ausgefahrenen Spornen rannte er durch die Reihen und mähte alles nieder was sich ihm in den weg stellte, egal von welcher Seite. Alle bewegten sich wie in Zeitlupe oder bewegte sich sein Körper so schnell? Dann hatte er das Gefühl das Bewusstsein zu verlieren, obwohl sein Körper nicht langsamer wurde.

Angus Bones, ehemaliger Schattengänger, nun ein irres Monster, kam wieder zu sich. Er war von oben bis unten mit Blut durchtränkt, nur war es nicht von ihm. Um ihn herum lagen hunderte von Leichen und viele waren auf grausame Weise mit einem scharfen Gegenstand geschlachtet worden. Er blickte auf seine Cyberspornen und verstand. Er hatte dieses Blutbad angerichtet. Langsam kehrten die Erinnerungen daran zurück und er konnte nicht fassen das er diese ganzen Menschen und Nichtmenschen getötet hatte und das alles innerhalb weniger Minuten.
Er befand sich in einer großen Empfangshalle, die nun durch heftige Gefechte stark beschädigt war. Er konnte noch Teile eines Schriftzuges erkennen, der an einer Wand hing. Daher wusste er, dass er sich in dem Bernoulli-Komplex in Seattle befand. Was war geschehen, was hatte man mit ihm angestellt? Zu was hatte man ihn gemacht? Das waren fragen auf die Angus kaum eine Antwort fand. Er vermutete zwar, dass man ihn zu einer Kampfmaschine gemacht hatte, nur wie oder ob es stimmte war eine andere Frage.
Erst nach und nach wurde er seiner ganzen Umgebung bewusst, es war zu ruhig. Hatten die Kämpfe etwa aufgehört? Dachte er. Doch dann bemerkte er drei große Lieferwagen, die mitten in der Halle standen. Der Laderaum eines jeden Lieferwagens war so groß, dass zwei Familienwagen übereinander da rein gepasst hätten. Er ging zu einem der Lieferwagen und öffnete die hintere Wagentür. Nun blickte Angus auf eine riesige Menge C-8 Sprengstoff. Alleine dieser Wagen hatte bestimmt mehr als eine Tonne davon geladen. Er bemerkte eine kleine Zündvorrichtung, an der ein grünes Licht aufleuchtete. Dann verschwand das Licht und es leuchtete eine rote Diode auf. Diese fing an zu blinken und als sie verschwand huschte ein „Danke“ über Angus Lippen. Das letzte was er erlebte war ein grelles, weißes Licht, dass sich um ihn schloss und ihn mit in die Ewigkeit nahm.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von xrotbartx (50) (27.03.2004)
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LordTakeda meinte dazu am 27.03.2004:
Ich danke dir für deinen Kommentar, ich werd es mir zu Herzen nehmen und sehen, was sich machen lässt.
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Kommentar von DeLaDragon (17) (29.03.2004)
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Kommentar von Toriko (22) (25.04.2004)
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