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Kurzprosa zum Thema Gegenwart


von BrigitteG

An der Wand hängen zweihundertzehn Fotos neben- und übereinander, jedes so groß wie ein Blatt Schreibmaschinenpapier. Es sind Schwarz-Weiß-Fotos, die Frauen teilweise von vorn, teilweise im Halbprofil aufgenommen, wie für ein Passfoto. Einige dieser Frauen sind sehr jung, fast noch Mädchen, andere schon Mitte Sechzig; manche gepflegt zurecht gemacht, mit Schmuck, sorgfältig ondulierten Wellen, Spitzenblusen  und elegantem Kragenansatz, viele in einfachen karierten Arbeitskitteln und unfrisiert.

Sie gehört dazu, ist ein Teil dieser Gemeinschaft. Mit ihrem länglichen Gesicht erinnert sie an die Fotos der späten Virginia Woolf, doch mit markanteren Zügen. Anfang oder Mitte 50 mag sie sein, die aschblonden Haare etwas kürzer als zu ihrer Zeit üblich und nach hinten gelegt – nicht frisiert, sondern eher wie in Gedanken beim Lesen mit der Hand nach hinten gestrichen. Sie trägt kleine goldene Ohrringe, und der Ansatz eines schwarzen Pelzkragens auf dem dunklen Mantel ist zu sehen.

Das Auffällige ist ihr Blick – er unterscheidet sie von den anderen Frauen. Es liegt keine Angst darin, keine Wut, kein Schmerz, keine Ohnmacht. Ihr Blick überspringt absichtslos und gleichgültig die von Menschen festgelegten Grenzen, lässt sich nicht einsperren, nicht dirigieren. Dieser Blick erfasst den Kern der Dinge, das in ihnen innewohnende Wesen – ohne zu werten, ohne sich zu verwandeln oder sich auch nur berühren zu lassen. Sie sieht hin – und erkennt.

Dieser Blick strahlte bis heute, an der Wand des Gebäudes in Ravensbrück.


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von MicMcMountain (59) (13.08.2007)
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BrigitteG meinte dazu am 13.08.2007:
Es gab Texte der Frauen zu sehen, es gab Zeichnungen und Gegenstände. Viel zu sagen bleibt einem nicht. LG Brigitte.
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Kommentar von seele60 (47) (13.08.2007)
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BrigitteG antwortete darauf am 13.08.2007:
Danke für Deinen Kommentar, Beatrix. LG Brigitte.
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Martina
Kommentar von Martina (13.08.2007)
Ja, Blicke sagen soviel aus...deshalb gilt mein erster Blick bei jedem den Augen...und dann erst dem Rest :0) Lg Tina
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BrigitteG schrieb daraufhin am 13.08.2007:
Ja Martina, ein Blick kann einen umhauen, im positiven wie im negativen Sinne... LG Brigitte.
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Martina äußerte darauf am 13.08.2007:
Jaaa!!!! :0)
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Kommentar von Sektfrühstück (41) (13.08.2007)
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BrigitteG ergänzte dazu am 13.08.2007:
Tja der Tempuswechsel - ich habe hin- und her überlegt, Secke, weil das Thema ja sehr bewusst gewählt ist. Zuerst hatte ich den zweiten Absatz auch noch im Präsens. Bleibt schwierig, denke ich.

Die Wirkung war beim Betreten des Raumes diese Wand, die voll war mit den Fotos, eine schiere Masse an Fotos, die auf mich erschlagend wirkte. Normalerweise ist in Ravensbrück in den Gedenkräumen die Ausstellung sehr oft auch personalisiert, d.h. in Einzelschicksalen dargestellt, mit Unterlagen, persönlichen Gegenständen, Bildern,Texten. In diesem Raum war es anders - die Frauen waren völlig anonym - und das war genauso grausig... Es hat eine Weile gedauert, bis ich sie als Einzelpersonen wahr genommen habe, und dann blieb diese Frau für mich übrig. LG Brigitte.
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Kommentar von The_black_Death (31) (14.08.2007)
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BrigitteG meinte dazu am 14.08.2007:
Danke für Deinen Kommentar, B.D. LG Brigitte.
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Kommentar von chichi† (80) (16.08.2007)
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BrigitteG meinte dazu am 16.08.2007:
Danke, dass sie zu Dir ausgestrahlt hat ... LG Brigitte.
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Kommentar von MarieM (55) (19.08.2007)
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BrigitteG meinte dazu am 19.08.2007:
Es geht wohl nicht anders als ruhig, gerade wegen des Inhalts... Danke für Deinen Kommentar. LG Brigitte.
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ViolaKunterbunt
Kommentar von ViolaKunterbunt (22.08.2007)
Dass ich den Text mag, das liegt nicht daran, dass wir befreundet sind. Nein, ich mag den Text, weil er den Inhalt sanft und leise zum entgültigen Punkt bringt.
Mir war sehr schnell klar, um was es geht, da ich so eine Bilderwand auch schon mal im Museum des Rosengartens von Lidice gesehen habe und erschüttert davor stand. Diese Masse an Menschen, und doch ist jedes ein Einzelschicksal.
Hach ja, Seckes Einwand, dass es etwas mehr Hinweise auf dieses Einzelschicksal geben könnte, sehe ich auch so. Es würde das Ganze noch emotionaler machen.

Der Zeitwechsel gefällt mir gut so, allerdings würde ich das Wort erinnerte im 2. Absatz im Präsens schreiben, denn es erinnert ja heute und nicht damals. Bin mir aber nicht wirklich sicher, wie es richtig sein muss.
Liebe Grüße, Viola
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BrigitteG meinte dazu am 22.08.2007:
Der Zeitwechsel ist wirklich schwierig, Viola... wenn ich das "erinnerte" im Präsens schreibe, dann sollte ich den ganzen restlichen Absatz auch so schreiben, denke ich. Ich werde es so lassen, wie es jetzt ist - nicht weil es das Beste ist, sondern weil ich das Gefühl habe, dass für jede Variante etwas spricht.
Mehr Hinweise, mehr Drumherum - ich hatte vor dem Einstellen drüber nachgedacht, und hatte das Gefühl, dass ich mehr Atmosphäre nicht hinkriege (das ist ein wunder Punkt bei meinem Schreiben, bei manchen Texten wird es besser), und so habe ich es einfach nüchtern gelassen. Vermutlich habe ich auch nach außen hin völlig nüchtern gewirkt, als ich davor gestanden habe... wenn Du magst, schau sie Dir auf keineGalerie an, ich habe das Foto fotographiert. Liebe Grüße, Brigitte.
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Kommentar von LunAe (26) (10.09.2007)
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BrigitteG meinte dazu am 11.09.2007:
Ja, der See - so ungewohnt und doch passend: eine große weite Fläche, ruhig, entspannt, frei. Das Richtige für die jetzigen Besucher, in ihrer Bedrücktheit. Und vermutlich ein Hohn in der Zeit vor über 60 Jahren... Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße!
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Kommentar von LudwigJanssen (54) (10.02.2008)
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BrigitteG meinte dazu am 10.02.2008:
Jetzt habe ich einen Tag darüber nachgedacht, Ludwig, und Dein zweiter Gedanke passt! Genau das, was Du beschrieben hast, wollte ich mit der Wahl des Themas "Gegenwart" ausdrücken. Zum Titel: keine Ahnung, ob das "Vielen" klein geschrieben wird - ich lass es einfach so. Und falls Du diese Frau auf dem Foto sehen möchtest, ich habe sie bei kG eingestellt:
 und zwar hier.
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LudwigJanssen (54) meinte dazu am 11.02.2008:
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Bohemien
Kommentar von Bohemien (11.02.2008)
und jetzt...nicht mehr..? ach wie schade-so einen blick hätte ich auch gern...interessanter text, der an spannung gewinnt und am schluß einen leider auf den boden holt...um`s mit den worten von der band "das auge gottes" zu sagen: vorbei ist vorbei, die leinen los und abgelegt-nichts wird sein, wie`s mal war...seufz..lg dir bo
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BrigitteG meinte dazu am 12.02.2008:
Ihr Blick ist für mich noch immer da, Bo, das Foto bleibt auf meiner Festplatte... danke für Deinen Kommentar. LG Brigitte.
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Kommentar von Beasty (42) (15.03.2008)
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BrigitteG meinte dazu am 15.03.2008:
Ach Du Donner - das ist mir bis jetzt noch nicht aufgefallen, mit der Haarfarbe... Du hast Recht. Aber so unbegründet es klingen mag - ich sah das Schwarz-Weiß-Foto, und es waren aschblonde Haare für mich. Danke für das "stimmungsvoll" und Grüße von Brigitte.
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Kommentar von LudwigJanssen (54) (07.07.2008)
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BrigitteG meinte dazu am 07.07.2008:
Ja, ich wollte den Link nicht gleich in die Anmerkung schreiben, damit die, die den Text lesen, nicht sofort ein festes Bild von der Frau haben...
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Jorge
Kommentar von Jorge (15.12.2008)
Ich bin über das Foto auf keine Galerie.de auf deinen Text gestoßen.
Beides berührt unaufdringlich aber doch nachhaltig. LG Jorge
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BrigitteG meinte dazu am 15.12.2008:
So soll es sein, Jorge. Danke.
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Veröffentlicht am 13.08.2007, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 10.02.2008). Textlänge: 229 Wörter; dieser Text wurde bereits 3.342 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.05.2020.
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