Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Hannelore (05.12.), pawelekmarkiewicz (28.11.), Graeculus (28.11.), keinleser (25.11.), Sandfrau (18.11.), Loewenpflug (14.11.), Tigerin (12.11.), Seifenblase (12.11.), Marty (05.11.), Slivovic (22.10.), C.A.Baer (19.10.), Swiftie (15.10.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 666 Autoren* und 78 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.914 Mitglieder und 431.413 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 06.12.2019:
Tagebuch
Ein Tagebuch ist eine individuell geführte Aufzeichnung über die Ereignisse verschiedener Tage. Meistens wird es zum eigenen... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Mein romantisches Tagebuch von Serafina (22.11.19)
Recht lang:  Tagebuch des JWSCG (oder Hommage an Christian Morgenstern) von Schreiber (5505 Worte)
Wenig kommentiert:  Samstag von Manzanita (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  31. von nautilus (nur 25 Aufrufe)
alle Tagebücher
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Weihnachtsgeschichten "angehaucht"
von Leahnah
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil ich überschwänglich bin." (Stimulus)

Höllisches Inferno

Kurzgeschichte zum Thema Katastrophen


von AZU20

Emilio weiß nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Vom nahen Dorf weht Glockengeläut in verwehten Fetzen herüber. Schweißnass schreit er seinen Frust heraus, seine Ohnmacht, seine Verzweiflung. Das Feuer hat seine Finca schneller erreicht als erwartet. Juan und er haben alles versucht, mit allem, was sie finden konnten, auf das Feuer eingeschlagen. Eimer mit Wasser herausgeschleppt und auf die Glut ausgekippt, solange noch Wasser im Swimmingpool war. Mit dem Gartenschlauch gegen die Flammen angekämpft. Doch die Bäume glimmen weiter, knistern verräterisch. Der Wind entfacht überall neue kleine Feuer. Er bläst ihnen wie ein heißer Föhn entgegen. Immer wieder lodern Stichflammen empor, flammen fauchend auf. Es raucht an allen Ecken. 
Die Natur ist verstummt. Wo sonst um diese Zeit Zikaden einen Höllenlärm verbreiten, hört man keinen Laut. Kein Vogel, kein Klagen eines Esels, nur das Knistern des Feuers.
Keine Feuerwehrleute zu sehen, kein Löschflugzeug. Emilio ist todmüde und steht verzweifelt vor dem Wohngebäude. Er steht wie erstarrt, hält  den Schlauch in seiner Hand, schlapp wie eine tote Schlange. Juan biegt um die Ecke, läuft so schnell er kann, reckt die Arme zum Himmel. Rauchschwaden von überall her. Die Hitze wird immer unerträglicher, Rauch und Hitze würgen die Luft ab. Eine neue Feuerwand faucht von der anderen Seite heran wie eine riesige gelbrote Katze auf dem Sprung. Auf dem Sprung, Emilios Lebenswerk knisternd aufzuzehren. Meterhohe Flammen in den fahlblauen Himmel, schwefelgelbes Licht, Funkenflug. Der Gegner ist zu stark, zu übermächtig. Er kommt direkt aus der Hölle.

„Wo bleibt das Wasser? Hast du den Hahn aufgedreht?“
„Es gibt kein Wasser mehr. Wir müssen weg. Komm, solange noch Zeit ist.“
„Wir sollen aufgeben? Alles im Stich lassen, was wir uns über so lange Zeit aufgebaut haben?“
„Es hilft nichts. Das Feuer hat die Zufahrtstraße erreicht. Wenn wir uns nicht beeilen, schneidet es uns die letzte Fluchtmöglichkeit ab. Wir nehmen den Weg durch die Plantage.“

Die Touristen sind längst vor der Feuerkatastrophe in Sicherheit gebracht. Juan und er blieben. Gegen den Willen ihres Freundes Antonio von der örtlichen Polizeikommandantur. Überall kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Viele wollten wie Emilio ihre Besitzungen nicht verlassen. Szenen wie aus einem Katastrophenfilm, wie beim Auszug aus Ägypten. Trauer und Verzweiflung, apokalyptische Bilder, Götterdämmerung.
Juan zieht Emilio zum Auto. Hoffentlich springt der alte Golf an. Die Hitze wird unerträglich. Der Sommer zeigt keine Schattenseiten. Kein Tropfen Regen seit Wochen. Das Thermometer bei 40 Grad festgefroren. Heiße Luft aus Afrika. Die Wälder brennen wie Zunder. Das Feuer springt von Wipfel zu Wipfel, überwindet alle Brandschneisen. Windböen fachen es immer wieder an, Feuersbrünste züngeln weiter und weiter. Sitzen sie schon in der Falle? Die elektrischen Außenleitungen beginnen zu schmelzen. Die fortschreitende Glut bedroht alles. Wo sind eigentlich die versprochenen Löschhubschrauber? Sicher dort, wo Politiker um ihre Häuser bangen. Was zählt da schon Ernestos Lebenswerk? Das Lebenswerk eines kleinen, unbedeutenden Mannes. Der Frust sitzt tief.

„Gott sei Dank, die Kiste rührt sich.“
Juan legt den Gang ein, steuert den Wagen weg von der Finca, weg vom Feuer,  weg von dem Stück Land, das bis heute ihre Heimat war. Emilio blickt sich um. Das Feuer rückt näher, immer näher. Die Lage wird bedrohlich. Hoffentlich ist die Straße zur Küste noch frei.

„Dieser Hund. Wollte er allen zeigen, dass er unersetzlich ist? Saß der Frust so tief, weil er entlassen werden sollte?“
„Hat dieser Kerl nicht selbst die Feuerwehr gerufen?“
„Ja, als es längst zu spät war.“
„Brandstiftung ist ein niederträchtiges Verbrechen. Würden die Behörden die Täter konsequent verfolgen und hart bestrafen, würde vieles im Keim erstickt.“
„Du weißt doch selbst, dass auf den abgebrannten Stellen ganz schnell gebaut wird. Erst der Brand, dann die Spekulanten.“

Dieser elende Forstgehilfe spielte Schicksal. Schicksal für unzählige Menschen, zerstörte ihre Existenz. Ob er daran dachte, als er das Feuer legte? Als er viele Hektar Wald vernichtete, viele Häuser und Gehöfte, in denen Menschen sich ihre Existenz aufgebaut hatten. Als er viele Inselbewohner, Touristen und Feuerwehrleute gefährdete. Wer ist dieser Kerl, der Herr über Leben und Tod spielte? Darf er weiterleben? Gibt es überhaupt die passende Strafe für dieses Verbrechen?
Ein Löschhubschrauber kreist über dem Wagen, in dem Juan und Ernesto der Hauptstadt entgegen rumpeln.

„Zu spät.“

Das Propellergeräusch des Hubschraubers versinkt im Aufruhr der tosenden Feuerwalze hinter ihnen. Juan drückt das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Der Wagen fliegt förmlich über die unebene, mit Schlaglöchern übersäte Piste der nächsten Straße zu.
Die taucht hinter einer Kurve auf, während ein weiterer Löschhubschrauber über ihnen auf das Feuer zu donnert. Juan hat das schwankende Gefährt sicher im Griff; er schafft es, den schlimmsten Löchern auszuweichen. Emilio wird hin und her geschleudert, obwohl er sich krampfhaft festhält.

„Nicht so schnell.“
„Bete bei Gott, dass wir noch schnell genug sind. Sieh da vorn.“
„Mein Gott.“ 
Leichenblass starrt Emilio aus dem Wagen. Von Süden nähert sich eine weitere, gewaltige Feuerwalze. Sie nähert sich der einzigen Straße, die die beiden Männer in ihrem alten Golf noch aus der Flammenhölle hinab zur Küste bringen kann. Der Wind hat zugenommen und treibt das Feuer mit großer Geschwindigkeit vor sich her. Windeseile, denkt Emilio. Dieses Wort fällt ihm ein, drängt sich zwischen ihn und seine Todesangst, nimmt plötzlich eine grauenhafte Bedeutung an.

                                                              *

„Hast du Emilio erreicht?“
„Er meldet sich nicht.“
„Hoffentlich hat er nicht zu lange gewartet.“
„Er ist bestimmt schon weg.“

Antonio steht mit einem Kollegen auf dem Hof der Kommandantur und schaut sorgenvoll nach Norden gegen die Berge. Dicke rotgelbe Rauchwolken steigen wie Nebelschwaden hinter ihnen auf und verdunkeln den Himmel. Asche rieselt herunter.

„Wir werden den Kampf die ganze Nacht fortsetzen.“
„Aber dann müssen wir auf die Löschflugzeuge verzichten.“ 
„Versuch noch einmal, Emilio zu erreichen. Ich mache mir Sorgen.“
„Juan ist bei ihm.“
„Hoffentlich bringt der ihn zur Vernunft.“

Währenddessen holt Juan aus dem alten Wagen heraus, was noch heraus will. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Wenn das Feuer die Straße erreicht, bevor sie durch sind, ist ihnen der rettende Weg zur Küste abgeschnitten. Und das Feuer rast unaufhörlich weiter. Die Hitze ist selbst im Innenraum des Wagens zu spüren. Hitze und Angst mischen sich zu einem höllischen Cocktail und treiben den Schweiß aus allen Poren.

„Wir sitzen wie Kaninchen in der Falle.“
„Du wirst sehen, wir schaffen es.“
„Das Feuer ist schneller.“
„Wir geben nicht auf.“ 

Die Lage ist dramatisch. Temperaturen weit über 40 Grad, meterhohe Flammen dichter Rauch und starker Wind. All dem stemmt sich der Wagen mit seinen beiden Insassen entgegen. Eine prasselnde, lodernde Flammenwand schiebt sich näher und näher an die Straße heran. Die Zeit schmilzt unter der Hitze dahin.
Juan drischt vergeblich das Gaspedal, der Wagen bäumt sich auf wie ein Pferd unter der Peitsche, während das Feuer die Straße erreicht. Von allen Seiten züngeln die Flammen heran, der Wind  treibt sie vor sich her. Blitzschnell sind sie von Flammenwänden eingeschlossen. Ein Inferno, der Himmel rot gefärbt.

„Ich komme mit dem Handy nicht durch. Das Netz ist schon wieder überlastet.“

Während Antonio fieberhaft versucht, eine Verbindung zu Emilio herzustellen, wird dessen Wagen von den Feuerwänden überrannt. Eine heftige Detonation, eine riesige Stichflamme. Zwei Männer sterben in den Flammen.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von orsoy (56) (02.09.2007)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
AZU20 meinte dazu am 02.09.2007:
Liebe Konni, mal wieder die erste. Herzlichen Dank für Kommentar und Empfehlung und dir noch einen schönen Sonntagabend wünscht Armin
diese Antwort melden
Kommentar von steyk. (58) (03.09.2007)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
AZU20 antwortete darauf am 03.09.2007:
Ich freue mich sehr, dass du dich durch den langen Text durchgearbeitet hast. Vielen Dank für Kommentar und Empfehlung Armin
diese Antwort melden
Kommentar von Francisco_Wilando (54) (17.10.2007)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
AZU20 schrieb daraufhin am 18.10.2007:
Vielen Dank für alles. es freut mich immer, wenn auch längere Geschichten Leser finden. Es ist vermutlich so nicht passiert, aber zumindest Fernsehberichten nachempfunden. Die Geschichte wird auch beim Lerato-Verlag in einer Anthologie erscheinen. LG
diese Antwort melden
Kommentar von Symphonie (73) (13.12.2007)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
AZU20 äußerte darauf am 13.12.2007:
Vielen Dank für deinen ausführlichen und stimmigen Kommentar und alles andere. LG
diese Antwort melden
Ina_Riehl
Kommentar von Ina_Riehl (10.05.2018)
Dazu gehen meine Gedanken spazieren zu: ...Gruppentherapie/ 8 x Shiva´s Zerstörungswut, 8 Psychen schreien der Lehrenden ihr "WHY?" ins Gesicht und Jaya hat nur einen einzigen Satz für uns, um dann zu schweigen, bis es eben weitergeht*:
"Ein Unrecht muss benannt werden!"

Achtungsvoller Gruß von SchulphobikerIna_Riehl

* : ...

Kommentar geändert am 10.05.2018 um 18:16 Uhr
diesen Kommentar melden
AZU20 ergänzte dazu am 10.05.2018:
Vielen Dank. LG zum Wochenende
diese Antwort melden
Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (03.12.2019)
Nicht schlecht, aber zu dialoglastig. Ich würde die banalen ersetzen.
diesen Kommentar melden
AZU20 meinte dazu am 03.12.2019:
Kann ich verstehen. Es ist nur im neuen Buch so schon drin. LG
diese Antwort melden
Dieter_Rotmund meinte dazu am 04.12.2019:
BOD? Oje.
diese Antwort melden
AZU20 meinte dazu am 04.12.2019:
Nein, tredition. LG
diese Antwort melden

AZU20
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zum Aktivitäts-Index
Veröffentlicht am 02.09.2007. Textlänge: 1.174 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.968 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 05.12.2019.
Lieblingstext von:
Powerborner.
Leserwertung
· spannend (2)
· anklagend (1)
· aufwühlend (1)
· schockierend (1)
· stimmungsvoll (1)
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Mehr über AZU20
Mehr von AZU20
Mail an AZU20
Blättern:
voriger Text
nächster Text
zufällig...
Weitere 10 neue Kurzgeschichten von AZU20:
Der Wunderbaum Engelprüfung Himmlische Schmerzen An einem Donnerstagnachmittag um 13.33 Uhr Der Fremde Menschenopfer Musik verbindet, Wichteltext für Omnahmashivaya Tod auf dem Dachboden Der Tag vor dem hl. Abend Am Nikolausabend
Was schreiben andere zum Thema "Katastrophen"?
Zum Klimawandel (Winfried) In der unendlichen Tiefe (Mondsichel) Denn Liebe ist (Ralf_Renkking) 'tante ju' stürzte ab (harzgebirgler) schotten nicht dicht (harzgebirgler) "Nichtstun ist garnicht gut" (wellnesscoach) Aufgepasst! (tueichler) Löscheinsatz (Möllerkies) Die Geißel der Poeten (AchterZwerg) irma maria und und und (harzgebirgler) und 68 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2019 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2019 keinVerlag.de