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Mein Porsche

Erzählung zum Thema Oberflächlichkeit


von NormanM.

Mein Porsche, was war ich stolz auf ihn. Jahrelang hatte ich dafür gespart und hart gearbeitet, mir nichts gegönnt. Ich hatte ihn zwar gebraucht gekauft, einen neuen konnte ich mir unmöglich leisten, aber mit seinen vier Jahren, die er auf den Buckel hatte, war er trotzdem noch wie neu, sein Vorbesitzer hatte ihn pfleglich behandelt. Er war rot, auf seinem Lack war noch kein einziger Kratzer und ich wusch und polierte ihn regelmäßig.
Wenn ich damit über die Autobahn fuhr und kaum Verkehr war, gab ich immer Vollgas, es war ein schönes Gefühl daher zu brettern, es war wie Skifahren, ich fühlte mich in diesen Momenten frei.
Mit diesem Auto war ich jemand, seit ich ihn fuhr, war ich viel selbstbewusster. Wenn ich damit durch die Stadt fuhr, winkte ich schönen Frauen zu, hin und wieder schleppte ich die ein oder andere ab für eine Nacht.
Eines Tages, als ich durch die Stadt fuhr, sah ich, dass eine Frau mit ihrem Auto liegen geblieben war. Kein Wunder bei der Schrottkarre, die sie fuhr, wie konnte man auch nur einen Käfer fahren. Aber die Frau sah nicht schlecht aus, ich beschloss anzuhalten.
„Hallo, kann ich Ihnen helfen?“, fragte ich, während ich ein wenig grinsen musste und für einen kurzen Moment fühlte ich mich wie Sean Connery in seiner Rolle als James Bond. Dabei blieb ich an meinem Porsche stehen, damit sie auch sah, was für ein Auto ich fuhr.
„Ich bin gerade liegen geblieben“, fing sie an, während sie mich ansah und hielt plötzlich inne. „Thomas?“, fragte sie vorsichtig. Jetzt erkannte ich auch sie, es war Nina. Ich kannte sie noch von der Schule, aber hatte sie seit dem Abitur nicht mehr gesehen, das war jetzt 9 Jahre her.
„Ja, genau, jetzt erkenne ich dich auch, du bist Nina?“, antwortete ich. Ich hatte sie immer sehr gemocht damals und freute mich, sie wieder zu sehen.
„Ja, das ist ja ´ne Überraschung, dich zu treffen. Wie geht es dir denn so?“
„Sehr gut“, antwortete ich. „Und dir?“
„Mir auch, danke.“
Meinen Porsche hatte sie noch gar nicht beachtet.
„Hast du einen Kanister, dann kann ich dich zu einer Tankstelle fahren“, bot ich ihr an. „Oh ja, das wäre nett“, sagte sie und holte einen Kanister aus ihrem Kofferraum.
„Seit wann fährst du denn einen Porsche“, fragte sie, als sie einstieg. Na, endlich. „Seit etwas über einem Jahr“, antwortete ich stolz. „Geiler Wagen, oder?“, fragte ich. Sie nickte, sah aber nicht besonders interessiert aus.
„Und was machst du beruflich, du musst ja erfolgreich sein, um dir so ein Auto leisten zu können“, meinte sie dann.
„Ich bin bei der Bank. Hab lange dafür gespart. Und was machst du so?“
„Ich studiere noch. Hab erst eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, jetzt studiere ich Medizin“, erzählte sie.
„Nicht schlecht, ich wollte nicht studieren, dann hätte ich mir nicht diesen Wagen leisten können“, erklärte ich.
„Na ja, mir ist mein Studium wichtiger, als ein Auto. Ich bin mit meinem völlig zufrieden, Hauptsache es fährt, was es normalerweise auch tut, wenn es voll getankt ist“, erwiderte sie.
Ich wäre niemals mit so einem Käfer zufrieden gewesen.
„Was hältst du davon, wenn wir nachher noch ein Eis essen gehen, dann können wir ein wenig über die alten Zeiten quatschen“, schlug ich vor.
„Ja, das ist eine gute Idee“, fand sie.
„Wir können ja vorher noch eine Spritztour über die Autobahn machen, dann siehst du mal, wie der Porsche abgeht“, meinte ich dann.
„Och ne, das glaub ich dir auch so, lasst uns lieber sofort in ein Café fahren“, meinte sie.
„Okay“, sagte ich und war schon ein wenig enttäuscht.

Es wurde ein lustiger Nachmittag, wir verbrachten über drei Stunden in dem Café, lachten, während wir uns an die alten Zeiten erinnerten und alberten viel herum. Wir wunderten uns, dass wir früher nicht so viel miteinander zu tun hatten, wobei wir uns doch wirklich gut zu verstehen schienen. Wir tauschten noch unsere Telefonnummern aus und telefonierten täglich miteinander und zwischendurch trafen wir uns auch wieder. Ich holte sie immer mit meinem Porsche ab und brachte sie zurück. Sie sagte zwar ständig, dass sie doch auch mal fahren könne, aber ich bestand immer darauf, dass wir mit meinem Auto fuhren.

Eines Tages, als wir abends aus dem Kino kamen, sah ich, dass ein Vogel auf meinen Porsche gemacht hatte. Ich war geschockt und fing an zu fluchen und holte ein Taschentuch heraus, während ich es wegzuwischen versuchte.
„Sag mal, ist dir eigentlich nichts wichtiger, als dein dämlicher Porsche?“, fragte sie plötzlich genervt.
„Was heißt hier dämlicher Porsche, weißt du, wie lange ich dafür gespart hab und wie ich ihn gepflegt hab?“, regte ich mich auf.
„Oh ja, das ist ja jetzt wohl der reinste Weltuntergang für dich“, meinte sie ironisch.
„Ja, du mit deinem Käfer, kannst es ja nicht verstehen“, sagte ich darauf nur.
„Weißt du was, ich lass dich am besten mit deinem Porsche allein und nehm die Bahn nach Hause“, meinte sie dann.
„Ach mach doch, was du willst“, gab ich zur Antwort. Und so ging sie.

Ich dachte die nächsten Tage viel nach. Ich war anfangs noch wütend gewesen, aber langsam verschwand diese Wut. Ich hatte von ihr seitdem noch nichts gehört, so rief ich sie an, aber leider war sie nicht da.
Ich dachte an ihre Frage, die sie mir zuletzt gestellt hatte, ob es nichts anderes für mich gab, als mein dämlicher Porsche. Dämlicher Porsche, hatte sie gesagt. Sie war die erste, die sich gar nicht für ihn interessierte, sondern die mehr Interesse an mir hatte und mich so zu mögen schien, wie ich war und nicht für das, was ich darstellte. Und ich war so oberflächlich geworden.
Von ihr hörte ich auch die folgenden Tage nichts, auch ich konnte sie nicht erreichen, wahrscheinlich wollte sie nicht mit mir sprechen und ging nicht ran, weil sie schon vermutete, dass ich es war.
Ich hatte es mit ihr versaut, mit der ersten Frau, die mich wirklich zu mögen schien. So fasste ich einen Entschluss.  Ich packte einen Baseballschläger ein und fuhr zu ihr. Sie war nicht zu Hause, aber ich beschloss, auf sie zu warten.
Zwei Stunden später kam sie endlich mit ihrem Käfer an. Als sie ausstieg, stieg ich auch aus und holte meinen Baseballschläger hervor. „
Ja“, rief ich. „Es gibt noch etwas, was mir wichtiger ist, als dieser Porsche“. Dann nahm ich den Baseballschläger und schlug vor ihren Augen auf den rechten Scheinwerfer. Das Glas zersprang. Das hatte gesessen. Sie stand mit geöffnetem Mund da und brachte keinen Ton hervor. Dann nahm ich mir den linken Scheinwerfer vor, wieder klirrte es. Aber das war noch nicht alles. Ganz im Gegenteil, jetzt ging es erst richtig los. Ich schlug auf die Motorhaube ein und setzte gleich noch einen hinterher. Ich und oberflächlich? Nein, jetzt nicht mehr. Jetzt kam ich richtig in Fahrt und schlug weiter wie ein Verrückter auf die Motorhaube ein, der Lack fetzte.
Ich achtete gar nicht erst darauf, wie Nina reagierte, sondern nahm mir die Windschutzscheibe vor. Das Glas spritzte förmlich. Ich bekam fast einen Splitter ins Auge. Ich sah, dass ich an der Hand verletzt worden war, die ein wenig blutete. Aber das war mir egal, ich machte mit den anderen Fenstern weiter. Die Scherben flogen einfach nur so. Ich dachte auch keineswegs daran, das Dach zu verschonen. Ich zählte die Schläge nicht mit.
Zu guter Letzt kamen noch die Rücklichter dran. Nun war der Porsche völlig schrottreif. Es war doch nichts anderes als ein gottverdammtes beschissenes scheiß Auto.
Erst jetzt spürte ich, dass ich völlig erschöpft war und ließ den Baseballschläger fallen. Jetzt bemerkte ich auch, dass ein paar Splitter mir das Gesicht verletzt hatten und sah Blut auf den Boden tropfen. Auch hatte ich vorher nicht bemerkt, dass sich inzwischen ein paar Schaulustige um mich herum versammelt hatten. Aber all das war mir egal.
Nina stand auch noch dort, noch immer mit geöffneten Mund und kreidebleich.
"Du bist mir wichtiger, als dieses Auto", sprach ich zu ihr.


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Omnahmashivaya (17.01.2008)
Hallo, werde noch ein paar kurze Sachen lesen, bevor ich zu Bett gehe, als Nachtlektüre quasi. Diese Geschichte gefällt mir nach wie vor sehr gut. Es ist schön, wenn sich Menschen ändern. Lg Sabine
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NormanM. meinte dazu am 17.01.2008:
Hallo, danke für den kommentar. Es ist schön auf menschen zu treffen, die einem mögen, wie man ist, und nicht, weil man geld hat usw. Leider ist man dann nur oft zu blind, und merkt es nicht und zerstört damit alles. Aber in dieser geschichte hat er es ja gemerkt, hoffentlich nicht zu spät...

Lg Norman
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NormanM.
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Veröffentlicht am 17.01.2008. Textlänge: 1.328 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.378 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 06.05.2021.
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