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Er bleibt am liebsten daheim!

Groteske zum Thema Tiere


von tastifix

Ich jubelte, denn ich hatte das optimale Hundebuch für mich gefunden. Auf den ersten Seiten wurde mir die grundsätzliche Aufklärung darüber zuteil, was eigentlich überhaupt ein Hund ist. Ich staunte Bauklötze:
"Zu dem gehört ja noch viel mehr als nur ein "Wuff!"

Nachdem ich diese Erkenntnis denn verdaut hatte, überflog ich pflichtgemäß die Kapitel über ´Hundeernährung, -krankheiten und auch Sozialverhalten` dieser liebenswerten Mitgeschöpfe.

Dann wurde es spannend. Über 300 Rassen stellten sich mir vor: Aussehen, Größe, Gewicht, Charaktereigenschaften und Aufgabengebiete. Für jeden Geschmack war das Richtige dabei, wobei mir manche Züchtungen allein vom Foto her schon in der Seele leid taten.

Einige erinnerten mich mit ihren massigen Köpfen an Riesennussknacker. Oder ich grübelte:
"Wo ist da bloß vorne?"
Andere wiederum sahen aus wie Vögel in der Mauser und ein paar liefen doch tatsächlich als lebendige Sonnencremereklame herum. Letztere hatten nämlich fast gar kein Fell. Nur etwa zwei bis fünf Haare auf dem Kopf waren ihnen noch zugestanden worden. Ich schüttelte den Kopf.

Nun machte ich mich daran, die detaillierten Rassebeschreibungen zu studieren. Seite für Seite verschlang ich, vermochte mich nicht mehr zu trennen von ´Treu, lustig, gutmütig, gehorsam, verschmust.`
Genau diese Auskünfte hätten mich glatt dazu verführen können, die Tiere allesamt unter den Arm zu klemmen und laut ´Meiner!`zu rufen.

Doch dann stutzte ich:
"Was meinen die?? Jener Hund ist redlich, ehrlich usw. ..."
Vage Zweifel beschlichen mich, ob ich vielleicht generell die Weisheiten dieses Buches anzweifeln sollte.

Ich beschloss, den Einzelbeschreibungen eine noch konzentriertere Aufmerksamkeit als bislang zu schenken.
"Spinnen die oder etwa ich unkundiges Wesen?"

Ich suggerierte mir, dass ich, egal, was mir dort aus den Zeilen noch entgegen springen würde, auf jeden Fall die Ruhe bewahren würde. Schließlich drohte mir keinerlei Gefahr von dieser Lektüre. Sollte es mir zu bunt werden, würde ich sie einfach ...

Es wurde mehr als grotesk und genau deshalb möchte ich es Euch nicht vorenthalten.


Pyrenäen-Schäferhund:

Er kommt tagelang ohne Hundefutter aus und ernährt sich während dieser Zeit von Gras.

Also, meine Freunde: Dieses Exemplar eignet sich hervorragend als Rasenmäher - falls die Anschaffung eines Schafes zu kostspielig sein sollte. Es bleibt jetzt nur noch zu klären, welche Grasart er bevorzugt, ob normales Wiesengrün oder doch eher den teuren Edelrasen?


Hamiltonstövare:

Er ist leicht aggressiv, eignet sich daher gut als Familienhund und ist unwahrscheinlich kinderlieb.

Im ersten Moment erschien mir dies als widersinnig, doch dann kapierte ich es: Das bedeutete nichts anderes, als dass er die lieben Kleinen dann garantiert zum Fressen gern hatte.

Sollte Euch vielleicht Euer Nachwuchs zu lange zu sehr auf den Wecker gegangen sein ... (*schääm*)


Wie Ihr es sicher verstehen könnt, wurde mir dieses Buch so allmählich ein wenig unheimlich. - Oder verstand ich einfach alles nur falsch? Nervös das Rassenverzeichnis durchblätternd, suchte ich nach einer Antwort auf diese für mich so wesentliche Frage und fand sie dann drei Seiten später:


Harlekin-Pinscher

Er ist treu, kinderlieb, lustig, gutmütig, verschmust, lebhaft, redlich, ehrlich, gehorsam usw. ...

UND:
Er bleibt am liebsten daheim!!

Mir fiel ein wahrer Felsbrocken vom Herzen. Nicht ich, sondern den Verfassern dieses höchst erstaunlichen Sermons war dringend ein Besuch beim Psychiater anzuraten. Leicht aggressiv werdene Hunde als ausgesprochen gute Familienhunde anzupreisen, ist ja schon irre.

Aber einem Hund zu unterstellen, dass er am liebsten die Welt allein vom Sofa aus genießen möchte und sämtliche Mäuse, Katzen, Hasen und Fasane ausschließlich als Ruhestörer in diesem zugegebenermaßen gemütlichen Dasein ansehen würde, läßt allen normalen Hunden die Beißerchen rausfallen.

Pruust!!

Übrigens behalte ich den Namen dieses überragenden, literarischen Werkes für mich. Ihr müsst wissen, dass ich sehr eifersüchtig bin und ein solches Unikat mit niemandem, schon gar nicht mit Euch, teilen werde.

Zum Schluss kann ich Euch nur noch darum bitten, mir deswegen nicht gram zu sein:

BITTE!!

tastifix
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Veröffentlicht am 18.03.2008. Textlänge: 617 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.439 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 22.09.2019.
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