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Baumzeit...

Naturgedicht zum Thema Leben/Tod


von Jaggie

Die Zeit heilt alle Wunden -
doch tiefe reißt sie, ungebunden.

Oh stolzer Riese,
so mächtig und groß,
throntest über der Wiese -
wie’s schien schwerelos.
Sahst viele kommen
und viele gehen.
Sehr viel ist verronnen -
nur Du bliebst fest.

Im Schatten, im Wind,
in Hitze und Schnee -
Du nährtest als Kind
mich, den Häher, die Kräh.
Du botest mir Obdach
und Schutz vor Gefahr.
Als Küche und Schlafgemach
warst Du stets da.

Gar so lange Zeit
über Generationen
warst Du stehts bereit,
mit Futter zu lohnen.

Nun sitze ich da
und schaue hinab.
Oh Riese, Du fielst,
Dein Bein machte schlapp.

Oh gefallener Riese,
Dir allen Respekt!
Ich hab auf der Wiese
zum Glück etwas versteckt...
Die Kinderlein kommen -
sie werden bald keimen,
wenn du bist verronnen
erwachsen zu Heimen.

Doch mächtiger Riese
- sei Dir gewiss -
dass auf dieser Wiese
dich niemand vergisst!

Anmerkung von Jaggie:

Am 22.02.2008 fiel ein vielleicht 100 Jahre alter Walnussbaum der Zeit zum Opfer. - Der Stamm war abgefault und so neigte sich der Baum leicht zur Seite.
Als ich ihn entdeckte, sah ich einen Bewohner in seinen Ästen. - Ein Eichhörnchen saß da und bewegte sich über 15 Minuten lang kein Stück, blickte wie gebannt auf eine Stelle zu Boden.
Ob es sich nun ausruhte oder tatsächlich den teils umgestürzten Baum betrachtete, vermag ich nicht zu beurteilen. Doch es war ein überaus bewegendes Bild, das ich in dem Gedicht festgehalten habe...


 
 

Kommentare zu diesem Text


Graeculus
Kommentar von Graeculus (19.07.2016)
Interessant, aus der Perspektive eines Eichhörnchens, das liest man selten.
Aber "unbegunden"?
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Jaggie meinte dazu am 20.07.2016:
Hallo und vielen lieben Dank für den Kommentar.
Und den Hinweis - ja, da hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Ich habs gleich korrigiert... :-)
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Jaggie
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Veröffentlicht am 13.04.2008, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 20.07.2016). Dieser Text wurde bereits 1.406 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 09.04.2018.
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