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Eine Sekretärin zum f...

Erzählung zum Thema Oberflächlichkeit


von NormanM.

So eine Scheiße, hätte ich mal heute Nacht nicht wieder bis drei Uhr gesoffen, dann wäre ich heute Morgen nüchtern gewesen, und ich hätte mit dem Auto fahren können. Und jetzt saß ich hier in diesem beschissenen Zug fest, der nicht weiter fuhr, weil sich wieder so ein Volltrottel auf die Gleise gelegt hatte. Ich mein, die Leute können sich ja von mir aus umbringen, aber nicht dann, wenn ich gerade im Zug sitze. Und schon gar nicht heute an diesem Morgen, denn wenn ich nicht pünktlich da bin, führt Rossberger, mein Vertreter, die Vorstellungsgespräche und vögelt mir nachher noch die Frauen vor der Nase weg.
Meine Sekretärin, die Schwammberger geht nämlich in zwei Monaten in Rente, und heute stellt sich eine ziemlich geile Blondine vor.
Wird auch Zeit, dass ich die alte Schachtel endlich loswerde. Die ganzen 16 Jahre, die ich Personalchef war, hatte ich sie am Hals. Ich hatte sie ja nicht eingestellt, sie war schon da, bevor mein Vorgänger in Rente ging und ich Personalchef wurde. Ich hatte damals, natürlich ohne ihr zu sagen, dass ich sie loswerden wollte, versucht, sie intern zu versetzen, in anderen Bereichen war immer zwischendurch mal Platz für ne neue Sekretärin frei, aber sie wollte in der Personalabteilung bleiben.
Jeden Morgen fragte sie mich, ob ich meinen Kaffee mit oder ohne Milch trinke, jeden Morgen erzählte ich ihr, dass ich keinen Kaffee trinke, doch am nächsten Tag kam sie wieder an: „Herr König, trinken Sie Ihren Kaffee schwarz oder mit Milch?“ Und das 16 Jahre lang. Aber jetzt nur noch zwei Monate, und die Rente wartete auf sie, und wer weiß, vielleicht auch das Grab. Ich als Personalchef konnte mir nun selbst meine eigene Sekretärin auswählen, einfach herrlich. Ja, ich wusste schon, warum ich Personalchef geworden bin, schade nur, dass ich erst nach 16 Jahren die Gelegenheit dazu hatte, dies auszunutzen.
Und es wäre eine abgefuckte Scheiße, wenn ich wegen dieser beschissenen scheiß Bahn diese Bewerberin nicht empfangen konnte. Eine halbe Stunde hatte ich noch Zeit. Rossberger durfte auf keinen Fall das Gespräch führen. Der war noch jung, der kriegte noch genug Weiber ab. So jung wär ich gern auch noch. Das waren noch Zeiten. Damals sah ich noch gut aus, war schlank, hatte dunkles volles Haar und die Weiber lagen mir zu Füßen. Nach Feierabend stand grundsätzlich erstmal Ficken an. Und ich hatte damals gevögelt wie ein Weltmeister. Vor allem, als ich studiert hatte, die halbe Uni hatte ich gefickt. Warum nur die halbe Uni? Weil die andere Hälfte Kerle waren natürlich.
Und jetzt bin ich fast 50, meine Haare sind grau, seit zehn Jahren gehen sie mir aus, viel hab ich nicht mehr obendrauf davon, und nen Bierbauch hab ich auch. Mit 34 war ich doch tatsächlich so bescheuert gewesen, mich zu verlieben und zwei Jahre später zu heiraten und seitdem hab ich nur noch diese Frau gebumst. Vor fünf Jahren ist sie mir dann auch noch abgehauen, und seitdem onanier ich nur noch und saufe nebenbei. Ja, der Alkohol und meine Hand, das sind meine besten Freunde geworden.
Rossberger rief an. „Morgen Herr König“, sagte er. „Hier Rossberger. Sie sind ja noch nicht da, ich wollte fragen, ob Sie die Bewerberin gleich empfangen können, oder ob ich das Gespräch führen soll.“
„Ich weiß noch nicht, ob ich rechtzeitig da bin, aber ich führe das Gespräch selbst, die Schwammberger soll ihr dann nen Kaffee anbieten, wenn ich noch nicht da bin.“
„Ja, aber ich kann doch auch…“
„Nein, können Sie sowieso nicht, weil Sie gleich auf Dienstreise müssen.“ Die Idee kam mir ganz spontan.
„Wie auf Dienstreise, davon weiß ich ja gar nichts, wohin denn?“, fragte er völlig irritiert.
„Ja, hab ich auch gerade erst entschieden, die Schwammberger soll Ihnen einen Flug buchen.“
„Aber wohin denn überhaupt?“
„Na, irgendwohin, lassen Sie sich was einfallen“.
„Ich verstehe Sie nicht, und vor allem, in welcher Angelegenheit?“
„Na, dann lassen Sie sich was einfallen, Sie wollen doch selbstständig Entscheidungen treffen können, jetzt haben Sie die Gelegenheit dazu. So, und ich muss auflegen.“ Ich legte auf. So, das war geschafft, mir egal, was er machte, Hauptsache, er kümmerte sich nicht um die Bewerberin. ICH bin der Personalleiter, und wenn jemand die Bewerberinnen vögelt, dann ICH.

„Wann geht weiter, wann geht weiter?“, fragte mich eine ältere Dame. Der schien es wohl wirklich nicht ganz gut zu gehen.
„Gnädige Frau“, sagte ich und zeigte auf meine Stirn. „Steht hier oben vielleicht Auskunft drauf?“
Völlig verwirrt sah sie mich nur kurz an. „Wann geht weiter, wann geht weiter?“, fragte sie den Nächsten. Das war doch nicht zum aushalten.
Der Schaffner kam und traute sich ernsthaft, die Fahrkarten zu kontrollieren.
„Ihren Fahrausweis bitte“, sprach er mich an. Ich dachte keineswegs daran, ihm meine Fahrkarte zu zeigen.
„Meinen Fahrausweis wollen Sie sehen?“, fragte ich. „Fahren wir denn? Nein, wir stehen hier seit einer halben Stunde fest, was zum Arsch wollen Sie mit meiner Fahrkarte?“
„Es tut mir leid, aber ich muss Ihren Fahrausweis trotzdem kontrollieren“, bestand er.
„Nein!“, erwiderte ich stur.
„Seien Sie vernünftig und machen Sie keinen Ärger“, drohte er.
„Was wollen Sie denn tun? Mich heraus werfen? Bitte schön, dann komm ich wenigstens aus diesem scheiß Zug raus und stehe hier nicht noch für ein paar Stunden fest.“
„Nein, aber ich werde die Polizei verständigen!“, kündigte er an.
„Wie soll die denn hierhin kommen? Und außerdem kann die mir nichts anhaben, ich habe ja eine Fahrkarte, ich habe nur keine Lust, sie Ihnen zu zeigen. Aber bitte, tun Sie, was Sie nicht lassen können und holen Sie Ihre Polizei“ Ich hatte keine Lust mehr, mit ihm weiter zu diskutieren und ging woanders hin. Er traute sich nicht mehr, mir hinterher zu gehen.
Und genau in dem Moment ging es weiter. Endlich, wurde auch langsam Zeit.
Mit nur zehnminütiger Verspätung kam ich in der Firma an. Rossberger war natürlich immer noch da.
„Herr König, also ich weiß wirklich nicht“, fing er an.
„Schon gut, schon gut, dann bleiben Sie eben hier und machen Sie hier Ihre Arbeit und lassen mich meine machen“, wies ich ihn ab.
„Herr König“, kam die Schwammberger an, zu der ich sowieso gerade wollte. „Die Frau Maiberger ist hier.“
„Sehr schön, schicken Sie sie in zwei Minuten zu mir.“
„Trinken Sie Ihren Kaffee schwarz oder mit Milch?“, fragte sie wieder.
„Frau Schwammberger, ich trinke immer noch keinen Kaffee“, sagte ich gereizt.
„Oh, das wusste ich nicht“, meinte sie dann.
„Seit 16 Jahren stellen Sie mir jeden Morgen diese Frage, und haben Sie mich in den 16 Jahren nur einmal Kaffee trinken sehen??? Und jeden Tag habe ich Ihnen dieselbe Antwort gegeben, und jedes Mal haben Sie dann wieder gesagt, Sie wussten das nicht. Ich trinke keinen Kaffee, auch morgen nicht, und auch übermorgen nicht“, erklärte ich es ihr noch einmal für ganz Doofe. „Und den Tag danach auch nicht“, sagte ich noch und ging in mein Büro. Morgen würde sie mich sowieso wieder fragen.
Zwei Minuten später klopfte es, und die Schwammberger brachte die Bewerberin rein. Junge, Junge, sah diese Maiberger heiß aus, noch besser auf dem Bewerbungsfoto. Sie war etwa 1,80 m groß und hatte mindestens 1,60 lange Beine und trug dann noch 10cm Absätze. Mit dem Minirock, den sie trug, würde sie normalerweise bei Vorstellungsgesprächen einen schlechten Eindruck hinterlassen, so kurz wie er war, aber nicht bei mir.
„Das ist Frau Maiberger“, sagte die Schwammberger. Ich stand auf und reichte die Hand, um sie zu begrüßen. „König“, stellte ich mich vor.
„Nein, Maiberger“, sagte sie.
„Ja, ich weiß, König ist mein Name“, erklärte ich. Oh je, dachte ich. Sie war offensichtlich genauso dämlich, wie sie scharf aussah. Das konnte ja heiter werden.
„Ach so“, sagte sie nur und lächelte dümmlich. Irgendwie eine typische Blondine. Entweder waren Ihre Unterlagen alle gefälscht, oder sie hatte sich ihre Qualifikationen ervögelt. Mal sehen, was das Gespräch so bringt. Mal sehen, was sie auf meine Fragen antworten würde.
„So, Sie haben sich ja als Sekretärin beworben“, fing ich an, als wir saßen. „Haben Sie Erfahrung?“, fragte ich.
„Äh…“, stockte sie nur. Was für eine Antwort.
„Was haben Sie vorher gemacht?“, fragte ich dann.
„Äh…“
„Was können Sie?“, fragte ich schließlich ganz dumm.
„Blasen und Wodka Lemon  trinken“, sprudelte es dann aus ihr heraus.
„Alles klar, Sie sind eingestellt“, erwiderte ich sofort.
„Und zwar nicht wegen des Wodka Lemon Trinkens“, sagte ich noch leise vor mir her, aber das hörte sie nicht.
„Echt??????“, schrie sie nur voller Freude.
„Ich gratuliere Ihnen, herzlichen Glückwunsch“, gratulierte ich.
„Danke, Danke“, fiel sie mir um den Hals. Ich musst mich richtig beherrschen, damit ich nicht über sie herfiel. Wenn sie schon so anfing, würde sie hoffentlich bald mehr tun, als mir um den Hals zu fallen.

Nach zwei Monaten kam der große Tag. Die Schwammberger war in Rente und die Maiberger hatte ihren ersten Tag.
Das erste, was sie fragte war: „Herr König, trinken Sie Ihren Kaffee schwarz oder mit Milch?“

Anmerkung von NormanM.:

Zu stil und ausdrucksweise: Ich habe wohl ein wenig zu viel von Charles Bukowski gelesen :-)

Zum Inhalt: Ich habe mit der hauptfigur nichts gemeinsam, auch wenn ich in der ich-form geschrieben habe. Ich will auch gar nicht wissen, wie viele arbeitgeber so eine einstellung haben und ihre mitarbeiter so auswählen.



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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von chichi† (80) (19.04.2008)
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NormanM. meinte dazu am 19.04.2008:
Hallo Gerda,

danke für den kommentar. Eine richtige satire ist es nicht, aber so etwas in der art, weiß nicht, wie man diese gattung nennt. Letztendlich geht es hier um die gedanken des personalchefs und mit welchen methoden er das personal auswählt. Ich glaube auch immer mehr, dass es wirklich solche personalchefs gibt, denen das aussehen eines bewerbers wichtiger ist als deren qualifikation, aber das war wohl schon immer so.
Die ausdrücksweise in der geschichte des erzählers, die frage der sekretärin ist natürlich etwas übertrieben dargestellt, sollte ein wenig im Charles Bukowski stil sein.

Lg Norman
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Kommentar von Morgensonne (52) (19.04.2008)
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NormanM. antwortete darauf am 20.04.2008:
Hallo,

freut mich, dass dir die geschichte gefällt. Vielleihct schreib ich öfter solche geschichten.

Lg Norman
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BrigitteG
Kommentar von BrigitteG (19.04.2008)
In sich schlüssig und konsequent geschrieben, locker und unterhaltsam den Widerling dargestellt, und die Pointe ist wirklich gut!
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NormanM. schrieb daraufhin am 20.04.2008:
Hallo Brigitte,

danke für den kommentar. Ich wusste erst nicht, ob ich die story hier posten soll, aberfreut mich, wenn sie doch einigen gefällt. Vielleicht schreib ich öfter mal in diesem stil.

Lg Norman
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Kommentar von JowennaHolunder (59) (21.04.2008)
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Kommentar von Scheinmensch (20) (06.07.2008)
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NormanM.
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Veröffentlicht am 19.04.2008, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 19.04.2008). Textlänge: 1.481 Wörter; dieser Text wurde bereits 4.270 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 06.05.2021.
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