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Individuum und Gesellschaft - ein paar Aphorismen

Kommentar zum Thema Gesellschaft/ Soziales


von Ephemere

Der Mythos des “Großen und Ganzen”
Ein “Großes und Ganzes”, eine Einheit, kann nicht ohne die Vielheit (die vielen Einheiten) gedacht werden, die sie konstituieren. Ein Element hat seine Gestalt nur durch seine Atome, ein System nur durch seine Elemente, eine Gesellschaft nur durch Individuen. Universelle Einheit ohne Individualität ihrer Elemente (ein wahres und totales Verschmelzen, z.B. zu einem “Volkskörper”) ist eine leere Fiktion. Jede erfolgreiche Gemeinschaft besteht, indem sie das Individuelle akzeptiert und gerade auf das Gemeinsame im Einzelnen rekurriert.

Individualismus gefährdet den Contrat Social
Die zu starke Entwicklung des Individuums und der individuellen Lebenskraft steht der Unterordnung unter den Gesellschaftsvertrag im Wege und gefährdet unser Modell der Zivilisation. Wer das Individuum stärken will, muss sich also mit der Natur und Machbarkeit eines neuen Gesellschaftsvertrages auseinandersetzen.

Das Individuelle im “Naturzustand”
Rechte des Stärkeren sind Rechte, die sich aus dem Individuum ableiten (Muskeln, Gesundheit, Schnelligkeit, etc.). Mit der Hinwendung zum Recht des Fleißigeren, Reicheren, Beliebteren, Rechtschaffeneren, sind wir zu gesellschaftlich abgeleiteten Werten bzw. an der Gesellschaft verdienten Rechten übergegangen.

Auch unsere Biologie ist sozialisiert
Welchen Typus Mensch wir attraktiv und sexuell begehrenswert finden, welche Gerüche uns erregen oder abstoßen – differiert nicht nur drastisch nach Kultur, sondern auch innerhalb einer Kultur über die Zeit und zwischen den Millieus. Die Sozialisation beeinflusst selbst unsere biologischen Reizreaktionen wie z.B. die Hormonausschüttung.

Gesetzesbruch als logische Konsequenz aus dem Gesetz
Im Verstoß gegen Normen und Verbote erfahren wir unsere Selbstbestimmtheit, unsere Freiheit. Dies ist eine nachvollziehbare Rebellion des Selbstbewusstseins gegen die Determination, da ein völliges Annehmen der Fremdbestimmtheit in die Paralyse führen würde: es erodiert das Bewusstsein, dass das wir Freiheitsgrade im Handeln haben – der so Paralysierte kann keine Entscheidung zwischen („vor dem Gesetz“) gleichwertigen Alternativen mehr treffen. Soziale Systeme mit dem Versuch immer weitgehender Kontrolle müssen folglich in den Erstarrungstod oder die Revolution führen. Soll ein System Bestand haben, muss es seinen Elementen genug Freiheitsgrade (d.h. Freiheitserlebnisse) lassen.

Anmerkung von Ephemere:

Skizzen für ein nie vollendetes Buch


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