Laufmasche

Gedicht zum Thema Bewusstsein

von  Isaban

Ich lausche, doch da ist kein Hallen,
da schwillt kein Ton, kein Vogelsang,
verstummt ist selbst der Straßenklang.
Mir ist, als sei die Welt gefallen,

bei Nacht, um nie mehr aufzustehn.
Kein Maß kann je die Stille fassen.
Nicht einmal Kuckuckskinder lassen
am Nestrand ihre Schnäbel sehn.

Kein Menschenatem reicht so weit,
kein Lied füllt die Unendlichkeit:
An diesem Schweigen strickt die Zeit.

Zeit ist die Gottheit, die nie schlief,
die Macht, die Ultimaten rief,
Vergänglichkeit strickt sie. Mir fiel
die Welt
und fiel so tief.

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Kommentare zu diesem Text


 Erebus (20.05.08)
Guten Morgen liebe Sabine,

ganz wunderbar geschrieben - eine "bravouröse" Umsetzung der Hoffnungslosigkeit, der Vergänglichkeit und des Zerbrechens.

Die Kuckuckskinder als Metapher für falsche Hoffnungen? Ein Weiterschreiten der Entwicklung/Verwicklung jedoch nicht der eigenen? Das war für mich nicht gleich erkennbar, ein Bild, das auf mich zunächst beliebig wirkte, weil ich die Kuckuckskinder weniger von der symbolischen als schlicht und ergreifen als Jungvögel sah. Ansonsten entwickelt sich mein Verstehen präzise mit dem Lesen, leicht und empfindsam.

Der Abgang ist von großer Lyrizität, sehr gelungen, wie der Leser hier mitgenommen wird, noch eine kleine Kurve zu kratzen - finde ich wirklich wunderbar:
"... Mir fiel
die Welt
und fiel so tief."

Wobei mir vorher die Notwendigkeit des Einschubes "Vergänglichkeit strickt sie." nicht eingeht, mir sogar ein zu dezidierter Hinweis auf die verstandesmäßige Conclusio ist und das nachgestellte Subjekt sprachlich nicht astrein ist. Aber anscheinend soll der Text in Haufenreimen und deren spezieller "Unterwanderung" durch Assonanz und zerbröckelndem Schlussvers auch das Sonetts entformen, aus dem Kontext nehmen?
Ach ja, wenn ich schon grade ein Fragezeichen sehe ... mir gefallen Fragen in Gedichten weniger, aber das ist natürlich kein Dogma. Jedoch weist eine Frage immer aus den Bildern hinaus und lässt die Zeilen nicht sich selbst genügen - meine ich "kein Maß kann diese Stille fassen." würde bei mir besser verfangen.
Ansonsten sehr gelungen

Lieber Gruß
Uli

 Isaban meinte dazu am 20.05.08:
Eine tolle Rückmeldung, lieber Uli,
bei der ich sofort auf das kleine grüne Hilfreich+geistreich+wertvoll-Kästchen für Kommentare geklickt habe.

Die einleuchtende Anregungen zur Umformulierung des Fragesatzes habe ich sofort umgesetzt.

Deine Interpretation der Kuckuckskinder ist in sich gut und passend und kommt recht nahe an meine eigene Intention beim Schreiben, so dass ich die wenigen unerwähnt gebliebenen Aspekte dieses Bildes lieber dem Interpretationsspielraum der Leser offen lassen möchte.

Zu "die Vergänglichkeit strickt sie" möchte ich eigentlich nur anregen, hier einmal von der Betrachtung her Subjekt und Objekt zu vertauschen und die Frage wirken zu lassen, ob hier die Zeit Vergänglichkeit strickt oder ob hier, in Zweieinigkeit oder - um einmal in ein anderes Bild einzutauchen - wie zwei alte Damen bei einem Handarbeitskränzchen, die Vergänglichkeit ebenso emsig Ultimaten strickt, wie die Zeit das Schweigen.

Zur Erläuterung des von dir angesprochenen Formbruches in der letzten Strophe:
Es konnte nach meinem Empfinden kein formvollendetes Sonett werden, um dem Inhalt nicht entgegen zu stehen, lieber Uli. Das Sonett ist ein Klangstück, ist ein Musikstück, eine Art von Lied. Kein Lied füllt die Unendlichkeit - die Melodie musste also gebrochen werden, gebrochen in dem Augenblick, in dem LI innerhalb seiner Betrachtungen bewusst - endgültig bewusst wird - dass seine (ihm bekannte) Welt ins Schweigen stürzte und alles, was Bedeutung hatte der Vergänglichkeit anheimfiel.

Hab vielen herzlichen Dank für deine intensive Beschäftigung mit meinem Text, für den ausführlichen, kritischen, konstruktiven Kommentar und für dein Lob.

Liebe Grüße,
Sabine

 AZU20 (20.05.08)
Sehr interessante Gedanken. Das Bewusstsein entzieht sich der umgebenden Welt und dadurch entzieht sich die Welt dem Bewusstsein. So deute ich es. Die Metapher der Kuckuckskinder, aber vor allem die Zeit, die an dem Schweigen strickt, das sitzt.Die Zeit verrinnt, mit ihr gepaart Vergänglichkeit. LG

 Isaban antwortete darauf am 20.05.08:
Herzlichen Dank, lieber Armin, für deine Auseinandersetzung mit meinem Text, die reflektierende Rückmeldung und deine interessante, in sich stimmige Interpretation.
Liebe Grüße,
Sabine
Caterina (46)
(20.05.08)
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 Isaban schrieb daraufhin am 20.05.08:
Also ich mag dein Ava.
Liebe Grüße,
Sabine
Caterina (46) äußerte darauf am 20.05.08:
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 Bergmann (20.05.08)
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 Isaban ergänzte dazu am 20.05.08:
Vielen Dank, dass du dich inhaltlich so vertiefen mochtest, liebe Uli.
Deine erstaunlich eingefühlte Rückmeldung war mir ein Vergnügen.
Die besten Wünsche für deinen Tiefgang,
Sabine

 Bergmann meinte dazu am 20.05.08:
Ich gehe immer so tief wie möglich...

 Isaban meinte dazu am 20.05.08:
Da bin ich nach dieser Demonstration fast sicher, lieber Uli.

 Bergmann meinte dazu am 20.05.08:
Ich hoffe, du hast jetzt nicht etwas missverstanden.

 Isaban meinte dazu am 20.05.08:
Was denn. lieber Uli?

 Bergmann meinte dazu am 20.05.08:
Du bist doch sonst so phantasievoll, liebste Sabine.
Well, in deinem (diesem) Fall ist schwebendes Ahnen besser als rohe Gewissheit.

 Isaban meinte dazu am 20.05.08:
Aber du weißt schon, was so ein Zwinker-Smiley hinter einer Antwort bedeutet, oder, lieber Uli?

 Bergmann meinte dazu am 20.05.08:
Sonst schon, liebste Sabine, aber bei deiner Tiefe bin ich unsicher...

 Isaban meinte dazu am 20.05.08:
:-D Auch dessen bin ich mir durchaus bewusst, lieber Uli.

 Bergmann meinte dazu am 20.05.08:
Ist das wirklich dein letztes Wort? ... ?

 Isaban meinte dazu am 20.05.08:
Ach, bin ich heute mal dran?

 Bergmann meinte dazu am 21.05.08:
Eigentlich hast du das letzte Wort immer schon beim ersten gesagt.

 Isaban meinte dazu am 21.05.08:
Ach Ulilein, du spekulierst ja nur wie immer,drauf, dass ich Gnade vor Recht ergehen und dir das letzte Wort lasse, weil ich dich nicht weinen sehen mag.
Caryptoroth (37)
(20.05.08)
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Gedankenstaub (35)
(24.08.08)
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