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Innerer Monolog


von Cassandra

Du sitzt neben mir. Die Stirn leicht gefurcht, du beisst auf deine Unterlippe. Konzentration steht dir ins Gesicht geschrieben. Nein, Mathe ist kein leichtes Fach. Ein leidvolles Seufzen. Dann pustest du dir eine Strähne deines blonden Haares aus dem Gesicht. Schließlich ein Stöhnen. Geschafft. Jetzt ein Grinsen. "Fertig, Mama." Die Schulutensilien werden achtlos in die Tasche geworfen - dies kann auch ein vorwurfsvoller Blick meinerseits nicht verhindern. "Maus, pack die Sachen..." Ich kann den Satz nicht beenden, du fällst mir ins Wort. Leicht gereizt: "ach, nerv nicht. Ich find die Sachen schon wieder." Die Schultasche bleibt wo sie ist, auf dem Küchenboden. Du machst einen großen Bogen um sie herum, suchst dein Zimmer auf. Dann, ein Aufschrei. "Mensch Mama, wo sind meine Turnsachen." Wütend stehst du vor mir, gehst mir mittlerweile bis zum Kinn - bei meiner Größe von 175cm schon etwas erschreckend. Ich schau dich an, stelle auf einmal fest, dass dein Körper langsam frauliche Formen annimmt. Sehe auch, dass du es langsam verstehst, meine Schminksachen gezielt einzusetzen. Du bist hübsch, sehr hübsch sogar - dies kann auch dein wütender Gesichtsausdruck nicht verhindern. "Maus, ich...". Und wieder komme ich nicht dazu, den Satz zu beenden. "Sag nicht immer Maus zu mir. Meine Freundinnen lachen schon über mich, du kennst meinen Namen, hast ihn mir ja gegeben. Also, wo sind meine Turnsachen?" Ich zeige nur stumm auf die Badezimmertür und warte ab. Jetzt wieder dieser pubertäre, verächtliche Blick. Dieser Blick, den ich so hasse und mit Sicherheit auch meiner Mutter zugeworfen habe. Er tut weh und ich fühle mich plötzlich hilflos und spüre Wut in mir aufsteigen. Okay, jetzt ist es wieder so weit. Du willst es nicht anders. Ich erhebe meine Stimme "Horch zu, Fräuleinchen. Wenn deine Sachen wahllos im Bad herumliegen gehe ich davon aus, dass sie gewaschen werden müssen. Glaubst du, ich stecke jedes Mal meine Nase in deine Wäsche um festzustellen, ob sie mittlerweile einen modrigen Geruch haben?" Ihr Blick spricht Bände. Ihre Augen funkeln und jetzt geht die Post ab. "Mensch, ich hab sie erst einmal getragen und nachher brauch ich sie." Sie dreht sich um, und die Tür zu ihrem Zimmer fällt mit einem lauten Knall ins Schloss. Ich hole tief Luft und folge ihr. "Horch zu Fräulein, nicht in diesem Ton. Vergiß nicht mit wem du redest. Treib es nicht auf die Spitze." Sie steht mit dem Rücken zu mir und versucht mit ihrem kleinen, runden Hintern die Tür zuzudrücken. Doch ich bin stärker und stemme mich dagegen. Jetzt geht das Geflenne los und eine Kaskade von Vorwürfen hagelt auf mich herab. "Du bist doch keine Mutter, immer nur am Motzen - nichts kann ich dir Recht machen. Ich bin froh, wenn ich 18 bin. Was glaubst du wie schnell ich dann verschwinde. Überall ist es besser als bei dir. Und jetzt verlass endlich mein Zimmer." Sie weint. Ich auch bald und mein Gefühlsausbruch steht kurz vor der Eskalation. Ich atme tief durch, versuche mich zu beruhigen - es gelingt mir halbwegs und ich gehe auf sie zu. "Bitte Maus...". "Nenn mich nicht immer Maus." Ihr letzter Aufschrei lässt sie nach Luft ringen und ich resigniere. Dann eben nicht.

Sie schmollt den ganzen Tag, wir reden nur das Notwendigste miteinander. Dann ist es Zeit, das Bett aufzusuchen. Freundlich mache ich sie auf die Uhrzeit aufmerksam. Sie wirft mir einen kühlen Blick zu, macht sich fertig und verschwindet. Dann, es ist nicht viel Zeit verstrichen, ein leises "Mama?" Ich stehe vor ihrem Bett und nehme dieses kleine, zerbrechliche Wesen, eingekuschelt in der Bettwäsche mit den Löwenmotiven, in aller Deutlichkeit wahr. Wie sie daliegt, mich anschaut. Ich schlucke, setze mich auf ihr Bett. Langsam kuschelt sie sich an mich und ich lege meinen Arm um sie. "Mama, ich hab dich lieb." Ich nicke, "ich dich auch, Mäuschen." Dann, "Mama, es tut mir leid. Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist." Plötzlich füllen Tränen ihre Augen. "Mama, ich will nicht erwachsen werden. Ich will immer dein Kind bleiben." Ich presse sie an mich, meine Tränen fallen auf ihr Gesicht. "Mäuschen, du bist doch immer mein Liebstes, egal wie alt du bist." Ihre Arme umschlingen mich, wir schweigen und spüren nur die tiefe Zuneigung zueinander. Dann verlasse ich ihr Zimmer werfe ihr noch einen letzten Blick zu und fühle diese grenzenlose Liebe und auch Trauer. Trauer darüber, dass sie langsam begreift, dass sie erwachsen wird und ihre Kindheit nur ein kurzer Abschnitt ihres Lebens ist.


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Kommentare zu diesem Text


Martina
Kommentar von Martina (27.06.2008)
...da muss ich fast bei schlucken, denn auch ich gehe grad durch diese Phase. Schöner Text- der die Emotionen und Hilflosigkeit beider Seiten zeigt. Lg Tina
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Cassandra meinte dazu am 27.06.2008:
Vielen Dank für deine lieben Worte.

Mir wird durch diese Erfahrung jetzt eigentlich auch klar, wie ich meinen Eltern und insbesondere meiner Mutter zugesetzt habe...

LG
Cassandra
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Kommentar von Pferdinand (20) (20.07.2008)
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Cassandra antwortete darauf am 20.07.2008:
Hat der Sturz von deinem kleines Pony, bzw. deinem heranwachsenden Pferd dir nur Schäden am Hirn zugefügt, oder wurde auch deine Potenz beeinträchtigt? Wenn ja, Jesus Christ - Superstar
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Nihil (35) schrieb daraufhin am 23.07.2008:
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Cassandra äußerte darauf am 23.07.2008:
traumatische Erlebnisse mit einem "Hufgetier"? Da fällt mir spontan nur eines ein *grübel, grübel* und das möchte ich hier jetzt nicht unbedingt ausbreiten...

LG
Mu
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Nihil (35) ergänzte dazu am 23.07.2008:
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Tempergus (43) meinte dazu am 23.07.2008:
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Kommentar von Feuervogel (28.07.2008)
...als Mutter kommen mir da die Tränen...da fühl ich einfach mit....Ela.
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Cassandra meinte dazu am 28.07.2008:
danke, Ela.

Diese Zeit ist tatsächlich eine Zeit einer fast überwältigenden Ohnmacht. Du weißt, was diese "kleinen" Dinger bewegt, aber sie lassen einen nur noch selten an sich heran. Da kann man/frau noch so viel Verständnis aufbringen... Also, ich mache 10 Kreuze, wenn die Pupertät vorbei ist.

LG
Cassandra
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Kommentar von Nihil (35) (03.08.2008)
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Cassandra meinte dazu am 03.08.2008:
***schluck*** Piercing, Tattoo? Machste das selbst??? Nö, ne...?
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Kommentar von The_black_Death (31) (01.12.2008)
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Cassandra meinte dazu am 01.12.2008:
Vielen Dank.

Pupertierende Weibchen treiben einen teilweise in den Wahnsinn...

LG
Cassandra
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Kommentar von Jonathan-B (22) (29.05.2010)
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Cassandra meinte dazu am 29.05.2010:
Halle J.,

habe es absichtlich mit einer gewissen Distanz geschrieben. Hätte ich meinen, zum Zeitpunkt des Niederschreibens, Emotionen freien Lauf gelassen, könnte ich den Monolog als solchen nicht veröffentlichen.

Danke für Deine Kritik.

Liebe Grüße
Cassandra
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Cassandra
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Veröffentlicht am 04.06.2008, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 04.06.2008). Textlänge: 735 Wörter; dieser Text wurde bereits 2.156 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 31.08.2021.
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