Die kleine,fiese Stimme

Kurzgeschichte zum Thema Wahnsinn

von  süßerMacho

Markus schlendert durch den Park. Wieso und weshalb, hat er vergessen. Er ist zu sehr in ein
Gespräch vertieft. Nicht mit jemand anderen. Sondern mit sich selbst. Obwohl, es ist vielmehr die kleine, fiese Stimme im Hinterkopf mit der er sich unterhält.
Aber ist das wirklich Markus selbst, oder eine Facette seiner Persönlichkeit, oder vielleicht sogar eine andere Persönlichkeit? Ist er möglicherweise schizophren? Markus ist der Gedanke natürlich auch schon gekommen, es hat ihm zu sehr erschreckt und er hat beschlossen: „Nö, bin ich nicht.“ War es vielleicht seine dunkle Seite? Möglich, aber die Stimme verlangt ja nichts Böses. Eigentlich kommentiert sie nur Markus Entscheidungen, meistens sehr kritisch. Er ärgert sich darüber, ändert aber auch nichts. Die kleine, fiese Stimme würde jetzt bestimmt sagen. „Tja, wenn man’s halt nicht anders kann, muss man weiter rumstümpern wie bisher.“ in ihrem beißend zynischen Tonfall, wie immer. Oder sie wäre wie so oft empört und würde sagen: „Woher willst du wissen, was ich sagen würde? Ha?“ Stimmt woher will ich das wissen, kann ja nicht in Markus Hirn reinschauen und die kleine, fiese Stimme fragen. Nachdem sich die Stimme weder mit Drohungen noch mit Bitten und Betteln vertreiben lassen wollte, hat sich Markus irgendwann damit abgefunden mit dieser kleinen, fiesen Stimme die irgendwo in den Tiefen seines Oberstübchens rumspukt, zu leben. Was natürlich ein riesengroßer Triumph für sie war und nachdem ihr das bewusst wurde, ist sie natürlich immer frecher geworden. Markus ist daraufhin immer verschlossener, komischer geworden. Seiner Umgebung schien das jedoch zu entgehen. Der kleinen, fiesen Stimme gefiel dies natürlich. „Musst ja sowieso schon komisch sein, wenn keiner merkt das du zu spinnen anfängst und mit kleinen Stimmen im Kopf redest!“ –„Vielleicht strengst du dich nicht genug an“ „Gut, nerv ich halt noch mehr rum“, antwortete die Stimme. Zu seinem Leidwesen sollte sie Recht behalten. Wenn Markus sich mit der Stimme danach unterhielt, wedelte wild mit dem Armen.
Zu allem Überfluss hat  Markus noch ein anderes Problem: Susi. Er war ihn sie verliebt. „Seit exakt 4 Wochen 3 Tagen 7 Stunden und“ Markus sieht auf seine Uhr, "4 Minuten 27 Sekunden“ Markus weiß nicht viel, aber das weiß er genau. „Du bist doch verrückt.“, meldet sich die Stimme zu Wort. „Na und?!“ sagt Markus etwas lauter als beabsichtig. Eine ältere Spaziergängerin sieht ihn deshalb irritiert an. Er schickt ihr als Reaktion einen bitterbösen Blick. Daraufhin ergreift sie die Flucht. „Bravo, du kannst arme alte Frauen erschrecken!“, ist der Kommentar der Stimme. Markus würdigt dem Kommentar keine Antwort. Die kleine, fiese Stimme macht ihren Namen alle Ehre und hakt nach. „Sind wir eingeschnappt?
Redest du nicht mehr mit mir? Hallo?“ „Ist ja schon gut.“, brummt Markus. „Hilf mir lieber mit Susi.“ „Ich soll dir helfen?“, die kleine, fiese Stimme ist erstaunt. „Ganz einfach: Geh einfach hin und rede mit ihr!“ –„Das sagst du so leicht.“, protestiert Markus. –„Ist es ja auch.“, bestätigt die kleine, fiese Stimme. „Ja, ich müsst sie ja erstmal treffen! Aber sie versteckt sich ja dauernd!“, ärgert sich Markus. „Muss ich dir  ausnahmsweise Recht geben.“, sagt die kleine, liebe Stimme kleinlaut. „Du gibst mir Recht! Du gibst mir Recht! Hahahaha!“, freut sich Markus. „Brauchst nicht gleich durchdrehen“, erwidert sie. Danach schweigt sie.
Markus nutzt die Gelegenheit und fragt sich, seit wann er diese verdammte Stimme eigentlich schön hört. Ist sie nicht kurz nachdem er sich in Susi verliebt hat, aufgetaucht? Wie jeden seiner Gedanken, bekommt auch diesen die kleine, fiese Stimme mit. „Hättest du halt die Wochen, Tage, Stunden und Sekunde mitzählen müssen, wie bei der kleinen Schlampe.“ –„Sie ist keine Schlampe!“, schreit Markus. Ein paar Tauben fliegen erschreckt davon. Er überlegt wie er einen Weg finden kann, seine Gedanken vor der kleinen Stimme zu verbergen. „Vergiss es wie willst du die verstecken vor einen Untermieter, der in deinen Kopf wohnt?“
„Vielleicht wenn ich diesen Untermieter, mit einem Hammer aus meinen Kopf rausschlage?“
-„Nur zu!“, antwortet die kleine, fiese Stimme gelassen. Sein Selbsterhaltungstrieb hält Markus aber davon ab. Er ist sich sicher, wenn die kleine, fiese Stimme und er zusammen arbeiten würden, hätte er Susi schon längst erobert. „Wieso dir? Dann würde Susi uns beiden gehören.“, sagt die Stimme. „Das kannst du vergessen!“, zischt Markus. „Dann helfe ich dir auch nicht. Außerdem will ich keine verrückte Freundin. Ich leb schon im Kopf von einem Spinner.“ Markus ignoriert die Beleidigung und stellt stattdessen eine Frage: „Gleich und gleich gesellt sich gern, heißt es doch?“ „Ja, heißt es.“, antwortet die Stimme verwundert. „Worauf willst du hinaus?“ –„Naja, wenn wir beide verrückt sind, Susi und ich, dann ist das doch schon mal eine Gemeinsamkeit“, sagte Markus hoffnungsfroh. „Meine Fresse!“, stöhnte die kleine, fiese Stimme. „Du musst ja mächtig verzweifelt sein, wenn du dich an so einem Strohhalm klammerst.“ „Du hast eine Fresse?“, fragt Markus. „Das sagt man halt so“, antwortete die Stimme. „Ärger dich lieber über den Strohhalm!“ –„Schnauze!“, gibt Markus zurück. „Ach, eine Schnauze hab ich, aber keine Fresse?“, frag die kleine, fiese Stimme.
Ein Streit entbrennt darüber ob, die kleine, fiese Stimme Körperteile hat und wenn ja welche und welche nicht. Plötzlich wird Markus aus dem Streit mit der Stimme (… „Vielleicht bin ich ja ein Hirnkobold“) mit einen engelsgleichen „Hallo“ wieder in die Realität gerissen.
Er stutzt. Wo kam das her? Markus entdeckt die Quelle dieses zuckersüß gehauchten Hallos und sein Gesichtsausdruck verwandelt sich augenblicklich in ein dummes Grinsen. („Noch blöder konntest du nicht schauen“ wird die kleine, fiese Stimme später sagen) Markus bringt unter den größten Anstrengungen auch ein „Hallo“ zu Stande. Diese Leistung ist umso erstaunlicher, da sein Herz mit gefühlten 200 Sachen rast. Markus schweigt und selbst der kleinen, fiesen Stimme fällt nichts mehr ein.
Er will mehr sagen, doch seine Füße haben ihn schon weiter getragen. Den Blick immer auf Susi gerichtet. Lächelt sie? Markus glaubt es zumindest. Nach ein paar Schritten hat er sie aus den Augen verloren. Er beruhigt sich langsam. „Warum bin ich nicht stehen geblieben?“
Die kleine, fiese Stimme weiß es: „Weil du ein Vollidiot bist!“ Er könnte sich Ohrfeigen, ob der vergebenen Chance. „Wie kann man’s nur immer wieder vergeigen?“ Auch die kleine, fiese Stimme im Hinterkopf ist verärgert:„Verdammt! Eine bessere Chance kriegst du nicht! Was willst du denn? Dass man sie dir nackt auf dem Silbertablett präsentiert? Mit einem Petersielblatt oben drauf? Und sie sagt: Fick mich?“ Seine linke Hand gibt ihm eine Ohrfeige. „Aua! Was war denn das?“, fragt sich Markus. „Ich war’s“, antwortet die kleine, fiese Stimme. Diese verdammte Stimme hat also schon die Kontrolle über seine linke Hand gewonnen. Na, toll! Das kann ja noch heiter werden.

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (06.07.20)
Nach Kommas macht man ein Leerzeichen, der besseren Lesbarkeit wegen. Bitte. Danke.
Der Zeilenumbruch sollte nicht willkürlich entstehen - ansonsten sieht es einfach sch... aus.
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