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XI: Das Wunder von Saldan

Legende zum Thema Wunder


von kaltric

Saldān ist eine uralte Stadt. Nicht nur deshalb gilt sie als heilige Stadt. Vor allem wegen ihrer Lage in der Mitte aller Länder und zahlreicher sonderbarer Geschehnisse, die sich hier zutrugen. Und von einer dieser Geschehnisse handelt diese Geschichte.
Vor vielen Jahren tobte ein Krieg zwischen Lurruken und Luvaun. Zu dieser Zeit lag Saldān auf dem Gebiet von Lurruken. Luvaun dagegen war das Land, welches seinen Nachbarn angriff. Saldān befand sich mitten dazwischen und wurde bald belagert. Die Kämpfe dauerten Wochen, die Belagerung war hart, die Vorräte gingen zu Neige, die Stimmung unter den Bewohnern der Stadt war gedrückt bis verzweifelt – da geschah das Wunder.
Während die Luvaunen an die Mauern stürmten, litten die Bürger an Hunger. Ihre Klagen erhoben sich gegen die Luvaunen, welche sie angriffen, gegen die Armee ihres Landes, welches sie nicht beschützen konnte und gegen ihren Kaiser, der für Frieden sorgen sollte. Eine große Menge Volk versammelte sich vor den Toren der Stadtspeicher, mit knurrenden Mägen, während draußen die Krieger starben.
„Gebt uns Essen! Die Stadt ist verloren!“ riefen die Bürger.
„Vorräte gibt es täglich gegen Vorratsscheine, das wisst ihr!“ rief der Befehlshaber der Wache ihnen zurück.
„Wir wollen Essen!“ rief da eine Frau voll Verzweiflung.
Nach und nach stimmten andere Bürger in diese Klage mit ein. Bald erhob sich die allgemeine Verzweiflung zu Wut und Gewalt. Irgendjemand zückte ein Messer und erstach einen Wächter. Die restlichen drangen daraufhin auf ihn ein. Weitere Bürger gingen dazwischen und bevor man sich versah, gab es weitere Tote. Nachdem die Wächter niedergemacht worden waren, stürmte die nun völlig rasende Menge die Lager – und fand sie leer vor. Die Ereignisse überschlugen sich immer weiter und bald raste der zornige Mob gegen das Anwesen der Stadtverwaltung, derweil außerhalb der Stadtmauern weiter die Schwerter der Armeen klirrten.
Die Beamten der Stadt erblickten ihr drohendes Ende gleich zweifach aus den Fenstern ihres Gebäudes. Einige fingen an zu Amulos zu beten, zu flehen. Andere suchten Auswege zu fliehen oder Waffen, sich zu verteidigen. Doch einer erblickte etwas ganz anderes: wie ein Mann sich vor die Menge stellte und ihr etwas zurief.
„Leute! Die Lager! Sie sind wieder gefüllt!“
Und tatsächlich: die zuvor leeren Lager waren plötzlich wieder randvoll mit Vorräten. Gleichzeitig zogen sich außerhalb der Stadt die Luvaunen zurück, als eine Einheit Lurrukens ihnen in den Rücken gefallen war und ihre Anführer getötet hatte.
So wurde die Stadt Saldān gleich zweifach gerettet und alle beteten in vollen Glauben ihren Kaiser für dieses Wunder an.

ENDE




Kommentar

Es gab viele Kriege zwischen Luvaun und Lurruken und es lässt sich nicht mehr feststellen, auf welchen diese Geschichte zurückgeht. Auch gibt es viele Geschichten dieser Art, bei denen der Gottkaiser von Lurruken seinem Volk in irgendeiner Weise ein Wunder zufügte. Man könnte sagen, diese Geschichten taten dem Glauben im Volke an ihn nur gut.

Solero y Cyprilla, Toljidarin                         
Karison, Ojútolnán, 21.08.3994


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Regina (28.04.2019)
Liest sich spannend, mit unerwartetem Ende, macht Hoffnung.LG Gina
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Kommentar von Ralf_Renkking (28.04.2019)
Verdammt gute Bibelmärchenvision. Kannst Du vielleicht etwas gegen weitere Bürger und weitere Tote im gleichen Satz etwas unternehmen, oder ist das stilgebunden?
Ciao, Ralf

Kommentar geändert am 28.04.2019 um 10:26 Uhr
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