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Moosbrugger

Interpretation


von Harmmaus

Der Fall Moosbrugger-  Authentizität und Fiktion- eine aus den Fugen geratene Welt auf dem Weg in den  Krieg?



                                                                                                 



                                                                                                           

Gliederung
1. Einleitung
2. Der wahre Moosbrugger und seine Bedeutung für Musil
3.  Moosbrugger und das Verbrechen
3.1 Die Hintergründe der Tat- Kindheit und Verlangen
3.2  Die Verhandlung- Hauptschuldig?
3.3  Das Urteil- Urteil der Gesellschaft 
4 Der Einfluß auf Ulrich- Stimmen und Interpretationen
4.1 Faszination und Erfahrung
4.2 Verzerrter Zustand eigener Elemente
5 Die Maßnahmen im Gefängnis- Beginn einer Odyssee?
5.1 Die Vorstellung von Recht und Freiheit
5.2  Flucht in Halluzinationen- Angst vor der Realität
5.3  Wunsch nach einer schnellen  Erlösung
5.4 Die endgültige Ablösung
6 Clarisse und Moosbrugger

6.1 Der Grenzfall
6.2 Der Einfluß Moosbruggers auf Clarisse- Befreiung und Tod


7. Eine aus den Fugen geratene Welt auf dem Weg in den  Krieg?

8. Literaturangaben

















1. Einleitung

Kaum ein Verbrechen hatte die Wiener Bevölkerung im Jahr 1910 so beschäftigt, wie der brutale Mord an der Prostituierten Josefine Peer. Der Ablauf der Tat und die anschließende Gerichtsverhandlung brachte eine Welle der Empörung und Verachtung ins Rollen, die sich vielfältig in den Medien breitmachte. Nicht nur Literaturwissenschaftler betrachten diesen Fall im Zusammenhang mit den historischen Ereignissen, auch Historiker finden in  den Auswirkungen des Prozesses ein zunehmendes Interesse. Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Figur des Moosbrugger in ihrer authentischen Form als Christian Voigt zu untersuchen. Dabei soll die Romanfigur vorgestellt und in ihrer Bedeutung interpretiert werden, in einem ständigen Vergleich mit der Lebensweise von Christian Voigt, die zu einem großen Teil durch die Zeitungsberichte rekonstruiert worden ist. Besonders soll der  Vergleich im Vordergrund stehen, inwieweit Musil die Tat von Voigt auf Moosbrugger übertragen hat, und wie diese sich durch das Buch zieht. Die grundlegende These, dass Moosbrugger eine aus den Fugen geratene Welt auf dem Weg in den  Krieg darstellt, soll in der gesamten Darstellung berücksichtigt und in einem abschließenden Kapitel auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht werden. Nicht nur von literarischer Seite ist die These sehr interessant, auch aus der Sicht eines Historikers kann man damit einige Vergleiche entsprechend  untersuchen.





















2. Der wahre Moosbrugger und seine Bedeutung für Musil

Für die Figur des  Christian Moosbruggers hatte Musil ein authentisches Vorbild, welches in Österreich und im Deutschen Reich Angst und Schrecken verbreitet hatte.
Der wahre „Moosbrugger“ hieß  Christian Voigt und wurde 1878 in Tettau geboren. Er durchlebte eine schwierige Kindheit und begann eine Lehre als Zimmermann, die er nach einem Streit mit seinem Meister nach zwei Jahren abbrach.  Auf seiner Wanderschaft durch Deutschland, der Schweiz und Österreich hielt er sich in mehreren Orten auf und wurde wegen Vagabonage und Bettelei  mehrfach verhaftet. Am 1. Juni 1897 verletzte er in einem Streit einen Arbeitskollegen durch mehrere Messerstiche. Voigt behauptet in Notwehr gehandelt zu haben und konnte die Verurteilung und  die ausgesprochene Strafe nicht akzeptieren. Er selbst sei von den drei Zimmerleuten angegriffen worden und habe sich nur verteidigt.  Voigt wurde dann 1902 zum ersten Mal mit einem Sexualdelikt auffällig, er versuchte ein zwanzigjähriges Mädchen zu vergewaltigen und zu ermorden. Er wurde in die Irrenanstalt von Hildlburgshausen eingewiesen und von dort im Mai 1902 in die Irrenanstalt Bayreuth transferiert. Durch ungenügende Sicherheitsmaßnahmen konnte er von dort im Juni 1902 fliehen und beging im September einen Sexualmord. Laut eines psychologischen Gutachtens, was ihm bescheinigte, den Mord in einem krankhaften Zustand der Geistestätigkeit  begangen zu haben, wurde er erneut in die Irrenanstalt Bayreuth eingewiesen, aus der er erneut  fliehen konnte. Nach erneutem Aufgreifen blieb Voigt bis 1909 in der Irrenanstalt und wurde dann als geheilt entlassen.  Der Mord an Josifine Peer 1910 stellte die angebliche Heilung in Frage. Voigt schilderte detailliert den Tatablauf und verwies die Schuldfrage auf Josifine, die ihn auf übelste Art bedrängt und genötigt hatte.  Wie die Arbeiterzeitung am 8. Oktober 1910 veröffentlichte, hat folgende Aussage Voigt’s, dessen Absicht offenbart: „Ich hatte während dieser ganzen Zeit unseres Zusammentreffens bis zum Moment der Tat nicht einen Funken Absicht, das Frauenzimmer zu töten, oder nur zu verletzen, sondern der Akt ist eine Gesamtprodukt mehrerer Umstände, in erster Linie durch die hartnäckige Verfolgung des unglücklichen Opfers selbst. Weil ich nicht die Absicht hatte, das Frauenzimmer zu töten, muß ich protestieren gegen die Anklage des Mordes. Ich kenne keinen großen Unterschied Zwischen Totschlag und Mord. Da aber einmal Gesetz Gesetz ist, muß das richtig ausgelegt werden.“  Einen interessanten Aspekt ergeben die Ansichten der vertretenen Medien zum Anklagevorwurf des Lustmordes. Die Arbeiterzeitung verwies drauf, dass nicht genügend Beweise für den Tatbestand eines Lustmordes vorlagen. Die  Neue Freie Presse gab an, „für solche Verbrecher, die zwar nicht vollständig unzurechnungsfähig sind, aber doch an der Grenze der Geisteskrankheit stehen, können nur Detentionsanstalten der richtige Aufenthalt sein. Für einen begrenzten Zeitraum oder für immer.“ 
Die medizinische Fakultät der Universität Wien sah jedoch einen anderen Weg.  Die Ärzte hielten ihn für voll schuldfähig. Das  veranlasste das Schwurgericht ihn zum Tod durch den Strang zu verurteilen.  Jedoch schaffte es sein Verteidiger die psychologischen Zweifel in den Vordergrund zu stellen. So konnte Voigt 1912 vom Kaiser  begnadigt und  zu lebenslanger, verschärfter  Haft  verurteilt werden.  Voigt war mit dem Gnadenakt aber keinesfalls einverstanden. Als die Verkündigung vollzogen war, sagte er: „Die Begnadigung freut mich nicht.  Die Vollziehung der Todesstrafe wäre mir lieber gewesen.“  Die verschärfte Haft bestand aus Isolation und  diversen Gesprächen mit dem Gefängnisarzt. Voigt widersetzte sich der Begnadigung, wurde aber in das Zuchthaus Garsten bei Steyr transferiert.1930 wurde er  vom österreichischen Bundespräsidenten begnadigt und erhielt eine fünfjährige Bewährungsstrafe. 1934 heiratete er in Nürnberg eine Kaufmannstocher und wurde an deren Geschäft beteiligt. Versuche in die NSDAP einzutreten, scheiterten  nicht an der  arischen Abstammung, sondern an der Tatsache, dass er ein deutsches Mädchen ermordet hatte.  Voigt verstarb resozialisiert 1938 in Nürnberg.  Seine Vergangenheit hatte seiner bürgerlichen Stellung in Nürnberg nicht geschadet. Bei seiner Beerdigung traten auch Funktionäre der NSDAP auf. Seine Todesanzeige war u.a. auch in der Zeitung „Der Stürmer“ angegeben.


3. Moosbrugger und das Verbrechen

Die Romanfigur des Moosbruggers führt Musil im achtzehnten Kapitel des Buches ein. Der Fall Moosbrugger ist auf zweifache Weise symptomatisch:  wieder einmal zeigt sich hier, dass Tat und Täter nicht zusammenpassen.  Die Faszination der Tat wirkte sich breit in der Bevölkerung aus. „ Ja es mochte sich ereignen, daß in diesen Tagen beim Zubettgehen ein korrekter Sektionschef oder ein Bankprokurist zu seiner schläfrigen Gattin sagte: „Was würdest du jetzt tun, wenn ich ein Moosbrugger wäre...?“  Schon die Überleitung zur Thematik verläuft sehr spontan. „Zu dieser Zeit beschäftigte der Fall Moosbrugger die Öffentlichkeit.“  Der Erzähler beschreibt die Herkunft Moosbruggers, „Moosbrugger war ein Zimmermann, ein großer breitschultriger Mensch.“  „Hört man, wie Moosbrugger mit einem Messer die junge Prostituierte zurichtete, so darf man auf eine Gestalt schließen, deren Anblick Grauen erweckt.“  Wenn man ihn erblickte, so konnte man in ein von Gott mit allen Zeichen der Güte gesegnetes Gesicht schauen.  Doch der Schein trog, trotz des so friedfertigen Auftretens, hatte Moosbrugger eine Prostituierte auf bestialische Art ermordet. Es lässt sich keine Verbindung herstellen, zwischen dieser redlichen Erscheinung  und der grauenhaften Tat.  Die genauen Details der Tat werden von den Berichterstattern in tiefer Abscheu für die Tat detailliert aufgezählt. „Eine vom Kehlkopf bis zum Genick reichende Halswunde ebenso die zwei Stichwunden in der Brust welche das Herz durchbohrten, und die zwei Stiche in die linken Seite des Rückens.“  Insgesamt wurden 35 Stiche gezählt. Das gutmütige Gesicht von Moosbrugger stand in den Augen der Berichterstatter im Blickpunkt. Der Geisteszustand von Moosbrugger wurde nur unzulässig erklärt. Dieser Fall beschäftigt die Öffentlichkeit. Sie wird zu immer neuen Versuchen aufgefordert, den Mann und die Tat zu identifizieren. Die beiden Bilder der Tat und des Täters bleiben ein Paradoxon.  Auch die Tatsache, dass Moosbrugger schon einige Male in Irrenhäusern gewesen war, spielte bei der weiteren Betrachtung des Falles für die Gutachter keine wesentliche Rolle. Die allgemeine Reaktion auf diese Tat ist symptomatisch für das Klima der Zeit. Mit  interessantem Grauen delektiert man sich an den Details der Zeit.  Die von den Zeitungen immer wieder neu beschrieben werden.  Man empfindet die Tat und die Verhandlung als endlich, „mal wieder etwas interessantes.“

3.1 Die Hintergründe der Tat- Kindheit und Verlangen

Musil hält sich bei der Beschreibung der Kindheit an die Angaben, die Voigt in seinem Prozess angegeben hatte. Moosbrugger durchlebte eine schwierige Kindheit und hatte kein Geld. Er war so arm, daß er niemals mit  einem Mädel sprach. Er konnte also keinerlei Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht machen. „Etwas, wonach man so natürlich begehrt, wie nach Brot oder Wasser, darf man immer nur sehn.“  Moosbrugger rechtfertigte seinen ersten Mädchenmord „mit dem Auftreten böser Geister, die ihm Tag und Nacht verfolgten.“  Die Stimmen, die er hörte, verfolgten ihn Tag und Nacht und störten seinen Lebensalltag in jeder erdenklichen Weise.  Sein Leben bestand im Wesentlichen aus Vagabonage und Bettelei, für die er, wie auch Voigt mehrfach inhaftiert wurde. „Moosbrugger behauptet, daß er kein Lustmörder sein könne, weil ihm immer nur Gefühle der Abneigung gegen diese Frauenpersonen beseelt hätten und das erscheint nicht unwahrscheinlich, denn man will doch auch eine Katze verstehn, die vor einem Bauern sitzt, indem ein dicker blonder Kanarienvogel auf und nieder hüpft.“  Diese Abneigung mit dem Vergleich aus der Tierwelt soll Moosbruggers Verhalten erklären. „Und was soll man schließlich machen, wenn sie schrie? Man könnte nur zur Besinnung kommen oder, wenn man das eben nicht kann, ihr Gesicht zu Boden drücken und Erde ihr in den Mund stopfen.“  Ob er tatsächlich geisteskrank war oder seine Krankheit und die bösen Geister nur vorspielte, konnte nicht genau geklärt werden. Bei Nacht hörte er sie sprechen und streiten miteinander, so daß er alle Augenblicke aufwache.  Das waren massive Anzeichen für eine Paranoia, aber wer bot Gewähr, daß der Mann  nicht nur simuliert? Corino betont, dass Voigt selbst zugab epileptische Anfälle zu haben und so nicht zum Militärdienst zugelassen werden konnte.  Inwieweit dies auch auf Moosbrugger zutrifft, läßt Musil offen. Die Hintergründe liegen also in der Abneigung gegenüber Frauen und einer möglichen Geisteskrankheit. Moosbrugger sah seine Tat als Notwehrreaktion auf eine Gefahr, wie er auch die Verletzung des Zimmermannes erklärte. Den Mord an der Prostituierten  sah er als einzige Möglichkeit sich ihrer Aufdringlichkeit zu entledigen.

3.2 Die Verhandlung- Hauptschuldig?

Die Verhandlung spielt in dem Roman eine wesentliche Rolle. Moosbrugger selbst war vom Auftreten des Staatsanwaltes begeistert und lobte diesen, wenn er etwas über die Gemeingefährlichkeit von Moosbrugger hervorgebracht hatte.  Er betonte wiederholt die Tat nicht geplant, sondern im Affekt begangen zu haben. Das verdächtige Benehmen des Weibes hatte ihn dazu verleitet.  Der Richter war über die Aussagen und  zum Teil auch vom Verhalten Moosbruggers überrascht.  Im Wesentlichen versuchte die Anklage die Tat zu rekonstruieren und der Staatsanwalt fragte detailliert über das Mordwerkzeug und das anschließende  Verhalten von Moosbrugger nach. Dem Verteidiger von Moosbrugger wurde die Arbeit durch die Auftritte seines Mandanten erschwert. Sein Verhalten gegenüber den Gutachtern ergab keinerlei Zweifel an seiner Schuldfähigkeit, seine lobende Zensuren an Zeugen, die erklärten, niemals etwas an ihm bemerkt zu haben, waren für ihn wie eine Komödie. Der Richter assoziierte ihm mit den Worten „sie sind ein drolliger Kauz“  ein gewisses Maß an Komik, zog aber gleichzeitig die Schlinge um seine Hals immer enger zu. „Wie ein in die Arena gehetzter Stier sah er das Unheil nicht kommen, sondern geriet immer tiefer hinein.“  Als Moosbrugger wiederholt die Schuld bei der Prostituierten sah, entgegnete ihm der Richter „ Sie wissen immer anderen die Schuld zu geben!“ Für den Richter war Moosbrugger ein besonderer Fall, für ihn war er wie eine Welt und es ist sehr schwer, etwas Überzeugendes über eine Welt zu sagen.  Es waren zwei Taktiken, die gegeneinander kämpften. Die Beweise gegen Moosbrugger und seine Überzeugung unschuldig gehandelt zu haben. Wenngleich Moosbrugger immer tiefer in den Sumpf geriet, der ihn nach unten ziehen sollte, versuchte der Verteidiger  einen Sinn in der Tat  zu entdecken, um wenigstens den Versuch zu unternehmen, eine milde Bestrafung zu erreichen. Moosbrugger war allerdings nicht an einer solchen interessiert. „Als der Vorsitzende  das Gutachten vorlas, das ihn verantwortlich erklärte, erhob sich Moosbrugger und tat dem Gerichtshof kund: „Ich bin damit zufrieden und habe meinen Zweck erreicht.“  Steigern tat er dies durch seine Aussage:„Dadurch, daß ich die Anklage erzwungen habe, bin ich  mit dem Beweisverfahren zufrieden.“ 

3.3 Das Urteil- Urteil der Gesellschaft

Der Vorsitzende las ihm das Todesurteil vor, genau so, als ob der Unsinn den Moosbrugger zum Vergnügen aller Anwesenden während der Verhandlung gesprochen hatte, nun einmal ernst beantwortet werden müßte. Moosbrugger entgegnete, nachdem er sich gefangen hatte mit den Worten : „Ich bin damit zufrieden, wenn ich ihnen auch gestehen muß, daß sie einen Irrsinnigen verurteilt haben.“  Als Vollstreckungsmethode wurde Tod durch den Strang angeordnet. Die Frage, die sich nun damit stellt, ist, inwieweit dieses Urteil tatsächlich gerechtfertigt war. Emmel betont in ihrer Interpretation die Unzulänglichkeit des gerichtlichen Verfahrens.  Wenn man die Vorgeschichte von Moosbrugger und die Vorstrafen berücksichtigt, scheint die Strafe angemessen zu sein.
Jedoch war er wirklich voll schuldfähig? Sein Verteidiger legte, wie auch bei Christian Voigt Nichtigkeitsbeschwerde ein und beantragte eine weiteres psychologisches Gutachten, um den Geisteszustand von Moosbrugger untersuchen zu lassen. Bis dahin war die Vollstreckung der Todesstrafe auf unbestimmte Zeit vertagt worden.  Damit wird ein Verweis zu den Ereignissen um Christian Voigt hergestellt. Auch der Verteidiger von Voigt hatte eine Aussetzung der Vollstreckung erreicht. Vor allem das Verhalten von Voigt im Gefängnis gab immer mehr Zweifel, inwieweit er tatsächlich für die Tat verantwortlich war.


4. Der Einfluß auf Ulrich- Stimmen und Interpretationen

Dein Einfluß von Moosbrugger auf Ulrich kann man beginnend mit dem Kapitel 18 verbinden. Ulrich ist auf eine ganz besondere Art und Weise von Moosbrugger fasziniert. Sein Auftreten vor Gericht und das Verbrechen  an sich beeindrucken ihn.  Sein Verhältnis zu Moosbrugger ist freilich nicht eindeutig zu fixieren. Er fühlte sich mit diesem aufgeregten Narren nicht verwandt, er verhält sich ihm gegenüber neutral, will weder seine Rettung noch seine Bestrafung, spürt aber zugleich wie sich das fürchterliche Spiel der Gesellschaft mit  ihren Opfern in sich selbst wiederholt.  „Moosbrugger ging ihm durch etwas unbekanntes näher an als sein eigenes Leben, das er führte: es ergriff ihn, wie ein dunkles Gedicht, worin alles ein wenig verzerrt  und verschoben ist und einen zerstückelt in die Tiefe des Gemüts treibenden Sinn offenbart.“  Ulrich sieht in Moosbrugger - wenn auch verzerrt und verschoben- eine Sinnfigur wiederholt, die zu seinem Leben in Beziehung steht. Ulrich hört die Stimmen aus dem Prozess. Er verfolgt den Prozessverlauf erneut und kombiniert die Aussagen Moosbruggers mit seinen Empfindungen.  Die Frage nach Reue gibt ihm keine Ruhe. Moosbrugger hatte im Prozess diese Frage nicht verneint, jedoch nicht aus Gründen der Überzeugung, sondern praktisch bedingt aus Erfahrungen seiner Vorstrafen und vorherigen Gefängnisaufenthalte.  Moosbrugger läßt sich jedoch auch schnell provozieren. Als der Richter ihn zu dem Vorfall mit den Zimmerleuten befragen will, wird er schnell erbost und stellt sich als naiven Mensch dar, dem die Folgen der Ereignisse nicht bekannt waren. Ulrich erinnert sich auch an die Frage des Staatsanwaltes, der die Prostituierte als ungefährlich darstellte und wiederholt Moosbrugger befragte, wieso er zugestochen hatte.  Die Faszination spielt bei der weiteren Betrachtung eine wichtige Rolle.



4.1 Faszination und Erfahrung

Diese Faszination soll nun einmal genauer betrachtet werden. „Wenn die Menschheit als Ganzes träumen könnte,  müßte Moosbrugger entstehen.“  Ulrich weiß von Moosbrugger aus den Zeitungen, sein Interesse an ihm ist ein sporadisches und gleichnishaftes. Aus der Distanz seines Urlaubes vom Leben diagnostiziert Ulrich exakt die Korrelation zwischen gesellschaftlich  erlaubtem Sein und Moosbrugger. „Das Schaurige oder Unerlaubte in der zugelassenen Gestalt von Träumen und Neurosen zu bewundern, schien ihm recht zu den Menschen der Bürgerzeit zu passen.“  Einerseits konstatiert Ulrich weiter am Moosbrugger- Geschehen
„deutlich Irrsinn“, um aber anderseits darin den verzerrten Zusammenhang unserer eigenen Elemente des Seins“ zu erkennen.  Als außerhalb und zugleich innerhalb seiner gesellschaftlichen Szenerie stehend reflektiert Ulrich anläßlich Moosbruggers den Stand der überkommenden Moral seiner Zeit.  „...wenn die Gesellschaft nur die Hälfte der moralischen Anstrengung selbst aufwenden wollte, die sie von solchen Opfern verlangt,“ dann würden sich diese Opferfiguren erübrigen. Für Ulrich ergibt sich mit Moosbrugger die Erkenntnis: der Moralbegriff verwandelt das Verbrechen in eine Tugend und umgekehrt. Ulrich sieht Moosbrugger als Opfer der Gesellschaft,. „Die Genauigkeit  zum Beispiel, mit der der sonderbare Geist Moosbruggers in ein System von zweitausendjährigen Rechtsbegriffen gebracht wurde, glich den pedantischen Anstrengungen eines Narren, der einen freifliegenden Vogel mit einer Nadel aufspießen will, aber sie kümmerte sich ganz und gar nicht um die Tatsachen, sondern um den phantastischen Begriff des Rechtsguts.“  Dagegen spricht „ Die Genauigkeit, die die Psychiater in ihrem Verhalten zu der großen Frage, ob man Moosbrugger zum Tode verurteilen dürfe oder nicht, an den Tag legten, war ganz und gar exakt, denn sie trauten sich nicht mehr zu sagen, als daß sein Krankheitsbild keinem bisher beobachteten Krankheitsbild genau entspreche und überließen die weitere Entscheidung den Juristen.“  Die Geistesverfassung Moosbruggers inspirierte Ulrich, sich eingehender  mit der Thematik zu beschäftigen.
Ulrich begegnet im Kapitel 122 in einer „kulissenhaften Unsicherheit der Straßenwände“ einer Prostituierten.  Wie auch Moosbrugger in der Mordnacht steht er in einem Konflikt. „In Ulrichs Kopf werden die Differenzen zwischen Handeln und Denken und deren Teilhabe an allem Tun und Denken ausgebreitet, er beneidet Moosbrugger um dessen Rolle.“


4.2 Verzerrter Zustand eigener Elemente- Macht und Triebe

Ulrich vertieft sich immer mehr in die Situation und das Empfinden Moosbruggers. Die äußere Szenerie von Ulrichs nächtlicher Begegnung mit einer Prostituierten  evoziert in ihm Vorstellungsphantasien zu Moosbruggers Mordnacht, genauer gesagt, die Absenz eindeutig fixierbarer Identitätsmerkmale ermöglicht Ulrich an sich analoge Gefühlsinhalte wahrzunehmen.  Damit beginnt er den Mord und das Empfinden Moosbruggers nachzuvollziehen. „Welch wunderbares Erkennen muß das gewesen sein, vom Kopf bis zu den Sohlen: Ulrich glaubte an einem Augenblick, es sich vorstellen zu können.“ 
In dieser Befindlichkeit setzt Ulrich die Lockung Moosbrugger zugleich in Beziehung zu allen Menschen und situiert damit Machtpotentiale der Gesellschaft: Flüchtig erinnerte er sich an die Auffassung, dass solche Unglücksgeschöpfe die Verkörperung unterdrückter Triebe seien, an denen alle teilhaben, die Fleischwerdung ihrer Gedankenmorde und Phantasieschändungen: So mochten dann die, die dran glaubten, in ihrer Art mit ihm fertig werden und ihn zur Wiederherstellung ihrer Moral jusitfizieren, nachdem sie sich an ihm gesättigt haben.  Dieser unterdrückte Trieb ist eine zusätzliche Macht, die jeder hat und entsprechend kontrollieren kann. Wie auch Moosbrugger diese Macht hat und angewendet hat, so ist Ulrich von diesem Zustand fasziniert. Es stellt sich die Frage, ob nicht die Absenz vom Tun- die Gedankenmorde und Phantasieschändungen, eine gewalttätigere Äußerung von Macht darstellen, als die fixierbare und rückwirkende Mordtat Moosbruggers.  Ulrich wird zu einer definitiven Entscheidung gezwungen. „Er wollte nicht mehr im Einzelnen wissen, was alles das sei, alles das war, was ihn beschäftigt und gequält hatte. Er sucht diese Unmöglichkeit in die reale Situation umzusetzen, um in die Lage zu gelangen ins Tausendjährige Reich zu kommen.“  Letztendlich sieht er in jedem einen potentiellen Moosbrugger. Inwieweit sich dies im Verlaufe des Romans noch vertiefen sollte, wird an anderer Stelle, wenn es um die Befreiung Moosbruggers geht, näher untersucht.
























5. Moosbrugger im Gefängnis

Dieser Teil der Darstellung ist auf der diskursiven Definition und Konstruktion von Devianz durch Strafrecht und  Psychiatrie fixiert.  Vor allem das Zusammenspiel zwischen Juristen und Psychiatern verfolgt den Aufenthalt Moosbruggers.  Auch bei diesen Darstellungen hat sich Musil detailgetreu an die Beschreibungen der Untersuchungshaft von Voigt gehalten. Moosbrugger kam nach der Verurteilung in das neue Gefängnis. Dort wurde er auf verschiedenste Art und Weise schikaniert. Die täglichen Diskriminierungen dienten dem Allgemeinwohl. „Man hatte ihn, als er aufbegehrte,  mit Prügeln bedroht. Man hatte ihn in eine Einzelzelle gesteckt.“  Sein Kopf wurde ihm geschoren und er wurde mit einer extrem stinkenden Schmierseife eingerieben, zur Desinfektion.  Nachdem die Eingabe Ulrichs erfolgreich war und ein neues Gutachten erstellt werden sollte, fand die Gefängnisleitung keine Möglichkeit, die Isolation und strengen Haftbedingungen zu entschärfen. Moosbrugger steht plötzlich noch mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit.
Eine Beschwerde gegen die unwürdigen Haftbedingungen, bei der er vom Gefangenenhausleiter zum Anstaltsgeistlichen, von diesem weiter an den Anstaltsarzt verwiesen wird, bildet als Quergang das Ineinandergreifen von Justiz, Religion und Medizin in einer Institution ab.  Das Gefängnis steht im Mittelpunkt dreier diskursiver Ordnungen, deren Autorität Moosbrugger als Sprachmacht erfährt. „Ergrimmt ahnte Moosbrugger, daß jeder von denen sprach, wie es ihm paßte, und daß es dieses Sprechen war, was ihnen die Kraft gab, mit ihm umzugehen, wie sie wollten.“  Vor allem in der ausgezeichneten Dissertation von Josef Kohlmayer über - Diskurse um die Figur Moosbruggers-  werden verschiedene Variationen angegeben. Inwieweit Musil auch die Ereignisse der Massenmörder Haarmann  und Graßmann  in seine Darstellung hat einfließen lassen, kann man nicht eindeutig nachvollziehen.

5.1  Die Vorstellung von Recht und Freiheit

Moosbrugger konnte seine Stellung in der Anstalt in richtiger Weise deuten. „Sogar die Fürsorge, die allen Sträflingen unterschiedslos zuteil wurde, bereitete ihm Genugtuung.“  Die Tatsache, dass Sträflinge im Gefängnis eingekleidet, versorgt werden und sich säubern können, wird von ihm als positiv eingeschätzt. Jedoch interessiert er sich insbesondere für sein Recht. Die im vorherigen Kapitel aufgezeigten Maßnahmen waren nicht unbedingt immer den Vorschriften angemessen. Dort konnte Moosbrugger aber nichts ausrichten. Er fängt an sich intensiver mit dem Recht auseinanderzusetzen. „Recht, dachte er außerordentlich langsam, um diesen Begriff zu bestimmen und dachte so,  als ob jemand mit ihm spräche, das ist, wenn man nicht unrecht tut, nicht wahr? – und plötzlich fiel ihm ein: Recht ist Jus.“  Moosbrugger erinnert sich an Situationen aus seinem Leben, an denen ihm sein Jus verweigert wurde. Ihm fiel ein, dass er als er sechzehn war, einen Trick versuchte, den er von anderen Lehrburschen erlernt hatte. Als Ergebnis wurde er von  seiner Meisterin blutig geschlagen und anschließend vom Meister vor die Tür gesetzt. „So hatte man sein Jus verhöhnt und geschlagen. Findet man das Jus auf der Straße! Alle Weiber waren schon das Jus von irgendwem, und alle Äpfel und Schlafstätten und die Gendarmen und Bezirksrichter waren schlimmer als die Hunde.“  Moosbrugger kann sein Recht nicht eindeutig ausdrücken.
Er verliert zunehmend die Orientierung und beginnt zu halluzinieren. „Moosbrugger war einer jener Grenzfälle, die aus Jurisprudenz und Gerichtsmedizin auch den Laien als die Fälle der verminderten Zurechnungsfähigkeit bekannt sind.“ 

In seiner Fallgeschichte hat Musil Material aus den Untersuchungen von Eugen Beulers Lehrbuch der Psychiatrie  verarbeitet.  Analog verfährt Moosbrugger bzw. die erzählerische Disposition des psychiatrischen Materials mit dem Rechenbeispiel: „Sie fragten ihn dann jedesmal recht schnell: Wieviel ist vierzehn mehr vierzehn? Und er  antworte ihnen bedächtig: So ungefähr achtundzwanzig bis vierzig! Dieses Ungefähr bereitete ihnen Schwierigkeiten, über die Moosbrugger schmunzelte. Denn es ist ganz einfach; er weiß auch, daß man bei achtundzwanzig anlangt, wenn man von Vierzehn um vierzehn weitergeht, aber wer sagt denn, daß man dort stehen blieben muß?“  In dieser narrativen Motivierung der falschen Antwort zeigt sich ein beachtliches Verständnis für die Logik dieser sprachlichen Fehlleistung. Auch hier realisiert Moosbrugger eine Metapher und zwar jene, mit der den Schulkindern das Rechnen auf anschauliche Weise nahegebracht wird. Die Bewegung entlang einer Reihe von Punkten, Knoten auf einer Schnur und dergleichen.


5.2 Erleben und  Flucht in Halluzinationen- Angst vor der Realität

Für Moosbrugger ist die Welt unfest. Bei Moosbrugger setzten sich die Erfahrung um innere Erlebnisse, die nicht eindeutig zu fixieren sind, von den Psychologen dennoch vereinfachend als Halluzinationen etikettiert werden.  Durch seine ansprechende Art der Darstellung läßt Musil erkennen, dass es hier um Grenzphänomene geht, die auch über den medizinisch oder psychologisch interessanten Fall hinaus bedeutsam sind. Was Moosbrugger im Gefängnis erlebt, „ist die zusammenziehende Kraft, die draußen jeden Menschen mit seinen Eigendünkeln mühsam zwischen all das andere Fleisch preßt, war unter dem Dach des Strafhauses, trotz aller Disziplin um ein wenig schlaffer geworden.“ Für Moosbrugger wurde deshalb „alles von einem Schatten der Unwirklichkeit ausgehöhlt.“  Daraus kann man schlußfolgern: Das Selbstbewußtsein, das für Gestalten wie Armheim und Walter von höchstem spezifischen Gewicht ist, wird bei Moosbrugger durchlässig für Erfahrungen, die es einschränken, in gewisser Weise aufheben. Und da Korrespondenz besteht, zwischen dem Verhalten, dem Ich und der Umwelt gegenüber, so ist für Moosbrugger auch die Umwelt nicht gefestigt.  Wie Ulrich zuweilen Schwindelgefühle bekommt auf dieser Erde, die zwischen zahllosen Sternen im Leeren kreist, so kann es Moosbrugger geschehen, daß plötzlich die Strassenwände wanken wie Kulissen,  hinter denen etwas auf das Stichwort wartet, um herauszutreten. 

5.3 Wunsch nach einer schnellen  Erlösung
Moosbrugger befand sich in der Untersuchungszelle des Landgerichts. Seine Lage war prekär, aber sein Verteidiger hatte die Hinrichtung vertagen können. Er konnte die Einsamkeit gut ertragen und war nicht darauf erpicht, Menschen zu sehen. Seine Lebensinhalte, seine Werte, die ihn am Leben lassen wollen, schwanden zunehmend.  Moosbrugger träumt, er denkt, er tanzt. Sein Körper,  beschrieben wie eine  Landschaft, dehnt sich über die Wände der Gefängniszelle in die Gegenstände hinein. Er ist innen und außen. „Das Wichtigste war, daß es nichts Wichtiges bedeutet, ob etwas draußen ist oder drinnen, in seinem Zustand war das,  wie helles Wasser zu beiden Seiten einer durchsichtigen Glaswand.“  Moosbrugger ist nicht sprachlos, er weiß die Macht der Sprache geschickt einzusetzen.  Die poetischen Bilder bewegen sich in Richtung anderer Zustände, dessen gesteigerte Form von Sein und Erkenntnis. Ein Tropfen von Moosbruggers Blut war in die Welt gefallen. Dem Tod lächelte er entgegen. Moosbrugger hatte in seiner Existenz etliche Dinge gesehen. Auf sein bisheriges Leben konnte er mit Stolz und Achtung zurückblicken. „Moosbrugger hatte keineswegs das Gefühl, daß man ihn hinrichten werde, er richtete sich selbst, mit Hilfe der anderen Leute hin: so sah er das, was kommen mußte.“  Der Gedanke an den Tod beeindruckte ihn nicht.



5.4 Die endgültige Ablösung

Die endgültige Ablösung von seinem wirklichen Schatten vollzieht sich langsam aber immer intensiver. Die Zeit und der Ort sind hier die Fäden, an denen Moosbruggers letzte Metamorphose gestaltet wird.  Von  seiner Lebensuhr heißt es, sie sei „ in Unordnung geraten; man konnte sie vor- und zurückdrehen.“  Mit dem Wegfall der Künstler und der Trennung in aufeinanderfolgende Zeitsegmente finden die Dinge wieder zueinander, dem tieferen Gesetz der Verwandtschaft gehorchend. Um diese fließenden Bewegungen der Zeiten und des eigenen Lebens zu erfassen, denkt der musikalische Mörder in Worten, die er rhythmisch neu erfindet, indem er auf die Nebensilben das gleiche Gewicht wie auf die Hauptsilben  legt. Zum ersten Mal in seinem Leben kann Moosbrugger frei mit der Sprache  sprechen und diese mit ihm. Das neu erfundene Wort scheint sich fast wie ein Kind vor ihm zu verstecken, um gefunden zu werden.  Sein Leben fließt „wie ein Bach durch ein großes Wasser“ , er hat den Strom der Zeit ergriffen und in der für ihn günstigsten Weise interpretiert. Alles, was sich draußen in der Welt ereignet, erscheint ihm jetzt als ein ewiges Einerlei, aber ein ganz anderes, „als das der Wunder seiner Gedanken.“  Moosbrugger ist aus dem sinnlosen Kreislauf „Seinesgleichen“ ausgebrochen und hat seinen Frieden und seine Geborgenheit im Schoß eines komischen Werdens gefunden. Während der poetisch entworfene Moosbrugger in tragischer Größe herausragt, zerfällt der wirkliche in sprachliche Segmente. Doch das Gespenstische, das er verkörpert, erklingt wie eine Mahnung. „So saß er als die Wilde, eingesperrte Möglichkeit einer gefürchteten Handlung wie eine unbewohnte Koralleninsel inmitten eines unendlichen Meeres von Abhandlungen, das ihn unsichtbar umgab.“  Die Neufassung des Strafrechts wird von einer Kommission in Erwägung gezogen. Der wohl umstrittenste Vorschlag ist, „ den Täter in zwei Teile zu teilen; einen zoologisch- psychologischen, der den Richter nichts angehe und  in einen juristischen, der zwar nur eine Konstruktion, aber rechtlich frei sei.“  Selbstverständlich ist dies ein rein theoretisches Denken. Wie ist es aber möglich, dass kluge und rechtschaffende Männer, als welche Rechtsgelehrter selbst nach Auskunft des Erzählers gelten, sich derartig unvernünftig betragen können? Musil zeigt den Boden, aus dem diese Ohnmacht wächst. Nicht im Verstand liegt das Problem, vielmehr in einer kleinen „Herzschwäche“.  Die zurückgeblieben schwankende Emotionalität  ist das, was die Richter und Psychologen daran hindert, ihren Verstand vorurteilsfrei zu gebrauchen.
Die Geschichte Moosbruggers ist zugleich eine Parabel von der irrationalen Ablehnung des Kodexes, der Kommunikation, der Soziabilität, der Sprache. Wohl ist Moosbrugger das Opfer eines abgenutzten sozialen Räderwerks, das ihn verdinglicht in der fetischistischen Zerstreuung des bürokratischen iter, von dem sein qualvolles Schicksal abhängt, doch er ist das Opfer, das in absoluter und ahistorischer Rebellion am einigen Untergang mitarbeitet. 






























6. Clarisse und Moosbrugger


6.1  Der Grenzfall

Der Roman setzt die Verhandlungen um Moosbrugger fort, nachdem ihn die Gerichte zur erneuten Prüfung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen haben. Dort findet ihn seine selbsternannte Erlöserin Clarisse. Als Besucherin hatte sie bereits vergeblich in Begleitung von General Stumm von Bordwehr und Ulrich versucht zu Moosbrugger vorzudringen.  Beim zweiten Versuch hat sie mehr Erfolg und Musil schildert dies wie folgt: „Was sie erblickte, war allerdings seltsam genug: eine Kartenpartie. Moosbrugger saß, in dunkler alltäglicher Kleidung mir drei Männern am Tisch, von denen einer den weißen Kittel des Arztes, der zweite einen Straßenanzug und der dritte die etwas abgenutzte Satune eins Priesters trug. Die vier Männer blickten auf, als sich Clarisse nährte u. Friedenthal  sie vorstellte; Clarisse lernte einen jungen Assistenten der Klinik kennen, einen Seelsorger und einen zu Besuch gekommenen Arzt, von dem sie erfuhr, daß er einer der Sachverständigen sei, die bei der Verhandlung vor dem Schwurgericht Moosbrugger für gesund erklärt hatten.“  Drei Männer spielten Karten, während der vierte zusah. Damit kam eine gut bürgerliche Atmosphäre zum Vorschein, die einen totalen Widerspruch zu den vorherigen Ereignissen stellte. Was sich Clarisse bot, war das würdelose Spiel von Teufeln um Moosbruggers Seele.  Über seine Schuldfähigkeit und damit über das schwebende Todesurteil entscheiden der Klinikassistent, der Seelsorger und der Gerichtsgutachter im Zusammenspiel.  Die hier kulminierende Kontroverse um das Problem der Zurechnungsfähigkeit hatte bereits zuvor im Roman erheblichen Anteil. Hier muss hinzugefügt werden, dass es tatsächlich 1913 eine Strafrechtskommission in Österreich gebildet wurde, die über den Begriff der verminderten Schuldfähigkeit beriet. Als Ergebnis wurde bekannt, dass Personen die vermindert zurechnungsfähig sind, zurechnungsfähig und somit straffähig sind. Somit wurde bei der Strafzumessung die verminderte Schuldfähigkeit berücksichtigt, jedoch das ursprüngliche Urteil zumeist nicht verändert. Erst 1921 wurde die verminderte Schuldfähigkeit differenziert betrachtet.  Im Spiel um Moosbrugger zieht Gerichtsgutachter Pfeiffer die radikalsten Konsequenzen aus der Entzauberung des souveränen Subjekts. Die um 1900 bekannte allgemein Auffassung war, dass alle unzurechnungsfähig seien und von inneren und äußeren Kräften abhängen, die einen entsprechenden Einfluß auf uns ausüben und nicht immer kontrollierbar sind. Das Versagen aller am Spiel um Moosbrugger beteiligten Disziplinen bekundet Friedenthal mit den Worten: „ Er ist eben in jeder Hinsicht ein Grenzfall.“  Diese Erkenntnis stellt nun allerdings weniger den Fall in Frage als vielmehr die Grenze. Sie bedeutet positiv gewendet, dass zwischen der jenseits von Vernunft und Gesetz  stehenden und  der gesitteten Welt kein qualitativer Unterschied auszumachen ist, sondern lediglich ein quantitativer.







6.2 Der Einfluß Moosbruggers auf Clarisse- Befreiung und Tod


Clarisse wird schon in den frühen Tagebuchaufzeichnungen Musils mit Nietzsche in Verbindung gebracht. Ihr ganzes Auftreten und Denken greift im Roman bewusst auf den Geist und die Philosophie Nietzsches zurück. Ihr Denken und Fühlen wird dann jedoch immer mehr von der gleichen Wollust  gepackt, die Moosbrugger zu  der Ermordung der Prostituierten getrieben hatte.  Die Ähnlichkeit mit Moosbrugger kommt zustande, als sie auch das wunderbar unglaubwürdige und tödlich gelöste Gefühl bekommt und auf „Lichtseilen tanzen will“.  „Bei Clarisse genügt ein Wort, um sie gleichsam aus den Schienen springen zu lassen, sie ist dann außer sich, in einem Zustand nicht anwesend.“  Das sprunghaft assoziative Denken Clarisses wird auch explizit vom Text bestätigt. Ihre Ideen bereiten sich rasant aus, sie sind „nicht wirr, als daß sie vielmehr Zwischenglieder auslassen.“  Besonders kann man Gemeinsamkeiten erkennen, wenn man die Wahnvorstellungen der beiden Charaktere in den Blickpunkt rückt. Clarisse hat „zuweilen Tage und Wochen, da alles, was sie umgab lichter und leichter waren als sonst, so müßte es nicht viel Mühe machen, hineinzuschlüpfen.“  Moosbrugger hat ebenfalls leichte Tage und Wochen aber auch lange Zeiten der Verstimmung. Ein Grundgefühl in Clarisses wie in Moosbruggers Leben ist, dass sie an ihrem Fortkommen gehindert werden.  Beide geben wiederholt an, dass sie in ihren Lebensstationen aufgehalten wurden.  Clarisse sieht in ihrem Handeln für Moosbrugger eine Erlösung für sich und für ihn, mit ihrem Klavierspiel will sie seinen Sünden entnehmen in sich aufnehmen und gleichzeitig mit ihnen aufsteigen. Sie geht davon aus, dass Moosbrugger sie und ihren Mann Walter in ihrer Sündengestalt verkörpert und deshalb ihre Aufmerksamkeit verdient.  Die Befreiung Moosbruggers ist für seine und ihre Erlösung zwangsläufig. Ihre Bemerkung, dass Moosbrugger bis jetzt nur Ersatzweiber gehabt hatte, verdeutlicht ihr Interesse.  Mit ihrem Charme bringt sie Walter dazu ihr zu helfen. Für ihr Ziel, Moosbrugger aus der Anstalt zu befreien, ist sie zu eigenen Opfern bereit. Davon profitiert Walter, mit dem sie für seine Hilfe schläft. 
Clarisse bereitet ihre Tat entsprechend vor. Ulrich hingegen kommen Zweifel, ob eine Befreiung Moosbruggers nicht neues Unheil auslösen könnte. Ähnliche Zweifel kamen auch bei der vorzeitigen Entlassung von Christian Voigt wiederholt zu Vorschein, nachdem bekannt wurde, dass er nach 20 Jahren auf Bewährung das Zuchthaus verlassen darf.  Jedoch verhalf man Moosbrugger zur Flucht. Moosbrugger konnte in einem alten Hof unterkommen und wurde von Rachel und Clarisse entsprechend empfangen. Den alten Trieb, sich an den Weibsbildern zu rächen, hat Moosbrugger auch in der Anstalt nicht verloren. Wenngleich Rachel sich ihm in jeglicher Form unterwarf, ermordete Moosbrugger erneut eine junge Frau  und Rachel fühlte sich als Mittäter verantwortlich.  Clarisse verfällt zunehmend mehr dem Wahnsinn und wird in eine Anstalt eingewiesen, Moosbrugger wird, so in einem der  weiteren Romanentwürfe ersichtlich, für voll schuldfähig erklärt und mit dem Strang hingerichtet.
Inwieweit man nun behaupten kann, dass Moosbrugger die Figur verkörpert, die eine aus den Fugen geratene Welt darstellt, die in ihrer Gewaltbereitschaft und Ekstase auf den Krieg zutreibt, soll aus den Darlegungen zusammenfassend beurteilt werden.

7. Eine aus den Fugen geratene Welt auf dem Weg in den  Krieg?

Der Fall Moosbrugger spielt in der Entwicklung der Handlungsabläufe eine immer wichtiger werdende Rolle. Moosbrugger, so schrieb die Autorin Katarina Frostenson, ist „ Das Monster das sich in den Körper einer Frau hineingeschnitten hat, um dort für einen Moment seiner Angst zu begegnen. Moosbrugger, der die Dinge nicht auseinanderhalten kann und dessen Sprache ein weitgestecktes Feld ist, wo alles miteinander tanzt, und sich zuweilen gewaltsame Wahrheiten offenbaren.“  Wenn man die zeitliche Abfolge des Romans betrachtet,  erhält der Weg in den Krieg auch von historischer Seite eine interessante Rolle.  In den Balkankriegen, in denen die Balkannationen weitgehend die Auflösung des europäischen Herrschaftsgebietes der Türkei erzwangen, dann aber auch übereinander herfielen, als sie sich nicht um die Aufteilung Montenegros einigen konnten (2.Balkankrieg 1913), stand auch die Existenz der europäischen Großmacht Österreich-  Ungarn auf dem Spiel. Es zeigte sich erneut mit aller Deutlichkeit, wie problematisch es für das Deutsche Reich war, mit der von inneren Nationalitätenkämpfen geschüttelten und von außen durch den Panslawismus bedrohten Donaumonarchie so eng verbündet zu sein. Die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Berlin und London bei der Ausarbeitung von Kompromissen zum Erhalt des Friedens konnte aber den Ausbruch des großen Krieges zwischen den Bündnissystemen noch einmal verhindern.  Musil hat sicherlich nicht vordergründig diese Aspekte berücksichtigt, jedoch ist die Zeit, in der der Roman spielt, eine sehr explosive gewesen, in der  jederzeit ein Funken den Kriegsausbruch verursachen konnte. Bei Moosbrugger löst diesen Zustand die bloße Anwesenheit von Weibsbildern aus, von denen er sich bedrängt fühlt und  somit entfliehen will. Die letztendlich entstehende  Konfrontation mündet in einem Kampf vor Gericht, den Moosbrugger wie auch Voigt verliert. Der Krieg, der darauf folgt, wird eigentlich von der Gesellschaft selbst ausgetragen, weder die Anstaltsärzte noch die Gutachter haben ein einheitliches Urteil erstellt, bis Moosbrugger nach seiner Befreiung erneut zuschlägt. Somit kann man ihn berechtigt  als eine aus den Fugen geratende Welt bezeichnen, die jedoch nicht allein dafür verantwortlich ist, dass dieser Krieg entsteht. Wie man aus den Prozessakten und den Tageszeitungsberichten erkennen kann, wurden die Anstaltsleitungen in Bayreuth und Hildlburgshausen für ihre Diagnosen angezweifelt. Eine Mitverantwortung konnte ihnen nicht nachgewiesen werden. Seine Wahnvorstellungen haben zweifellos seine Aktivitäten maßgeblich beeinflußt. Jedoch erkennt man an der Reaktion von Rachel, nachdem sie die Zeitung gelesen hat, inwieweit es sinnvoll war, dass Moosbrugger in der Anstalt war. Sein Verlangen nach Rache wurde auch dort nicht erfolgreich diagnostiziert und seine Gefährlichkeit zu wenig ernst genommen, so wie es in der Realität auch mit Voigt, Graßmann und Haarmann praktiziert wurde.










8. Literaturangaben

Primärliteratur
1. Adolf Frisé (Hrsg.): Robert Musil Der Mann ohne Eigenschaften, Rowohlt Verlag, Hamburg 1952. 


Sekundärliteratur
1. Helmut Arntzen: Satirischer Stil. Zur Satire Robert Musils im „Mann ohne Eigenschaften“, H. Bouvier u. Co. Verlag- Bonn 1960.
2. Uwe Baur (Hrsg.), Dietmar Goltschnigg: Vom Törleß zum Mann ohne Eigenschaften, Wilhelm Fink Verlag, Graziler  Musil- Symposion Musil Studien 4 , München- Salzburg 1972. 
3. Wilhelm Bausinger: Studien zu der historisch kritischen Ausgabe von Robert Musils Roman Mann ohne Eigenschaften. Rowohlt Verlag, Hamburg 1964.
4. Erhard von Büren: Zur Bedeutung der Psychologie im Werk Musils. Zürich 1970.
5. Karl Corino: Robert Musil- Eine Biographie Rowohlt Verlag Hamburg 2003.
6. Karl Dinklage: Robert Musil- Leben, Werk, Wirkung Rowohlt Verlag Wien, 1960.
7. Hildegard Emmel: Das Gericht in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts Francke Verlag, Bern und München 1963.
8. Walter Fanta: Die Entstehungsgeschichte des Manns ohne Eigenschaften von Robert Musil, Böhlau  Verlag Wien Köln Weimar, 2000.
9. Aolf Frisé: Plädoyer für Robert Musil Rowohlt Verlag, Hamburg 1987.
10. Werner Graf: Der Erfahrungsbegriff in Robert Mulis Roman der Mann ohne Eigenschaften, Tuttlingen 1978.
11.  Dieter Heyd: Musil Lektüre: der Text das Unbewußte Psychosemiologische Studien Zu Robert Musils theoretischem Werk  und zum Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“, Peter D. Lang Frankfurt/ Main 1980.
12. Alexander Honold: Die Stadt und der Krieg. Raum- und Zeitkonstruktion in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“, Wilhelm Fink Verlag, München, 1995.
13. Josef Kohlmayer: Diskurse um die Figur Moosbrugger in Robert Mulis Roman der Mann ohne Eigenschaften,  Universität Graz 1984.
14. Thomas Kraft: Musils Mann ohne Eigenschaften, Piper Verlag München 2002.
15. Dieter Kühnen: Analogie und Variation. Zur Analyse von Robert Musil Mann ohne Eigenschaften, Bouvier & Co Verlag, Bonn 1965.
16. Claudio Magris Musil und die Nähte der Zeichen, in: Wolfgang Freese (Hg.) Philologie und Kritik, Klagefurter Vorträge zur Musilforschung, München Salzburg 1981 S.177-191.
17. Loredana Marini: Der Dichter als Fragmentist, Geschichte und Geschichten in Robert Musils Roman Mann ohne Eigenschaften Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften Bern 2001.
18. Tim Mehigan: Robert Musil, Philipp Reclam, Stuttgart 2001.
19.  Hans- Georg Pott (Hrsg.): Robert Musil Wilhelm Fink Verlag, München 1984.
20. Hans- Georg Pott (Hrsg.): Robert Musil Dichter, Essayist, Wissenschaftler Wilhelm Fink Verlag, Musil Studien 8, München 1993.
21. Heinrich Puppe: Muße und Müßiggang in Robert Musils Roman Mann ohne Eigenschaften Werner J. Röhrig Verlag, 1991 St. Ingbert.
22. Jelka Schilt: Noch etwas tiefer lösen sich die Menschen in Nichtigkeiten: Figuren in Robert Musils Roman Mann ohne Eigenschaften Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften Bern 1995.
23. Josef Strutz (Hrsg.): Kunst, Wissenschaft und Politik von Robert Musil bis Ingeborg Bachmann Wilhelm Fink Verlag, Musil Studien 14, München 1986.

 
 

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Kommentar von Graeculus (69) (14.10.2014)
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Veröffentlicht am 05.02.2009. Textlänge: 6.354 Wörter; dieser Text wurde bereits 2.019 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 15.09.2019.
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