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Eric steigt aus

Erzählung zum Thema Persönlichkeit


von Mutter

Eric sitzt mir gegenüber und spielt mit einem kaputten Kugelschreiber. Der rastet nicht mehr ein, da kann man auch eine Million Mal draufdrücken, und der bleibt nicht draußen. Und das macht Eric gerade. Das mit der einen Million Mal.
Das Geklicke geht mir tierisch auf den Sack, aber ich sage nichts, warte einfach nur.
Er hebt den Blick und schüttelt kurz den Kopf. ‚Ich muss raus, Jakob. Kann das nicht mehr, halt das auf Dauer nicht aus. Es macht mich kaputt.’
Ich nicke, so, als verstünde ich, warum genau er aufhören muss. Habe aber keine Ahnung. Wie auch – hab mir ja selbst noch nie die Fresse polieren lassen müssen, geschweige denn, das regelmäßig gemacht.
‚Gabi meint, es könnte ums Geld gehen – ist es das Geld, Eric?’
Er schüttelt sofort den Kopf. ‚Mann, die Kohle stimmt. Für das bisschen Zeit.’
Eric hat Recht – die Briefings sind gut, die Jungs haben immer alle Infos, die sie brauchen. Müssen sich selbst kaum noch um was kümmern, das machen alles wir. Bekommen die Bilder vom Kunden, die genauen Details und sogar Vorschläge für passende Treffpunkte. Dann sehen sie sich den Kunden meist ein, zwei Mal an, hängen sich eine Weile dran, und dann haben sie ihr ‚Date’. Und das dauert ja nun auch nicht besonders lange. Jungs lieben kurze Dates – selbst wenn’s danach kein Sex, sondern Schläge gibt. Kurz ist gut.
‚Das Ganze nimmt einfach zu viel Raum ein – du denkst zu oft dran. Du gehst rauf auf die Straße, und die Art, wie du mit Leuten umgehst, verändert sich. Du guckst jeden an, vercheckst ihn - was wäre wenn du ihn jetzt angehen müsstest? Musst du aber nicht – die wollen nur dein Bier kassieren, dich nach dem Weg fragen oder sonst was. Verstehst du, Jakob, es verändert deine Wahrnehmung.’
Ich nicke. Ich fange an zu begreifen, worum es ihm geht.
‚Und irgendwann reicht’s auch mit dem Einstecken – ich habe erstklassige Nehmer-Qualitäten entwickelt. Aber irgendwann muss ich aufhören, immer nur den Arsch hin zu halten.’
Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile, wie gut das Ganze inzwischen läuft, wie froh er ist, dabei gewesen zu sein, und irgendwann stehen wir auf, er schüttelt mir die Hand, und dann geht er. Hau rein, Eric!
Ich telefoniere kurz mit Gabi, sag’ ihm, dass uns ein Mann fehlt, und denke dann darüber nach, was Erics Ausstieg für uns bedeutet. Für mich bedeutet.

‚Das ist nicht dein Ernst’ sagt Gabi und setzt sich mir gegenüber auf die Kante des Schreibtisches. Ich nicke langsam, um ihm klar zu machen, wie ernst es mir ist. Keine Ahnung, ob mir das gelingt. Man sieht im Leben selten so cineastisch aus wie man sich fühlt.
‚Erstens fehlt uns ein Mann – damit löse ich dieses Problem, zumindest kurzfristig. Dann will ich wissen, was das für die Jungs bedeutet. Was Eric so fertig gemacht hat. Wir können die nicht losschicken, ohne selbst eine Ahnung davon zu haben.’
Gabi stößt sich ungeduldig vom Schreibtisch ab und kommt auf mich zu. Vielleicht kann ich gleich anfangen, das Einstecken zu lernen, schießt es mir abwegig durch den Kopf. Er guckt mich kurz an, mit so zusammengezogenen Augenbrauen, aber ich weiche nicht zurück. Kann ich auch nicht, lehne ja schon am Fensterrahmen.
‚Ach komm, tu nicht so, als würde es hier um die Arbeit in den Diamantminen am Kap gehen’, sagt er dann verächtlich und zieht sich zum Schreibtisch zurück. Ich schüttele den Kopf. So leicht lasse ich mich nicht ausmanövrieren.
‚Du weißt genauso gut wie ich, dass das kein 0815-Job ist, den wir da von den Jungs verlangen. Das ist hart – und so gut zahlen wir nicht.’
Gabi winkt ab.
Ich fahre fort: ‚Und schlussendlich: Ich muss wissen, ob ich das kann.’
‚Ach, hör bloß auf mit der Jackass-Scheiße’, regt er sich auf. ‚Klar kannst du – was ist schon dabei?  Glaub mir, Jakob, du wirst dich nicht als großer Held fühlen, du wirst nicht karmisch wiedergeboren – das ist alles absoluter Mumpitz.’
Ich drehe mich um, schaue aus dem Fenster, auf die Straße. Noch so ein Kintopp-Moment. Gleich sage ich: Das habe ich so nie gewollt, Kleines.
‚Mann, Gabi, mir geht’s nicht drum, mir selbst oder irgendwem sonst was zu beweisen. Ich will einfach nur wissen, ob ich das kann. Und gut ist.’ Bevor er etwas sagen kann, füge ich hinzu: ‚Früher hätte ich es gekonnt. Ganz easy. Das weißt du.’
Natürlich weiß er das – aber zugeben tut er es nicht. Schüttelt nur wieder den Kopf.
‚Also gut, Jakob, den nächsten bekommst du.’

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Kitten (36) (24.02.2009)
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Mutter meinte dazu am 24.02.2009:
Dachte, Du willst nicht Gabi, sondern Juri?
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Kitten (36) antwortete darauf am 24.02.2009:
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Kommentar von Steinwolke (65) (24.02.2009)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Mutter schrieb daraufhin am 24.02.2009:
Hört auf den Mann, der weiß, wovon er spricht!

Danke schön.
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