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von kaltric

13. 06. 3979, Almez

Geliebte Schwester,
endlich finde ich Zeit, dir wieder einmal zu schreiben. Vor wenigen Tagen gelangten wir an unserem Ziel an: Die Stadt Almez in Nardújarnán. Unsere Reise verlief größtenteils ruhig, bis auf wenige Unstimmigkeiten in der Besatzung und einem Vorfall: Ich schicke dir eine Abschrift des Tagebucheintrages mit, der dir erklärt was ich meine. Darum nun, bevor ich anfange diese für mich neue Welt dir zu schildern, meine Bitte an dich: Lies den Eintrag und lass bitte für mich in Rardisonán nach Puidor suchen, wie ich ihn dir beschrieben hatte. Ich muss wissen, was mit ihm ist. Es hat allergrößte Wichtigkeit!
Nun lass mich dir aber diese wunderbare fremde Welt schildern. Seit einigen Tagen fahren wir an der Küste von Nardújarnán entlang und zum zweiten Mal legten wir nun an. Das erste Mal in Abajez im Lande Galjúin. Dieses sieht aus, wie man sich Nirza vorstellen würde, nur wärmer als selbst in dessen wärmsten Wintern. Genau genommen selbst wärmer als es bei euch ist: Der Sommer liegt schon fast hinter uns, doch selbst wir Nordländer schwitzen noch in der Sonne. Galjúin also war ein zerklüftetes Bergland, durchbrochen von zahlreichen unregelmäßigen Buchten und dafür Berge, die bis in das Meer hinein reichten. Zahlreiche Wäldchen schmückten diese Berge.
Almez dagegen liegt im Lande Tadúnjodonn an einer weitläufigen Bucht, die ihren Namen trägt. Tadúnjodonn (und wieder kann ich mich nur auf das berufen, was mir erzählt wurde), eine wohl eher ländliche Gegend, gehört zum Hauptteil Nardújarnáns, zum Herzen, dem Teil, welcher der restlichen Welt allgemein besser bekannt ist doch immer noch nicht dem Bild gereicht, dass man so von Nardújarnán hat. Almez ist eine ruhige Hafenstadt. Das Land hier ist nur leicht hügelig, dafür soll es jenseits dieser Hügel in eine weite Ebene auslaufen, die Ebene von Atáces, in welcher die Stadt gleichen Namens liegt, die Hauptstadt von Tadúnjodonn. Dieses Herz Nardújarnáns soll auch der am dichtesten bewohnte Teil des Landes sein. Es beginnt mit Galjúin und reicht über Tadúnjodonn lediglich bis ins Nachbarland – und das, wo Nardújarnán doch mehr als doppelt so groß ist! - das meiste ist halt noch kaum erforscht. An den Rändern von Nardújarnán findet man im Westen die Gebirge, im Norden die weiten Wälder und Flüsse, in Süd und Ost das Meer. Und hier, im Herzen Nardújarnáns selber, die Flussländer im Westen, das Bergland von Galjúin, die Gebirge an der östlichen Küste, gen Norden die Flüsse, Seen und Wälder und hier im Süden und Südosten die weiten Ebenen, welche den gewaltigen Lauf des Tajazi, des großen Stroms, umgeben.
Du siehst, ich bin begeistert von diesem Lande, und das, obwohl ich bisher nur zwei Städte und etwas Küste gesehen habe. Doch glaube ich nicht, dass es mich hier lange halten wird und tatsächlich habe ich bereits Gerüchte vernommen, die besagen, dass man Teile von uns bald erneut versetzen will, diesmal nach Atáces. Ich frage mich, warum man das sollte. Atáces ist hierzulande das, was Rardisonan im Westen ist: die Hauptstadt der Krieger. Von dort aus werden die meisten Handlungen der Armee gesteuert. Nun, ich werde ja sehen. Jedenfalls habe ich mich gestern bereits bei der Briefstelle erkundigt, als ich eine Nachricht für Garech – erinnerst du dich an ihn? - aufgab und mir wurde gesagt, selbst wenn wir einmal versetzt werden sollten, kann unsere Post weiterhin nach Almez gesendet werden, von wo man sie dann weiterleitet.
Der Mann in der Briefstelle war übrigens ein Eingeborener dieser Lande. Man sieht einige von ihnen in den Straßen; sie haben sich den Toljiken hier gut angepasst. Doch mir wurde gesagt, es gibt auch noch viele von ihnen draußen in ihren alten Dörfern, mit ihren alten Sprachen und Bräuchen. Die Toljiken unterstützen sie teilweise, andererseits kümmern sie sich nicht viel um sie. Die meisten Stämme in Nardújarnán - die noch nicht weit entwickelt zu sein scheinen, was wohl daran liegt, dass die gewaltigen Berge alle Landreisen aus dem Westen wie beispielsweise Irlost verhindern – dulden ihrerseits die Toljiken auch wie Nachbarn auf ihrem alten Land. Ich kann mir das irgendwie kaum vorstellen. Aber andererseits sind die Toljiken hier schon etliche Jahre und wer weiß, wie es anfangs war. An den Grenzen der Länder jedenfalls, draußen in den dichten Wäldern, sollen die dort Lebenden den Toljiken weniger gut gesinnt sein. Couccinne meint, er traue den Eingeborenen nicht; dass sie sich eines Tages auflehnen und sich rächen würden – Miruil würde sich darauf wohl freuen.
Ich muss dir auch noch etwas über die anderen erzählen. Du weißt, ich vertraue Menschen weder leicht noch schnell. Bei vielen dieser Männer mag Misstrauen auch mehr als angebracht zu sein. Die meisten derer, mit denen ich bisher am meisten zu tun hatte, habe ich dir bereits geschildert: den nüchternen Couccinne, den abenteuerlustigen Miruil, den geheimnisvollen Jimmo und den gefährlich wirkenden Oljó. Doch lass mich dir nun von zwei weiteren erzählen.
Zuerst unseren alten Ausbilder aus Rardisonan, den Caris Duimé. Der Caris kam mit uns nach Nardújarnán. Er redet nicht wirklich mit uns, hält sich eher abseits – so wie er mir in der Ausbildung vorkam, am ehesten aus Überheblichkeit. Nun ist er aber unser Vorgesetzter und Truppenleiter, hier in der Guigans Almez auch unser weiterer Ausbilder. Klar kommen muss man also mit ihm. Aber es war schon eine Überraschung, ihn am ersten Tag unserer Ankunft bei den abendlichen Übungen plötzlich wieder als tonangebend anzutreffen, war er mir doch an Bord des Schiffes irgendwie nie aufgefallen. Sehr seltsam.
Der Zweite von dem ich dir berichten möchte, ist Scaric-tar-Garshan aus Toch-Bas. Scaric ist ein lebensfroher Mann mittleren Alters, mit dunkler Erscheinung – wie die Leute aus Toch-Bas halt sind. Sein Körper ist groß und schlaksig, doch zeigt er sich in den Übungen als sehr gewandt. Wenn man mit ihm spricht, hängt der Blick unwiderstehlich schnell fest an seiner beeindruckenden Hakennase. Zwar habe ich aufgrund seines starken Akzents stets Schwierigkeiten ihn zu verstehen, doch macht sein Witz und seine freundliche Art dies schnell wett. Stets frage ich mich, ob sich nicht doch etwas Schlechtes hinter seiner Art verbirgt. Auch wollte er nicht darauf eingehen, warum er ausgerechnet zur Armee des Nachbarn seines Heimatlandes gegangen ist, sondern winkte er bei dieser Frage nur mit der Bemerkung ab, dass seine Heimat zu klein und friedlich sei und man, um Abenteuer erleben zu können, schon Seefahrer werden oder zur toljikischen Armee müsste. Doch so recht glaube ich ihm nicht, dass dies seine einzigen Gründe seien. Scaric ist neu bei uns seit wir Abajez verließen, er ist bereits seit zwei Jahren in Nardújarnán und kennt sich hier also noch am besten von uns aus.
Das war es erstmal zu diesen Bereichen. Ich werde versuchen, dir mit diesem Brief einige Samen einheimischer Pflanzen mitzuschicken, weiß ich doch, wie sehr du dich für so etwas begeisterst. Versuche sie anzubauen und berichte mir die Ergebnisse. Und wie verläuft deine Ehe bisher? Was macht Mutter? Und hast du in letzter Zeit Ccillia mal wieder gesehen? Wie geht es ihr und was macht sie? Ja, ich möchte es doch wissen.
Jetzt muss ich aufhören. Für heute habe ich frei und mir einen Einheimischen angeheuert, der mir die Umgebung der Stadt und vor allem den wunderschönen Strand zeigen soll. Solltest du je auf Reisen gehen, musst du ihn dir unbedingt ansehen! Wenn es hier schon so aussieht und es solch wundersame Tierarten gibt, wie mag es dann wohl erst im Landesinneren sein? Ich muss die Gelegenheit mir dies anzusehen nutzen, bevor wir doch noch versetzt werden. Ich werde versuchen Zeichnungen von allen meinen Begegnungen anzufertigen, die ich dir das nächste Mal mitschicke.

Dein Falerte


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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Der Schrecken aus Nardújarnán. Lehrjahre eines Helden..
Veröffentlicht am 25.03.2009. Textlänge: 1.252 Wörter; dieser Text wurde bereits 2.398 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.08.2020.
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dein postkoitales dämliches Lächeln ist alles, was uns erhalten bleibt, auch wenn wir uns schon längst nicht mehr lieben, meistens reicht mir das. (Lucifer_Yellow) Sie mögen wohl keine Veränderung, bemerkt klugscheißerisch mein Psychologe, ich glaubte, jetzt ist der Moment gekommen, mir einen neuen zu suchen, der mich vor langen selbstgefälligen Überschriften in meinem Leben bewahrt. (Lucifer_Yellow) im Wörterbuch nachgeschaut (eiskimo) Funklöcher in aller Breite (Matthias_B) ΕΛΛΑΣ 1980 (W-M) wir waren atomdichter (W-M) Iceland (jennyfalk78) Nebelwald (wa Bash) Der Martial vom Engelbosteler Damm (toltec-head) Zum Thema Individualismus (Waschenin) und 29 weitere Texte.
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