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voll – total – echt: irgendwie – cool – geil: Ich sag mal. Sprachkritische Betrachtungen

Flugblatt


von asmin

https://www.facebook.com/pages/Es-lebe-der-König/472118606198000
http://paulfehm.wordpress.com/
Junge Literatur aus Heidelberg. Literarischer Blog.

Bewusstlosigkeit im Reden ist Ausdruck allgemeiner Ohnmacht. Man wehrt sich in unbewussten Äußerungen, wie in den Regungen eines Traumes, gegen die gespenstische Leere, die absolute Relativität und die Lüge. Irgendwie geht da was vor sich: wenn man nur sagen könnte, was.

voll
voll gut, voll schlecht, voll voll, voll wenig. Wird ein Umstand voll bis zum Superlativ gesteigert, so bedeutet dies ein Maximum an Intensität. Wird nun aber durchgehend jede Erfahrung zur Sensation, jeder Ärger zum Skandal und jedes Geschehen zur Katastrophe, ein jeder Misstand zur Krise, so ebnet die Sprache, gegenwendig, Erfahrung ein und nivelliert alles, alles zu einem faden, mittleren Brei, der nach überhaupt nichts mehr schmeckt. Die Logik der Erlebnisindustrie gerät an ihrem Scheitelpunkt in voll die Groteske suizidaler Selbstüberbietung: je mehr sie vorgeben muss zu sein, desto schwieriger wird es ihr, überhaupt noch zum Erlebnis zu verhelfen.
Ein Leben aber, das sich vorgeblich ständig am Limit des voll Erfahrbaren bewegt, bietet selbst bald keinerlei Spannung mehr; ununterscheidbar dümpelt man im lustlos Aufgeregten dahin, und versucht verzweifelt, sich selbst zu überzeugen, der Alltag sei das Außergewöhnliche.
Doch ist das Wort klüger als der Mund. Sprache schlägt dem, schadenfroh, ein Schnippchen. Im schalen Nachhall des Wortes entblößt das so vollmundig abgeschmeckte voll die klaffende Leere, die Ödnis dahinter.
Doch Vorstellungen wie Lebensfreude, das halb-volle, nun ständig überschwappende Glas, liegen nach wie vor voll im Trend. Und wer sich selbst im lauten Glück nicht mehr reden hört, der glaubt auch bald daran, was er bewusstlos, und total cool, immer und immer wiederholt. Die Leere der Warenwelt füllt sich scheinbar an, mit Phrasen und ständig frustrierter Lust, der immer abgeht, wonach sie gerade giert.

total
Wann immer etwas total und damit für den gesamten angesprochenen Bereich gelten soll, ist unwidersprechlich etwas festgesetzt. Widerspruch zwecklos: die Parole der großen Entmündigung und Feind jeder Dialektik. Dass dem gegenüber Einspruch fast total unterbleibt, ist Ausdruck des seltsamen Unbehagens an allem Nicht-Festgesetzten, nicht Endgültig-Geklärtem. Warum sich mit Einzelheiten aufhalten, mit Lärm um bloße Worte und Standpunkte, wenn die Marschrichtung doch so klar vorgegeben ist?
Alles oder nichts, ganz oder gar nicht, voll oder nichts: man kriegt nur noch das Totale. Tod der Ästhetik, ja in der Konsequenz Tod von Wahrnehmung überhaupt: der vom Dauer-Schock verstümmelte Geist vegetiert dahin, und nichts kann ihn mehr reizen, nichts bewegen.
In toto: wer sagt, etwas gelte total, sagt damit jeder Kommunikation im Voraus ab. Er will den anderen informieren, auf seinen Stand bringen. Seine Relation zum Anderen besteht im Überraschen, in der Überwältigung des Anderen in das Eigene. Er misstraut grundsätzlich jeder Rede, die eine Gegenwendigkeit, oder nur das Potential einer eingestandenen Perspektivität, und damit von Reflexion, in sich tragen könnte. Was nur eingeschränkt, nicht total gültig sein soll, das erscheint per se verdächtig. Wer nicht total für mich ist – : Schibboleth des allgemeinen Terrors in einer vermessenen, maßstabslosen Welt, die Probleme echt lieber absolut  löst, anstatt sie als solche zu gewahren.

absolut
Das Wörtchen total hat eine hässliche Schwester: man nennt sie absolut. Sie heißt wie ein Wodka und ungefähr so gesund ist sie auch. Während total alles einem Begriff unterwirft, das Detail dem Ganzen, das übrigens weder wahr noch unwahr ist, unterjocht, will das Absolute das von allem Einfluss Gereinigte. Es ist niemandem unterworfen, es existiert selbstgenügsam als Ding an sich. Absolut löst etwas ab vom Zugriff des Menschen, in einen unnahbare numinose Sphäre. Über das eine aber, das an sich absolut existiert, über das kann man echt gar nichts mehr sagen. Es ist absolut vollkommen und damit total immun gegen Kritik. Das absolut Richtige will automatisch jene unwiderlegbare Wahrheit sein, über die man sonst so gern die Nase rümpft.

echt
Die beständige allgemeine Versicherung, nicht zu lügen, bezeugt, wie allgemein und notwendig das Lügen doch ist. Das Prädikat, der rohen Werbesprache entlehnt, der akzeptierten Lügenmaschinerie schlechthin, bleibt seiner Herkunft treu. Es ist nicht mehr als der Versuch, etwas als echt einmalig und echt original, damit als echt attraktiv zu deklarieren: eine Wurst etwa – und der Geruch von Fleisch haftet allem Echten unwiederbringlich an, verpackt man das Echte auch heutzutage so gern in Plastikwörtern. Das Resultat: ein sonderbar Besonderes und schreiend Authentisches, das darin der allgemeinen Lüge gleicht.
Weder Aufrichtigkeit noch Originalität verbürgend, ist diese Sprachverwendung Teil der pseudoauratischen Sprache von Klonen, die nachblubbern, was man ihnen aus allen Ecken zugleich zuraunt: dass sie alle einmalig und besonders seien, sie müssten nur irgendwie tun, was man ihnen sagte, und es brav weitersagen. Psst…, aber das war echt gelogen (supi-geil!). Lebe meinen Traum.


irgendwie
Das Eingeständnis völliger Inkompetenz in näherer Bestimmung dessen, was man eigentlich sagen will,  liegt in der Konsequenz der schon beschriebenen semantischen Entleerung. Ist jede Möglichkeit der präzisen Qualifizierung durch ständigen Superlativ voll vergeben, bleibt nur Regress in die Betonung des Nicht-Semantisierbaren und der eingestandenen Möglichkeit eines dämonischen Restes, der sich der eigenen Rede irgendwie entzieht. Stoßtrupp unbekümmerter Irrationalität. Wo ein Wille zum Nicht-Wissen ist, ist auch ein Weg.
Worüber aber nicht zu reden ist, darüber ist noch nicht einmal zu streiten. Der Streit: fast das letzte Residuum menschlicher Dialogizität, kapituliert, ehe er entstehen kann. Die Worte fallen einem so aus dem Munde, und irgendwie, man weiß nicht, wie einem geschieht,  geht da draußen geisterhaft etwas vor sich. Worüber man nicht reden kann, darüber sollte man: wieder zu reden lernen. Das wäre cool.

cool
Der Mensch als Kühlschrank. Sehr praktisch, denn dann ist der mal endlich zu etwas nütze. Möchte man ein erregendes Moment, Attraktion, mit dem abweisenden, alle Regung einfrierendem cool bezeichnen, gesteht man in actu ein, dass es damit nicht weit her sein kann. Denn das Coole kann einen kaum tangieren. Neue Würfel für den schmierigen Longdrink, den alle Sinne vernebelnden Rausch, der lange schon kein prophetischer mehr ist, sondern nur noch, jeder Tag ein Festtag,  die allgemein verordnete Desorientierung regelt.
Das Angenehme, Coole, ist wie die Klimaanlage: die Simulation idealer natürlicher Verhältnisse, die alle Intervention vergessen lässt. Darin lässt es sich voll behaglich einrichten. Alles Nicht-Coole aber verlangt eine Reaktion. Das Coole ist das Immergleiche: das Sein in einem Aggregatzustand, der keinerlei Aktivität verlangt und alles rings vergessen lässt: der erschöpfte russische Soldat, der zum Sterben in den Schnee sich legt – der Fernseher tuts auch (wie geil ist das denn?).

geil
Pornographie, der zerstörten Sprache eingeritzt. Das frustrierte Lustprinzip ist in ihm Wort geworden: der stärkste Stimulus gewinnt und verliert doch eben darin allen Wert. Enttäuschung spricht aus diesem Wort: Gegen-Rede, als der verzweifelte, weil unmögliche, Wunsch nach Keuschheit in einer mega-geilen Zeit. Der Versuch, durch Abstumpfung sich vom Pin-Up zu lösen und dabei die Befestigung desselben. Der erotische Overkill scheint noch nicht erreicht. Er wäre Umschlagpunkt der Sucht ins Nichts, denn wenn erst einmal alles geil ist, ist nichts, ich sag mal: gar nichts mehr begehrenswert.

Ich sag mal: ich helfe dir. Davon kannst du zumindest ausgehen. Das ist sozusagen versprochen. Man könnte vielleicht auch sagen: sei so frei und verlass dich auf mich. Doch bedenke, dass, wenn ich dir nicht helfe, weil ich es ja quasi nicht versprochen habe, und du dich darauf also nicht verlassen kannst, weil eben alles, was man sagt, gewissermaßen relativ ist, dass du dich nicht beschweren kannst, wenn nichts daraus wird. Es war, wie sagt man, unter „Vorbehalt“ gesprochen. Dafür, wie du das Ganze auffasst, dafür kann ich schließlich nichts.
Warum Ironie so prima ist: weil sie den Vorteil hat, keinen Nachteil zu haben.

Wer meint, all das seien doch nur voll  harmlose Phrasen, Worte die total gar nichts bedeuteten, dem sei gesagt, dass auch dies nichts ist: als eine echt harmlose Phrase, die doch allzu viel bedeutet, nämlich dass man selbst ablassen will davon, etwas sagen zu wollen, und nur noch bewusstlos repetiert, was schon vor- und eingesagt wurde. Das Urteil, es ist, es scheint unausgesprochen schon vollstreckt. Und das wäre, das ist irgendwie weder cool noch geil. Ganz im Ernst.

Anmerkung von asmin:

https://www.facebook.com/pages/Es-lebe-der-König/472118606198000
http://paulfehm.wordpress.com/


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von asche.und.zimt (24) (06.05.2009)
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toltec-head
Kommentar von toltec-head (08.09.2013)
Das Wort "cool" mag ich im Gegensatz zu dem sehr uncoolen Wort "tangieren", das in deinem Text vorkommt, sehr. Adorno, der dich sprachlich gefHier stand ein unkultivierter Ausdruck!t zu haben scheint, nannte Fremdwörter mal die Juden der Sprache. Doch ist dies blöd. Denn es gibt coole Juden aber keinen coolen Fremdwörter.
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Veröffentlicht am 06.05.2009, 7 mal überarbeitet (letzte Änderung am 05.03.2017). Dieser Text wurde bereits 2.344 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 17.12.2018.
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