Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Hannelore (05.12.), pawelekmarkiewicz (28.11.), Graeculus (28.11.), keinleser (25.11.), Sandfrau (18.11.), Loewenpflug (14.11.), Tigerin (12.11.), Seifenblase (12.11.), Marty (05.11.), Slivovic (22.10.), C.A.Baer (19.10.), Swiftie (15.10.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 666 Autoren* und 78 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.914 Mitglieder und 431.443 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 08.12.2019:
Limerick
Der Limerick ist ein aus Großbritannien stammendes, fünfzeiliges Gedicht mit dem Reimschema aabba. Dabei sind die... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Marotte von niemand (20.11.19)
Recht lang:  Rotkäppchen und der Wolf für große Kinder von Dieter Wal (359 Worte)
Wenig kommentiert:  lachgas - limerick von harzgebirgler (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  herr timmermans sprach zu herrn weber von harzgebirgler (nur 48 Aufrufe)
alle Limericks
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Illusionen der Macht
von Der_Rattenripper
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil ich kommunizieren möchte" (Agneta)
InhaltsverzeichnisDer Tod des blauen Aras

Das Wasser des Lebens

Märchen zum Thema Liebe und Hoffnung


von Dieter Wal


Dieser Text gehört zum Projekt Liebe in Lyrik und Prosa.


Und er zeigte mir einen Strom: das Wasser des Lebens, von leuchtender Klarheit, gleich einem Kristall.
*


Das Land war verheert. Auf den Feldern lagen Krieger in ihrem Blut. Stürme zogen darüber. Äste brachen, Bäume fielen um. Die Natur wehrte sich auf ihre Weise. Sie schien beleidigt zu sein. Die Wiesen wurden braun. Die Tiere in den Ställen starben an seltsamen Krankheiten. Wer von den Menschen vom Krieg verschont worden war, starb an der Pest. Immer wieder zogen Prozessionen durch die Straßen. Manche Menschen hatten sich aus Angst vor Ansteckung  schwarze Vogelmasken aufgesetzt. Doch auch das half nichts. Sie bekamen Flecken und Pestbeulen wie sie. In diesen Tagen hatte der Prinz seltsame Träume. Obwohl alle Musikanten an der Pest gestorben waren, hörte er im Traum vor dem Schloß eine wundervolle Musik. Dort klangen Schalmeien und lustig gackerten die Schnabelhörner. Eine junge Frau sang mit einer Stimme, die ihn das Leid der letzten Jahre vergessen ließ. Er sah hinab, doch da war niemand. Er rief, doch keiner antwortete. Nur die Musik erklang, als ob sie schon immer gespielt worden wäre. Er eilte die Treppen hinab, rannte durch das menschenleere Schloß, kam vor die Burgmauer, aber da war niemand. Plötzlich sah er eine Tür. Es war eine dunkle Eichentür mit schweren Eisenbeschlägen, die er nie vorher gesehen hatte. Das Gras vor ihr war braun  wie alles Gras dieser Zeit. Doch die Sängerin schien ihn von dort zu rufen: „Komm, tritt herein, sprich mit dem König!“ Da erwachte er.

Der König war an der Pest gestorben. Erst vor einer Woche. Sie hatten ihn hastig begraben. Weil der Krieg und die Pest fast jeden besiegt hatte, war der Prinz noch der Prinz und der König noch der König. Nachdem er erwacht war, ging er zu Abraham dem Prinzenerzieher. Abraham saß in seinem Labor und suchte nach dem Stein der Weisen. „Komm herein“, sprach er, ohne sich umzusehen. „Was fehlt Dir?“
„Ich hatte einen sehr seltsamen Traum und möchte dich bitten, ihn mir zu deuten.“
„Und was träumtest du?“ Während mehrere Feuer glühten und Destillate in Tiegeln brodelten, erzählte der Prinz seinen Traum. Danach schwiegen beide. Abraham hatte seine buschigen Augenbrauen immer mehr zusammengezogen, bis er auch das aufgab und regungslos zuhörte. „Nun,“ sprach er, „Ich habe schon lange Gott gebeten, endlich mit der Verwüstung einzuhalten. Dieser Traum hilft uns. Wenn du das nächste Mal den gleichen Traum hast, öffne die Tür. Falls sie verschlossen ist, klopfe drei Mal und sprich: „Der Prinz klopft an!“ Jetzt schwiegen beide und sahen sich an. Dann lächelte Abraham und sprach: „Komm morgen um die gleiche Zeit und erzähle mir, was dir der König gesagt hat.“

In der folgenden Nacht hörte der Prinz schon bald dieselbe Musik. Wieder sang die süße Mädchenstimme. Wieder rief sie leise hinter der Eichentür: „Tritt herein.“ Der Prinz versuchte die Türe zu öffnen. Sie war versperrt. Da schlug er drei Mal an das Holz und sagte mit lauter Stimme: „Der Prinz klopft an!“

Die Türe öffnete sich. Bevor er eintrat, ging ihm eine tiefe Stille voraus. Die Luft stand kühl in diesem Gang. Ein tiefer Schacht führte in das Innere der Erde. Am Ende des Ganges sah er schwaches oranges Licht. Die steilen Sandsteinstufen waren so glatt, daß er meinte, sie wären neu. Als er unten angelangt war, sah er eine runde tiefschwarze Kuppel, die von einer Fackel erhellt wurde.

In der Mitte des Saales stand ein dunkler Marmorthron, dessen Lehne ihm zugewandt war. Das Licht der Fackel flackerte. Er ging um den Thron herum. Darauf saß sein Vater. Seine Krone funkelte, in seinem Bart glänzte es wie Silber und Gold. Seine Augen waren geschlossen. Er schien zu schlafen. Der Prinz trat zu ihm und sprach freundlich in sein Ohr: „Erwache Vater, sprich und sage mir, was ich tun soll.“ Da öffnete der alte König die Augen und sagte: „Laß mich schlafen. Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

„Vater, ich glaube das ist ein Traum. Ich bin zu dir gekommen, damit du mir sagst, was ich tun soll. Denn sieh, dein blühendes Reich wurde ein Land des Todes. Die Erde ist schwarz von Verwesung. Auf den Feldern liegen Landsknechte, die niemand begräbt. Die Vögel, die sie fressen könnten, sind tot wie die Soldaten. Die Säuglinge starben vor ihren Müttern. Das Gras der Erde ist fäulnisbraun, Stürme entwurzeln die Bäume, ihre Äste treiben keine Blüten. Dein Reich ist tot.“ „Laß mich schlafen. Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Der König schloß die Augen. Sogar die Fackel schien schwächer zu brennen. „Dein Reich wird bald so aussehen wie unsre Burg.“

Da öffnete der König seine Augen. Fast schien er belustigt. „Du willst wissen, was du tun sollst. Geh zu Abraham, fordre den Zahn des roten Löwen.“ „Danke, mein Vater. Und nun schlaf.“ Doch der König hatte schon bei den Worten roter Löwe die Augen geschlossen und schien aus großer Ferne gesprochen zu haben. Der Prinz stieg die Stufen hinauf und zog die schwere Türe hinter sich zu. Plötzlich setzte die Musik wieder ein. Aber es war nicht zu ergründen, wo sie herkam. Das Mädchen sang, als ob es Grund zur Freude gäbe.

Diesmal beschäftigte sich Abraham nicht mit seinen Retorten. Während der Prinz das Labor betrat, las er in einem alten Buch. Er nahm die Augengläser von der Nase und sah ihm entgegen. „Nun?“
„Hinter der Türe waren steile Stufen, die mich hinab führten. Unten saß nur von einer Fackel erhellt auf einem schwarzen Marmorthron mein Vater und schlief. Ich weckte ihn. Aber er wollte schlafen und sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Als ich von aller Ehrerbietung abließ, blieben seine Augen offen und er sagte mir, ich solle den Zahn des roten Löwen von dir fordern. Was ist das?“

„Du weißt, daß ich nicht nur an den Hof deines Vaters gekommen bin, um für deine Erziehung zu sorgen oder dir in Dingen des Lebens zur Seite zu stehn, bis du selbst König bist. Seit vierzig Jahren erforsche ich die königliche Kunst.

Zum großen Werk, von dem ich vor dir schon gesprochen habe, gehört die Frau, ohne die unsere Suche nach Vollkommenheit nicht möglich wäre. Ich bin zu alt, das Werk zu vollenden, doch du wirst mit Gottes Hilfe, dem Zahn des roten Löwen und einer Frau das Reich des Todes ins Leben zurückführen.“

„Nie habe ich von einer solchen Frau gehört. Warum sprichst du erst jetzt von ihr? Und warum sind wir uns vorher nie begegnet?“
„Wenn eure Zeit gekommen ist, werdet ihr euch finden. Ich zog sie auf wie dich.“


Dieter Wallentin






Dank meinem Lieblingsonkel Wunigar Wallentin, dem Arzt. Ohne sein Gespräch über Vaterbilder wäre das Märchen nicht entstanden. Das Bild vom gestorbenen Vater auf dem Thron im Erdinneren kam von ihm während unserer Unterhaltung. Schon damals wollte ich, als ich dieses großartige Symbol hörte, ein Märchen darüber schreiben.


*) Offb 22,1, Ü.: Emil Bock

Anmerkung von Dieter Wal:

Das Märchen entstand um die Jahrtausendwende kurz vor und nach Weihnachten. Sein fragmentarischer Charakter ist beabsichtigt.










Update: 31. Mai 2015, 12:49.


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Thothemh (53) (07.08.2009)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
Dieter Wal meinte dazu am 07.08.2009:
Lieber Theo Emanuel,

bin geplättet von deiner Exegese, die um Theologie, Gnosis wie Alchemie kreist. Dir ähnlich sehe auch ich in all diesen Disziplinen dichterische Schönheiten. Ob nun biblisch, gnostisch oder die poetisch eher surrealistische Bildsprache der Alchemisten. Ich dachte übrigens nicht so weit wie du mit der Hure Babylons der Johannesoffenbarung. Aber diese Deutung liegt durch das Motto im Umfeld möglicher Interpretationen, was den Text zusätzlich bereichern kann. Versuchte mich einmal in Zuordnungen anhand des Pentagrammsymbols, was für mich anregend war, aber selbstverständlich absolut unnötig, um das Märchen zu verstehen.

Gruß
Dieter

PS: Falls du die NT-Übersetzung Klaus Bergers und Chr. Nords mit frühchristlichen Schriften bis ins 3. Jh. nicht kennen solltest, sieh sie dir einmal an.
(Antwort korrigiert am 07.08.2009)
diese Antwort melden
Kommentar von MelodieDesWindes (36) (06.09.2009)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
Dieter Wal antwortete darauf am 31.05.2015:
Lieber MeDeWi,

Herzlichen Dank.

Dieter.
diese Antwort melden
Kommentar von lunaris von aquanta (23) (15.03.2010)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
diesen Kommentar melden
Dieter Wal schrieb daraufhin am 31.05.2015:
Liebe lva,

danke. Sehr schade, dass du nicht länger auf kV schreibst. Aber so begabt wie du bist, ist nur eines meines unmaßgeblichen Erachtens entscheidend: MACH WEITER. Ohne Wenn und Aber. Hör nie auf zu schreiben.

Herzlich
Dieter.
diese Antwort melden
ZornDerFinsternis
Kommentar von ZornDerFinsternis (27.07.2011)
Großartige Sache dies, Dieter!!! Ich bin am Zerschmelzen...und sehne mich nach der Auflösung/Fortsetzung... -seufz- ein wundervolles Märchen.
LG -knuddel-
Anni
diesen Kommentar melden
Dieter Wal äußerte darauf am 17.11.2013:
Liebe Anni,

für mich wird das Märchen erfreulicherweise gerade wieder wahr, was die Fortsetzung im Sinn der Liebe zu einer wahren Frau angeht. Dir wünsche ich dasselbe bezüglich eines möglichst wirklich zu dir passenden wahren Mannes und Freundes. Du weißt hoffentlich, dass du immer in jeder Hinsicht auf mich zählen kannst. Danke dir sehr für dein Lob.

Herzlich
Dieter
diese Antwort melden

InhaltsverzeichnisDer Tod des blauen Aras
Dieter Wal
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zur Fotogalerie
Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Mythen, Märchen und Legenden..
Veröffentlicht am 06.08.2009, 26 mal überarbeitet (letzte Änderung am 14.06.2015). Textlänge: 1.134 Wörter; dieser Text wurde bereits 3.143 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.12.2019.
Lieblingstext von:
ZornDerFinsternis.
Leserwertung
· geheimnisvoll (4)
· berührend (3)
· fantasievoll (3)
· ergreifend (2)
· nachdenklich (2)
· spielerisch (2)
· tiefsinnig (2)
· anregend (1)
· beunruhigend (1)
· düster (1)
· ermutigend (1)
· lehrreich (1)
· romantisch (1)
· schockierend (1)
· spannend (1)
· stimmungsvoll (1)
· traurig (1)
· unterhaltsam (1)
· wehmütig (1)
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Schlagworte
Tod Vater Gott Prinz Prinzessin Glück Liebe Alchemie Königliche Kunst Magie Weisheit Fragment Hermetik
Mehr über Dieter Wal
Mehr von Dieter Wal
Mail an Dieter Wal
Blättern:
nächster Text
Weitere 2 neue Märchen von Dieter Wal:
Leopold und der Wolf. Munkulus Furunkulus letzte Freuden
Was schreiben andere zum Thema "Liebe und Hoffnung"?
unbekannt verzogen (Perry) Wir sollten reden (sensibelchen13) Und wären wir jetzt beide hier (AndereDimension) Wie soll ich malen, was ich liebe? (Nismion) Geschenk des Lebens (Agneta) Die alten Lieder (millefiori) Weiter geben (Agneta) blind date (Perry) sie sagt: (Sekundärstille) Die Liebe (Peter) und 417 weitere Texte.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2019 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2019 keinVerlag.de