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Drama zum Thema Verfremdung


von theatralisch

Heute treffen wir uns mit dem Engländer, um die Fronten zu klären. Ich weiß nicht genau, was "Fronten klären" heißt, aber Sam hat es mir so erklärt: "Fronten klären heißt, dass man nicht auf der sicheren Seite ist und aufgrunddessen aufräumen muss."

Als ich wissen will, was er damit meint, macht er mich mal wieder saublöd von der Seite an: "Du nix checken wie immer, ha..ich sag dir das jetzt echt zum, sagen wir, mindestens zum vorletzten Mal, weil ich weiß, wie du bist und dass ich eh nicht gegen deinen Stumpfsinn ankomme. Du willst sicher wissen, was ich mit "aufräumen" meine. Aufräumen halt; aufräumen im Sinne von..ich muss unnötigen Ballast beseitigen, die Fronten klären..ach, du Scheiße..!"

"Okay, ich glaub ich habs, darf ich mich mal im Erklären versuchen, Sam? Okay, ich machs einfach. Also, du meinst bestimmt, dass wir denen, die uns das Geld schulden, die Birne wegpusten müssen, wenn die uns das Geld nicht geben? Und danach dann alles wieder aufräumen!"

"Ja, klar, du hast es. Du hast es gerafft. Aber du bleibst besser im Auto sitzen, bevor noch was schief läuft."

Ich fahre mit dem Auto vor, weil ich das besser kann als Sam. Er ist in anderen Dingen besser als ich; wie zum Beispiel im Erklären von schwierigen Vokabeln und im Überqueren eines Flusses, ohne dabei auf viertelter Strecke unterzugehen wie ein Sack voller Katzen und Steinen. Sam beugt sich zu mir rüber und klopft mir auf die Schulter; sagt: "Also, sagen wir, ich bin in 15 Minuten wieder da." Dabei greift er nach meinem Handgelenk und zeigt auf meine Watch: "15 Minuten, wenn der Zeiger bis nach hier gewandert ist, okay?!" Ich nicke stumm und glotze verstohlen auf die Uhr, wie um vorzutäuschen, ich hätte das mit den "15 Minuten, okay?!" verstanden. Sam sieht mich vorwurfsvoll an, seufzt kurz, stößt die Türe auf und dreht sich nochmal zu mir um: "Wenn ich in 15 Minuten nicht da bin, dann darfst du beten. Zu Gott oder zu wem auch immer. "Zu Gott", murmle ich. "Hm.", macht Sam, stellt seinen kaputten Fuß auf die Straße und zieht den anderen gleich mit raus. Das ist ihm beim Fußball passiert. Irgendein Junge stellte ihm ein Bein und seitdem hat er das. Ohne Schmerzen, nur mit Protese. Vielleicht war es auch anders; Sam hat ja laufend irgendwelche Unfälle, da blickt man schon gar nicht mehr durch.

Punkt fünf nach - ich lasse den Zeiger nicht aus den Augen - starre ich in Richtung Eingang und fixiere eine der Frauen, die dort in einer Reihe stehen, um sich zu sonnen. Eine ist dick, die anderen beiden sind schlank. Die Dicke gefällt mir nicht, die Schlanken schon. Die Dicke hat eine Zigarette im Mund. Ich mag es nicht, wenn jemand neben mir raucht. Dann fängt immer mein Auge an zu brennen. Die Dicke hätte ich aber auch so nicht gemocht. Ich mag lieber blonde Haare, nicht so sehr braune. Die Dicke ist braunhaarig, meine ich. Ich starre also auf die Frauen, die für diese Jahreszeit doch ziemlich unpassend gekleidet sind - mit ihren kurzen Röcken und Kleidern. Bin noch ganz in die Gedanken versunken, da sehe ich, wie eine der blonden Schlanken auf mich zukommt und kurz ein paar Zähne aufblitzen lässt. Ich will mich wegdrehen, aber ich will auch nicht, dass sie mich für einen ungehobelten Klotz hält. Also lächle ich zurück, obwohl mir in Wirklichkeit ziemlich der Schweiß auf der Stirn und um den Nabel herum ausbricht. Die Blondine steht jetzt neben meinem Auto und deutet mit der Hand auf mein Gesicht. Ich runzle die Stirn, weil ich nicht weiß, was genau sie mir damit sagen will. Denke aber, sie will mir sagen, dass mit meinem Gesicht was nicht stimmt. Blicke kurz in den Rückspiegel, kann aber nichts Sonderbares erkennen. "Hm.", mache ich, "Da is doch nix." und blicke wieder zur der Frau, die jetzt die Stirn  kraus zieht. Sie breitet ihre Arme aus, als wollte sie mir sagen: "Ja, was ist jetzt?" Das hat mir Sam mal erklärt: "Immer wenn dich jemand anschaut und länger warten muss, dann die Arme ausbreitet und so schaut wie die Blondine jetzt, heißt es, dass die sich frägt, was jetzt ist."

"Nichts.", zwische ich ein wenig verlegen, weil das doch recht lange mit der Antwort gedauert hat. Die Blondine hält sich die Hand ans Ohr. Ich rufe etwas lauter: "Niiichts!" Dann kapiere ich und lasse das Fenster runter: "Nichts.", wiederhole ich nochmal.

Die leichtbekleidete Frau sieht mich verdutzt an und sagt: "Wie, nichts?" Und ich: "Ja, nichts. Ist nichts." Und sie: "Hmmm, okay, ist also nichts. Wollte dich eigentlich nur mal fragen, was du hier so treibst und ob du nicht ein wenig Gesellschaft gebrauchen kannst?" Ich sehe erstaunt zu ihr rüber, werfe dann einen Blick auf meine Uhr und sage: "Aber..aber Sam kommt doch schon in sieben Minuten. Das dauert nicht mehr so lange." Sie lacht: "Achsoo, Sam kommt in sieben Minuten, das ist natürlich einleuchtend. Wer ist denn Sam, ein Freund von dir?" "Hmmmm..", mache ich. Sie dreht sich zu einer der anderen Frauen um, dann wieder zu mir: "Weißt du was, ich machs dir einfacher und setz mich mal kurz zu dir ins Auto, wenn dir das nichts ausmacht. Ist das ein Deal?" "De-al?", frage ich. "Hab ich schon mal gehört.", denke ich. Bevor ich antworten kann, reißt die Frau schon die Nebentür auf  und setzt sich im viel zu kurzen Kleid auf den Sitz.

"Aber Sam..", fange ich an.

"Sam, ach, ich bin Marie; und du bist?"

"Ich bin...ja, ich warte noch."

"Haha, dein Name, wie ist dein Name, meine ich?!"

"Ach ja, der, ich heiße Thomas."

"Okay, hallo Thomas."

Und weil ich nicht unfreundlich sein will: "Hallo, Marie."

"Thomas also, du wartest auf Sam?"

Werde nervös und kratze mich am Hals. Was die wohl will und so, blicke rüber zur anderen Straßenseite, begutachte meine Uhr, sehe die Blondine an, bekomme es mit der Angst zu tun: "Sam ist mein Bruder. Er ist dort drüben." Und ich deute mit der Hand auf das Gebäude, neben dem die anderen Frauen stehen.

"Ach, der Sam.", fängt die Blondine an. "Das ist also dein Bruder."

Und bevor sie weiterreden kann, kommt Sam auf das Auto zu, in dem die Unbekannte und ich sitzen, und schlägt grinsend die Hände vor der Brust zusammen. Ich öffne die Fahrertüre und rufe ein heiseres "Sam!" aus, woraufhin Sam "Ja, auf die Minute genau." erwidert; und: "Ihr habt euch schon angefreundet, du und..Marie?" "Hmmm", mache ich. "Ach, also nicht so, haha", sagt Sam. Marie und Sam lachen sich an, da steigt Marie aus dem Auto und Sam humpelt mit seinem kaputten Bein auf die andere Seite, um Marie zu umarmen und ihr einen Kuss zu geben. Eigentlich drei Küsse, einmal auf die eine und zweimal auf die andere Seite. Sam sieht in meine Richtung, flüstert ganz leise, M-arie lacht kurz auf und dann geht sie auch schon wieder, dreht sich nochmal kurz um und winkt Sam zu, ihr letzter Blick ist aber auf mich gerichtet.

"Sam..", sage ich, als Sam sich gekonnt ins Auto schwingt. "Ja?", sagt Sam. "Ich weiß nicht, wer das war, ich.." Und mir stehen schon die Tränen in den Augen, weil ich Angst davor habe, dass Sam wütend auf mich sein könnte, weil ich einfach so fremde Frauen ins Auto einsteigen lasse. Doch Sam lacht nur und sagt: "Ach, aber ich weiß, wer das war. Marie war das, kein Grund zur Sorge, ein nettes Mädchen; du hast nichts falsch gemacht."

"Aber was wollte denn M-arie?"

"Die wollte, mh; weißt du, was Nutten sind?"

"Hmmm.."

"Ist nicht so wichtig, dass man immer die Wörter kennt, weißt du; wichtiiger ist es, dass du weißt, mit welchen Menschen du es zu tun hast und die Marie war doch nett zu dir; oder Thomas?"

"Ja, die war wirklich nett."

"Na siehst du. Das ist doch die Hauptsache, dass du weißt, mit welchen Menschen du es zu tun hast und ob das welche von der guten oder von der schlechten Sorte sind."

"Okay, Sam. Das war also eine von der guten?"

"Das war eine von der guten."

"Und wer ist eine von der schlechten; die Dicke da drüben?"

Sam lacht und erwidert: "Ja, zum Beispiel. Aber glaub nicht, dass das immer so einfach zu erkennen ist, wer einer von der guten oder von der schlechten ist. Aber für den Anfang reicht das völlig aus."

"Aller Anfang ist schwer.", sage ich.

"Hmmmm", macht Sam und sagt: "Das stimmt; aller Anfang ist schwer, aber wenn das mal getan ist, kann man auch den Rest verkraften."

"N-u-t-t-e.", buchstabiere ich. "So?"

Sam antwortet nicht mehr und schläft neben mir friedlich ein. War ein langer Tag für ihn und eine Heidenarbeit für mich, den Tag so zu gestalten, dass er endet wie jetzt. Aber was eine Nutte ist, weiß ich bis heute noch nicht. Ich gehe immer nur zu den Huren.

Anmerkung von theatralisch:

Trama und Fervremdung.

[Deutscher] Titel übrigens "15 Minuten".


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von LudwigJanssen (54) (14.08.2009)
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theatralisch meinte dazu am 14.08.2009:
Ehrlich gesagt (ich mag es, das zu sagen) ist das noch nicht alles.
Aber gut, dass du das so siehst; wirklich gut.
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