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Kotz dich woanders aus, Angst!

Erzählung zum Thema Angst


von Mutter

Ohne nachzudenken klemme ich meine Wohnungstür mit einem der Dietriche auf. Den Schlüssel benutze ich seit Ewigkeiten nicht mehr.
Und erschrecke im Dämmerlicht des Flures, als ich Julia begegne. Sie hat den Wäschekorb in der Hand. Habe vergessen, dass  ich ihr zwischenzeitlich einen Schlüssel gegeben hatte.
Ihr freundliches Lächeln verwandelt sich in Bestürzung, als sie mein Gesicht erkennt. ‚Mein Gott, was ist passiert?‘ Sie setzt den Korb unsanft ab, kommt auf mich zu. Ich bin müde, will mich nur noch hinhauen. Die Euphorie, den Job überstanden zu haben, Mumm bewiesen zu haben, ist verflogen. Jetzt ist nur noch ein pochender, dumpfer Schmerz am ganzen Körper zu spüren, den ich wegschlafen will.
Julia hebt ihre Hand, berührt die blutigen Fetzen Taschentuch, die ich mir in die Nase gesteckt habe – statt Couscous. Ich zucke zurück.
‚Warst du in einer Schlägerei?‘
Ich nicke. Lächele kurz, streiche ihr mit dem Handrücken über das Gesicht. Will an ihr vorbeigehen, als sei mit der Frage und meiner Antwort darauf alles berichtet.
‚Jakob, rede mit mir!‘
Ich halte inne, sehe sie stumpf an. Zucke mit den Achseln. ‚Ich bin mit so einem Typ zusammengestoßen. Der ist ausgerastet.‘
‚Oh nein. Hast du die Polizei gerufen?‘
Ich schaffe es nicht, ein Grinsen zu unterdrücken. Verneine. Schaffe es an ihr vorbei und gehe in die Küche.
‚Warum nicht? Was gibt es da zu lachen? Wenn so ein Kerl auf der Straße austickt und dich zusammenschlägt …‘
‚Julia!‘, unterbreche ich sie. Sie steht in der Tür zur Küche, sieht mich entgeistert an. Versteht nicht, warum ich so phlegmatisch bin. ‚Ich habe ihn provoziert, okay? Hab meine Klappe nicht halten können. Bin selber Schuld …‘
‚Was? Das spielt doch keine Rolle. Ich meine …‘
‚Julia!‘ Meine Stimme wird lauter, klingt dabei immer noch erschöpft. Sofort bereue ich den scharfen Tonfall. Ich mache die paar Schritte auf sie zu, lege meine offene Hand an ihre Wange. Sie schmiegt sich hinein, sieht mich weiter beunruhigt an.
‚Es ist okay, wirklich. Nicht mehr als ein bisschen Nasenbluten.‘
‚Und ein blaues Auge‘, fügt sie hinzu. Lächelt aber inzwischen.
‚Ja, und ein blaues Auge.‘ Unwillkürlich fasse ich mir an die Augenbraue. Hatte noch keine Zeit, mich im Spiegel zu betrachten.
‚Jakob, ist alles in Ordnung?‘, fragt sie besorgt. Ich falle in ihre braunen Augen. Will sie abwimmeln, mich befreien.
‚Ich träume in letzter Zeit schlecht. Da kommt so vieles wieder hoch.‘
‚Mischa?‘, will sie wissen. Ihre Stimme ist weich, fängt mich auf. Ich hasse es, sie anzulügen. Nicke.
‚Ja, auch. Pass auf – ich versuche, das für mich selbst zu sortieren, und wenn ich alles geordnet habe, komme ich zu dir und erzähle dir davon, okay?‘
‚Aber warte nicht zu lange.‘ Sie lächelt.
Ich verspreche es.
‚Hast du noch dunkle Wäsche? Ich wollte eine 40-Grad-Maschine anstellen.‘
Hab ich nicht. Ich lasse sie in der Küche, die Wäsche anschmeißen, ziehe mich ins Schlafzimmer zurück. Schaffe es gerade noch die Schuhe auszuziehen, bevor ich wie ausgeknockt auf das Bett falle.

Ich erwache mit trockenem Mund. Auf dem Laken sind ein rostroter Fleck aus eingetrocknetem Speichel und Blut zu sehen.
Die Wohnung ist dunkel, der Abend hereingebrochen. Mit Schlaf verkrusteten Augen schaue ich auf das Handy, das ich mir aus der Hosentasche krame. Das Scheißding hat sich beim Schlafen schmerzhaft in meiner Leiste eingegraben. Halb sieben. In anderthalb Stunden ist das Meeting des Fight Clubs – Bestandsaufnahme, Manöverkritik und vor allem gibt es Kohle.
Mit einem Stöhnen schäle ich mich aus den Klamotten, klettere unter die Dusche. Das heiße Wasser schmerzt im Gesicht, brennt auf der Lippe. Ich blecke meine Zähne unter dem Strahl – ich habe die Scheiße wirklich durchgezogen.
Kurze Zeit später bin ich auf dem Weg. Hole mir in der O-Straße noch was zu essen, klingel bei Juri. Den habe ich schon öfter vor den Meetings abgeholt, um nicht alleine dort aufschlagen zu müssen.
Heute wäre mir das egal: Ich will mich präsentieren, meine verbeulte Fresse zeigen. Juri ist nicht da.
Ich treibe mich noch eine Weile am Kottbusser Tor rum, bevor ich zum Treffen gehe.
Die meisten der anderen sind schon da. Ich begrüße den ein oder anderen unserer Jungs, ignoriere die offensichtlichen Blicke auf mein Gesicht, die Bemerkungen. Das habt ihr nicht erwartet, was? Gehe ins Büro, lasse mich neben Robert auf die Couch fallen.
‚Alter!‘, stellt der fest, hält mir die Faust hin. Ich stoße mit meiner leicht dagegen, dann erst sehe ich rüber zu Gabi. Der steht am Fenster, die Arme hinter sich auf das Brett gestützt, beobachtet mich. Gefällt ihm nicht, was er sieht. Ich lächele ihm zu.
Kurz darauf ist auch der Rest da, Juri kommt als letzter, schließt die Tür. Sieht mich, nickt mir zu. Ansonsten keine Reaktion. Fick dich, Juri!
Ich lasse den Blick über die sieben unserer Jungs gleiten, begegne den Blicken von Stecher und Benz. Der eine kneift misstrauisch die Augen zusammen, der andere lächelt.
Gabi eröffnet das Treffen. Redet über neue Aufträge. Geht dann die Jobs durch, die die Jungs bereits durchgezogen haben. Schließlich bin ich an der Reihe.
‚Millwald?‘, will er wissen.
Ich  nicke, grinse. ‚Hab mich nicht selber so zugerichtet.‘ Diejenigen von den Jungs, die es bis jetzt nicht gerafft haben, fangen an zu tuscheln.
‚Ruhe!‘, ruft Gabi. ‚Wie ist es gelaufen?‘
‚Gut. Schätze, er ist zufrieden. Leichter Cola-Schaden auf der Jacke, seine beiden besten Kumpels dabei. Ne Menge Schläge ins Gesicht, ein paar in die Magengrube. Keine Tritte. Keine bleibenden Schäden.‘ Grinse wieder.
Gabi nickt business-like, macht Einträge am Computer. Später bekommt er einen detaillierten Bericht von mir, in dem das Ganze beschrieben wird. Ereignis-Protokoll. Nur falls ein Kunde mal Zweifel daran hat, dass wir unseren Job gemacht haben.
Als nächstes redet Gabi davon, dass wir nächste Woche einen neuen Kandidaten da haben werden – da will einer Teil der Crew werden. Irgendein Michael.
Ich sitze wie auf Kohlen, will, dass das Meeting endet. Will den neugierigen Fragen begegnen. Als könnte ich endlich den anderen Sechzehnjährigen erzählen, ich sei keine Jungfrau mehr.
Zum Schluss kommen die Umschläge. Schlichte, weiße Umschläge, auf denen mit Kugelschreiber unsere Namen stehen. Das Geld.
Ich stecke meinen ein, bin zu ungeduldig, um mir darüber einen Kopf zu machen. Außerdem habe ich momentan genug Kohle. Das Geschäft mit der Agentur läuft. Wir haben nur geringe Kosten, Umsatz ist fast Gewinn. Die Jungs werden fürstlich bezahlt.
Stühlescharren, wir stehen auf. Juri schiebt sich zu mir durch. Deutet auf mein blaues Auge, verzieht das Gesicht zu einem Lächeln. Ich zucke mit den Schultern. Unsere nonverbale Kommunikation wird unterbrochen, als mir Benz auf den Oberarm boxt. ‚Alter, krasse Scheiße – du hast es also wirklich durchgezogen?!‘
Die nachfolgenden Gespräche führe ich auf Autopilot, meine Gedanken wandern. Gabi hatte damals recht – diese Jackass-Kacke ist befreiend. Ich stehe aufrechter, befreiter.
Kotz dich woanders aus, Angst. Nicht bei mir!

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Georg (54) (02.02.2010)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Mutter meinte dazu am 02.02.2010:
Danke.
Und danke für die Hinweise. Gutes Zeug dabei.
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Dies ist ein Abschnitt des mehrteiligen Textes Das Fight-Club-Theorem.
Veröffentlicht am 02.02.2010, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.02.2010). Textlänge: 1.123 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.722 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 19.08.2019.
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