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Augenrot

Expressionistisches Gedicht zum Thema Alltag


von Ihm

Ein metallener Schrei zerreißt die Nacht
Die Stille bewahrend ein blasser Leichnam
als er den schwarzen Raum verlässt
Durchs Fenster leuchtet Augenrot.

Und Bilder ziehen sich zu langem Strich
bescheinet von zitternder Sonne
Motoren grollen wie von Sinnen
und schwingen im betäubten Ohr.

Die Schüler lehren den Zerfall
und, vielleicht, im alten Schlachtfeld
- ein Waise verliert sein Geschick -

stirbt ein Dutzend junger Menschen.
Doch Gräue schleicht sich vor das Auge
und Leben? Nur ein Morgenblick.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Nucksen (21) (11.02.2010)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Ihm meinte dazu am 11.02.2010:
Vielen Dank, Nucksen!
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Janoschkus
Kommentar von Janoschkus (22.02.2010)
bist du dir sicher, dass es sich um ein sonett handelt? dazu müsste es sich, glaub ich, zumindest reimen...
nichtsdestotrotz gefallen mir die bilder. wirklich gut.
gruß janosch
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Ihm antwortete darauf am 22.02.2010:
Ein Sonett ist es dergestalt, als es aus zwei Strophen zu je 4 und zwei Strophen zu je 3 Versen besteht. Aber im Großen und Ganzen ist es eher ein Scheinsonett, auch weil es sich nicht reimt. Ich wollte eben dieses Thema, das für mich ein Zeichen des Verfalls der modernen Gesellschaft darstellt, in dieses barocke Memento-mori-Korsett zwängen und damit den Zusammenhang zwischen Jetzt und Damals herstellen. Inwiefern mir das gelungen ist, muss jeder für sich entscheiden.
Aber ich bedanke mich für das Lob.
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Janoschkus schrieb daraufhin am 22.02.2010:
also grundsätzlich isses bei mir so, dass ich auch sonett haben will, wenn sonett drauf steht. ich glaube, wenn dus nicht in ein 4 4 3 3 einbetten würdest, ginge nichts von aussagekraft und sprache kaputt. dennoch würd ichs jetzt so lassen. das bild ist hier was zählt. und das steckt zwischen den zeilen.
gruß janosch
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Ralf_Renkking äußerte darauf am 02.12.2019:
So ganz reimlos kommt dieses Gedicht ja nun nicht daher, zumindest die Verse 11 und 14 bilden einen Körnerreim, außerdem wäre es sogar dann ein Sonett, wenn es nicht in Quartette und Terzette unterteilt wäre, das hat auch gar nichts mit gesellschaftlichem Verfall zu tun, sondern einer Entwicklung, die sich bereits im Barock abzuzeichnen begann, denn nicht wenige Sonette sind stychisch angeordnet, und Christian Gryphius hatte auch schon ein reimloses geschrieben. Hätten Poetiker der Aufklärung wie Bodmer und Gottsched das Sonett nicht vom Dichtungsplan getilgt, weil sie es angeblich für schwulstig und verkrustet hielten, sondern es als entwicklungsfähig gefördert, wäre unsere Einstellung dazu wahrscheinlich auch anders, schließlich beweist Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen in einem Umkehrschluss schon, dass ein Sonett nur über eins verfügen muss, nämlich genau 14 Verse.
Ein Stuhl bspw. lässt sich zwar modernisieren, bzw. umgestalten, das Grundprinzip Sitzfläche und Sitzhöhe bleibt jedoch bestehen.
Und wenn der Inhalt, wie im vorliegenden Fall, nicht klassisch ist, warum dann unbedingt die Form?
Das einzige, was ich hier nicht als surrealistische Notwendigkeit erachte, ist das Verb im 6. Vers, denn das würde Konsequenz voraussetzen.
Dennoch freut es mich, dass der Respekt vor Traditionen hier nicht so tief greift, denn dadurch rücken Inhalt und Form zusammen.

Ciao, Frank
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RainerMScholz
Kommentar von RainerMScholz (21.09.2011)
Hört sich an nach: Feuer frei! Nur leiser.
Grüße,
R.
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Ihm ergänzte dazu am 30.09.2011:
Der Vergleich gefällt mir, vielen Dank! ^^
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Kommentar von mnt (19.02.2015)
Durchs Ausprobieren der Zufallstextfunktion bin ich hier gelandet. Hat sich gelohnt. Das Gedicht gefällt mir sehr – wieso kann ich nicht genau sagen. Es ist eigen im positiven Sinn. Nachdenkenswert.
Grüße mnt
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Veröffentlicht am 10.02.2010, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.04.2010). Textlänge: 75 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.494 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 08.07.2020.
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