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Erzählung zum Thema Verachtung


von Mutter

Julia macht mir auf, sie hat bereits die Jacke an. Ist am Aus-dem-Haus-gehen. ‚Mick liegt im Krankenhaus‘, platze ich heraus. Sie braucht ein paar Sekunden, um zu begreifen. ‚Was ist passiert?‘, will sie wissen.
Ich erzähle ihr im Wohnungsflur von gestern Abend, davon, dass ich ausgestiegen bin. Dass Mick wollte, dass ich etwas tue. Von der Eskalation der Agentur, von Killer Deluxe und von Blocher rede ich nicht.
‚Kommst du mit?‘, frage ich. ‚Er liegt im Urban, meinte Gabi.‘ Sie überlegt kurz, nickt. Nimmt sich ihre Schlüssel vom Haken. ‚Ich bin auf dem Weg in die Uni gewesen‘, erklärt sie.
Kurz darauf sind wir auf der Straße, sie hakt sich bei mir unter. Meine innere Unruhe drängt mich, ein Taxi zu nehmen. Aber ich kann den Gedanken des engen Autos nicht ertragen – will laufen. Runter zur Kottbusser Brücke, am Landwehrkanal entlang. Bis zum Urban ist es nicht weit, vielleicht eine Viertelstunde. Julia hat keine Einwände.
Wir laufen dicht an dicht, der Rhythmus unserer Schritte passt sich aneinander an. Ich bin froh, dass sie nichts sagt, mir keine Vorwürfe macht. Ich fühle mich verantwortlich. Mick wollte, dass ich etwas tue, den Arsch hochbekomme. Habe ich nicht geschafft. Deswegen hat es jetzt ihn erwischt.
Zwischen den Bäumen türmt sich der riesige Betonklotz auf. Das Urban muss das hässlichste Krankenhaus der Welt sein, denke ich. Verkleidet als beeindruckendes Hochsicherheitsgefängnis.
Unten am Empfang begrüßt uns eine verbraucht aussehende blonde Krankenschwester. Ich nenne Micks Namen, die Umstände seiner Einlieferung gestern Nacht. Sie checkt den Computer, sagt: ‚Station C3. Die Aufzüge sind dort drüben.‘
Ich nicke, nehme Julia am Arm mit in Richtung der Fahrstühle. Mir fällt ein, dass wir mit leeren Händen kommen. Keine Blumen, keine Schokolade. Bringt man einem Brandstifter Blumen?

Mick liegt im Bett, lächelt uns schwach an, als wir hereinkommen. Sein gesamter rechter Arm und Teile des Oberkörpers sind bandagiert, die rechte Gesichtshälfte ist von einem Mull-Deckchen bedeckt. Dazu ebenfalls Verbände, die es an Ort und Stelle halten. Büschel seiner roten Haare ragen dazwischen vorwitzig hervor.
‚Wie geht’s dir?‘, will Julia wissen. Hockt sich auf die Bettkante, streichelt seine unverletzte linke Hand. Er legt den Kopf schief - geht so. Was soll man auch sagen, wenn man mit Verbrennungen im Krankenhaus liegt? Danke der Nachfrage, alles super?
‚Wie schlimm ist es?‘, frage ich.
Er deutet mit dem Kinn auf den rechten Arm. ‚Teilweise zweiten Grades, aber sie meinen, das sei nicht wirklich schlimm. Würde ohne Narbenbildung heilen. 2a, nennen sie das. Am Rest höchstens erster Grad.‘
‚Das war eine verfickt dämliche Aktion – das ist dir klar, oder?‘ Ich grinse dabei.
Mick lacht. ‚Äh, ja. Ich kann wohl froh sein, dass ich nicht gleich mit hochgegangen bin.‘
‚Bei deinem Alkoholpegel? Wahrscheinlich.‘
‚Wie heftig ist der Schaden?‘, fragt er, plötzlich ernst.
‚Nicht dramatisch. Nichts, was die Jungs lange aufhalten würde.‘
Er nickt und ich kann nicht erkennen, ob er froh oder enttäuscht ist. Froh, dass er vermutlich keine schweren Konsequenzen zu befürchten hat, enttäuscht, weil das Unternehmen so noch sinnloser war.
Er hustet. ‚Lunge ist auch leicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Durch die Inhalation.‘
‚Gibt es bleibende Schäden?‘, fragt ihn Julia besorgt. Er schüttelt den Kopf. ‚Sieht bis jetzt nicht danach aus. Wahrscheinlich werde ich Nichtraucher.‘
‚Mick, ich muss los – ich habe einen Termin an der Uni. Wenn du was brauchst, ruf mich an, okay?‘ Julia legt ihm die Hand auf den Arm. ‚Ich könnte heute Abend noch mal nach dir schauen.‘ Er wiegelt ab. ‚Passt schon, mir geht’s gut. Mach dir keinen Kopp. Ich bin bald wieder auf den Beinen.‘
Sie umarmt ihn zum Abschied, ich bekomme einen Kuss. Dann ist sie weg. Ich nehme ihren Platz auf seinem Bett ein. Tätschel ihm nicht den Arm.
‚Du bist ein dummes Arschloch‘, sage ich.
‚Sehe ich genauso. Ich hätte warten sollen, bis ich die Promille weggeschlafen habe.‘
‚Du hättest das auch nüchtern gemacht?‘, frage ich überrascht. Er fixiert mich kurz mit zusammengezogenen Augenbrauen, nickt langsam. ‚Jakob, was ich gestern gesagt habe, meine ich Ernst: Die Kiste läuft voll aus dem Ruder. Gabi kann auf keinen Fall einfach seinen Stiefel durchziehen und anfangen, Leute abzuknallen.‘
Als ich nicht sofort antworte, fährt er fort: ‚Und wenn du nicht das Gefühl hast, du müsstest was machen, Juri auch lieber die Füße still hält …‘ Er zuckt mit den Achseln. ‚Muss es halt der kleine Mick richten.‘ Er grinst. ‚Nächstes Mal habe ich vielleicht mehr Glück.‘
Ich stehe auf, werde wütend. ‚Du bist so beschissen bocksköpfig. Sei froh, dass es dich nicht schlimmer erwischt hat. Gabi ist scheißwütend auf dich. Meint, wenn er dich noch mal bei irgendwas, das mit der Agentur zu hat, erwischt, reißt er dir den Arsch auf.‘
‚Oh, da habe ich aber Angst.‘ Er schiebt sich im Bett zurecht, für einen peinlichen Moment überlege ich, ob ich ihm helfen muss. Oder ob er sich dann als Vollinvalide fühlt. Der Augenblick verstreicht, er hat sich neu ausgerichtet. ‚Ah, besser. Sag mal – glaubst du im Ernst, ich habe Angst vor dem Arsch? Kein Stück, Jakob – nicht ein bisschen.‘
‚Wäre aber vielleicht ganz schlau.‘
Er schnaubt. ‚Lass mich damit in Ruhe, okay? Du hast beschlossen, dich da raus zu halten. Fein. Aber dann geh mir bitte auch nicht auf die Nüsse, in Ordnung?‘
Widerwillig stimme ich zu.
In der nächsten halben Stunde bekommen wir die Kurve – machen Smalltalk, plaudern so dahin. Vermeiden alle sensitiven Themen. Als ich mich verabschiede und ihm die linke Hand drücke, sagt er: ‚Pass auf dich auf, Jakob.‘
Ich nicke. Das sagt ja der Richtige.

Unten, im Schatten des Krankenhauses, schalte ich mein Handy wieder ein. Suche Gabis Nummer raus. Er geht sofort ran.
‚Was gibt’s?‘
‚Ich war gerade bei Mick – dem geht’s den Umständen entsprechend gut. Gibt auch keine bleibenden Schäden.‘
Gabi brummt. Interessiert ihn nicht.
‚Gabi, wir müssen reden.‘
‚Tut mir leid, Jakob – das ist gerade eher ungünstig. Nach gestern ist hier jede Menge zu tun, ich habe alle möglichen Scheiß an der Backe.‘ Ich verkneife es mir, nach Blocher zu fragen. Ob er den auch an der Backe hat. Den und die Umstrukturierung der Agentur.
‚Ich will, dass ihr das Projekt einstampft.‘
‚Was bitte?‘
‚Die Agentur zumacht. Es ist genug Scheiße passiert – das mit Mick war doch nur die Spitze.‘
‚Das meinst du nicht ernst – haben sie dir ins Gehirn geschissen?‘ Seine Stimme wird lauter.
Ich bleibe bestimmt, versuche so zu klingen, als hätte ich ihn unter Kontrolle. ‚Zieh einen Schlussstrich, beende das alles. Bevor noch mehr passiert.‘
Er lacht, in einer Mischung aus Verachtung und Fassungslosigkeit. ‚Du hast nicht alle Latten am Zaun. Vergiss es.‘
‚Wenn du es nicht machst, tue ich es.‘ Komme mir bei der Drohung seltsam lächerlich vor.
‚Aha. Und wie? Zündest du dich dann auch wie der kleine Mistkäfer in unseren Büros selbst an?‘
‚Ich stecke das alles der Presse. Sorge dafür, dass der Fight Club Deluxe nicht mehr dein kleines Geheimnis bleibt.‘
‚Pffff … wer würde so eine abgedrehte Geschichte glauben?‘ Er lacht heiser. Ich bin nicht sicher, ob es komplett echt ist.
‚Thalmann würde mir glauben. Wenn ich dem den Rest der Geschichte liefere, hängt der euch ins Schaufenster. Mit Handkuss.‘
Gabi ist still. Ich höre ihn kontrolliert atmen. Mein Magen krampft sich zusammen. Ich weiß, dass ich ihm gerade den Krieg erklärt habe.
Endlich kommt seine Antwort. ‚Ich werde nicht zulassen, dass du mir an den Karren fährst. Steh mir nicht im Weg - sonst mach‘ ich dich fertig, Jakob. Auf unsere Freundschaft geschissen!‘
Freundschaft – hat uns jemals echte Freundschaft verbunden? Oder eine Art merkwürdige Symbiose, die keiner von uns beiden wirklich erklären kann? Plötzlich habe ich keine Angst vor Gabi mehr. Fühle mich befreit.
Mit ruhiger Stimme sage ich: ‚Überleg’s dir. Ich will, dass das aufhört. Mach den Laden dicht, sonst mach ich das.‘ Ohne ein weiteres Wort lege ich auf.

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