Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Dagmar (19.02.), europa (14.02.), Manni (11.02.), minze (04.02.), nici (03.02.), PilgerPedro (03.02.), Bleha (28.01.), Largo (24.01.), arrien (23.01.), Wanderbursche (23.01.), Dorfpastor (21.01.), Plapperlapapp (21.01.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 631 Autoren* und 80 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.943 Mitglieder und 433.173 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 23.02.2020:
Sonett
Unter allen Gedichtformen ist das Sonett am strengsten festgelegt. Es besteht aus zwei Strophen mit je vier Versen... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Picking Daisies von wa Bash (22.02.20)
Recht lang:  RUND 20 MEINER ALTEN WALPURGIS - SONETTJES AUF EINEN BLICK IN REKAPITULIERENDER KOMPILATION von harzgebirgler (2066 Worte)
Wenig kommentiert:  der ruf des kranichs von rochusthal (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  An und Absicht Version 2 von franky (nur 11 Aufrufe)
alle Sonette
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Verdächtige und andere Katastrophen
von Delphinpaar
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil hier alle willkommen sind" (tenandtwo)
Jugend mal unwegsamInhaltsverzeichnisWie lange halten wir es noch aus?

Jugend resigniert- Kurzdrama für den täglichen Gebrauch

Skizze


von Fremdkoerper

Die Szene spielt in einem gewöhnlichen Klassenraum wie er an Schulen und Universitäten üblich ist. Die u-förmige Anordnung der Bänke drückt die diskutierfreudige Atmosphäre aus. Am einzelnen Tisch vor der Tafel sitzt ein Professor, Doktor oder Dozent. Manchmal runzelt dieser die hohe, in eine Halbglatze übergehende Stirn oder nimmt die Brille zum Nachdenken ab. Im Raum sitzen acht beliebige Studierende. Die Diskussion wird immer wieder durch die Ergänzungen einer außen stehenden Person, einer Art Telekolleg-Moderator unterbrochen, wobei der Klassenraum für diese Zeit verdunkelt wird und die Diskutierenden im Hintergrund verstummen.

TELEKOLLEGTYP Das Seminar an diesem Donnerstagabend ist einem Donnerstagabendseminar für geschichtliche Modelle der Moderne entsprechend besucht. Die überschaubare Gruppe diskutiert dennoch überwiegend motiviert, für einige der Studenten ist es nicht einmal ein Pflichtseminar. Achten sie auf den Professor, der mit teilnahmsvollem Blick das Geschehen verfolgt, gelegentlich einen Kommentar einwirft, und das Gesagte moderiert und ergänzt.
PROF Sind Konsumenten denn nun Subjekt oder Objekt?
STUDENTIN 1 Ich boykottiere seit zwei Jahren Müller. Wegen Gensoja und weil der Chef doch die NPD unterstützt. Und das ganze Staatsgeld, dass die kassiert haben und dann einfach ihre Fabriken verlegt.
Viele nicken.
STUDENTIN 2 Sachsenmilch gehört auch zu Müller.
STUDENTIN 1 Kauf ich auch nicht. Naja, irgendwie scheint das nichts zu machen. Vor zwei Jahren war das voll überall, also alle haben da mitgemacht und heute?
TELEKOLLEGTYP Ernüchtert verkonsumiert, wie wir sehen. Doch sie ist nicht allein.
STUDENT 1 Fairtrade ist wichtig. Mehr nickende Bestätigung. Wird auch immer populärer, und wenn viele mitmachen, setzt es sich durch- schon jetzt bei vielen großen Anbietern. Wäre doch ein Beispiel für Macht der Konsumenten.
STUDENTIN 1 Oder wenn es darum geht, Kinderarbeit zurückzudrängen.
TELEKOLLEGTYP  Es scheint, als hätte sich in diesem kleinen Geschichtskurs der Glaube an Fairtrade-Produkte durchgesetzt, wäre da nicht diese blöde Sache mit dem Geld, das Studierende nicht haben. Aber ohne Gegenrede keine Konklusion, schauen sie selbst.
STUDENTIN 3 Der jeweilige Konzern macht genauso viel Gewinn mit dem Produkt wie vorher, was die Produzenten mehr an Geld bekommen, ist dem Produkt einfach aufgeschlagen, oft sogar noch mehr, da einfach ein intransparentes Logo bezahlt wird. Fairtrade kann sich einfach nur ein kleiner Bevölkerungsteil leisten.
STUDENT 2 Das einzige wirklich erfolgreiche Beispiel für Konsumentenmacht ist, als durch Boykott in den 90ern die Versenkung einer Shell-Plattform in der Nordsee verhindert wurde. Da war einfach so was wie ein Minimalkonsens vieler Bevölkerungsgruppen da, den es so fast nie gibt. Ansonsten bin ich bezüglich der Macht von Konsumenten sehr skeptisch.
STUDENTIN 3 Das mit Bio, Fairtrade, gegen Kinderarbeit und was es da alles gibt, ist doch größtenteils Quatsch, beziehungsweise hat kaum Auswirkungen. Sobald das größere Verbreitung findet, werden erkämpfte Standards untergraben oder andere Möglichkeiten gesucht, Kosten zu sparen, die genauso wenig am Wohl der Menschen orientiert sind.
Zweifelnde Gesichter sehen ihre politische Wirkkraft stark eingeschränkt und protestieren mit Blicken.
STUDENTIN 1 Trotzdem kann sich kein Konzern alles erlauben, da hängt zu viel dran.
STUDENTIN 4 Ich glaube schon, dass man mit seinem Konsum großen Einfluss hat.
STUDENTIN 3 Ja, Glauben- genau.schüttelt den Kopf
PROF: Gestern lief auf Arte eine Doku, da ging es um Monsanto. Raunen im Kurs. Es wurde von einem Mittel berichtet, mit denen die Milchproduktion der Kühe erhöht werden kann. Und dass wissenschaftliche Studien die hohe Krankheitsanfälligkeit so behandelter Kühe sowie zahlreiche Euterentzündungen dokumentierten, woraus auch die Verunreinigung solcher Milch mit Eiter resultiere. Die Arme des Konzerns reichen soweit, dass die Wissenschaftler alle ihren Job verloren oder ihnen auf sonstige Weise das Leben schwer gemacht wurde.
STUDENT 3 Die Masse rennt doch nur hinterher, das Verhalten der Konsumenten hat doch nur Auswirkungen, wenn es über die Medien verbreitet wird.
STUDENT 2 Das Problem ist doch auch, dass es unmöglich ist, sich in 500 Fachbereichen auszukennen. Es sind immer Multiplikatoren notwendig, die ihre Erkenntnisse oder Sichtweisen an die Masse weitergeben.
STUDENT 3 Dafür ist doch die Politik da. Der Einzelne kann eh nichts machen.
TELEKOLLEGTYP  Achten sie bitte jetzt auf den unscheinbaren jungen Mann hinten rechts, an dieser Stelle folgt die Konklusion.
STUDENT 4 Er schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch, ist im Gesicht rot angelaufen und schreit:
VERDAMMT, KAPITALISMUS, NOCH MAL. WARUM SPRICHT DAS KEINER AUS?
Für einen Moment herrscht Stille, dann werfen ihm einige mitleidige Blicke zu.
TELEKOLLEGTYP  Halten wir als Schlussfolgerung fest: Irgendwie hat das Ganze mit Kapitalismus zu tun. Irgendwann musste es ja mal einer sagen. Doch es war der Falsche.
STUDENT 4 packt hastig seine Sachen zusammen und geht, ohne sich noch einmal umzudrehen, durch die Tür.
TELEKOLLEGTYP Betrachten wir noch einmal diese Tür: Eine Tür kann so vieles aufstoßen. Denkbar ist folgendes: Die Tür zur psychologischen Anstalt für den armen -weil falschen- Jungen. Oder die Tür zur Enttabuisierung eines Begriffs, der den Sprecher sofort in einen ideologischen Schrank steckt, von dessen Tür der Schlüssel weggeworfen wird, bei immerhin diesen 8 Seminarteilnehmern, deren Erleichterung sich sehen lassen könnte. Oder die radikale Politisierung konsumbewusster Geschichtsstudenten. Oder alles zusammen, den Weg nach draußen mit eingeschlossen. Ein Ausweg ist das noch lange nicht.


Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren

Jugend mal unwegsamInhaltsverzeichnisWie lange halten wir es noch aus?
Fremdkoerper
Zur Autorenseite
Zum Steckbrief
Zum Aktivitäts-Index
Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Übermorgen Kommunismus, morgen Apokalypse.
Veröffentlicht am 15.04.2010, 2 mal überarbeitet (letzte Änderung am 26.05.2010). Textlänge: 832 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.503 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 25.12.2019.
Was meinst Du?
Diesen Text kommentieren
Mehr über Fremdkoerper
Mehr von Fremdkoerper
Mail an Fremdkoerper
Blättern:
voriger Text
nächster Text
Weitere 2 neue Skizzen von Fremdkoerper:
Jedes Ende hat natürlich einen Anfang und Enden sind prinzipiell größenwahnsinnig Gestern hatte ich einen Disput mit mir über Vorgestern- Ich habe gewonnen.
Dieser Text ist höchstwahrscheinlich urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu
diesen Text melden
© 2002-2020 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2020 keinVerlag.de