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Lauscher und die A-Story

Geschichte zum Thema Tod


von KayGanahl

1/
Lauscher war in As Gaststätte. Seitdem sind einige Tage ins Land gezogen.
Die Begegnung mit A war für Lauscher eine Bereicherung ohne Gleichen. Doch persönlich war Lauscher von A entsetzt.  Als ein beruflicher Kontakt darf A für Lauscher weiterhin gelten – natürlich hofft Lauscher darauf, dass A hinter Schloss und Riegel verbracht wird, und dies möglichst bald, denn A ist auch für den Journalisten ein Killer, der in der Kriminalgeschichte des Landes beispiellos ist. Ein schreckliches Subjekt, dessen man unbedingt habhaft werden muss!
Lauscher muss sich angesichts dessen die Frage stellen: Wer handelt entscheidend zum Besten der Stadt und des ganzen Landes?  Das ist eine gute Frage.
Lauscher weiß mittlerweile (Lauscher hat bessere Informationsquellen als die Kriminalpolizei), auch die Kriminalpolizei weiß hoffentlich: A ging (und geht) methodisch und wahrscheinlich von Fall zu  Fall verschieden nach ausgearbeiteten Plänen vor; die Methode war, das endliche Tötungshandeln betreffend, nicht erkennbar rituell, ähnelte sich aber von Fall zu Fall sehr. Lauscher meint ein Handlungsschema bei A zu erkennen, was als Resultat zwangsläufig den Tod des jeweiligen Opfers hat.
Garantiert empfindet A weder Mitleid noch hat er Skrupel, sobald das Handlungsschema greift. Trotz des Schemas wühlen in ihm die widerstreitenden Gefühle, - seine Gefühlswelt ist eine des Grauens. Angesichts des Handlungsschemas ist das Vorhandensein eines rational bestimmten Steuerungshandelns in Frage zu stellen. Vor dem jeweiligen Tötungshandeln explodieren As Gefühle förmlich. Sie sind vermutlich der Auslöser für das Greifen des Handlungsschemas.
A ist unerbittlich logisch, brutal im Vorgehen, voller Verschlagenheit vor und nach den Tötungshandlungen. Geschickt wusste und weiß er seine Tötungshandlungen zu verdecken, was ganz wichtig ist. Seine Selbstorganisation als Mörder ist, darf gesagt werden, erfolgsbezogen fast perfekt.

Wieso kam man erst so spät auf ihn als Mordverdächtigen?
Wieso hatte man ihn noch nicht festgesetzt, als ihm Lauscher, der Journalist, in der Gaststätte begegnete?
Rätselhaft. Also: Auf der Hand liegende Gründe dafür sind in der Unfähigkeit der örtlichen kriminalpolizeilichen Organisation, ihrer Ermittler, oder auch, was wahrscheinlicher ist, in der mafiaähnlichen Korruption in allen städtischen Behörden, besonders der Polizei, zu sehen.
Besser hätte es für A nicht kommen können!  Auch diese unhaltbaren Verhältnisse sind für Lauscher die eine oder andere Recherche wert. Sicher dürfte Vergleichbares im Bereich der schweren Kapitalverbrechen irgendwo im Land schon vorgekommen sein, hier, vor Ort, ganz bestimmt noch nicht.

A ist ein Schwerverbrecher, der mit seinen Straftaten die Bevölkerung einer ganzen Stadt in Angst und Schrecken jagt. 
Das ist traurig für die Menschen, die hier ihr Auskommen finden müssen, um über die Runden zu kommen.  Ihr Leben ist durch As Aktivitäten ständig gefährdet. Die Stadt hat ihre Unschuld verloren, denn A ist ein Mensch aus ihrer Mitte – aber die Bevölkerung weiß das nicht.  Allerdings in den Augen derer, die von ihm gehört haben und hören, ist er als unbekannte Schreckgestalt eine Art Terrorist, dessen Erfolg auf geheimen Wegen Tag für Tag möglich ist, ohne dass ihm die Behörden auf die Schliche kommen können. 
Verständlicherweise ist die Empörung angesichts dieser Umtriebe eines Schwerverbrechers in der Bevölkerung groß. Schon haben sich private Selbstschutzinitiativen gebildet, die in Vierteln der Stadt, wo er wahrscheinlich Morde beging, schützen und ermitteln. A soll sich so unsicher fühlen wie die Bevölkerung.

Wenn all diese Menschen nur wüssten, was für ein Mensch A ist! Lauscher hat ihn ja kennen gelernt.

2/
Die Persönlichkeit eines Mörders ist von größtem Interesse, auch wenn dies als moralisch zweifelhaft zu gelten hat.
Lauscher hat jedenfalls immer noch fest vor, die psychischen Deformationen der Persönlichkeit As zu erkennen und über sie zu berichten. Das ist eine Arbeit von ungeheurer Verantwortung , der er sich bewusst ist.
Lauscher vertritt die Öffentlichkeit, weil er Teil von ihr ist. Und er geht dann mit Informationen an die Öffentlichkeit, wenn er sie aus verschiedensten Gründen nicht bei sich behalten darf. Noch ist es nicht so weit. Es dauert wohl nicht mehr lange, dann wird er der berühmte Lauscher sein.
Bevor die Kriminalpolizei (die in der Stadt sowie die Landeszentrale) von A, dessen wahrer Identität, seiner Persönlichkeit und all seinen Straftaten erfährt, wird Lauscher sie in einer Artikelserie seiner Zeitung veröffentlichen (wollen!).  Dazu gibt es keine Alternative, zumal Lauscher tief seinem Beruf steckt und sich irgendwelche Nachlässigkeiten und Eskapaden, auch keine Rücksichtnahmen leisten kann.

3/
Als er wieder mit A zusammentrifft, weil er von ihm neue Informationen benötigt, ist Lauscher schlecht gestimmt. Es mangelt  ihm an alternativen brauchbaren Geschichten, die zu veröffentlichen sind. Das sollte nicht so sein. Und A steht Lauscher mit Überheblichkeit auf der Waldstraße in einem Viertel am Rande der Stadt direkt gegenüber und grinst ihn provokativ an, so dass Lauscher fasst die Selbstbeherrschung verliert.
„Sie brauchen was!“ stellt A genüsslich fest und grinst weiter. Lauscher bebt innerlich, verbirgt seine Emotionen gekonnt.
„Nun. Das stimmt. Ich brauche was. Es hat keinen Zweck, daraus einen Hehl zu machen! Ich will wissen, wer Sie sind, wirklich sind, A … damit ich meine Artikel schreiben kann!“
„Artikel …? Tatsächlich? Glauben Sie, ich gebe Ihnen Informationen, die Sie verwenden können, und ich stehe dann im Regen. Die fassen mich doch!“
„Ich weiß, wo da das Problem liegt! Sie sehen in Ihnen einen Schwerverbrecher, … haben aber keine Beweise.“
„Dabei muss es auch bleiben!“ sagt A mit großem Nachdruck.  Er sieht ziemlich amüsiert aus.  Und sagt dann: „Halten Sie mich für blöd, Lauscher?“ Lauscher antwortet nicht. Er setzt sich auf den blättrigen Waldboden und signalisiert, dass er mit A in ein längeres Gespräch eintauchen will.  Lauscher wartet ein paar Minuten, A setzt sich einfach nicht.
Lauscher lauscht in den Wald hinein, als hätte er kriminalpolizeiliche Maßnahmen zu gewärtigen …

Dann sagt Lauscher: „Ich wurde von Ihnen und Ihrer Freundin Heike in der Gaststätte, als wir uns erstmals trafen, unter eine Bank geschoben …“
„Wie bitte?“
„Ja. Erinnern Sie sich gefälligst, ich war von Ihnen niedergeschlagen worden. Meine Verletzung war nicht unerheblich. Heike ist dadurch, mindestens … zu einer Komplizin geworden. Sie beide haben an mir eine, mehrere Straftaten verübt!“ 
„… Straf … taten,“ gibt A lang gezogen von sich und fasst sich an die Stirn. Der ironische Unterton ist für Lauscher nicht zu überhören. A hat sich immer noch nicht zu Lauscher auf den Boden gesetzt, sondern hat vor ihm Aufstellung bezogen, als wollte er gleich wieder los.
Sagt zu Lauscher leicht verärgert: „Das ist schon so lange her! Wochen! – Was soll das, Lauscher? Wollen Sie mich verarschen? Mir ist doch Ihr Befinden egal!“
„Das sollte es nicht, A!“
„Ist es aber. Mir sind auch Ihre journalistischen Aktivitäten so was von egal, das glauben Sie gar nicht …“
„Genau! - Ich muss arbeiten. Ich habe meine Berufsehre;  wenn ich Sie so sehe, möchte ich Sie am liebsten gleich zur Polizei schleppen. Aber ich muss meine Artikelserie schreiben, weil ich Druck bekommen habe. Die Chefredaktion fordert diese Leistung von mir ab.“
Und A bricht in ein hämisches Gelächter aus. Er kann sich kaum noch auf den Beinen halten, als Lauscher ihn auch noch mit einem Ruck runter zu ziehen versucht.
„Ist doch auf den Blättern ganz bequem, A!“ ruft er A entgegen, und A hört mit dem Gelächter keineswegs auf.
„Wie sind Sie vorgegangen? Nennen Sie alle Opfer! Wer wird als nächstes sterben müssen?“ fragt Lauscher den Lachenden, der sich ein paar Bäume weiter entfernt auf einen großen Stein setzt.
Über ihnen zieht sich der Himmel zu einem dunkel-bedrohlichen Wolkenszenario zusammen. Die Tierwelt scheint sich vor A zu fürchten, denn es ist kaum etwas von ihr zu hören und zu sehen.  Aber Letzteres kann Einbildung von Lauscher sein, dessen Geduld hier wieder mächtig auf die Probe gestellt wird.
In seinen Gedanken kommt er nicht umhin, für diesen A die Todesstrafe zu fordern.

4/
Heike sitzt Lauscher an einem der folgenden Morgen auf einem Betonquader bei einem Brückenpfeiler direkt gegenüber - über ihnen braust der Stadtverkehr.  Ein Sonnenstrahl streift Lauschers Stirn. Heike, diese Freundin von A, wirkt auf Lauscher sehr nervös.  Zunächst hat er keine Ahnung, was sie von ihm will, aber er hat noch die nötige Geduld. Übermorgen muss der erste Artikel seiner Serie „Geständnisse eines unbekannten Serienkillers“ stehen, dafür hat er geschuftet, ist viele Risiken eingegangen – und wird er auch Erfolg einheimsen.
„A ist ein Todesengel, der seinen ihm vertrauten Wald für Morde aufsucht und gelegentlich eine der Freundinnen mitnimmt, die längst auf den Geschmack gekommen sind. Er hat mehrere Methoden auf Lager. Ich kenne sie allerdings nicht alle, und ich verstehe die, die ich kenne, im Grunde nicht,“ so berichtet Heike, während ihre Hände ein wenig zittern. Lauscher hört ganz genau hin. Jetzt hat er den Zugang zum Geheimwissen, den er dringend braucht.  Endlich hat Heike Substanzielles verraten.
Weiter Heike: „Leichen haben diesen seinen Wald … wie A glaubt, gedüngt; er … betrachtet ihn als sein Eigentum … er unterwirft den Wald wie die Menschen, mit denen er zu tun hat, oder aber er bringt sie um!“
Lauscher: „Ja.“
Sie fährt sich kurz durch ihr Haar und äußert sich einigermaßen selbstbewusst:  „Leichen von Menschen und Tieren haben ihn, den Wald, zu einem Hort des Todes gemacht, was unverzeihlich ist. Hass, Wut, Raserei und Rache leiten A immer wieder. Hauptsächlich hat er ganz unwichtige Menschen, Unschuldslämmer, aus der Stadt in diesen Wald geführt und ermordet. Diese Menschen waren tatsächlich junge Frauen, manche hatten schon eine eigene Familie, waren Mütter.“
„Schrecklicheres kann man sich kaum vorstellen!“ kommentiert Lauscher die Ausführungen Heikes.  Sie macht Anstalten, fortzugehen, was Lauscher sofort verhindert, indem er sie anblafft: „Sie bleiben und teilen der Öffentlichkeit mit, wer und was A ist und bedeutet! Alle seine Straftaten müssen aufgeklärt werden!“
„Ja doch,“ erwidert Heike.  „Ich habe tüchtig geholfen. A irrt nie, er strebt vorwärts, weiß genau, was er will. Ich habe ihm bei allem geholfen, aber Augenzeugin oder Mittäterin der Morde bin ich nicht!“
„Glaube ich nicht!“ wirft Lauscher ihr entgegen und guckt sie ernst an.  Und: „Sie sollten sich ihm gegenüber als eine tolle Menschenjägerin erweisen, was?“  Heike guckt erstaunt zur Seite.
Und antwortet mit einem „Nein!“.
„Doch: Sie wären ein Mal fast erwischt worden. Das ist mir bekannt. Sie waren aber zu schnell für die Verfolger, Sie beide, … und versteckten sich in Dickichten, hinter Bäumen, in Baumkronen und in Büschen.“
„Daran erinnere ich mich nicht!“
„Ich weiß das, …!“
„Ich weiß das gar nicht!“ erwidert Heike mit Nachdruck und steht ruckartig auf. Entschlossen strebt sie von Lauscher weg, da zieht er die Frau an sich, um ihr ins Ohr zu flüstern: „Mit Ihnen bin ich noch längst nicht fertig! An Menschen wie Ihnen liegt es, dass dieser A, diese Bestie, weiter morden kann. Die Polizei hält einen Tiefschlaf. Die Bevölkerung leidet. Und Sie stehen dieser Bestie hilfreich zur Seite. Das ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit!“
Heike starrt Lauscher böse an: „Mit mir nicht, Herr Lauscher!“

Die Dunkelheit des abendlichen Waldes ist über beiden eingezogen. Lauschers Ungeduld ist grenzenlos geworden, er braucht die Story, er braucht endlich diesen A, damit er ihn durch die Polizei fertig machen kann, aber Heike, die der Schlüssel zum Erfolg ist, verhält sich nur begrenzt kooperativ, was Lauscher höchst bedauerlich findet. Wald, tschüss!




5/
Er hat sie von dem heimeligen Plätzchen im Wald, wo sie waren, an eine Örtlichkeit verbracht, die man im Polizeijargon (den er ja ziemlich gut beherrscht) als „sichere Wohnung“ bezeichnen könnte.
In der Tat ist Heike dort sicher, Lauscher zweifelt keine Sekunde daran. Es ist ein völlig unscheinbares Gebäude mit über zwanzig Mietwohnungen an einer der Hauptverkehrsadern  der Stadt, wo sich Lauscher bestens auskennt.  Natürlich befürchtet er, wenn er mit Heike zusammen ist, sie unter Druck setzt, illegal zu handeln, er weiß aber, dass es an ihm ist, Möglichkeiten der Befreiung der Stadt von der Bestie praktisch auszuloten. Die Festnahme As können die städtischen Behörden bisher nicht realisieren, …
Heike hat angefangen ein wenig zu stöhnen; das ist ein Stöhnen des Überdrusses wegen der Äußerungen Lauschers, der ihr nach ihrer Meinung eine zu große Rolle in As Organisation zuschreibt.
„Ich bin auch für A eine kleine Frau, die nicht viel bedeutet!“ sagt sie zu Lauscher, nachdem er ihr ein Glas Wasser ans Bett gebracht hat, welches sie schnell leert.
„Das finde ich nicht,“ erwidert Lauscher und legt sich neben Heike. So liegen sie wer weiß wie lange da und sagen nichts. Zwei Nachttischlampen brennen. Lauscher deutet die Schatten auf einer ekelig tapezierten Wand. Vom Nebenzimmer sind die Geräusche eines Streits zu vernehmen. Der Straßenverkehr dröhnt bis ins Schlafzimmer. Beide können nicht einschlafen, Lauscher will das auch gar nicht.

Heike fängt dann zu sprechen an, - wie es sich anhört … ? Nun ja: „Sie hetzen auch, hetzen wie wahnsinnig. Hohes Tier wird gesucht … ? Beileibe nicht! Sie suchen einen Killer! Kleiner Junge, kleines Mädchen werden gesucht? Beileibe nicht. Sie suchen nur so einen gefährlichen Killer, der rücksichtslos agiert. Sie werden es sich nicht nehmen lassen, auf jeden sich im Wind biegenden Zweig zu reagieren, ohne sie wären die paar Polizisten hier und jetzt aufgeschmissen! Sie wären ganz chancenlos!“
Lauscher fragt: „Wer hetzt?“
Heike darauf: „Die Bürger, die ganz aufgebracht im Wald suchten, A aber nicht aufstöberten! Ich hatte ihnen einen Hinweis gegeben, was Verrat an A war. Sie versiebten die große Chance, A zu fassen!“
„Die Polizei wollte ihn gleichzeitig aufstöbern?“
Heike: „Auch die Polizei hatte einen Trupp abkommandiert, der erfolglos hetzte.  ‚Und wenn sie bis nach Mitternacht suchen müssten …‘, so hörte ich, aber sie suchten doch nur bis 23 Uhr am späten Abend, dann war Schluss. Alle waren wohl froh, an der Jagd des bösen Jägers teilgenommen zu haben. Ich sehe zwei vor mir: ihre Blicke fahren zwischen Zweige, und während sie es tun, fliegen Vögel auf.“
„Irgendwie klingt das gruselig,“ kommentiert Lauscher und gähnt.
„Es war der Schrecken einer Suche. A galt allen als der böseste Mensch der Stadt, des Landes, der Welt!? Sie hatten auch zu diesem Zeitpunkt kein Foto von ihm. Sie hatten nichts außer meinen Hinweis, selbstverständlich wollte ich selber nicht in ihre Fänge kommen, weshalb ich anonym blieb.“
„Sie erfinden doch etwas, Heike!“ wendet er sich gegen die das Grauen locker widergebende Heike.  „Starke Zweifel sind berechtigt. Ich müsste von dieser Großaktion der Polizei etwas gewusst haben.“
„Ich sage nur die Wahrheit, Herr Lauscher!“ wehrt sie sich gegen diesen Vorwurf. „Sie … Lauscher, sind nicht der bestinformierte Journalist in der Stadt!“
Lauscher dreht sich nun der jungen Frau mit seinem ganzen Körper zu, um sie von der Seite her kritisch zu mustern. Heike bleibt auf dem Rücken liegen, starrt unter die Zimmerdecke. Dann knipst sie ihre Nachttischlampe aus.






6/1 
Es sollte möglichst nichts mehr im Wald passieren … ! Lauscher würde sich nicht mehr zu einem Besuch dieses Waldes durchringen können.

Etwa eine Woche später. Mitten auf dem Damm frieren Lauscher und Heike sehr. Er hätte sich einen angenehmeren Platz für ein Treffen mit A gewünscht, konnte aber nichts fordern. A hat  immer noch die Nase vorn, will der Bestimmer sein, der Organisator, der Mörder.
Die Passanten drängen auf den breiten Bürgersteigen in die eine wie die andere Richtung. Die herrschende große Kälte vereitelt überwiegend die Kommunikation zwischen den Passanten. Und Lauscher ist eingepackt in einen ganz dicken Pelz. Wogegen die A-Getreue Heike viel zu dünn bekleidet ist. Unter ihrer Jeans trägt sie sicher keine weitere Hose. Der Parka weist zwar ein Futter auf, ist aber insgesamt offensichtlich ungeeignet für diese Kälte, wie man sagt: sibirische Kälte. Wie die Passanten, so weiß Lauscher auch nicht den Mund zum Sprechen zu öffnen, Heike schon gar nicht. Deshalb stehen sie mitten auf dem Damm und hoffen, die Situation möge recht bald entschärft werden, dieses Warten hier und jetzt wird als schlimmer empfunden als die Erwartung, einen negativ eingestellten A vor sich zu haben!

„Ich glaube, der kommt nicht,“ formuliert die bibbernde Heike und versucht krampfhaft ihren Mund in dem Futter des Parka zu bergen.
„Ich war gut.“
„Sie waren gut?“
„Bestimmt habe ich als Journalist mit der nötigen Behutsamkeit das Thema erkannt, recherchiert, bearbeitet, weiterverfolgt.“
„Gut, … nee, wirklich …“ stammelt sie so missbilligend daher. Sie versteht nicht, wie dieser Lauscher annehmen kann, etwas erreicht zu haben, das trägt. Sie murrt für Lauscher hörbar in ihr Mantelfutter. Hier mitten auf dem Damm ist es gefährlich zu lange zu warten, und so gehen sie auf einen der Bürgersteige, der menschenüberströmt ist. Lauscher starrt offen einige Passanten an, weil er sich kaum mehr beruhigen kann.  Er droht die Nerven zu verlieren, eigentlich sollte er abgebrüht sein.
„Jetzt nur nicht zusammenklappen!“ ruft er in die Menge, die sich vor ihm immer wieder verdichtet, um dann wieder schnell auseinanderzustreben, was er für sehr seltsam hält.  Heike hält sich an ihm fest und scheint zu dämmern.
„Hallo, sind Sie noch da?“ fragt er sie und rempelt sie freundlich an.
„Hmm!“ entringt es sich ihr; sie schweigt fürderhin, so dass Lauscher sie abschreiben muss.
„Ich habe es ja gewusst, irgendwie … dieser A ist eine so große Missgeburt, dass er alle und jeden unter das Diktat seiner Manipulationen gezwungen hat. Heike, Sie … sind ein Objekt seiner Willkür als Straftäter, eine Mitwisserin ersten Ranges!“
Sie reagiert gar nicht mehr.
„A … diesen A: Ihn muss jeder hassen. Ihn zu hassen ist geradezu Bürgerpflicht! Wenn ich ihn zu fassen bekäme, so würde ich ihn auf der Stelle zur nächsten Polizeidienststelle zerren, ganz egal, ob darunter die News-Qualität meiner Story leiden würde. Das würde ich heute tun! Mein Entschluss steht unwandelbar fest,“ so tönt Lauscher und bewegt sich zu einem der Schaufenster in der Nähe. Heike verharrt auf der Stelle.

6/2
Völlig unerwartet stellt sich nunmehr neben Lauscher im größten Trubel ein Mensch auf, der auf Lauscher dermaßen grau und nichtssagend wirkt, dass er ihn auf Grund seines Spionage- und Agenten-Roman-Konsums nur für einen Geheimagenten halten kann.  Innerlich ist Lauscher stark beeindruckt. So viel Aufmerksamkeit für mich, einen Winzling von Journalist, so denkt er, während er diesen Menschen kritisch mustert.
„Und? Sehe ich wie einer aus?“ fragt ihn dieser Mensch.
Lauscher: „Sprechen Sie mich an … Sie?“
„Ja doch!“ erwidert dieser Mensch und lächelt verschmitzt.
„Sie tun aber geheimnisvoll!“ spricht Lauscher im Ton des Vorwurfs, und dieser Mensch tritt mit Entschlossenheit an ihn heran.
„Ich komme im Auftrag eines Dienstes, den Sie kennen, aber den ich hier und jetzt nicht benennen darf! Es geht einfach nicht. Was jedoch geht, das ist, dass Sie mir schnellstmöglich Informationen bezüglich eines gewissen Herrn A geben, die, wie Sie genau wissen, für die Aufrechterhaltung der Sicherheit in dieser Stadt dringend vonnöten sind!“
Lauscher ist vor Kälte ganz rot im Gesicht; Heike hält sich im Hintergrund, doch dann tritt auch schon ein weiterer geheimer Vertreter, vermutlich Vertreter der Staatsmacht, an sie heran. Er schüchtert sie durch sein Auftreten gehörig ein.
Heike: „Ich habe nichts verbrochen!“
Geheimagent 2: „Das werden wir noch festzustellen haben!“
Heike: „Lauscher, hallo …!“ ruft sie zu Lauscher herüber, der von Geheimagent 1 auf die Knie gezwungen worden ist. Die Passanten rauschen desinteressiert an ihnen vorüber.
Lauscher blickt demütig zu diesem Menschen auf.



Ende

Kay Ganahl
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