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es erinnert sich nicht gut an diesem Ort

Szene zum Thema Liebe, vergangene


von tulpenrot

es riecht nach Dampfer. nach Diesel. die Balken des Pontons schaukeln in den Wellen. die Möwen darauf auch. Möwentanz. ich werde nicht bleiben. trotz der Sonne. werde keine Schuhe kaufen und keine Bluse. kein Eis essen. mein Magen rebelliert. wie so oft seit fünf Jahren.

du stellst dich da hin. Opa macht ‚ne Aufnahme. Emmy mit Sonnenhut und Jacke und warmen Leggins. tumalwinken - zwischen Narzissen und Stiefmütterchen und Tulpen. gelben Tulpen.

das Eis schmeckt den anderen. auf dem Dampfer. Eisesserdampfertouristen. die Kälte kriecht zwischen meine Reißverschlussklammern ins Innere. französisch sprechende Leute spazieren vorbei. ihren Hund an der Leine. die Möwen kreischen deutsch. biegen sich und balzen in Möwenweise. stürzen im Flug von den Stützpfeilern. der Hund verscheucht die Ente vor meinen Füßen. sie versteht keinen Spaß. auch keinen französischen. und macht sich davon

wie dunstig das andere Ufer ist. es wird regnen

die Taue werden gelöst. der Dampfer legt ab. der Motor stinkt wieder nach Diesel.
einmal übers Wasser und zurück in einer Kurve. ein kleiner Zettel als Beleg für die Reise ans andere Ufer.

Und wenn er jetzt käme? Und wenn er jetzt neben mir säße?
„Kennen wir uns?“, würde ich ihn fragen, weil er so ungeniert einfach da sitzt.


ich ärgere mich, dass ich nicht mit dem Dampfer einfach ans andere Ufer gefahren bin.
in meiner Vorstellung macht man so etwas nur in Begleitung. für eine Einzelperson lohnt sich der Aufwand nicht. ich würde alleine auch nur eine Kugel Eis essen. wenn überhaupt.

Und vielleicht würde er fragen: „Wie geht es dir?“
Keine Ahnung, wie es mir geht. Ich wüsste nichts zu antworten. Seitdem wir nicht mehr mit einander geredet haben - und das sind jetzt fünf Jahre her - weiß ich nicht mehr, wie es mir geht. „Gut“, würde ich wahrscheinlich nicht sagen. Aber was dann? „Ich bin traurig“, wäre ehrlicher. Deswegen sitze ich ja hier mit den Erinnerungen im Rücken. Und deswegen werde ich mich verstellen und wieder fragen: „Kennen wir uns?“ Und er wird lachen. „Natürlich. Komm, ich lad dich ein. Du magst doch gerne Eis. Wir kaufen uns welches und du erzählst, was du gemacht hast und ob es dir gut geht.“


zwei Dampfer kommen gleichzeitig an. sie legen an. die Leute steigen aus, langsam einzeln, wenige. es ist Montag. eine alte Frau mit Rollator. der andere Dampfer wurde inzwischen vom anderen Ufer verschluckt.

Mag sein, dass er seine Hand auf meine legen würde und sagen: „Gut siehst du aus. Deine Haare sind gewachsen, so lang hab ich sie mir immer gewünscht.“ Und er würde lächeln, und seine Haut schimmerte braun gebrannt und samtig. Ich kenne sein Gesicht nicht mehr. Nicht mehr von solch einer Nähe. Vermutlich werde ich fragen: „Wann haben wir uns - ‚das letzte Mal’, diesen Teil des Satzes werde ich ganz leise sagen, oder gar nicht - gesehen?“ „Vor fünf Jahren am 8. August. Das war unser Abschied. Erinnerst du dich nicht daran?“

die Möwen verjagen die Taube, die einzelne, alleingelassene. mit Drohgebärden kann man schlecht leben und der Spatz am Fußboden hat kein Interesse an den Futterbrocken, die man ihm hinwirft.

„Nein danke, ich möchte kein Eis. Ich bin satt und habe Bauchweh. Außerdem stinkt es hier. Da schmeckt selbst mir das Eis nicht.“

der erste Dampfer legt ab und in einer halben Stunde muss auch ich aufbrechen, weil die Parkuhr abläuft. wie tief die Möwen fliegen.

"In einer halben Stunde muss auch ich aufbrechen, weil die Parkuhr abläuft", werde ich sagen.  „Ich begleite dich.“ „Weshalb? Wir kennen uns doch gar nicht mehr.“ „Vielleicht.“ Und ich würde aufstehen und gehen und ihn sitzen lassen, obwohl mein Herz brennt und schreit. Aber er wird es nicht hören, nur das Knarren des Pontons und das Lachen der Möwen und die Motoren der Dampfer und das Wasser. Das ließe ich ihm. Für seine Erinnerung. Ich würde zu meinem Auto laufen und mich nicht mehr umdrehen und abfahren. Schließlich kenne ich ihn nicht mehr seit fünf Jahren. Aber bei jedem Eis, das ich mir kaufen werde, und bei jeder Rückkehr an diesen Ort, werde ich weinen. Bestimmt

es erinnert sich nicht gut
am Bodensee
(von tulpenrot)
die Möwen schaukeln mit den Pontons
am Bodensee
(von tulpenrot)

Anmerkung von tulpenrot:

26. April 2010 am Bodensee


 
 

Kommentare zu diesem Text


Martina
Kommentar von Martina (04.05.2010)
Ja genau so!"!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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tulpenrot meinte dazu am 04.05.2010:
Danke Martina, für Kommentar und Klicks!! Genauso ist oder war es, genauso könnte es sein .. oder vielleicht auch nicht. Nur das Letzte wäre mit Wahrscheinlichkeit bestimmt so. ... mir war so danach...
LG
Angelika
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princess
Kommentar von princess (09.05.2010)
Ich finde,
es erinnert sich sogar sehr gut, an diesem Ort.
Als ob die Trauer zähe Wellen wirft.
Liebe Grüße, Ira
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tulpenrot antwortete darauf am 09.05.2010:
Also gut - ich bin einverstanden! Danke für dein Kompliment und deine Empfehlung! Ich hab mich gefreut!
LG
Angelika
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Kommentar von Jonathan (59) (09.05.2010)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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tulpenrot schrieb daraufhin am 09.05.2010:
Mein lieber Jot,
ich will dich bestimmt nicht quälen. Wenn es so wäre, täte es mir sehr leid.
Und auf die Tränendrüsen drücken will ich auch nicht - ich habe einen Text geschrieben - nur das. Wenn er aber andere Menschen berührt, dann ist es gut, dann sagt er nicht nur mir etwas, sondern anderen auch.
Wenn du dich berühren lässt von fremdem Leid, dann ehrt es dich. Hab vielen Dank für deine beiden Sternchen! Das freut mich !!!
LG
Angelika
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Kommentar von PaulineKirsch (22) (09.05.2010)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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tulpenrot äußerte darauf am 09.05.2010:
Danke für dieses große Lob! Und für die Empfehlung!
LG
Angelika
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Kommentar von supernova (51) (09.05.2010)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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tulpenrot ergänzte dazu am 09.05.2010:
Hab Dank für deinen Besuch und deinen freundlichen Kommentar. Deine Bewertung des Textes freut mich und ehrt mich, vor allem, weil da jemand schreibt, der durch meine Brille zu schauen vermochte!
LG
tulpenrot
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AvaLiam
Kommentar von AvaLiam (14.10.2021)
beim Stöbern bin ich über diese, deine Zeilen gestolpert... mehrfach... hab ich meine eigenen Emotionen immer wieder ertappt, wie sie verglichen haben mit meinen eigenen Erinnerungen...
das, was zwischen de(ine)n Zeilen steht, ist die Farbe, mit der all unsere Erinnerungen gemalt sind....
und wenn das Leben mal farblos scheint, ist Grau immerhin etwas, was die Leere füllt...
...und manche Nuancen im Grau haben auch etwas Warmes.... dieser kleine Touch Wollweiß, Beige oder auch Champagner genannt, manchmal Mokka oder Kaffee... du weißt schon ... sind wie Rosen für die Seele...

gerne mit dir am See verweilt...
...ja, irgendwie sogar noch da...

Liebe Grüße
Ava
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tulpenrot meinte dazu am 14.10.2021:
Hallo Ava,
mitten in der Nacht - weil mal wieder schlaflos - finde ich deinen Kommentar und die Sternchen.
Ich weiß noch genau, wann der Text entstand und wie er entstand. Ich freu mich, dass er nach so langer Zeit noch jemanden wie dich berühren konnte. Danke für deine Zeilen. Sie machen mir Mut.
Liebe Grüße und heute dann einen erfreulichen Tag.
tulpenrot
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tulpenrot
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Veröffentlicht am 02.05.2010. Textlänge: 670 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.676 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 21.10.2021.
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