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Milde Gaben

Text


von Jonathan

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Milde Gaben

Ich bin ein mildtätiger Mensch.
Also, im Rahmen bleibend. Nicht unbegrenzt und unbedingt.
Bei den Tauben zum Beispiel, die auf dem Marktplatz herumlaufen oder auf anderen Plätzen, denen gebe ich immer etwas ab. Wenn ich Eis esse zum Beispiel, dann kriegen die was ab von meiner Waffel.
Am Postplatz ist eine Taube, die kann nicht richtig laufen, ihre Füße sind wohl gebrochen. Die hat es dann schwer, etwas abzukriegen. Weil die anderen, die, die gut zu Fuß sind, natürlich auch immer schneller sind.
Ich versuche dann, der lahmen Taube immer etwas in ihre Nähe zu werfen. Manchmal gelingt das auch. Aber manchmal erkennt sie nicht meine gute Absicht, sie erschrickt und flattert davon. Fliegen kann sie ja noch.
Oder die Bettler, die Penner, die Obdachlosen, die in den Gassen sitzen oder auf den Treppen. Die haben dann ihre Mütze auf die Straße gelegt oder einen leeren Joghurtbecher. Die kriegen auch immer was; oder die meisten jedenfalls. Natürlich nichts von meiner Waffel. Die kriegen ein Geldstück. Ich sage dann manchmal: „Das ist für den Hund.“ Denn manche dieser Gestalten haben einen Hund dabei, neben sich auf der Straße liegen.
Nur eine Sorte von Bettlern ist mir ziemlich zuwider. Das sind die berufsmäßigen, die, die auf der Straße knien und ihre Hände in einer Art
Gebetshaltung vorstrecken; Demut und Unterwürfigkeit signalisieren. Da wird das Mitleidheischen etwas zu dick aufgetragen.
Eine Zeitlang sah man auch Frauen mit kleinen Kindern auf der Straße sitzen. Ungefähr so wie die Mutter Gottes mit dem Jesuskind. Auch zu dick aufgetragen.
Bei großen Sammel- und Spendenaktionen habe ich immer ein bisschen ein ungutes Gefühl; nachdem ich gehört habe, dass ein beträchtlicher Teil der Spenden für Verwaltungskosten draufgeht und ein anderer Teil in den Taschen korrupter Politiker verschwindet. Da bleibe ich lieber bei meinen kleinen Gaben, bei denen ich sehe, wo sie hingehen. Und ich gebe ihnen das Geld auch meist in die Hand, vorsichtig natürlich, denn die aufgehaltene Hand sieht oft nicht so ganz einwandfrei aus.
Vor ein paar Tagen stand in einer belebten Gasse eine Gestalt, ganz in Schwarz gewandet, auf einem niedrigen Hocker. So konnte sie von den Vorübergehenden gut gesehen werden. Sie stand ganz reglos, nur manchmal machte sie eine ruckartige, mechanisch wirkende Bewegung. Sie sollte wohl einen chinesischen Mandarin darstellen. Das Gesicht war weiß geschminkt und das Kinn bedeckte ein grauer, spitzer Bart.
Ich hielt dem Mann, denn um einen solchen handelte es sich offensichtlich, ein 2-Euro-Stück vor seine Hand. Aber er nahm das Geld nicht, sondern machte eine hoheitsvolle Bewegung nach unten, wo er ein Behältnis für das Geld aufgestellt hatte.
„Ich kann mich nicht bücken“, sagte ich.
Da öffnete er seine Hand, die in einem schwarzen Seidenhandschuh steckte, und nahm das Geldstück.
Kurze Zeit später  kaufte ich in einem Metzgerladen etwas ein für mein Mittagessen. Da sprach mich eine Frau an, die neben mir an der Theke stand.
„Sie haben wohl auch Beschwerden mit Ihrem Rücken?“
„Wie kommen Sie denn darauf?“ fragte ich zurück.
„Sie haben doch eben zu dem Mann gesagt, Sie könnten sich nicht bücken.“
„Das war gelogen,“ erwiderte ich.
Die Frau lachte.
Dann erklärte ich es ihr: „Wissen Sie, ich gebe gern mal jemandem ein Geldstück. Wenn ich meine, er hätte es nötig; oder er macht irgendetwas dafür. Aber ich sehe nicht ein, dass ich mich auch noch vor ihm verbeugen soll oder sogar vor ihm in die Knie gehen.“

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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von KoKa2110 (42) (09.05.2010)
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Jonathan meinte dazu am 11.05.2010:
.
KLASSE !!!! Danke.
Super Kommentar :-)
.
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Jonathan
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Veröffentlicht am 09.05.2010, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 11.05.2010). Dieser Text wurde bereits 989 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.12.2018.
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