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Die toten Kinder

Text zum Thema Friedhof


von Rudolf

Rechteck reiht sich fein säuberlich an Rechteck. Die Anordnung der Gräber ist geplant, gewollt, bezahlt. Alles ist an seinem richtigen Platz. Am Kopfende der Stein mit Namen, davor die Laterne für das Grablicht, am Fußende der geschotterte Weg. Nepomuk mag die klare, überschaubare Gliederung. Auf dem Friedhof herrscht Ordnung. Hundertfach wiederholt sich dasselbe Muster.

Es gibt aber einen Winkel am Rand der Anlage abseits der Hauptwege, der aus dem Schema herausfällt. Am leichtesten ist er zu finden, wenn man vom Friedhofsweg aus den Nordeingang nimmt und sich dann rechts hält. Es sind ganz kleine Grabstätten, mit ganz kleinen Steinen. Im ersten Augenblick denkt man an Urnengräber. Auf manchen steht Spielzeug: ein Teddy, eine Schneekugel, ein Spielzeugauto. Mal neu in frisch leuchtender Farbe, mal alt, verblasst, zerzaust von Wind und Wetter, mal gerade erst abgelegt, mal vor Monaten zurückgelassen. Nepomuk bleibt stehen. Sein Selbstgespräch verstummt. Er liest die Inschriften auf den kleinen Tafeln:

Tobias
* 23.3.2010  † 17.5.2010
Wir werden Dich immer vermissen.

Melanie
* 29.11.2009  † 3.12.2009

Tim
*† 11.7.2008

Gerührt faltet Nepomuk die Hände, verharrt bewegungslos und starrt auf die kleinen Gräber. Er wird still, stiller noch als die Eichen um ihn herum, in deren Baumkronen leichter Wind säuselt. Vögel rufen in die Stille und Nepomuk atmet ruhig; seine Brust hebt und senkt sich kaum, sein Oberkörper ist leicht nach vorn gebeugt, während er das Alter der verstorbenen Babys errechnet. Bilder von tiefstem Schmerz steigen auf. Eine weinende Mutter und ein verstörter Vater umarmen sich. Als alles beginnen sollte, als ein ganzes Leben erwartet wurde, brach es gleich wieder ab. Nichts. Nur Krankheit, Elend, Trauer, Leiden, Sterben.

Glück, selige Leben zeugende Liebe, Hoffnung, Erwartung, Vorbereitung, Vorfreude und eine Totgeburt.

„So kleine Würmchen müssen hier liegen und Nölendorf darf leben“, hadert Nepomuk mit sich. „Was für gruselige Gedanken? Vielleicht wäre aus dem Würmchen ein Wurm und daraus ein Nölendorf geworden. Das ist auch Ordnung, aber eine andere.“
Er seufzt, wendet sich ab, reißt sich los von den trüben Gedanken und geht zurück auf den Hauptweg in Richtung Friedenskirche. Entlang des Hauptweges stimmt die Größe der Gräber, Geburts- und Todestag haben den richtigen Abstand und die Grabeinfassungen laufen entlang gerader Linien vom einen bis zum anderen Ende des Friedhofs. So mag es Nepomuk: eine klare für jeden erkennbare, nachvollziehbare Anordnung. Ordnung muss sein.

Anmerkung von Rudolf:

100529, Gestaltung der Absätze überarbeitet
100603, Die Stille gesteigert



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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Anne (56) (05.11.2011)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Rudolf meinte dazu am 09.11.2011:
Vor dem Tod versagen menschliche Kategorien. Jung, alt, richtig, falsch alles, was im Leben wichtig erscheint, ist im Tod nebensächlich. Ich freue mich, dass das Einknicken vor dieser Wand, auf die sich alle zu bewegen, rübergekommen ist. Danke.
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Phantasie (93) antwortete darauf am 15.04.2012:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Rudolf schrieb daraufhin am 21.04.2012:
Ist eine Anforderung erfüllt, dann hat jemand etwas getan und ein anderer sagt, so ist es recht. Beim Leben scheint es ähnlich. Einfach geboren werden und sofort wieder sterben erscheint sinnlos. Erst beim zweiten Hinsehen merkst Du, dass das Sinnkonstrukt auf das Leben angewendet keinen Sinn macht. Kurz: das Leben macht / hat keinen Sinn. Wir Menschen können zwar Bände vollschreiben und unser Leben mit Sinnsuche verplempern, aber am Ende ist es nichts weiter, als wenn ein Blinder über die Farbkompositionen eines Gemäldes referiert – sinnfrei.
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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Vom Beten.
Veröffentlicht am 28.05.2010, 5 mal überarbeitet (letzte Änderung am 11.06.2010). Dieser Text wurde bereits 1.592 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.12.2018.
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