im steigen begriffen

Gedicht zum Thema Angst

von  Perry

vierzehn stockwerke, spiegelnd verglast und du bist allein
in der chromverschalten kabine. noch einmal durchatmen,
bevor der knopf gedrückt, die seile stoßgedämpft anrucken.
der zuckende blick zur leuchtanzeige entspannt sich erst,
als es aufwärts geht. kellergeschosse beklemmen dich,
du kennst das gewicht von beton in seiner kantigen höhe.
mit leichtem ziehen im magen, der schwerkraft entfliehend,
geht es nach oben, vom schacht geführt wie eine rakete.
einmal die erde von oben sehen, hochhäuser degradiert
zu statistiksäulen, die gegen unerheblich tendieren.
vom einsetzen der bremsdüsen wachgerüttelt, suchst du
halt an der wand, während dein gehirn noch weiter steigt,
bis es sanft an die schädeldecke stößt, die türen sich
pagenlächelnd öffnen, um dich schwankend auszuspeien.
für den weg nach unten nimmst du die treppe.

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Kommentare zu diesem Text

janna (61)
(06.07.10)
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 Perry meinte dazu am 06.07.10:
Hallo Janna,
ich denke, sich in besonderen Höhen aufzuhalten ist Gewöhnungssache. Nur das unvermittelte Gefühl des Steigens in solche Höhen, kann einem schon mal ein leichtes Unwohlsein bescheren.
Mir ging es hier um die innere Befindlichkeit, das Gefühlsauf und -ab in solchen Momenten.
Freut mich, dass dir der Text gefallen hat.
LG und Danke für die Empfehlung.
Manfred
steinkreistänzerin (46)
(06.07.10)
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 Perry antwortete darauf am 06.07.10:
Hallo Steinkreistänzerin,
ich hoffe, das Hochhaus in dem du arbeitest hat keine 14 Stockwerke.
Freut mich, dass du das Gänsehautfeeling spüren konntest.
Danke fürs Hineinfühlen und LG
Manfred
Profilaxeschrei (49)
(06.07.10)
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 Perry schrieb daraufhin am 06.07.10:
Hallo Profilaxeschrei,
die durchgehende Kleinschreibung verwende ich immer dann, wenn ich die Textgestaltung zugunsten der Bildsprache zurücknehmen möchte.
freut mich, dass dich die Bilder ansprechen konnten.
Danke fürs Reinschauen und LG
Manfred

 Didi.Costaire (06.07.10)
So eine Fahrt im Fahrstuhl ist immer ein bisschen beklemmend, wahrscheinlich für jeden. Deine Verse machen es noch einmal ganz krass deutlich.
Sehr interessant finde ich die Mathematik der Angst in deinem Gedicht: vierzehn Zeilen für vierzehn Stockwerke mit dem Lift, eine Zeile für die gleiche Strecke zu Fuß.
LG, Dirk

 Perry äußerte darauf am 06.07.10:
Hallo Dirk,
Kompliment für dein scharfes Zeilenauge. Wenn ich die letzte Zeile absetze, wird es vielleicht noch deutlicher.
Danke für die Empfehlung und LG
Manfred
LilofeeFlowerbirdMoonwind (61)
(04.08.10)
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 Perry ergänzte dazu am 04.08.10:
Hallo Flo,
wenn es im Leben immer eine Treppe gäbe, würden vielleicht weniger springen.
Danke fürs Verstehen und LG
Manfred
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