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Der Gemini

Erzählung


von Sanchina

Der Gemini


„Du bist sein Bruder. Deshalb musst du gehen. Jeder wird dich für ihn halten!“ hatte es geheißen. Und nun war der Gemini mit dem ganzen Tross schon seit drei Tagen unterwegs. Er reiste als der, der er war, nämlich als sein Zwillingsbruder.

Jener war der Erstgeborene gewesen. Der Gemini war immer nur sein Schatten gewesen; er hatte nicht einmal einen eigenen Namen. Die Brüder hießen beide Johannes, nach ihrem Vater.

Und nun war Johannes tot. Aber es gab ja noch den Gemini. Der war nun unterwegs zur Hochzeit seines Bruders, seiner Hochzeit. Weder die Auserwählte noch deren Eltern wussten, das Johannes tot war. Zum Glück lebte der Gemini ja noch.

Johannes trat vor den Altar und sprach anstelle seines Bruders das Ja-Wort. Er sah seine Mutter weinen und dachte: sie weint um Johannes. Er nahm den Kuss der Braut entgegen und dachte: sie küsst Johannes. Er erbte, wissend, dass das Erbe nicht für ihn bestimmt war.

Von dem doppelten Johannes hatte kaum jemand gewusst. Die Eltern, zwei Mägde und die drei jüngeren Schwestern wussten um die Existenz des Gemini, sonst niemand.  Die Zweitausgabe des Erstgeborenen war sorgsam versteckt worden. Der Gemini hatte keinerlei Erziehung genossen, geschweige denn Unterricht. Was er konnte und wusste, hatte er von Johannes abgeschaut.

Und nun war Johannes tot und der Gemini musste als Ersatz herhalten. Darauf war er nicht gut  vorbereitet. Er fühlte sich nicht mehr am Leben, seitdem Johannes gestorben war.

Nur zu seiner eigenen Verwunderung spielte er seine Rolle glänzend. Er stellte sich immer vor, Johannes ginge ihm voraus und er folge dem Bruder nur, wie er ihm immer gefolgt war.  Dem Bruder gebührte alle Ehre. Der Gemini vertrat ihn nur.

Doch der Gemini tat seine Pflicht und zeugte einen Sohn. Seitdem die junge Frau in Hoffnung war, war immer nur von einem Sohn die Rede.

Die Hoffnung erfüllte sich: der Erstgeborene war ein Knabe; der Zweitgeborene ebenfalls. Am Hof wurde die Geburt des Erben drei Tage lang gefeiert. Schnell verbreitete sich das Gerücht, eine der Mägde habe zur selben Stunde wie die Herrin auch ein Kind geboren. Doch dieses Kind bekam kaum jemand zu Gesicht. Es wurde sorgfältig versteckt.

Nur die Frau Schwiegermutter war mit dem Vorgehen nicht so ganz einverstanden. Sie ließ ihren Schwiegersohn zu sich rufen und fragte ihn: „Wie soll denn der Gemini ein Mann werden, wenn er so versteckt aufwächst?“

Johannes antwortete: „indem er aus dem Schatten seines Bruders tritt, wenn er gebraucht wird.“

Die Mutter schaute ihren Schwiegersohn wissend an. Dann sagte sie zu ihm: „Johannes, du bist auch ein Gemini!“

Der Gemini stellte sich vor, Johannes stünde an seiner Stelle vor der Schwiegermutter und er hinter ihm. Dann hob er das Kinn und sagte: „Ja, Mutter, ich bin der Gemini. Johannes ist gestorben. Ich bin Johannes.“

Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er „ich“ sagte und sich meinte.


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von SigrunAl-Badri (50) (16.07.2010)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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princess
Kommentar von princess (17.07.2010)
Ein Leben als Ersatzteil...
was für eine Vorstellung.
Spannende Geschichte.
Lieber Gruß, princess
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Veröffentlicht am 16.07.2010. Textlänge: 478 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.221 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 09.03.2020.
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