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Genre des Tages, 16.09.2019:
Groteske
Närrische, derbkomische, überspannte Erzählung; auch zu ergänzen durch Filmgroteske, Hörspielgroteske pp.
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Erzeugerglück von LottaManguetti (11.09.19)
Recht lang:  Sein letzter Kampf III von pentz (3859 Worte)
Wenig kommentiert:  Euro-Erdbeben von pentz (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Einäugig von eiskimo (nur 33 Aufrufe)
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HerzklopfenInhaltsverzeichnisMorgengrauen

Zollfahndung

Roman zum Thema Suche


von Mutter

Es vergehen mehr als zwanzig Minuten, bis wir uns endlich sicher genug fühlen, um zum Clio zurückzukehren.  Mit einem letzten sichernden Blick über die Schulter lasse ich die Zentralverriegelung aufspringen und wir steigen ein.
Nachdem die Türen zuklappen, sitzen wir einen Moment da, bevor langsam die Lichter der Innenbeleuchtung verglühen. Als könnten wir erst dann reden, sagt Manu endlich: „Hat uns das jetzt was gebracht?“
„Was ist mit der Buchung? Von der Pension – hast du die mitgenommen?“
Triumphierend hält sie im Dunklen einen Zettel hoch. „Klar. Hatte nicht mehr wirklich Gelegenheit, den zurückzupacken.“ Ihre Zähne leuchten bei ihrem Lächeln hell auf.
Ich reagiere nicht auf den Scherz – bin mit meinen Gedanken dabei, zu sortieren, zu ordnen – zu finden. „Im Schlafzimmer stand ein Gästezimmer. Als hätte jemand bei Schellstädter übernachtet.“
„Wer denn?“
„Keine Ahnung – aber ich habe ihm geglaubt. Ich gehe nicht davon aus, dass er in Berlin war, oder dass er was mit Luisa zu tun hatte. Oder überhaupt mit der ganzen Sache.“
Sie nickt. „Was zusammen mit dem Gästebett auch Sinn ergeben würde. Irgendwer hat bei ihm übernachtet und ist dann rüber nach Berlin.“
„Das heißt, dass es vielleicht gar nicht Schellstädter war, der bei den Kellers angerufen hat. Was erklären würde, warum ihm der Name nichts sagt.“
„Das heißt, wir suchen einen großen Unbekannten, bei dem alle Fäden zusammen laufen.“ Nach einem Moment korrigiert sie: „Oder jedenfalls sehr viele Fäden. Aber immerhin wissen wir, wo wir ihn suchen müssen.“
Ich nicke und tippe mit dem Finger gegen das Papier. „Wo ist die Adresse?“
Sie macht das Licht über der Tür an und studiert den Zettel. „Direkt am Innsbrucker Platz. Die Telefonnummer steht dabei.“
„Zeig mal her.“ Sie reicht mir das Blatt und ich sehe selbst. Außer einem Namen, der Adresse und der 
Telefonnummer stehen nur das Datum kurz vor Tigers Verschwinden, die Angabe „2 – 3 Wochen“ und der Preis von 11 Euro die Nacht. Plötzlich nimmt es mir Manu wieder weg. In der anderen Hand hat sie ihr Handy und tippt die Nummer ein.
„Du willst da jetzt anrufen? Um die Uhrzeit?“
Sie lächelt. „Unsere Pension hatte doch auch die ganze Nacht einen Empfang. Ansonsten bekomme ich halt den … Ja, guten Abend. Karmann ist mein Name. Ich wollte fragen, ob Sie noch Zimmer ab morgen Nacht haben.“ Sie lauscht, nickt. Sieht mich an, lächelt. „Ja, kein Problem. Ist nicht für mich, sondern für einen Freund. Ja, das verstehe ich.“ Während sie weiter wartet, spielt sie mit dem Papier in ihrer Hand. Knickt eine der Ecken mehrfach gedankenverloren um. „In Ordnung, ich würde mich morgen früh noch mal bei Ihnen melden. Vielen Dank.“ Sie legt auf.
„Und?“
„Es ist eine Art Heim oder Hostel, vor allem für Bauarbeiter und ähnliche Saisonarbeiter. Der Typ wollte zweimal wissen, ob ich ein Bett für mich selber will“, sagt sie mit einem Lachen. „Er war sehr besorgt.“
Nachdenklich kratze ich mir das Kinn. „Ich würde ja gerne verhindern, dass Schellstädter seinem Kumpel steckt, dass wir ihm auf der Spur sind.“
„Ich bin nicht sicher, ob er das mitgeschnitten hat. Ich meine, als ich den Wisch gefunden habe, ist er doch gerade vollkommen ausgetickt. Und nicht deswegen, oder?“
„Nein. Ich glaube, wir sind ihm allgemein ziemlich auf den Sack gegangen.“ Wir lachen beide.
„Was machen wir jetzt?“ Sie wendet sich mir zu und sieht mich an.
„Ich werde kaum die Ruhe haben, in unserer Pension abzusteigen. Am liebsten würde ich gleich zurückfahren.“
„In Ordnung. Dann los – was hält uns noch?“
Mit einem Grinsen lasse ich den Wagen an und parke aus. „Du bist manchmal herrlich unkompliziert.“

Wenig später passieren wir die Stadtgrenze von Hamburg. Es fühlt sich gut an, wieder auf der Autobahn und vor allem in Bewegung zu sein. 
„Willst du da direkt hin, wenn wir in Berlin ankommen? Bei diesem Heim?“
Ich beantworte ihre Frage nicht sofort. Weil ich die Antwort nicht kenne. Wenn es sich wirklich um einen möglicherweise gefährlichen Kumpel von Schellstädter handelt, weiß ich nicht, wie klug es ist, dort mitten in der Nacht aufzukreuzen und ihn unter Druck zu setzen. Das war schon bei Schellstädter nicht sehr schlau – aber da haben wir Glück gehabt. „Ich fürchte, wir brauchen Hilfe.“
„An wen denkst du?“
„Frank. Ein Kumpel von mir – der ist Zivilbulle.“
„Willst du den jetzt noch anrufen? Um die Uhrzeit?“
Für einen Moment zögere ich. Weil sie so klingt, als stünde das außer Frage. Dann entscheide ich mich trotzdem dafür – zu viel steht auf dem Spiel. Zu viel hängt davon ab, dass wir rausfinden, wer sich bei Schellstädter eingemietet und dann nach Berlin gegangen ist. Ich fummle das Handy aus der Hosentasche.
„Sollen wir wechseln? Ich fahre?“
Ich schüttle den Kopf und gehe die Nummern durch, indem ich schnelle Blicke zwischen Display und Straße hin und her werfe. Ich will nicht auf den nächsten Parkplatz warten, sondern Frank gleich anrufen.
Es klingelt eine ganze Weile, bis sich Frank meldet. Er klingt verschlafen – ich hatte gehofft, dass er sich vielleicht auf dem Job befindet und nicht zu Hause, im Bett.
„Ich nehme an, es ist wichtig, Luca.“ Es ist kaum Tadel aus seiner Stimme heraus zu hören.
„Hoffentlich habe ich Sabine nicht geweckt.“
„Nein, kein Problem. Hat nur vibriert. Was gibt’s?“
Ich lenke den Clio vorsichtig in die mittlere Spur, um einem von hinten heranrasenden Sportwagen auszuweichen, der ausgiebig von der Lichthupe Gebrauch macht. „Wir waren in Hamburg – es gibt eine neue Spur.“
„Sag an.“
Ich umreiße kurz, wie wir auf Schellstädter gekommen sind und dass wir bei ihm in der Wohnung gewesen sind. Lasse die Schlägerei im Flur aus, erwähne aber den Zettel, den Manu mitgenommen hat. Beschreibe ihm, warum wir glauben, dass wer auch immer sich dort eingemietet hat, wichtig ist. Sein könnte.
„Okay“, sagt er – gedehnt und langgezogen. Als würde er bereits darüber nachdenken.
Mit leichter Unsicherheit in der Stimme frage ich: „Hast du eine Idee? Einen Plan? Irgendwas?“
„Ich kenne die Bude – das sind lauter Container, die dort zusammengestellt sind. Sind fast nur Ausländer, die dort unterkommen. Polen, Vietnamesen, Albaner – viele Saisonarbeiter, aber auch genauso viele Schwarzarbeiter. Die Jungs vom Zoll haben das Gelände immer wieder im Auge. Ab und zu gibt’s da einen Zugriff, um so eine ganze Bande abzugreifen, einzusacken und abzuschieben.“ Er lacht ohne Humor. „Jedenfalls kann ich jemanden darauf ansetzen, einen vom Zoll.“
„Du willst dem Zeug erzählen? Ihm irgendwas was auftischen?“
„Naja, bei Clemens kann ich durchblicken lassen, dass es eigentlich um was anderes geht. ES trotzdem wichtig ist. Muss ich nur etwas … umschreiben.“ 
„Hör zu, Frank, ich will nicht …“
„Klappe, Luca – du hast mich angerufen. Das ist gut. Jetzt kümmere ich mich drum, aber auf meine Weise, okay? Mach dir um mich keinen Kopp. Ich pass schon auf mich auf.“
„In Ordnung. Wie geht’s weiter?“
„Ihr kommt erstmal zurück nach Berlin, schlaft euch aus. Ich sorge dafür, dass irgendwer innerhalb von einer halben Stunde vor diesem Containerdorf steht. Und morgen früh, sobald du ausgeschlafen hast, meldest du dich bei mir. Ich sag‘ dir dann, was Phase ist. Klärchen?“
„Klärchen.“
„Dann kommt gut durch. Und hör auf, beim Fahren zu telefonieren, du Penner.“ Er legt auf.

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