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Satire zum Thema Achtung/Missachtung


von EliasRafael

An die beidseitig großzügig verteilten Lieblosigkeiten haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Sie gehören zu unserem Alltag wie Zähneputzen. Alles Prophylaxe, zum Schutz vor unkontrollierbaren Gefühlen. Protection ist wichtig! Das rät dir jeder Kinderpsychologe. Zu allen denk- und undenkbaren Vorsorgeuntersuchungen gehe zumindest ich daher inzwischen von selbst mindestens einmal im Jahr. Das gibt jedesmal einen Stempel.

Zum Beispiel neulich. „Schlecht geputzt“, sagte der Urologe, als er mir das fluoreszierende Endoskop aus dem Arsch zog. „Sie sollten aufpassen, so ein Analkarzinom kann sehr unangenehm werden.“ Ich zog mir die Hose wieder hoch und starrte ihn an. Er steckte mir einen Zehner in die Brusttasche, grinste dabei unerlaubt gutaussehend. „Schön war’s und jetzt schleich dich.“ Ich hatte also meinen Arsch für zehn Euro an einen perversen Kurpfuscher verkauft. Na, prima. Fakt ist: Er hätte ihn auch billiger haben können. Ich versprach mir selbst: Das nächste Mal werde ich lieber noch was draufzahlen, wenn ihn mir einer reinrammt. Und nachher schön sauberlecken. Gelernt ist gelernt. Selbstmitleid schmeckt irgendwie nie gut, aber mit etwas gutem Willen und ein bisschen Würgereiz kriegt man alles runter.

Ich rate dir, Schatz: Stell keine Fragen, niemals, denn es hat nichts, aber auch gar nichts mit Problemen aus der Kindheit zu tun. Die war nämlich schön, voll Bilderbuch und so, fast Ponyhof. Ich fantasierte mich früher in alle Helden der Geschichte von Marcus Antonius über Jef Costello bis Dirty Harry. Vielleicht noch Graf Vronsky. Klar, immer auch partiell zwielichtige Gestalten mit ungutem Ende. Aber von sowas willst du sowieso nichts hören, suchst stattdessen geifernd nach unseriösen Jugendgeschichten, schlüpfrigen Details über Missbrauch in dunklen Hinterzimmern und nach abgehackten Tagebuchnotizen. Kranken Fragmenten einer kaputten Historie. Nichts wirst du finden, weil da nichts ist. Okay, auf Youtube vielleicht ein wackelig aufgenommenes Super-8-Video von einer ziemlich absurden Kindertheatervorstellung. Einen angekokelten Teddy ohne Arme und Beine auf der Müllkippe hinter unserem Haus eventuell. Das alles beweist jedoch nichts, außer dass du ein Spanner bist und gerne im Dreck wühlst.

Wir treffen uns also doch. Aber unser lange geplantes Gespräch nimmt ein abruptes Ende, bereits nach genau drei Worten zum Einstieg. Als große Aussprache hattest du es vorher vollmundig angekündigt. Ein episches Format. Ein banal-widerliches „Fick dich selbst“ ist nun dabei rausgekommen. Nur drei Worte. Und: Du wiederholst dich, Honey. Ich lächele dich daher herausfordernd an, was dich nur noch wütender macht. Du telefonierst, und ich höre nur etwas von "ihm Manieren beibringen." Wenigstens darf ich meinen Cocktail austrinken. Sex on the Beach, ein ultrabilliges, immerhin süffiges Gesöff, ganz wie du, das in dieser Bar zufälligerweise genau die zehn Euro kostet, die ich noch in der Brusttasche finde. Ein teurer Spaß, aber so hat wenigstens einer von uns Amüsement an diesem Abend. Denke ich noch.

Als ich kurz darauf die Bar verlasse, warten draußen vor der Tür bereits drei Schlägertypen mit typisch osteuropäischen Gesichtszügen auf mich. Die beiden nicht unsympathischen Polen helfen mir freundlicherweise beim Stehen, während der junge Russe auf mich einprügelt. Blutjung, der Bursche, höchstens 18, und schon so geil grausam. Ich spucke den Polen Blut ins Gesicht, damit sie an unserer Party teilnehmen. Sie gucken mich wenig erheitert an, gehen aber dann als letzte.

Unappetitlicherweise blutüberströmt und mit Hämatomen übersät liege ich am Boden und krümme mich. Die Tür öffnet sich, du legst wieder Mal einen wundervollen Abgang hin. Aus den Augenwinkeln schaust du mich noch spöttisch an, als du an mir vorbei schreitest. Mein Anblick rührt dich irgendwie, wenn auch nicht im Guten. „Deine traurige Geschichte widert mich mehr an als meine eigene,“ keifst du und tritts mir mit dem High-Heel-Absatz in die Eier. Zufrieden ziehst du von dannen.

Als wir uns dann das nächste Mal treffen, bist du Gottseidank besser aufgelegt. Das bedeutet so viel: Du schreist nicht sofort los, stattdessen endet unsere Unterhaltung in einem Heulkrampf. Ich hätte das Gespräch eben nicht auf deine Zukunft lenken sollen. Das war dumm von mir. Denn wir waren uns ja vorher einig, dass du die bereits hinter dir hast. Wir sind eigentlich schon beide lange tot. Unsere törichten Träume haben uns für eine Weile künstlich am Leben erhalten. Jetzt hat uns das echte Leben doch noch erwischt, die Vergangenheit hält uns wieder fest im Klammergriff. Im ersten Moment stört es dich nicht, dass ich den Arm tröstend um dich lege. Doch später, als dieser Anflug von Sentimentalität vorüber ist, wählst du wieder die Nummer deines russischen Kontaktmanns und triffst ein weiteres Engagement.

„Denk nicht, dass sie das umsonst machen, sie werden mich dafür nachher ficken oder sonstwie benutzen wollen“, erklärst du mir mit schuldbewusstem Blick, als müsstest du dich vor dir selbst rechtfertigen.

Ein Trost, denke ich mir, immerhin, und reibe mir in Vorfreude auf das Kommende die immer noch vom letzten Mal schmerzenden Eier.

„Ich meins nich so, das weißt du.“
„Klar.“
„Heul nich.“
„Du auch nich.“
„Hör zu, es ist wie es ist. You can call me Romy, aber das ändert nichts. Gar nichts.“

Ich nicke dir verständnisvoll zu, stehe auf und verlasse die Bar. Vor der Tür sehe ich ein paar alte Bekannte. Die Jungs von neulich. Partytime. „Oh, ihr seid’s. Ach Gott. Fickt euch, Kanaken.“ Der Russe lacht. Danach Filmriss.

Anmerkung von EliasRafael:

inspired by Nachtblende/Important c’est d’aimer


 
 

Kommentare zu diesem Text


Mutter
Kommentar von Mutter (28.08.2010)
Sehr cool. Ein bisschen so, als würde man in Glasscherben auf dem Boden noch Fetzen eines vergangenen Filmes sehen und sich dann daran die Hände aufschneiden.

Mag ich.

Nur: Das 'Gar nichts.' aus dem Titel ist mir zu viel. Das hat weder der Titel noch der Text nötig.
Ansonsten ist der Titel Spitze - der hat mich hierhergebracht.

M.
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EliasRafael meinte dazu am 28.08.2010:
Hey, cooler Kommi, du hast das gut beschrieben, es war ja auch inspiriert von einem sehr speziellen Film.

Der Titel, ok, es ist hier wörtliche Rede. Derjenige, der es sagt, sagt es so wie die Inspiration gebende Person es gesagt hätte. Und da wäre das "Gar nichts" eben absolut typical.Aber vllt ist es im Titel echt too much, das mag sein.
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ZornDerFinsternis antwortete darauf am 25.12.2010:
Die Story, der Schreibstil...alles einfach nur geil. Und der Kommentar von Mutter eben so genial. Sehr, sehr beeindruckt und sprachlos.
Liebe Grüße in den Weihnachtstag.
Anni
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theatralisch
Kommentar von theatralisch (25.12.2010)
Nichts ändert überhaupt irgendwas. Höchstens...

Die Russen lachen immerzu. Alles andere habe ich lange vergessen, weggesoffen in 100 Nächten, schätze ich. An Silvester gönne ich mir das Weihnachtsgeschenk meiner Mutter: Eine Flasche Prosecco, die neben Tausenden im Keller stand. Sie meinte wohl, ich sollte mich endlich zutode saufen. Besser noch: "Sauf dich endlich zutode!"
Zuvor muss ich allerdings einige Antis schlucken, um nicht schon vorher auszuflippen. Ein geplanter Suizid ist nämlich alles, was ich heute noch will. Je-irgendwas, Darling.
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aNna17
Kommentar von aNna17 (30.12.2017)
Ich habe sehr gelacht.
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EliasRafael schrieb daraufhin am 05.01.2018:
Heya. Lachen, wenn keiner mehr mitlacht ist das beste.
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