Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
ARACHNAE (17.10.), Girlsgirlsgirls (16.10.), HirschHeinrich (16.10.), Wilbur (16.10.), Tim2104 (16.10.), Eta (13.10.), finnegans.cake (13.10.), Earlibutz (12.10.), miarose (12.10.), Lexia (08.10.), Christia (07.10.), Mohamed (07.10.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 799 Autoren und 129 Lesern. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.
Genre des Tages, 18.10.2018:
Dinggedicht
Das Dinggedicht konzentriert sich auf den poetischen Ausdruck einer äußeren, konkreten, meist optischen... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Karlův Most von Hecatus (01.09.18)
Recht lang:  Die Gesellschaftsmaschine | Mais. von Elén (1132 Worte)
Wenig kommentiert:  Verstehst du die Natur von Matthias_B (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Quel bordel von Marjanna (nur 80 Aufrufe)
alle Dinggedichte
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Klirrend kalter Winter
von IngeWrobel
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil ich Literatur und Lyrik als Herzensangelegenheit sehe" (MissBluePiano)
„Ich werde mein Leben lang üben Dich so zu lieben“* (Wir sind Helden)InhaltsverzeichnisMittsommernacht

Keine Liebe ohne Drama.

Hymne zum Thema Liebe & Schmerz


von Dieter Wal


Dieser Text gehört zum Projekt Liebe in Lyrik und Prosa.
Für K. S.


Wie in den Tagen, da das Licht erblindet
und untergeht im schwarzen Meer des Alls
und selten sich bei Nacht mit einem Stern verbindet,
im düstren Regen dunklen Sternenfalls,
so fliegt mein Herz dir zu leicht wie ein Ball
am Tag, mit dem die Kinder spielen.

Halt ein, halt an, die Zeit steht still.
Das Licht erhellt den Baum, von dem die grünen Blätter fielen
wie Lidschläge in einem dumpfen Traum.

Halt ein, halt an, es kracht und zerrt der Kiel
die kühle See, das Schiff läuft ein, der Bug erbebt,
die Möwe blickt herab und wundert sich, die Planken sind gespannt,
doch sitzt der Nagel tief im blutigen Holz,
das Bernsteintropfen in die See geweint hat.

Halt ein, halt an, werd wach, blick um dich:
Der Tag beginnt, der Morgen immer währt,
fegt mit einem gewaltigen Streich seine Tenne.

Der Seemann lacht und beißt in seine Pfeife.
Ein Meckern. Schon ist er verschwunden bei der Arbeit
unbekümmert um meine Narrheit.

 
 

Kommentare zu diesem Text


tileo
Kommentar von tileo (12.01.2018)
Anfangs dachte ich: Schöne Satire auf volltrunkene Hymnen!

Strophe 1 ist genretypisch verschwurbelt und klangverliebt, hat inhaltlich aber bei etwas eingehenderer Betrachtung keinerlei erkennbaren Zusammenhang. Im Gegenteil! Nacht ist Tag. Die Schwere und Dunkelheit des Untergangs und fallenden Regens fliegt leicht wie ein Herz, wie ein Ball aus einer alltäglicheren Welt. Irgendwem zu.

Das passt alles so passgenau nicht zusammen, dass es schwer fällt, an Zufall zu glauben. "Im düstren Regen dunklen Sternenfalls" wirkt anfangs wie eine schöne Stilblüte, aber es ist schwer vorstellbar, dass dieser doppelten Dopplung etwas anderes als pure Absicht zugrunde liegen kann. Unmögliche Vergleiche treffen auf Tautologie. Starker Beginn einer Satire, die das Genre auf die Schippe, aber durchaus ernst nimmt! Dachte ich.

Strophe 2 enthält mein persönliches Highlight. Vers 1 führt alle davor direkt mal ad absurdum. Aber darum geht es nicht. Wirklich toll sind die folgenden Worte:

"Das Licht erhellt den Baum, von dem die grünen Blätter fielen
wie Lidschläge in einem dumpfen Traum."

Welches Licht? Welcher Baum? WTF! Der Satz ist kunstvoll genau so konstruiert, dass Beziehungen unauflösbar bleiben. Fallen Blätter wie Lidschläge? Erhellt Licht wie Lidschläge? Ist der erhellte Baum nur dumpfer Traum? Wir werden es nicht erfahren. Aber klang es nicht zumindest für kurze Zeit wie ernsthafte Poesie? Spätestens hier dürfte man als Leser merken, dass man recht gekonnt auf den Arm genommen wurde.

Danach lässt das Gedicht leider nach. Es wiederholen sich bloß die Stilmittel, die in Strophe 1 und 2 noch für ein Kichern sorgten. Aber es ist nicht mehr ähnlich lustig. Da kann selbst ein plötzlich verschwundener Seemann nichts mehr retten.

Wie es ist, würde das Gedicht davon profitieren, wenn man es auf maximal 2 Strophen kürzen würde.
diesen Kommentar melden
Dieter Wal meinte dazu am 12.01.2018:
Hallo tileo,

super, dass sich jemand an das herantraut! Du hast dir eins der mit Abstand schwierigsten Gedichte von mir auf kV für deinen Erstkommentar herausgesucht.

Dazu freut besonders, dass du dich auch in Berlin befindest.

"Nacht ist Tag. Die Schwere und Dunkelheit des Untergangs und fallenden Regens fliegt leicht wie ein Herz, wie ein Ball aus einer alltäglicheren Welt. Irgendwem zu."

Puh. Vielen Dank für deine Auseinandersetzung.

Die Hauptaussage "dass irgendwem ein Herz zuflöge" wurde möglicherweise immerhin verstanden. Auch die Schwere einerseits und die Leichtigkeit andererseits. Die kausale Verknüpfung jedoch befindet sich nicht im Text. Dennoch hat sich jemand verliebt (leicht) und tut sich damit schwer.

Das erklärt sich vielleicht, dass er sich "schwer verliebt" hat, also tiefe Gefühle empfindet, aber noch nicht fähig ist, sich auf eine Geliebte einzulassen, weil er noch nicht soweit ist, sich von seinen inneren Verletzungen, die aus der vorangangenen Beziehung und deren Ende resultieren, noch nicht erholte.

Darum gehts im Wesentlichen.

Was das Gedicht zu einer Herausforderung machen kann, ist die Art und Weise. Zwar hatte ich nicht vor, John Donnes Metaphysical Poetry zu imitieren, aber eine damit vergleichbare Poetik schwebte beim Schreiben vor.

Mystische Gedichte entstanden zwischen 1995 und 2009 häufiger. Die meisten um 1996.

""Im düstren Regen dunklen Sternenfalls" wirkt anfangs wie eine schöne Stilblüte, aber es ist schwer vorstellbar, dass dieser doppelten Dopplung etwas anderes als pure Absicht zugrunde liegen kann."

So ist es. Freut mich, dass es bemerkt wurde. Danke.

"Unmögliche Vergleiche treffen auf Tautologie. Starker Beginn einer Satire, die das Genre auf die Schippe, aber durchaus ernst nimmt! "

Stimmt auch. Die ironische Brechung am Ende musste sein bei soviel irrationaler Überspanntheit davor. Es war mir damit inhaltlich todernst und das spürt man, glaube ich, deutlich. Auch du scheinst den tödlichen Ernst erfreulicherweise bemerkt zu haben.

Beim Schreiben ging es mir darum, Bilderwelten aus der Alchemie zB im Gedicht umzusetzen, die Dramatik, die bei König Lear mit dem Erblindeten erfahrbar wird, in apokalyptischen Bildern anklingen zu lassen.

Wie in den Tagen, da das Licht erblindet
und untergeht im schwarzen Meer des Alls
und selten sich bei Nacht mit einem Stern verbindet,
im düstren Regen dunklen Sternenfalls,
so fliegt mein Herz dir zu leicht wie ein Ball
am Tag, mit dem die Kinder spielen.

Auch dachte ich an "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen" der Bibel und hatte das Buch Hiob im Hinterkopf mit seinen großartigen Vergleichen. Damals studierte ich Theologie und machte meine wichtigsten mystischen Erfahrungen. Vielleicht ist das Gedicht damit entschuldigt. Verzeihst du es mir? Ernstgemeinte nichtrhetorische Frage.

"Das Licht erhellt den Baum, von dem die grünen Blätter fielen
wie Lidschläge in einem dumpfen Traum."

Dieses Motiv taucht in meinen Gedichten häufiger auf. Es hängt mit Eden zusammen. Damals schrieb ich über einen kahlen dunkelblauen Baum mit goldenen Früchten und malte es als Aquarell.

"Welches Licht? Welcher Baum? WTF! Der Satz ist kunstvoll genau so konstruiert, dass Beziehungen unauflösbar bleiben. Fallen Blätter wie Lidschläge? Erhellt Licht wie Lidschläge? Ist der erhellte Baum nur dumpfer Traum? Wir werden es nicht erfahren. Aber klang es nicht zumindest für kurze Zeit wie ernsthafte Poesie? Spätestens hier dürfte man als Leser merken, dass man recht gekonnt auf den Arm genommen wurde. "

Durchaus nicht. Der Baum befindet sich zwischen Traum und Wirklichkeit. Gemeint ist er symbolisch. Die bedrohliche Atmosphäre des Beginns wird darin aufgegriffen. Traum und Wirklichkeit verwischen sich weitestmöglich, um erst am Ende im Bild des Seemannes ironisiert und durch den Begriff "Narrheit" negativ wertend selbstironisch aufgehoben zu werden.

Gruß
D

Antwort geändert am 12.01.2018 um 14:57 Uhr
diese Antwort melden
tileo antwortete darauf am 13.01.2018:
Ich merk grad, dass ich deine Kommasetzung nicht ausreichend berücksichtigt habe. :-o Ansonsten hab ich wohl erfreulicherweise einigermaßen genau gelesen, nur dass sich mir die Ironisierungen im Kontext einer Hymne nicht so recht erschlossen haben. Muss definitiv mal ein paar andere Texte von dir lesen, um deinen Humor zu checken.
diese Antwort melden
Dieter Wal schrieb daraufhin am 13.01.2018:
Christlich geprägte Menschen nehmen Spiritualität selten in Verbindung mit Humor als ernstzunehmend wahr (nach dem Motto: "Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen / noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen", Psalm 1,1, Lutherbibel 2017), Daher wirken Texte, die beides miteinander verbinden, befremdlich.

Ironie distanziert die Leser von Textinhalten.

"Nötig" war sie in erster Linie für mich, um mich selbst dadurch abzugrenzen: Transzendenz besteht nicht aus Abgrenzung, sondern im Gegenteil geistiger und seelischer Durchdringung. Gerade deshalb ist innere Distanz enorm wichtig. Ohne Bewahrung innerer Distanz und absolute Priorität des kritisch Hinterfragenden über sämtliche spirituelle Erfahrungen in der Innen- und Außenwelt ist Mystik undurchführbar.

Die für mich erforderliche Ironie innerhalb solcher Themen, sind sie authentisch angelegt, erschwert Interpretationen.

Antwort geändert am 15.01.2018 um 02:04 Uhr
diese Antwort melden

„Ich werde mein Leben lang üben Dich so zu lieben“* (Wir sind Helden)InhaltsverzeichnisMittsommernacht
© 2002-2018 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2018 keinVerlag.de