Seitenwechsel

Gedankengedicht zum Thema Alles und Nichts...

von  Isaban

Der Ticktackton treibt mich zur Eile.
Wir gleiten stets zum Nichtsein hin.

Mir graut schon vor der andren Seite,
dem Punkt, wo ich dem Hier entgleite,
vorm Zeitlossein und all der Weite
im Garnichtsmehr, wo ich dann bin,

wenn ich im Jetzt nicht mehr verweile.
Ich wünschte mir und  will und weiß,
mein Wollen macht nur leidlich Sinn,
bleibt Zeit für einen Anbeginn:

Der Ticktackton treibt mich zur Eile.
Wir gleiten stets zum Nichtsein hin.


Anmerkung von Isaban:

Mit bestem Dank an Ichbins für die unsichtbare Anregung

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Kommentare zu diesem Text

starfish (49)
(16.10.10)
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 Jorge (16.10.10)
Zunächst habe ich in der Dusche nachgesehen, ob ein Seifenwechsel nötig ist.
Dann merkte ich, dein Text beschreibt die tickende Uhr.
Kaum einer vermutet, dass dieser Zeitmesser rasant arbeitet.
Manch ein Sohn geht vor dem Vater, wie man heute erfuhr.
Aber je intensiver man sich auf den Seitenwechsel einstellt, desto schneller kommt er, denke ich. Also aussitzen und die Gegenwart genießen.

 princess (16.10.10)
*Seitenwechsel*: find ich gut.

Und:
Mir graut schon vor der andren Seite,
dem Punkt, wo ich dem Hier entgleite,
vorm Zeitlossein und all der Weite
des Garnichtsmehr, wo ich dann bin
Nachvollziehbar.
Das Schwierigste an der Vorstellung, aus einer menschlichen Existenz in ein menschliches Nichtsein zu gehen, ist für mich: nicht zu wissen, ob überhaupt und wenn was dort sein wird. Auf der anderen Seite. Ich würde es ja zu gerne kontrollieren können.

Ein Gedicht, das sprachlich und inhaltlich fließt.
Gefällt mir.

Lieber Gruß, Ira
chichi† (80)
(16.10.10)
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janna (61)
(16.10.10)
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 makaba (16.10.10)
das fließt süße. irgendwie ein ohrwurm.... ticktackton gefällt mir sehr gut.

garnichtsmehr. mal schaun ob da wirklich gar nichts ist.
man darf gespannt sein, es kommt ja eh irgendwann. von daher bringt warten ja auch irgendwie nichts.

schönes gedicht.
lg makaba

 poena (16.10.10)
und wieder mal eins von den hammerwerken ... alles eins zu eins unterschreibbar. genau so. nicht anders und die form? vollendet. lieben gruß, s

 AZU20 (16.10.10)
Nur gut, dass jeder gehen muss, auch wenn man irgendwann anfängt, Jüngere zu beneiden. Aber die haben eben auch keinen Garantieschein. Dein Text macht nachdenklich. LG

 Bergmann (16.10.10)
Na, das ist mal wieder gelungene Leichtigkeit! Übrigens: Carpe diem!
Abrakadabra (41)
(16.10.10)
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 Didi.Costaire (16.10.10)
Nicht jeder Seitenwechsel zieht einen Wiederanpfiff nach sich, liebe Sabine! Doch es gilt: Lieber Nichtsein als Nichtssein.
Ein gelungenes Gedicht mit würdigem Rahmen und dem gewissen Ticktackton als gewisses Extra!
Liebe Grüße, Dirk

 Emotionsbündel (17.10.10)
Stimmungen und Situationen und vor allem das Bewusstsein, dass die Zeit ständig und stetig unbekümmert ihren Lauf nimmt, lassen uns mit der Frage nach dem „was einmal/was noch kommen wird“ beschäftigen.
Du hast passende Worte dafür gefunden, zeitlose Worte, die sich m.E. sowohl auf die Zeit nach dem Tod wie auch auf das Hier und Jetzt beziehen können.
Einzig die Bezeichnung „Ticktackton“ kommt mir, im Zusammenhang mit der doch eigentlich so ernsthaften Auseinandersetzung mit dieser Frage, eher aufgesetzt leicht daher, wenn nicht sogar etwas albern.
Aber du weißt ja sicher, dass ich gerne mal von der Norm abweiche, was Denken und Fühlen anbelangt

Lieben Gruß,
Judith
Herr_Beil (49)
(18.10.10)
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 Sanchina (27.04.13)
es ist und bleibt eins meiner Lieblingsgedichte ...
Gruß, Barbara

 Isaban meinte dazu am 27.04.13:
Das freut mich ungemein!
Liebe Grüße

Sabine
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