Login für registrierte Nutzer
Benutzer: Passwort:

Noch nicht bei KV registriert?
Jetzt registrieren!
KV ist kostenlos und werbefrei!

Neu bei uns:
Hannelore (05.12.), pawelekmarkiewicz (28.11.), Graeculus (28.11.), keinleser (25.11.), Sandfrau (18.11.), Loewenpflug (14.11.), Tigerin (12.11.), Seifenblase (12.11.), Marty (05.11.), Slivovic (22.10.), C.A.Baer (19.10.), Swiftie (15.10.)...
Übersicht aller neuen Autoren und Leser
Wen suchst Du?

(mindestens drei Buchstaben)

Zur Zeit online:
KeinVerlag.de ist die Heimat von 666 Autoren* und 78 Lesern*. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

(*Im Gegensatz zu allen anderen Literaturforen zählen wir nur die aktiven Mitglieder, da wir uns als Community verstehen und nicht als Archiv toter Texte. Würden wir alle Nutzer zählen, die sich seit Gründung hier angemeldet haben, und nur die abziehen, die sich selbst wieder abgemeldet haben oder rausgeworfen wurden, kämen wir auf 14.914 Mitglieder und 431.452 Texte. Musste auch mal gesagt werden.)

Genre des Tages, 08.12.2019:
Limerick
Der Limerick ist ein aus Großbritannien stammendes, fünfzeiliges Gedicht mit dem Reimschema aabba. Dabei sind die... weiterlesen
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Marotte von niemand (20.11.19)
Recht lang:  Rotkäppchen und der Wolf für große Kinder von Dieter Wal (359 Worte)
Wenig kommentiert:  Steineier von Dieter Wal (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  herr timmermans sprach zu herrn weber von harzgebirgler (nur 49 Aufrufe)
alle Limericks
Lest doch mal ...einen Zufallstext!
Unser Buchtipp:

Liebesgeflüster
von IngeWrobel
Projekte

keineRezension.de
KV woanders

keinVerlag.de auf Facebook
Eine Meinung: "Ich bin bei keinVerlag.de willkommen, weil ich mich für Literatur interessiere, als Leser wie als Schreiber." (shadowrider1982)

Politische Visionen

Essay zum Thema Abstraktes


von KayGanahl

Wir wagen uns hier an ein Thema - das Thema heißt „Politische Visionen“ - heran, das in der Öffentlichkeit kaum thematisiert wird, da es eben bloß etwas Weltfremdes sei, dem niemand größeres Interesse entgegenbringen müsse. Das ist allerdings falsch.
Politische Visionen sind dazu geeignet, dem Menschen den Alltag offen zu halten. Die politischen Visionen weisen besonders in die ferne Zukunft der politischen und gesellschaftlichen Ordnung. Sie sind mit der politischen und sozialen Utopie verwandt.
Übrigens: Die (Welt-) Fremdheit, die der realen Tatsachenwelt der Gegenwart gegenüber besteht, ist in Wirklichkeit die Nähe dem menschlichen Individuum gegenüber als eines offenen Wesens zusammen mit anderen offenen Wesen - mit einem gewaltigen individuellen und kollektiven Entwicklungspotenzial.


I. Mit politischen Visionen

a.
Keine inhaltlich aus politischen Vorstellungen bestehende Vision ist ohne individuellen und gesellschaftlichen, gerade auch politischen Nutzwert. Das seit hier als These in aller Deutlichkeit an den Anfang gesetzt.
Insbesondere die verschiedenen politischen Visionen über das, was Menschen als sehr wünschenswert bezüglich neuer Ordnungen und Systeme vor Augen steht, scheinen jedoch vielen Zeitgenossen auf den ersten Blick ohne diesen Nutzwert zu sein – ganz und gar überflüssig.

Gerade die inhaltlich anspruchsvollen politischen Visionen, die für viele Mitmenschen nicht leicht nachvollziehbar sind, weil die Verhaftung mit der Tatsachenwelt und der Realität, also dem Bekannten und Vertrauten, zu fehlen scheint, gelten diesen Mitmenschen als viel zu schönfärberisch und auch ausgesprochen weltfremd. Sie seien etwas „bloß“ in die Zukunft Weisendes, wo aus der Gegenwart heraus gesehen in Wirklichkeit nur Ungewissheit sei.
Des falschen oder fehlenden konstruktiv-realistischen Gehalts scheinen sie von den Mitmenschen überführt zu werden, - auch gelegentlich "ins rechte Bild gerückt", wo jedermann sieht, was sie bedeuten dürfen.
Oft werden Visionen sogar offen als unsinnig bezeichnet. Dann wird ihnen jede Existenzberechtigung abgesprochen. Deshalb werden sie einfach ignoriert oder missachtet. Das ist die bequemste negative Verfahrensweise, um sie los zu werden. Natürlich sind dies einseitig negative Wertungen, die nicht zutreffen.

Politische Visionen bedeuten mindestens den hinweisenden Fingerzeig in diese oder jene Richtung des Sich-Entwickelns einer Gesellschaft mit ihrer politischen Ordnung, die der politischen Visionen, aber letztlich auch einer konkreten Utopie bedarf, was jedoch, falls Visionen (oder eventuell eine konkrete Utopie) ins Bewusstsein politisch unbedarfter Einzelner treten, von vielen Mitmenschen negativ bewertet wird.
Dagegen sei politisch mit Entschiedenheit vorgegangen. Man muss als politisch kritisch denkender Mensch aufrichtig versuchen, eine Mobilisierung von politisch-praktischen Gedankengängen zum Entstehen zu bringen.

b.
Innerhalb des kalkulierenden Politischen in den Sphären der Macht und der Herrschaft mit in Parlamenten vertretenen politischen Parteien wird das Visionäre, das das gesellschaftlich u. a. Gegebene der Gegenwart kreativ übersteigt leider überwiegend negativ sanktioniert.
Was sich am Horizont der Zukunft zeigt, um in der Gegenwart gegen das Gegebene öffentlich aufzutreten, wird diffamiert.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der politische Diffamierung und politische Diskreditierung Gang und gäbe sind. Das klingt überzogen hart, ist aber die Wahrheit, so es denn um politische Visionen, Utopien und alternatives Denken geht, die nicht oder nur selten politisch mehrheitsfähig sind.

Das Gros der menschlichen Individuen, die in einer demokratisch geprägten Gesellschaftsordnung leben, diffamiert Visionen oft, was vor der Diskreditierung der visionären Persönlichkeiten nicht haltmacht. Diskreditierung, aber auch und gerade die Ignorierung der visionären Persönlichkeiten gehören durchaus zusammen.
Das scheint der Stabilisierung der Gegenwartsgesellschaft dienlich zu sein. 
In der Wertschätzung derer, die diese Gegenwartsgesellschaft hoch schätzen, gerät die Diskreditierung der visionären Persönlichkeiten zur Selbstverständlichkeit im Sozialverhalten. Es kommt zu einer sozialen Blockade, der die politischen Visionen, die über das Gegebene weit hinausweisen, direkt gegenüberstehen.
Die Strategien zur sozialen Stabilisierung sind das Selbstverständlichste in der Gegenwartsgesellschaft. Sie werden von dieser hervorgebracht. Keiner kann sich ihnen entziehen, denn auf ihnen basieren die systematischen Ausgrenzungen derer, die u.a. visionär sind, die das aber nicht sein dürfen.
Politische Visionen zu haben gilt auch in unserer Gegenwart nicht gerade als ein Verbrechen, doch es ist angeblich politikuntauglich. Und wer möchte sich einer Eigenschaft (der visionären Eigenschaft) bedienen und sich so auch selbst vertrauen, wenn er im Anschluss daran mit Gewissheit der sozialen Ausgrenzung anheimfallen muss?
Natürlich wissen politische Kräfte des Konservativismus geschickt jede Begrifflichkeit zu ihrem politischen Vorteil auszunutzen, insonderheit sind alle erdenklichen „Wahrheiten“ und „Visionen“ in der politischen Programmatik gefragt.

Es ist durchaus allgemein üblich, politische Visionen, die weit vom Gegebenen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik weg führen, auch in der Öffentlichkeit konsequent so zu bewerten, dass sie nichts gelten können.
Der politische Bereich ist übrigens nicht isoliert von den anderen Teilen der Gesellschaft zu sehen, doch hat er ein gewichtiges Eigenleben, seine eigene Dynamik, der die Visionen natürlich keinesfalls gehorchen dürfen.
Leider ist es nahezu allerorten so, es wird geredet: für sie soll kein Platz mehr in der durchrationalisierten gegenwärtigen Gesellschaftsordnung sein. Überhaupt ist es die triumphierende Rationalität, der man Achtung entbieten soll.

Rationalität bedarf also, wie es scheint, kaum mehr einer Erklärung.  Sie ist die pure Selbstverständlichkeit im menschlichen Leben, absolut notwendig im Denken und Handeln des menschlichen Individuums – gilt als die Voraussetzung zur Perfektion des Denkens (eine Variante der Perfektion des Denkens)! Es heißt, dass man sich ihr mit dem, was im Kopf ist, bestmöglich anzupassen habe.
Sie sei der wichtigste Teil des historisch in der Gesellschaft Gegebenen, dasselbe sogar zeugend, woraus durchaus kein Notstand entsteht, der Erklärungen nötig macht, sondern bloß ein Sich-Zufriedengeben mit dem Gegeben-Sein, also konkret den vorhandenen Zuständen und Dingen, die wir über unseren individuellen Wahrnehmungsapparat vorzufinden in der Lage sind.
Die Zeiten, so behauptet man routinemäßig, seien nicht danach, etwas gegen die Rationalität zu tun, schließlich sei es doch klar, dass ohne sie die menschliche Gesellschaft nicht fortexistiert.

Aber wir  bezweifeln, dass dies einen tieferreichenden Sinn haben kann.  Politische Visionen, die der kalten, beherrschenden, aber nicht beherrschbaren Rationalität entgegenstehen, schenken den Menschen eine greifbare Zukunft, denn die Ferne ist im Grunde immer die Nähe. Es ist dies die Nähe des subjektiven Meinens und Wollens, das durch Visionen wesentlich angereichert werden kann.  Das Darüber-Hinaus wird durch Visionen mit ermöglicht.
Allein der Fakt, dass sie das gesellschaftliche und politische Dagegen mit begründen helfen, - einem Dagegen, dem wir begegnen, um uns an ihm zu reiben oder mit ihm zu ziehen, verursacht Ignoranz bei den Gegnern der Gegner der Rationalität.
Es wird nicht erkannt, dass  Visionen einfach sinnvoll sind. Die ach so überzeugten Verteidiger der politischen  und gesellschaftlichen Ordnung der Gegenwart, wie sie sich selbst am besten gefallen, können nicht umhin, allem Schrägen und Unüblichen, als das sie auch und gerade Visionen bezeichnen, die Anerkennung zu verweigern.


II. Visionen in positiver Wirkung

Visionen gehören angeblich nicht ins Programm der wirklichen Weltlichkeit, des „Richtig-Seins“ - täglich und anscheinend für immer favorisiert.
Doch immer wieder könnte eine Vision individuell oder auch kollektiv zum Tragen kommen und die gegebene Ordnung auch in den Grundlagen gefährden. Die zu beachtenden sozialen und gesetzlichen Normen in Gesellschaft und Staat verbieten (indirekt) die Anerkennung der Visionen, weil sie Gewesenes und Gegebenes mit hochgradig gefährden können -  nichts ist politischen Visionen heilig, denn sie sind selber heilig. Sie werden von politisch mitdenkenden und handelnden Individuen, wenn praktisch möglich, gezielt politisch eingesetzt.
So kann die fundamentale Kraft der Visionen zur sozialen und politischen Veränderung der gegenwärtigen Ordnung wesentlich beitragen. Im politischen Bereich gelingt es ihnen noch am ehesten, hohe Geltungskraft zu entfalten.

Die heutige „funktionierende“ Politik im Rahmen des repräsentativen Parlamentarismus befindet sich in einem Leerlauf des allzu selbstverständlichen scheinbar Immerwährenden. Sie muss durch ein entkrampfend  unerbittliches Visionäres bereichert werden.
Das politische Visionieren als individueller Vorgang, der sehr kreativ und innovativ ist und nur vom Einzelnen zur praktischen Entfaltung gebracht werden kann, muss voll zur Geltung kommen – wie nie zuvor. Eine derartige Geltungskraft war zuvor nicht möglich, weil durch die falsche Radikalität des Enthebens des Visionären aus dem politischen Gegenwartshorizont alle Gesellschaft in ihren konkreten Gestaltungen entmündigt worden war.
Im real-konkreten Versuch des Zur-Geltung-Bringens der Visionen  sind Visionen, das Visionäre und das Visionieren des Visionärs in höchster Konkretion gewaltige Herausforderungen an das Denken der Individuen. Sie sind nicht selbstverständlich zu bewältigen. Immer ist daran ist zu arbeiten. Hierin liegt der neue tatsächliche Sinn politischen Handelns, - aber auch des Tätig-Seins im Rahmen von Berufstätigkeit und Freizeitaktivität.
Der Einzelne wird noch am ehesten zum wahrhaftigen Menschen, indem er Visionen ganz gezielt nur zu seinen Gunsten mobilisiert und anwendet. Visionen können zu enorm sinnhaften (politischen) Instrumenten eines individuell bestimmbaren Handelns werden.
Der Visionär und sein Visionieren sind ja ohne das Denken darüber gar nicht in der politischen und sozialen Praxis realisierbar: Insbesondere der soziale (besonders auf die Politik bezogene) Geltungsbereich von einem jeglichen visionären Denken muss geschaffen und schließlich stark erweitert werden. Nichts darf dem entgegenstehen, denn nur eine überzeugte Erweiterung des Einflusses seitens eines visionären Denkens erbringt das, was man gemeinhin auch hin und wieder als gesellschaftlichen Fortschritt bezeichnen möchte.
Jeden Fortschritt gibt es, weil es unter anderem auch die Visionen in ihrer gewaltigen Sinnhaftigkeit gibt.

Die Kritik an diesem Konzept, das ein Teilkonzept des politischen und sozialen Handelns ist, ist unüberhörbar.
Es wird mittels des Visionierens versucht, alles Neue in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und anderswo zu initiieren, indem es als eigenständiger Wert begründet und zur gesellschaftlichen Tatsache wird, die nicht leicht entfernt werden kann. Schon die Aussicht auf Realisierung des Wertes, der zur Tatsache werden wird, reicht aus, um Einzelne von den jeweils praktizierten politischen Visionen zu überzeugen.
Allerdings fällt es vielen Menschen immer noch schwer, neue oder wenigstens versuchsweise neue Gedanken zu akzeptieren. Deshalb sind negative Versuche erhellend, die die Diffamierung der Visionen, des Visionierens und des Visionärs in der Gesellschaft als Kritik tarnen. Aus vielen Mündern tönen kritische Sätze, deren Inhalt wenig Erhabenes verspricht, schon gar nicht zum politischen Handeln anleiten könnte. Diese leidliche Kritik wird zu einem gesellschaftlich und politisch  Hemmenden, dem man mittels des Visionierens  gewiss zur rechten Zeit zu begegnen hat! Allerdings gilt es, nicht zu viel zu riskieren.

Wer als dagegen Stehender der Anti-Visionen-Kritik durchaus mächtig ist, handelt dem Schein nach immer richtig, weil er sein Handeln als normal und damit als gut bezeichnen kann. Er weiß es zu seinen Zwecken gut einzusetzen, verkauft es bestens in der Öffentlichkeit als das Richtige und Beste, kann während seiner politischen und sozialen Tätigkeit als Person glänzen.
Dies fällt ihm leicht. Dieser Kritische ist, wenn er fähig ist, sehr emsig, geistig ungeheuer rege; er wirkt nicht in Maßen.
Die Herrschaft der etablierten Kritik, die sich im Kreis dreht und leider nichts bewirkt, ist fast allumfassend. Es scheint so zu sein, dass ein kämpferisches und totalisierendes Visionieren ausreichend wäre, wodurch dann diese Form der Kritik beherrscht werden könnte. Doch diesbezüglich kann man sich nicht sicher sein.
Jede Gesellschaft braucht den Feind, den sie bekämpfen kann. Aber glücklicherweise wird von Feindes Seite aus nicht so einfach etwas ins Kalkül gebracht, was sich dem Visionieren lange erfolgreich entziehen könnte.
Der gegenüber den politischen Visionen ablehnend eingestellte Mensch findet als ein gesellschaftsfeindlicher Kritiker viele auf analytischem Denken beruhende Gedanken, die  jedoch keineswegs geeignet sind, einen wahrhaft  gegen das Gegebene eingestellten Menschen  hinsichtlich des Inhalts nutzbringend zu befruchten. Es ist zweifelsohne so,  das die innovative Sammlung von politischen Visionen das einzige mögliche Potential gegen die Werteskalen der bestehenden politischen Ordnung sind.


III.  Visionen und Moral

Gegen die Oberflächlichkeit von kritischen Beurteilungen und gegen Anti-Visionäres jeder Art muss man sich entschieden wenden.
Im Verein mit der politischen Moral, welche sich weitgehend über das politisch, sozial und ökonomisch Gegebene erhebt, wird ein jeglicher Visionen-Katalog zu einem wichtigen Instrument des Kampfes gegen das, was sich beständig gegen Veränderungen wehrt. Es gelingt jedoch anscheinend kaum, dagegen anzugehen. Die Massen der Bevölkerung, die sich wie Herren gerieren, lassen ungern von ihrem destruktiven Tun ab. Sie sind negativ-auffällig, aber verflachen mit Sicherheit in Denken und Handeln. Das soll nicht heißen, das elitäres Denken, Handeln und Verhalten an den Tag gelegt werden sollte. Anstatt elitär zu sein, könnte man sich der politischen Moral bedienen. Sie ist von wesentlicher Bedeutung.

Die politische Moral, in welcher die Unbestechlichkeit des Menschen und Zielhaftigkeit desselben im politischen Denken ganz entscheidend sind, bedarf der vorwiegend nützlichen Gedankenkreise und dazugehörigen argumentativen Linien mit substanzhaltigen philosophischen, politischen und sozialen Inhalten, die partiell vor einer gewissen Amoralität nicht zurückschrecken.
Moralisches politisches Handeln muss eventuell auch amoralisch sein, um eine bewusste Veränderung in Staat und Gesellschaft herbeizuführen, so dass konservatives Bewahren, welches bei vielen Politikern der Gegenwart als Wertbegriff vorhanden ist, in seine Grenzen verwiesen werden kann.
Es besteht nämlich die Gefahr, dass das konservative Bewahren zu viele Grenzen der politischen Moral überwindet - konservatives Denken kapselt ein, es fördert weder Initiative noch die Herstellung von nützlichen, weil motivierenden Visionen, vielleicht auch bloß diversen Illusionen über das gesellschaftlich Mögliche, das da kommen kann, welche sich auf das Gegebene beziehen.
Übrigens: Sogar Illusionen können nicht nur entzücken, sondern sie können tatsächlich politisch mobilisieren. Ein Katalog von Visionen kann stets dazu beitragen, einen deutlichen Fortschritt in der Politik hervorzurufen, welcher möglichst viele Individuen zum politischen Reflektieren als auch Handeln anregt.
Man muss sich darüber klar werden, dass politische Moral, die das Beste für die Individuen, die Bevölkerung beabsichtigt, gegen den Konservatismus eine Wehr bilden muss. Dies ist schon sehr abstrakt und einfordernd, jedoch auf der anderen Seite durchaus realistisch. Es wird der Tag kommen, da es so weit ist, die Möglichkeiten des visionären politischen Denkens voll ausschöpfen zu können. Noch ist  in der Tat dieser Tag nicht gekommen.
Es wird sich womöglich jeder konservative Gedankenstrang der politischen Moral sowie des politischen Visionären versichern (und viel mehr), um sie eiskalt als Mittel zu benutzen.

Visionen können ein Beitrag dazu sein, die Klarheit der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse erst zu schaffen, da sie doch so lange Zeit verschüttet gewesen sind.  Und Visionen sind alles andere als eine dunkle Macht, die die Menschen verführt. Sie haben die Macht, Einzelne zu beeinflussen, die sonst in den Tag hinein dämmern würden, weil sie keine Alternativen zum Gegebenen sehen. Visionen sind zutiefst demokratisch, denn sie können die Menschen und Politiker für sich einnehmen. Beeindruckend sind die Chancen, die die Visionen dem, der sie vor sich sieht, präsentieren. Sie sind die Anbieter des Besseren, die Vorstufe zum Erkennen und Verwenden der konkreten Utopie.



Kay Ganahl
Copyright by Kay Ganahl.
All rights reserved.

© 2002-2019 keinVerlag.de   Impressum   Nutzungsbedingungen 
KV ist kein Verlag. Kapiert?
© 2002-2019 keinVerlag.de